Schnuller

Es geht auch ohne Schnuller


Als unser Sohn noch nicht geboren war, machte ich mir über das Thema „Schnuller – ja oder nein?“ gar keine Gedanken. Für mich war ein Schnuller selbstverständlich.

Erst als mein Freund mich dann irgendwann mal fragte:“Brauchen wir denn überhaupt einen Schnuller?“, fing ich an nachzudenken. „Ja, wozu eigentlich?“. Also ließen wir den Schnuller für’s Erste weg.

Mittlerweile ist unser Sohn knapp 16 Monate alt und hat bis heute keinen Schnuller gebraucht – und wir werden damit auch nicht mehr anfangen.

Wie das Aufziehen ohne Schnuller funktoniert und ob das jedermanns Sache ist, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Es geht auch ohne Schnuller

Warum finden so viele Leute den Schnuller praktisch? Warum sieht man auch noch ältere Kinder damit herumlaufen? Wozu ist ein Schnuller überhaupt gut? Wen oder was soll er ersetzen?

Seien wir mal ehrlich: Ein Schnuller ist – wie so viele Erfindungen in diesem Bereich – eigentlich unnötig, doch bequem ist er allemal und dient in manchen Situationen auch als Alternative, z.B. wenn man nicht stillen kann.

Sein Kind ohne Schnuller aufzuziehen, kam mir manchmal nicht so praktisch vor und ich gebe ganz offen und ehrlich zu, dass ich mir das ein oder andere Mal einen Schnuller für meinen Sohn herbeigewünscht habe. Man muss ehrlich bleiben, finde ich, und die Sache nicht beschönigen. Doch ich bin der festen Überzeugung, dass es – vor allem auf lange Sicht gesehen – vorteilhafter ist, seinem Kind erst gar keinen Schnuller zu geben. Doch lest weiter.

Der Saugreflex

Der Saugreflex ist angeboren, d.h. man muss ihn nicht erst erlernen. Er ist sogar überlebenswichtig. Sobald die Brustwarze in die Nähe des Kindermunds kommt, öffnet es diesen und beginnt – wie der Name schon sagt – reflexartig mit dem Saugen. Dadurch kann es Muttermilch aufnehmen und verhungert nicht.

Doch die Brust ist mehr als nur eine Milchbar. Das Saugen an der Brust beruhigt ungemein, wie ich bei meinem Baby immer wieder feststellen durfte. Ist ja auch vollkommen nachvollziehbar: Das Baby in den Armen der Mutter, in ihre Augen sehend und ihr Lächeln erblickend, ihre Wärme spürend, ihren Körpergeruch wahrnehmend, ihren Herzschlag fühlend, dazu die eigens für es hergestellte Muttermilch trinkend, die einfach vorzüglich schmeckt. Da kann man ja nur entspannen.

Baby beim Stillen

Das Saugbedürfnis eines Babys oder Kindes zu befriedigen, ist also enorm wichtig. Da sind wir uns einig. Wenn man jetzt also den Schnuller weglassen möchte, doch sein Kind nicht saugen lässt, wenn es das Bedürfnis danach verspürt – sprich: Stillen nach Bedarf – dann wird es einen Weg finden, dieses Bedürfnis anderweitig zu befriedigen, z.B. durch das Daumenlutschen.

Hat unser Sohn am Daumen gelutscht?

Es kommt mir vor wie gestern, als wir bei den Großeltern zu Besuch waren und mein Baby mit der Zeit anfing, seine Finger zu entdecken. Was war die Angst da groß um uns herum, dass er zu einem Daumenlutscher mutieren könnte! Völlig absurd! Und doch ließ ich mich als unerfahrene, junge Mutti schnell beunruhigen. Doch meine Schwester spendete mir Trost und ermutigte mich, so weiterzumachen wie bisher: Stillen, wenn der Kleine danach verlangt und dann wird es ihm auch nicht danach gelüsten, zu einem sogenannten Daumenlutscher zu werden.

Und wenn er sich dann mal doch den Daumen oder gleich mehrere Finger in den Mund schob, bekam ich – im Gegensatz zu den Leuten in unserer Umgebung – keine Angst. Warum? Weil Kinder erst einmal alles mit ihrem Mund erkunden. Durch den Saugreflex kann das Baby als Erstes über Gaumen und Zunge anfangen, Dinge zu fühlen, zu ertasten. Man nennt dies auch die „orale Phase“, in der sich Kinder wirklich ALLES, was sie in die Finger bekommen, in den Mund stecken, um es kennenzulernen.

Monchichi - Daumen im Mund

„Kein Grund zur Panik.“, sagte ich mir dann immer wieder, wenn mein Baby seinen Daumen in den Mund nahm. Doch sobald er anfing, sich seine komplette Faust in den Mund zu schieben und daran zu lutschen und zu saugen, hieß das für mich:“Ich habe Kohldampf! Und zwar gewaltigen!“, also stillte ich ihn spätestens dann. Und damit fuhren wir ganz gut.

Stillen nach Zeitplan

Was habe ich nicht alles für Tipps und gut gemeinte Ratschläge von allen Seiten bekommen. Darunter war natürlich auch dieser: Stille dein Kind alle 3 Stunden, damit es sich an einen Rhythmus gewöhnt. Ist doch auch praktisch, denn so kannst du deine Zeit gut einplanen, wenn du mal weg musst oder ähnliches.

Bedenkt man, dass es vor allem am Anfang enorm wichtig für die Milchbildung ist, nach Bedarf zu stillen, d.h. auf die Signale des Babys zu achten und beim Anzeichen, dass es Hunger hat, zu stillen, ist Stillen nach Zeitplan das wohl Unsinnigste, das man machen kann.

Versetzt euch in die Lage eures Babys und geht mit mir folgendes Gedankenspiel durch: Das Baby hatte vor einiger Zeit getrunken und so langsam meldet sich der Hunger. Ein Baby brüllt nicht gleich die ganze Stadt zusammen, wenn es Hunger hat. Schreien ist ja auch extrem kräftezehrend (Habt ihr schonmal aus voller Kehle geweint oder geschrien? Dann kennt ihr das Gefühl.). Also macht das Baby langsam und allmählich auf sein Bedürfnis aufmerksam. Wer Acht darauf gibt, kann erkennen, dass es zunächst mit seiner Zunge über seine Lippen fährt, dass es schmatzt, dass es mit heranschreitender Zeit an seinen Fingern oder irgendetwas anderem saugt. Erst wenn all diese Anzeichen missachtet und nicht gehört wurden, muss es seinem Verlangen Nachdruck verleihen und beginnt zu quengeln und später zu weinen und zu brüllen, bis jemand kommt und ihm gibt, was es braucht.

Uhrzeiger

Wenn also jemand sein Kind nach Zeitplan stillt, der muss sich einiges einfallen lassen, um sein Kind abzulenken und bei Laune zu halten. Meine Mutter hat mich auch nur alle 3 Stunden gestillt, wie sie mir einst erzählte. Wenn ich mich also bei Hunger meldete, gab es erst einmal den Schnuller. Daran konnte ich zwar saugen, aber wo blieb die Milch, die mich sättigen sollte? Die nächste Stufe waren dann diverses Spielzeug, Herumtragen, Singen, Faxen machen, Ablenken, wo es nur geht. Wenn ich dann, obwohl die 3 Stunden noch nicht rum waren, das Haus zusammengeschrien habe, wurde ich dann doch mal früher gestillt.

Ich mache ihr keinen Vorwurf. Andere Zeiten, andere Sitten – was auch immer. Aber wozu der ganze Stress und all der Aufwand, wenn es so einfach wäre? Wenn ich Hunger habe, dann esse ich etwas und bin zufrieden. Selbst ich als Erwachsene esse nicht alle 3 Stunden. Ich esse, wenn ich Hunger habe. Nahrung sättigt ja auch unterschiedlich lange, also wozu einen Zeitplan erstellen, der mir vorschreibt, wann ich essen und trinken darf? Völliger Unsinn in meinen Augen. Warum sollte man das also bei seinem Kind handhaben? Kind hat Hunger? Dann stille ich es und alle sind glücklich und zufrieden. Juhuu!


Schlafen

Das wahrscheinlich brennendste Thema überhaupt, behaupte ich jetzt einfach mal: Das Zubettgehen. Wie soll das funktionieren, wenn das Kind ohne Schnuller aufwachsen soll und so gut wie jedes einen zum Einschlafen braucht?

Die Antwort ist ganz einfach und die Umsetzung auch, wenn man offen dafür ist: Stillen und Familienbett. In diesem Moment habe ich bestimmt schon einige Leser vergrault. „Och nee, nicht schon wieder eine, die alles mit Stillen löst und ihr Kind bei sich schlafen lässt bis es 18 ist.“ Zumindest stelle ich mir die Denkweise einiger Leute so vor. Wenn ihr jedoch weiterhin erfahren wollt, wie das Schlafen ohne Schnuller funktionieren soll, dann freue ich mich, dass ich mich gerade geirrt habe. Also weiter im Text.

Ein Schnuller soll die Brust ersetzen. Wenn man also sein Kind ohne Schnuller aufwachsen lassen will, dann gibt man ihm einfach das Original: die Brust.

Wenn es aber nachts wird, zehrt es schon ganz schön, wenn man alle paar Stunden vom Schlafzimmer ins Kinderzimmer gehen, das Baby stillen, einschlafen lassen, ablegen und wieder zurück ins Schlafzimmer schleichen muss. Wir haben es anfangs so ähnlich gehandhabt. Wir hatten ein Schlafkörbchen auf Rädern. Wenn der Kleine eingeschlafen war, legte ich ihn behutsam ins Körbchen und sein Papa passte auf ihn auf, damit ich schnell eine Mütze voll Schlaf nehmen konnte. Aber nach kurzer Zeit war der Kleine wieder wach und ich war einfach nur knülle und total abgenervt. Und irgendwann kamen die Zeiten, in denen er sofort bemerkte, wenn er abgelegt wurde. Und dann war er wieder wach. Und ich mit meiner Kraft am Ende.

„So kann das nicht weitergehen. Es muss eine bessere Lösung geben.“, dachte ich mir. Also legte ich mich mit meinem Sohn auf unsere Couch (wir hatten damals nur ein Wasserbett und in so etwas darf ein Baby aus Sicherheitsgründen nicht schlafen – Erstickungsgefahr!) und wir schliefen gemeinsam ein und ich entdeckte einen wunderbaren Nebeneffekt: Bevor mein Kind richtig wach wurde und sich laut melden musste, wurde ich schon etwas früher langsam wach, konnte ihn weiter stillen, er wachte nicht auf und musste nicht erst weinen, damit ich kam, und ich schlief kurze Zeit später auch wieder ein. Es war himmlisch!

Baby schläft bei Papa

Inzwischen haben wir ein gemeinsames, großes Familienbett neben unserem Wasserbett. Es war einfach zu teuer, als dass wir es hätten weggeben können. Und auf Dauer wollte ich nun auch nicht mit dem Kleinen auf der Couch schlafen… Der Papa schnorchelt im Wasserbett, während der Kleine und ich neben ihm im normalen Federbett schlummern. Wenn ich meinen Freund frage, ob er merkt, wenn sich unser Sohn nachts noch meldet, um gestillt zu werden, antwortet er nur, dass er wie ein Stein geschlafen habe.

Und doch sind da wieder diese Leute, die sagen, dass ich meinen Sohn nie aus dem Familienbett bekommen werde. Dass er sich nie daran gewöhnen wird, allein zu schlafen. Und ich frage mich dann:“Schlaft ihr gern allein?“. Warum dürfen die Eltern gemeinsam im Bett schlafen, aber das Kind muss allein schlafen? Ich habe ein wenig recherchiert und fand heraus, dass es im Zuge der Industrialisierung ein Zeichen von Wohlstand war, mehrere Zimmer zur Verfügung zu haben. Statt also wie gewohnt im großen oder kleinen Familienbett gemütlich beisammen zu schlafen, sollte nun jedes Kind bestenfalls sein eigenes Zimmer haben.

Und ich erinnere mich noch genau an meine Kindheit, wenn es ums Schlafen ging, wenn die Eltern mal aus und wir allein daheim waren. Es war gruselig allein in meinem dunklen Zimmer. Ich traute mich kaum, das Licht auszumachen und versuchte, so lange wie möglich etwas zu lesen. Aber wenn es dann dunkel war und ich Angst bekam, fasste ich allen Mut zusammen, kroch aus meinem Bett, lief durch die übrigen dunklen, gruseligen Räume unserer Wohnung bis zum Zimmer meiner Schwester, das am anderen Ende unserer Wohnung lag und klopfte und bat um Eintritt. Mal stellte sie sich schlafend und ich musste wieder zurück in mein Kinderzimmer, mal gewährte sie mir Eintritt, damit ich mich auf ihre Couch legen, wir miteinander quatschen und lesen konnten und ich dann irgendwann auf ihrer Couch einschlummerte. Nur damit ich dann, wenn unsere Eltern wiederkamen und mein Bett leer vorfanden, mich im Zimmer meiner Schwester entdeckten, aufweckten und mich zurück in mein Bett kriechen ließen. Wie ihr seht, hat mich dieses Ereignis bis heute geprägt. Gemeinsames Einschlafen – auch für Kinder – ist also gar nicht so schlecht.

Und die Zeit wird irgendwann kommen – davon bin ich überzeugt – und mein Kind wird in seinem eigenen Zimmer in seinem eigenen Bett schlafen wollen. Doch solange das noch nicht der Fall ist und jeder von uns gut schlafen kann und zufrieden ist, werden wir nichts am Familienbett ändern.

Andere Einschlafmöglichkeiten

Anfangs schlief unser Baby überall und bei jedermann gut ein, Hauptsache in den Armen oder auf der Brust. Doch irgendwann änderte es sich. Ich glaube, es fing an, als ich für einige Wochen mit dem Kleinen allein war, weil sein Papa aus geschäftlichen Gründen nach Saarbrücken reisen musste.

In der Zeit war ich froh, wenn ich mich mal duschen und Zähne putzen konnte. Wenn ich dann erschöpft vom Tag war, wollte ich nicht noch die Nacht zum Tag machen, weshalb ich mich mit meinem Baby abends, wenn wir schlafen gingen, gleich mit ihm auf die Couch legte und wir dort gemeinsam schliefen und ich ihn jederzeit stillen konnte, wenn es ihm danach gelüstete.

Ich vermute, dass er sich nach dieser Zeit daran gewöhnt hatte, an der Brust einzuschlafen, weil ich ja immerzu da war und ihn stillen konnte. Aber ich kann es nur vermuten.

Da ich mir trotzdem Sorgen machte, dass mein Sohn nie ohne Brust einschlafen könnte, trug ich ihn oft im Tragegurt mit mir herum, während ich meinen Kram erledigte, und er schlief dann und wann einfach so ein, ohne dass ich ihn stillen musste. In dem Moment hatte er alles, was er brauchte: er war satt, trocken, nichts juckte, nichts brannte, nichts piekste, nichts nervte, er spürte meine Nähe und wurde von mir in den Schlaf geschunkelt. Solange er noch anders einschlafen konnte als an der Brust, machte ich mir keine Sorgen.

Kind im Tragetuch

Ein Kinderwagen-Fan war unser Sohn noch nie. Deshalb packten wir vorsichtshalber immer unseren Tragegurt mit ein, damit er im Notfall da rein konnte, wenn er auf dem Arm auf Dauer zu schwer für uns wurde.

Mittlerweile habe ich aber auch schon einige Überraschungen erlebt, wenn ich ihn mit meiner Schwester spazieren fuhr. Auf einmal wurde sein Kopf ganz schwer und er schlief ein. Ist das denn die Möglichkeit? Niemals zuvor schlief mein Sohn im Kinderwagen ein! Und jetzt das! Ein Wunder! Aber dieses Wunder tritt wirklich nur sehr selten ein. Dafür hat er aber auch keinen Schnuller oder sonst etwas als Einschlafhilfe. Es ist dann wie beim Tragegurt: er ist satt, hat viel erlebt und ist groggy, dann wird er hin- und hergefahren, es ruckelt und wackelt ein wenig, und während er uns beim Plaudern zuhört, schläft er ein. Schöner kann Einschlafen doch kaum sein oder?

Wenn unter den Leserinnen jetzt Muttis sind, die ihr Kind nur mithilfe der Brust einschlafen lassen können, denen will ich hiermit natürlich keine Angst einjagen. Hört auf euer Kind. Wenn es die Brust braucht, dann ist das nunmal so und es wird sich im Laufe der Zeit auch ändern. Von Erwachsenen, die zum Einschlafen immer noch die Brust ihrer Mutter brauchen, habe ich zumindest noch nichts gehört. Also macht euch keine Sorgen. Alles wird gut!

Heißt das, ich muss schon schlafen, wenn mein Kind schlafen soll?

Sagen wir mal:“Jein.“, denn anfangs war es so, dass ich rund um die Uhr bei meinem Baby war, weil es permanent gestillt werden wollte – und das stundenlang. Ich habe mich manchmal ausgeschlossen gefühlt, weil ich im Nebenzimmer stillte, während die anderen gemeinsam plauderten und etwas aßen. Dann brachte mir mein Freund netterweise immer etwas mit, damit ich nicht verhungern musste, oder leistete mir Gesellschaft.

Aber das gibt sich mit der Zeit. Mittlerweile läuft es bei uns abends so ab, dass ich mich mit dem Kleinen ins Bett lege und er einschläft und ich dann noch einmal das Zimmer verlassen und meinen Kram erledigen kann, den ich über den Tag nicht geschafft habe. Es läuft mal so, mal so: Manchmal schläft er 4 Stunden, und ich wundere mich schon über die vergangene Zeit, und manchmal macht er irgendetwas durch und braucht mich fast die ganze Nacht über.

Wegen der 4 Stunden ploppt jetzt bestimmt gerade eine Frage in eurem Kopf auf: Schläft er etwa noch nicht durch?

Wie oft ich diese Frage schon gehört habe und innerlich immer mit dem Kopf geschüttelt habe, weil ich diese Frage einfach nicht nachvollziehen konnte. Dazu fällt mir gerade eine Geschichte ein: Wir waren mal wieder zu Besuch bei den Großeltern und die Nachbarn waren auch da. Man richtete also mal wieder diese Frage an mich (ja, ich wurde in regelmäßigen Abständen danach gefragt, auch von denselben Personen) und bevor ich antworten konnte, erwiderte ein älterer Herr:“Wie „Durchschlafen“? Nicht mal ich schlafe nachts durch!“. Ich fand diesen Beistand wirklich wahnsinnig liebenswürdig und ich war froh, auch mal jemanden von der älteren Generation meine Meinung aussprechen zu hören.

Es ist kein Durchschlafen mehr, aber es ist auch kein permanentes Aufwachen. Wie ich oben schon beschrieben hatte, werden ich und mein Kind nachts gar nicht richtig wach. Es ist, als würde man kurz die Augen öffnen, um zu überprüfen, ob alles noch so ist wie beim Einschlafen, und dann wieder genüsslich wegdämmern. Zumindest bin ich – würde ich nicht immer erst um 2 Uhr morgens schlafen gehen – ausgeruht, fühle mich erholt und bin bereit für den kommenden Tag.

Verständnis für’s Kind wächst

Ich reagiere immer etwas empfindlich, wenn ich erlebe, wie ein Baby weint und das erste, was gemacht wird, ist, dem Baby den Schnuller in den Mund zu schieben. Und dann am Besten noch mit Nachdruck, als wüsste das kleine Würmchen nicht, was es braucht. Was macht man also in diesem Moment bei seinem Baby, das keinen Schnuller hat?

Ich bin immer meine Liste im Kopf durchgegangen:

1. Hunger?

Weiter oben im Text habe ich ja bereits geschrieben, wie man schon früh erkennt, ob das Baby Hunger hat. Wenn es also hungrig ist, kann das Problem schnell gelöst werden: einfach stillen.

2. Nähe? Langeweile?

Ist dem Kind vielleicht gerade einfach nur langweilig? Braucht es Gesellschaft und will miterleben, was ihr gerade so treibt? Will es eure Nähe? Vielleicht liegt ja auch gerade ein Pups quer oder es muss aufstoßen. Einfach mal hochnehmen, kuscheln, miteinander reden, herumtragen. Oft war damit schon alles Nötige getan.

3. Müde?

Wenn mein Kind schon nicht mehr in meinen Armen sein wollte und sich herauswand, wenn er schnell gereizt reagierte, wenn ihm etwas nicht gelang oder ähnliches, wenn er ständig anfing zu weinen, z.B. wenn seine Flasche umfiel, dann wusste ich Bescheid: Jetzt braucht er seine Ruhe, muss Kraft tanken und sich sammeln. Also habe ich mich dann für ein bis zwei Stündchen mit ihm hingelegt und danach war er wieder ganz der Alte.

4. Windel?

Wird’s ungemütlich untenrum? Schauen wir mal lieber schnell nach, damit so etwas wie Windeldermatitis gar nicht erst auftaucht. Und außerdem lässt es sich doch – so schön nackig – auf dem Wickeltisch wunderbar herumalbern. Hier wird gesungen, geredet, gewitzelt, gelacht und gekitzelt, die Körperteile werden benannt, vielleicht gibt es auch eine sanfte Massage mit gutem Öl.

Damit sind auch gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Das Baby fühlt sich wieder wohl in seiner Haut, nachdem es nun wieder ganz sauber ist, und ihr hattet Zeit, euch näherzukommen und kennenzulernen.

Mutter und Kind

Ihr seht: Wenn man keinen Schnuller hat, der das Kind ganz fix ruhig stellt, egal, was es hat, dann muss man sich Gedanken machen und auf die Signale des Kindes hören, um sein Problem zu lösen. Dadurch werdet ihr lernen, euer Kind schneller und besser zu verstehen und eure Beziehung wird sich ebenfalls entwickeln. Statt dem Baby einfach den Mund zu stopfen, damit es aufhört zu quengeln, geht ihr stattdessen auf seine Bedürfnisse ein und versucht es zu verstehen und ihm zu helfen. Kommunikation ist alles. Und euer Baby wird sich verstanden fühlen oder zumindest erkennen, dass ihr euch für seine Belange interessiert und versucht, ihm sein Wohlbefinden wiederzugeben. Wenn das nicht sein Selbstbewusstsein stärkt…

Falls ihr euch wundert, dass „Windel“ bei uns erst zuletzt kommt: Das liegt daran, dass unser Sohn zwar noch Windeln trägt, wir aber gucken, ob und wann er mal auf’s Töpfchen muss und seine Windel daher oft unbenutzt bleibt. Sein „Ich-muss-jetzt-groß“-Gesicht ist unnachahmlich und man erkennt es sofort. Beim Pullern ist das wiederum gar nicht so leicht. Vielleicht schreibe ich auch mal über dieses Thema einen Bericht, mal sehen…

Kita

Oh ja, ein schwieriges Thema und es hat uns aktuell noch nicht erreicht, weil unser Fratz erst im August eingewöhnt wird, und dann soll er auch nur für 4-5 Stunden dort bleiben, aber natürlich macht man sich schon Gedanken, fragt andere nach ihren Erfahrungen und bereitet sich vor. Ich konnte Folgendes in Erfahrung bringen:

1. In Hellersdorf bin ich wohl die einzige Mutter – oder zumindest eine von nur sehr wenigen – die ihr Kind stillt bzw. über das 1 Jahr hinaus noch stillt, denn ich unterhielt mich mit einigen Erzieherinnen, die schon oft eingewöhnt hatten, nur leider nie ein Kind, das noch gestillt wurde. Die waren bereits alle abgestillt.

2. Ich fand dann doch jemanden, der Erfahrungen mit der Eingewöhnung gestillter Kinder hatte. Wichtig für diese Kinder war es, dass sie die Orte, an denen gestillt werden konnte (Zuhause, draußen) von den Orten, an denen nicht gestillt werden konnte, weil die Mutter nicht da war (sprich: in der Kita), voneinander unterscheiden konnten. Dazu gehörte auch, dass in der Kita nicht gestillt wurde, auch nicht im Flur, sondern erst draußen. Das Kind konnte dadurch begreifen, dass die Mutter nicht da war und sie stillen konnte, die Erzieherin aber die Möglichkeit hatte, dem Kind ein anderes Angebot zu präsentieren, wodurch es sich beruhigen ließ.

3. Eins war aber sicher, und das hatte ich mir, noch bevor ich mich genauer darüber informierte, schon gedacht: Die Eingewöhnung eines gestillten Kindes dauert länger! Viel länger! Und diese Zeit muss man sich nehmen, wenn das Kind gut ankommen soll. Ich kenne eine Mutter, deren Sohn nach 6 Wochen Eingewöhnung immer noch nicht ganz eingewöhnt war und sie immer mal wieder von der Arbeit in die Kita kommen musste, weil sich der Kleine nicht beruhigen ließ. Allerdings war er Vollzeit in der Kita und hatte einen Schnuller…

schöner bunter Raum in einer Kita

Im August, wenn es dann für uns mit der Eingewöhnung losgeht, werde ich auf jeden Fall berichten, wie es für uns lief und wie die Eingewöhnung funktionierte, was unsere Methoden waren usw.

Vorteile/Nachteile

Eine stumpfe Pro- und Contraliste will ich hier nicht erstellen; die gibt es zur Genüge im Internet.

So toll das Aufziehen ohne Schnuller vielleicht klingen mag, es gab und gibt diese Momente, in denen ich kurz davor war, einen Schnuller zu besorgen. Und zwar GANZ SCHNELL!

Das kam allerdings immer nur dann vor, wenn wir abends mit dem Auto nach Hause fahren wollten und der Kleine in seinen Autositz musste – und nicht hineingesetzt und festgeschnallt werden wollte. Es war ein Dilemma!

Manchmal hat es noch geklappt, wenn ich ihn wieder rausgenommen, mit ihm geredet habe, wohin es jetzt geht, was wir dann machen werden usw. Dann ließ er sich doch reinsetzen und die Fahrt verlief ruhig und wir waren im Nu zu Hause.

Aber wenn er gar nicht wollte, wenn er Zeter und Mordia geschrien und sich vor Aufregung schon verschluckte, dann half alles nichts und wir mussten anhalten. Im schlimmsten Fall ging es dann ohne Auto weiter. Es bringt ja nichts, wenn man sein Kind schreien lässt. Ich ertrage das einfach nicht. Und außerdem kann man sich überhaupt nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren, weil man damit beschäftigt ist, sein Kind zu beruhigen und ihm gut zuzureden.

parkendes Auto

Ansonsten hatte ich nie ein Problem damit, dass er statt Schnuller meine Brust nahm. Jetzt, wo er über das berüchtigte 1. Jahr hinaus ist und „IMMER NOCH“ gestillt wird, gehe ich nicht mehr so locker mit diesem Thema um. Ich stille nicht gern in der Öffentlichkeit und wenn doch, dann will ich ein ruhiges Plätzchen, an dem keiner gaffen kann. Aber ich sage mir immer wieder:“Solange auch ältere Kinder noch mit Schnuller rumlaufen und nicht ohne ihren über alles geliebten „Nucki“ können, weiß ich, dass sie eigentlich auch noch die Brust bräuchten.“ und dann bin ich schon wieder etwas gelassener.

Fazit:

„Ohne Schnuller“ funktioniert nicht bei jedem. Man muss bereit sein, für sein Kind selbst der Schnuller zu sein, was manchmal mühselig und zeitaufwendig sein kann, man muss nach Bedarf stillen und man kann das Familienbett in Erwägung ziehen, wenn man nicht jede Nacht wieder aufstehen und auf Wanderschaft gehen will. Ich habe beides ausprobiert und kann das Familienbett nur wärmstens empfehlen. Aber das könnt ihr ja auch selbst ausprobieren.

Ich kann nur sagen: Obwohl es zeitweise echt anstrengend ohne Schnuller war, bereue ich nichts und werde es auch bei unseren Kindern, die evtl. noch nachkommen werden, genau so handhaben.

Diejenigen, die ihr Kind auch mit anderen Methoden oder einem bestimmten Ritual zu Bett bringen und es dort einfach so, ohne Schnuller, ohne Brust, einschlafen kann, der kann mir gern schreiben, wie er das angestellt hat. Bei uns funktioniert es einfach nicht. Abends wird in Ruhe gegessen, dann abgeräumt, die Zähne werden geputzt, die Windel noch einmal gewechselt und vorher geguckt, ob er noch auf’s Töpfchen muss, umgezogen, und im Bett wird dann warmes Licht angemacht und eine Gutenachtgeschichte gelesen, es wird noch über den Tag geredet oder ein Schlaflied gesungen, aber mein Kind will trotz immer schwerer werdender Augen noch die Brust und schläft erst dann nach einer Ewigkeit ein.

Von euren Einschlafritualen würde ich nur zu gern hören. Lasst mir’nen Kommentar da, ob ihr euer Kind mit oder ohne Schnuller aufwachsen lasst, wieso, weshalb, warum, wie es euch damit ergeht usw.

Ich bin gespannt!

Ihre Werbung hier?
Werbung

2 Gedanken zu „Es geht auch ohne Schnuller

  1. Hallo Julia,
    Ich bin froh, endlich einen Artikel gefunden zu haben, der mit meinen Gedanken übereinstimmt. Wir haben eine Sohn, der gerade 7 Monate alt ist. Wie du,habe ich mir vor der Geburt keine Gedanken über Schnuller JA oder NEIN gemacht. Dachte ebenfalls ein Schnuller ist fix dabei. Nach der Geburt war es Fürs mich allerdings klar, dass mein Sohn keinen Schnuller braucht….und bin bis heute dieser Meinung….warum? Das steht in deinem Text.

    Über das Einschlafen mache ich mir allerdings Gedanken wie es funktionieren könnte ohne. Untertags ist es kein Problem, da schläft er sehr oft ohne ein…am Abend und in der Nacht braucht er allerdings anscheinend meine Nähe…..andere Mütter finden es unverständlich, dass ich nach wie vor nicht weg sprich fort gehen kann. Ich bin gespannt, wie hier die Umstellung auf Papa oder Grosseltern mal erfolgt….über Erfahrungen wäre ich hier auch froh.

    Lg
    christine

    • Hallo Christine,
      es freut mich, dass da draußen jemand ist, der meine bzw. unsere Meinung teilt 🙂
      Ich werde auch oft von ehemaligen Kolleginnen und Freunden zu Partys eingeladen. Nur muss ich leider immer absagen. Es ist viel zu spät. Ich könnte den Papa mit dem Kleinen nicht allein lassen, wenn ich weiß, dass mein Sohn zum Einschlafen die Brust braucht. Als unser Sohn so ungefähr im Alter deines Sohnes war, war das Einschlafen am Tag auch kein Problem. Da hat der Papa oder da habe ich den Kleinen im Tragegurt gehabt und dann hat er dort geschlafen. Jetzt braucht er auch zum Mittagsschlaf die Brust. Dafür schläft er aber auch immer öfter mal im Kinderwagen. In den Tragegurt will er nicht mehr; dann lieber laufen.
      Klar würde ich abends auch gern mal wieder weg gehen, aber das stelle ich hinten ran. Irgendwann wird die Zeit gekommen sein, davon bin ich überzeugt.
      Es gibt viele Erfahrungsberichte von Müttern, bei denen das Kind selbstbestimmt abgestillt hat. Nur kann man hier in keine Glaskugel schauen und wissen, wann dieser Zeitpunkt gekommen sein wird. Den einen stört das mehr, den anderen weniger.
      Wenn es bei uns soweit ist, werde ich es dich wissen lassen und in einem Beitrag festhalten 🙂
      Julia

Hinterlasse einen Kommentar