Dauerstillen oder auch Clusterfeeding

Dauerstillen oder auch Clusterfeeding - Baby schläft an Brust ein

Vor Kurzem schrieb mich eine Mama an. Wir unterhielten uns über ein Thema, an das ich mich noch sehr gut erinnern kann. Eine Zeit, in der das Baby nur noch gestillt werden wollte.

Was es mit diesem Dauerstillen auf sich hat und wie man diese Zeit „überlebt“, darüber schreibe ich im heutigen Beitrag.


Dauerstillen oder auch Clusterfeeding

Ich weiß es noch ganz genau. Ich war mitten im Wochenbett. Saß im Bett. Mein Hintern schon total wund vom ständigen Sitzen und Stillen. Ich durfte das Bett nicht verlassen (außer für Toilettengänge und dergleichen). Mehr hätte ich auch gar nicht machen können, weil da ständig jemand an meiner Brust hing und trank und trank und trank.

Meine Hebamme kam regelmäßig vorbei, um sich nach uns zu erkundigen. Mit mir zu reden. Über meine Freude, aber auch über meine Fragen, Sorgen und Probleme. Und plötzlich, mitten im Reden, breche ich in Tränen aus und sage ihr, wie schwer dieses dauerhafte Stillen ist. Immer dieses nervöse An- und wieder Abgehen. Ich hatte das Gefühl, dass mein Baby gar nicht satt wird. Weil er STÄNDIG und IMMERZU an meiner Brust war. Sobald er sich löste, wollte er gleich wieder gestillt werden. Es war zum Verrückt werden!

Und meine Hebamme verstand mich so gut und tröstete mich liebevoll. Doch ihre Antwort lautete:“Das nennt man Clusterfeeding. Das ist ganz normal.“

Was bedeutet Clusterfeeding?

Ehrlich gesagt, war es mir zu peinlich, zu fragen, was Clusterfeeding bedeutet. Ich nickte also mit nassen Augen und suchte dann später, als meine Hebamme weg war, nach dem Begriff.

Im Internet wurde unser aktueller Zustand genau beschrieben. Das Baby stillt stundenlang. Wenn es dann endlich gesättigt ist, geht es schon nach kurzer Zeit wieder von vorne los. 15 Minuten Pause. 2 Stunden stillen. So in etwa lief das bei uns auch ab. Wow. Auch wenn es mir nicht direkt half, war es so schön zu erfahren, dass ich nicht die einzige mit diesem „Problem“ war.

Unsicherheiten

Weil mein Baby echt ständig und dauernd und überhaupt und immerzu gestillt werden wollte, kamen dann auch recht schnell die Zweifel in mir hoch. Reicht meine Milch aus? Wird der Kleine eventuell gar nicht satt davon?

Dauerstillen oder auch Clusterfeeding - Mutter stillt Kind

In meiner Familie wurde entweder gar nicht oder nur nach Zeitplan gestillt. Entweder weil man es nicht wollte oder weil man einfach kein Vertrauen darin hatte, dass ein Baby nur von Milch satt werden könne. Alle 3 Stunden wurde gestillt, weil man sich so den Tag besser einteilen konnte. Klar, dass in diesen Fällen die Milch irgendwann wirklich nicht mehr reichte. Denn wir kommen nun zu dem Grund des Clusterfeedings.

Wozu Clusterfeeding gut ist

Als ich mich etwas weiter belas, erfuhr ich, dass das Clusterfeeding (oder auch „gehäufte Stillmahlzeiten“) sehr nützlich ist. Unsere Muttermilch ist leicht und schnell verdaulich. Und da ein Baby immens wächst, braucht es entsprechend Energie. Da die Milch aber sehr rasch seinen kleinen Magen und Darm passiert, muss halt schon nach kurzer Zeit wieder Nachschub geliefert werden.



Ein Nebeneffekt: Dadurch, dass das Baby vermehrt angelegt wird, wird auch die Milchproduktion angeregt.

Wenn man sein Baby also wie z.B. in meiner Familie nach Zeitplan stillt, kann sich die Brust nicht auf den tatsächlichen Bedarf des Babys einstellen. Wenn nicht oft angelegt wird, sondern nur sagen wir mal alle 3 h, dann ist klar, dass die Milch irgendwann wirklich nicht mehr ausreicht. Das ist aber kein natürliches, sondern ein künstlich herbeigeführtes Problem.

Das gleiche passiert, wenn man seinem Baby statt der Brust einen Schnuller gibt. Erst einmal bekommt das Baby nicht die Milch (neben Nähe, Wärme, Geborgenheit usw., die das Stillen noch mit sich bringt), die es eigentlich benötigt. Zum anderen „merkt“ die Brust, dass weniger gestillt wird. Die Nachfrage regelt das Angebot. Weniger Nachfrage gleich weniger Milchproduktion. Es wird weniger Milch produziert und die Milch kann sich nicht optimal auf das Baby einstellen.

Ein Grund mehr, weshalb wir unser Kind ohne Schnuller aufwachsen lassen.

Umgang mit Clusterfeeding

Als ich – gestärkt mit neuem Wissen – wusste, dass Clusterfeeding an sich eine gute Sache ist, ging es nun darum, entsprechend damit umzugehen. Denn es war natürlich immer noch anstrengend für mich. Da bin ich ganz ehrlich. Also was tun, um nicht komplett in Zeiten des Clusterfeedings durchzudrehen?

Weg mit den Uhren

Erst einmal beschloss ich, diese vermaledeiten Uhren wegzulegen. Batterien raus, damit sie ja nicht weiter ticken konnten. Und ab in die Schublade damit.

Was bringt es mir zu wissen, dass mein Baby gerade 2 Stunden gestillt wurde? Oder dass es mittlerweile schon 1 Uhr morgens ist? Es brachte mir nichts als Stress. Deshalb verbannte ich die Zeit. Und von da an war es wenigstens ein wenig besser um mich gestellt. Ich nahm es fortan einfach hin und ließ es geschehen. Und mein Baby schnurpste indes genüsslich weiter und schlief dabei wie eh und je ein.

Dauerstillen oder auch Clusterfeeding - Baby schläft an Brust ein

Kraft tanken

Das Beste, was man machen kann: Man passt sich dem Rhythmus des Babys an. Wenn der kleine Mann schlief, versuchte ich auch eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Versuchte. Dadurch, dass ich noch nicht so geübt im Anlegen war, brannte stets Licht bei uns. Bei Licht zu schlafen, ist echt nervig. Ständig wachte ich auf.

Dazu noch die tausend Gedanken, die da noch nebenbei im Kopf schwirrten. Unser Schlafzimmer war mitten im Umbau und sah aus wie Sau (neben dem Rest der Wohnung). Nur leider konnte ich nicht aufstehen und mal schnell den Bohrer schwingen. Ich musste darauf warten, dass mein Mann das irgendwann erledigte. Nur der hatte ja auch nicht immer Zeit.

Aber irgendwann klappte es. Ich bekam einen bequemen Schaukelstuhl mit fetten Polstern geschenkt, der es mir sogar ermöglichte, im Sitzen zu dösen. Dann installierte uns mein Mann einen Lautsprecher im Schlafzimmer, aus dem White Noise zu hören war. Damit schlief ich plötzlich super gut! Kann ich nur empfehlen! Im unteren Video könnt ihr ja mal reinhören…

Zeit vertreiben

Und wenn man so stundenlang stillen muss, muss man sich auch irgendwie die Zeit vertreiben. Wenn ich also nicht geschlafen habe, habe ich z.B. Musik gehört, Bücher gelesen (Smartphone hatte ich da noch nicht), gegessen (was ich in diesem Moment, in dem ich diesen Beitrag schreibe, ebenfalls mache) oder mein Baby beobachtet. Da vergeht eine Menge Zeit.

Und – ich weiß nicht, ob ich jetzt gleich gesteinigt werde, ja, ich habe auch ferngesehen. Manche sagen, das Baby bekommt alles, was um es herum geschieht, mit, auch im Schlaf. Als es wach war, war auch der Fernseher aus. Und als sich der kleine Mann für seine Umgebung interessierte, war der Fernseher fortan aus und staubt nun vor sich hin. Ich hätte das Teil gern abgebaut, aber mein Mann möchte gern ab und zu etwas schauen. Ansonsten ist der Fernseher nie in Betrieb. Da habe ich mich doch noch zum Guten gewandt.

Was auch immer es ist, das euch die Zeit angenehmer macht, macht es.

Unterstützung

Mein Mann half mir, wo er nur konnte. Er brachte Essen und Trinken. Leistete mir ab und an Gesellschaft. Denn auch er musste arbeiten. Und war er zu Hause, arbeitete er weiter am Computer.

Ich lud Familie und Freunde so oft es nur ging zu mir nach Hause ein. Das ist nicht immer leicht, denn alle um mich herum waren arbeiten. Ich hatte dann Glück, dass einige meiner Freunde studierten und deshalb ab und zu mal auch tagsüber Zeit hatten.

Dauerstillen oder auch Clusterfeeding - Gruppe im Sonnenuntergang

Es ging nicht darum, dass sie für mich den Haushalt schmeißen oder so etwas in der Art. Es ging einfach um nette Gesellschaft. Ein liebes Gesicht. Aufmunternde Worte. Und vielleicht sogar ein anderes Thema als Baby, Stillen und Windelinhalte. Das klappte allerdings nicht so gut…

Gib dich nicht ganz auf

Mein Baby schlief – zumindest erinnere ich mich so – fast die ganze Zeit. Und trank. Sobald ich mich bewegte, wachte es auf. Weinte. Wollte weiter trinken. Wieder schlafen.

Heute weiß ich, hätte ich mir mein Baby einfach schnappen können. Im Tragegurt hätte es dann ggf. weiter trinken und auch einschlafen können. Oder zuschauen können, was ich denn da so treibe. Damals war ich übervorsichtig und hatte Angst. War auch noch so unsicher im Umgang mit dem Baby. Die Sicherheit kam dann erst nach und nach, als ich keine Lust mehr auf Rumsitzen hatte und spazieren ging, obwohl es mir meine Hebamme nicht empfohlen hatte. Und von da an da ging es langsam bergauf.

Dauerstillen oder auch Clusterfeeding - Mutter trägt Kind auf Arbeit

Die Überschrift klingt zwar etwas hart, aber ich will damit nur sagen: Mein Baby wäre bestimmt nicht gleich verhungert, wenn ich es kurz abgedockt hätte, um aufstehen und mich bewegen zu können. Es hätte vielleicht gemeckert und dann im Tragen weiter getrunken. Und wir wären beide glücklich gewesen, denn jeder hätte in dem Moment gehabt, was er braucht. Deshalb: Passe dich dem Rhythmus deines Babys an, ja. Aber gib dich dabei nicht ganz auf.

Unsicherheiten beseitigen

Gerade weil es mein 1. Baby war, ich noch völlig unerfahren und sowieso von allen Seiten verunsichert (jeder sagt was anderes), brauchte irgendwie Gewissheit. Darüber, dass mein Baby satt ist. Ich hatte zwar das theoretische Wissen, dass dieses Dauerstillen „normal“ und sinnvoll ist. Aber trotzdem brauchte ich Sicherheit, dass wirklich alles gut war.

Was oben rein geht…

Meine Mutter stillte meine Schwester und mich damals nach Zeitplan. Bei meiner Schwester reichte – wie oben beschrieben – die Milch irgendwann wirklich nicht mehr. Als ich dann kam, fuhr sie mit dem Stillen nach Zeitplan fort. Und war so unsicher, ob ich jetzt genügend zu mir genommen hatte, dass sie mich jedes Mal vor und nach dem Stillen wog. Und, ganz ehrlich, als ich das hörte, hatte ich keine Lust auf diesen Stress. Bei aller Unsicherheit. Aber wenn mein Baby gerade eingeschlafen ist, dann gehe ich nicht das Risiko ein, es aufzuwecken, weil ich es jetzt wiegen muss.

Meine Hebamme riet mir, immer darauf zu achten, dass mein Baby regelmäßig pullern und kackern musste. Fertig. Was oben rein geht, muss schließlich unten wieder rauskommen (zumindest zum Teil). Und schon wusste ich, dass mein Baby genug zu sich genommen hatte.

Dauerstillen oder auch Clusterfeeding - Windeln

Langsam, aber sicher

Ein weiterer Punkt, der mir Stück für Stück Sicherheit gab: Das Baby nimmt langsam, doch stetig zu.

Anfangs habe ich mein Baby jeden Tag gewogen, um dann am nächsten Tag zu wissen, ob es zu- oder doch abgenommen hatte. Ganz ehrlich: Das war keine gute Idee. Nur Stress. Was war ich in Panik, wenn der Kleine am nächsten Tag ein paar Gramm weniger wog. Mein Mann holte mich dann auf den Boden und schlug vor, jede Woche zu wiegen. So habe ich es dann auf 1 Mal die Woche beschränkt und später komplett weggelassen.

Wir passen nicht alle in den Rahmen

Ich habe mich nie an diesen Perzentilen orientiert, sind es letztendlich doch alles nur Durchschnittsangaben. Und beziehen nicht ein, wenn die Eltern beispielsweise wie wir recht klein sind. Dann wird man bei der U1 gleich gefragt, ob man während der Schwangerschaft geraucht hat, weil der Kleine so klein war.

Sobald ein Kind nicht zur Norm gehört, muss gleich etwas nicht stimmen. Das kann u.U. tatsächlich möglich sein, doch i.d.R. ist doch bei den meisten alles völlig in Ordnung. Wenn sich einer den Stress machen will, gerne. Ich entschied, nicht weiter zu prüfen, ob er zunahm oder abnahm oder sich „im Rahmen“ befand.

Dauerstillen oder auch Clusterfeeding - Pfau außerhalb des Rahmens

Damit will ich sagen: Vermeide Stress, wo es nur geht.

Die richtige Anlegetechnik

Auf Stillkinder.de las ich, dass das stundenlange Stillen mitunter ein Anzeichen dafür sein kann, dass das Baby die Milch nicht so gut heraus bekommt und sich dies auch in seiner Gewichtsentwicklung zeigt. Wer weiß, vielleicht war das der Grund für dieses tagtägliche Dauerstillen und die darauf folgenden Stillprobleme bei uns. Bei denen sich am Ende herausstellte, dass mein Baby die ganze Zeit falsch trank. Allerdings nahm er stetig zu, weshalb ich dachte, das müsste so sein.

Um jegliche Zweifel auszuräumen, kann es zumindest nicht schaden, eine Stillberaterin zu Rate zu ziehen. Wenn ihr eine Stillberaterin in eurer Nähe sucht, könnt ihr euch an den Berufsverband Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V. , die La Leche Liga oder Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Bundesverband e.V. wenden.

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