Kind will nicht Zähne putzen

Kind will nicht Zähne putzen


Was für ein freudiges Ereignis, wenn zum 1. Mal im Mund des Kindes eine kleine, weiße Spitze hervorlugt!

Und so ein hübsches Gebiss will natürlich auch gepflegt werden.

Doch was tun, wenn das Kind sich partout nicht die Zähne putzen (lassen) will?

Was wir alles unternommen haben, was uns letztendlich geholfen hat und was wiederum in anderen Familien geklappt hat, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Kind will nicht Zähne putzen

Anfangs war das Zähneputzen überhaupt kein Problem bei uns. Während ich mir die Zähne putzte, hielt ich mein Baby auf der Hüfte. Dabei schaute es mir ganz gebannt zu und war fasziniert von der elektrischen Zahnbürste.

Als dann der 1. Zahn bei unserem Kleinen durchbrach, ließ er sich so gern die Zähne putzen, machte freiwillig ganz weit den Mund auf und lachte, wenn die Zahnbürste in seinem Mund herumtanzte.

Auf einmal wollte er nicht mehr

Eines Tages verletzte sich unser Sohn beim Zähne putzen. Danach fing es an, dass er sich immer weniger gern die Zähne putzen ließ. Dazu kam noch, dass wir uns erst, wenn unser Sohn bereits im Bett lag, die Zähne putzten, weil wir erst deutlich später schlafen gingen. So bekam er nicht mehr mit, wie wir uns die Zähne putzten. Und warum sollte man etwas machen, was die Eltern anscheinend auch nicht (mehr) machen?

Kind will nicht Zähne putzen - Junge allein

Guter Rat ist teuer

Es war echt ein hartes Stück Arbeit, es ihm wieder anzugewöhnen, beim Zähne putzen mitzumachen, nicht den Mund zuzupressen, nicht den Kopf wegzudrehen usw.

Ich erinnerte mich an meine Kindheit zurück, in der Zähne putzen IMMER gemacht werden musste. Es gab NIE eine einzige Ausnahme. Und wenn wir mitten in der Nacht aus unserem Dänemarkurlaub nach Hause kamen: Es wurden vor dem Schlafen gehen noch die Zähne geputzt. Das war zwar ätzend, aber mir wurde nie unter Tränen und Gekreisch und Gestrampel der Mund aufgesperrt und die Zähne gewaltsam geputzt. Deshalb putze ich auch als Erwachsene gern meine Zähne. Ich mag das Gefühl einfach, wenn sich alles wieder frisch und sauber anfühlt.

Die große Frage war nun, wie wir unserem Sohn das Zähne putzen wieder „schmackhaft“ machen könnten.

Was wir alles versucht haben, lest ihr im Folgenden.

1. Mutti fragen

Es war mir unangenehm, meiner Mutter zu beichten, dass ich etwas nicht hinbekam, was so wichtig war. Wer will schon, dass sein Kind Karies bekommt? Es musste aber auch einen gewaltfreien Weg geben, der seinem Kind nicht gleich zwei traumatische Erlebnisse pro Tag beschert. Also: Mama anrufen und um Rat bitten. Aber da kam nur die Antwort:“Hm, da ist guter Rat teuer. Also ihr habt uns immer beim Zähne putzen zugeguckt und dann einfach mitgemacht. Da gab es nie Probleme…“

Kind will nicht Zähne putzen - Frau mit Telefon

Na toll. Trotzdem danke, Mutti. Die Suche geht weiter.

2. Internet fragen

Zu diesem Thema gibt es so unglaublich viele Beiträge, Artikel, Kommentare in Foren, dass man sich kaum noch retten kann. Schlimm empfand ich allerdings jene Kommentare, die darauf abzielten, das Kind zu Boden zu ringen, an Armen und Beinen festzuhalten, den Mund aufzuhebeln und dann die Zähne zu putzen. Das war in meinen Augen ein absolutes No-Go.

Doch konnte ich auch die Verzweiflung der Eltern spüren, mit der sie dieses gewaltsame Vorhaben rechtfertigten. Das Kind sollte keine schlechten Zähne bekommen. Lieber sollte es sie und das Zähneputzen hassen, als dass sie sich später Vorwürfe machen mussten, nicht alles versucht zu haben, damit es keine Karies bekommt. Ich konnte es so nachvollziehen, aber unser Weg war es nicht und sollte es auch nicht werden.

Ich fand neben diesen Ratschlägen aber auch wunderbare Seiten, die mir einen Haufen neuer Tipps mit auf den Weg gaben. Ich probierte sie also aus.

3. Zahnputzfee

Eine tolle Idee fand ich, eine schöne Handpuppe beim Zähne putzen mitmachen zu lassen. Eine Mutter berichtete, ihre Tochter würde sich von niemandem, außer der Puppe, die Zähne putzen lassen. Warum also nicht auch unser Sohn? Kurzerhand war die Puppe organisiert. Eine wunderschöne Fee mit Zauberstab und Sternenkleid sollte unsere Zahnputzfee* werden. Unser Sohn war begeistert von ihr! Er küsste und kuschelte sie, sie durfte sogar gestillt werden. Das erste Zähne putzen mit der Zahnputzfee lief hervorragend und er machte bereitwillig mit. Auch der Zahnputzfee wurden die Zähne geputzt. Ich war hellauf begeistert. Doch schon am nächsten Tag war der Zauber vorüber. Die Zahnputzfee darf jetzt bei uns im Bett liegen und beim Bücher vorlesen zuhören.

Es muss im Übrigen nicht zwangsläufig eine Handpuppe sein. Ich fand es halt cool, weil man mit der Handpuppe die Zahnbürste halten konnte. Ihr könnt es aber auch mit einem Kuscheltier versuchen.

Kind will nicht Zähne putzen - Teddybär mit Zahnbürste

4. Zahnputzbuch

Darüber muss ich auch unbedingt einen Beitrag schreiben, denn an sich ist dieses Zahnputzbuch* richtig Klasse! Auch unser Sohn liebt es und will es beinahe jeden Tag vorgelesen bekommen. Wir suchen dann immer die Zahnmonster, die sich auf den Bildern zwischen den Zähnen versteckt haben, spielen mit den Klappen usw. Ich dachte, wenn ich meinem Sohn einfach näherbringen kann, dass Zähne putzen wichtig ist, und warum, dann wird er schon mitmachen. Weit gefehlt. Das Buch ist zwar toll, auch weil man auf dem Buchcover dem Jungen die Zähne putzen kann, aber geholfen hat es uns bei unserem Zahnputzproblem nicht.

5. Spiegelbild

Ziemlich einfach fand ich auch die Lösung, seinem Kind vor dem Spiegel die Zähne zu putzen. Dann kann es sich selbst sehen und erkennt im Spiegelbild, was da in seinem Mund genau vor sich geht. Das fand unser Kleiner anfangs ganz interessant, aber er drehte schon nach wenigen Sekunden den Kopf weg. Wie frustrierend!


6. Zahnputzlieder singen

Und natürlich haben wir auch ohne Ende gesungen und gereimt. Auf Youtube gibt es unzählige Zahnputzlieder. Ich habe mir ein Zahnputzlied eingeprägt und unentwegt gesungen. Am Ende waren sowohl mein Sohn als auch ich von dem Zahnputzlied genervt. Also weg damit.

7. Hoppe, hoppe, Reiter

Ein kleiner Austrickser, den ich von der Kinderzahnärztin aufgeschnappt habe. Das Kind sitzt bei diesem Lied bekanntlich auf dem Schoß, mit dem Gesicht zu mir gerichtet. Dann kommt also der bekannte Text „Hoppe, hoppe, Reiter, wenn er fällt, dann schreit er. Fällt er in den Graben, fressen ihn die Raben. Fällt er in den Sumpf, macht der Reiter plumps!“ Bei „Plumps“ wirft man das Kind nach hinten, als ob es fallen würde. Natürlich hält man es dabei fest und lässt es nicht fallen. Das Lied ist auch gut als Vertrauensspiel geeignet.

Wenn also das Kind rücklings in der Luft hängt, macht es automatisch den Mund auf (zumindest war es bei uns so) und man kann ihm die Zähne putzen. Mal half es, mal nicht. Am Ende hatte unser Sohn den Trick durchschaut und hatte auch keine Lust mehr auf das Lied. Langsam gehen mir die Ideen aus, dachte ich.

8. Gegenseitig Zähne putzen

Da dachte ich schon: Jetzt haben wir unsere Methode gefunden! Doch auch die hielt nicht lange an. Vielleicht funktioniert sie aber bei euch. Es ist ziemlich simpel: Das Kind darf die Zähne des Gegenübers putzen, während ihm selber auch die Zähne geputzt werden. Unser Kleiner wollte immer die Zähne seines Papas putzen. Man muss halt aufpassen, dass das Kind sich nicht die falsche Zahnbürste in den Mund schiebt. Auch wenn das Kind die Zähne des Gegenübers putzt, muss man auf der Hut sein. Die Feinmotorik ist noch nicht ausgereift. Da kann es schonmal vorkommen, dass die Zahnbürste in den Rachen gerammt wird. Also Vorsicht!

9. Ablenken

Ja, ich war verzweifelt. Nichts funktionierte. Also versuchte ich es auch mit Ablenkung. Ich machte den Fernseher an, mein Sohn durfte mit der Fernbedienung spielen… Ja… mit der Fernbedienung spielte er, drückte interessiert auf den Knöpfen herum, aber abgelenkt genug, dass ich ihm währenddessen die Zähne putzen konnte, war er nicht. Gibt’s doch nicht!

10. Gemeinsam putzen

Langsam nähern wir uns der Lösung. Und es ist eher eine Kombination aus mehreren. Dazu gehört vor allem, das Zähne putzen zu einer Gruppenaktivität umzufunktionieren.

Kind will nicht Zähne putzen

Das bedeutet: Gemeinsam Zähne putzen. Und wenn der Kleine schon um 20 Uhr schlafen geht und man selbst erst um 24 Uhr ins Bett kommt: Es werden gemeinsam Zähne geputzt. So dient man als Vorbild, das Kind ahmt bekanntlich alles nach, was seine Eltern machen, und man kommt dem entspannten Zähne putzen schon etwas näher.

11. Ritual

Helfen kann auch die Einführung des Zähneputzens als Ritual. Wenn sich der Tag also so langsam dem Ende neigt, dann hilft es dem Kind, wenn alles in einer bestimmten Reihenfolge abläuft. Erst wird in Ruhe gemeinsam zu Abend gegessen. Dann wird der Abendbrottisch gemeinsam abgeräumt, eventuell abgewaschen. Danach wird geduscht oder gebadet. Dann werden gemeinsam die Zähne geputzt. Anschließend wird nochmal gepullert, eine frische Windel wird angezogen. Zum Schluss kuschelt man sich ins Bett, liest ein Buch (oder mehr), singt noch ein Gutenachtlied, dann wird gestillt und irgendwann sind alle eingeschlafen. So oder so ähnlich kann es zum Beispiel ablaufen.

Nicht immer muss alles in starren Mustern verlaufen. Natürlich kann sich auch mal die Reihenfolge ändern; gerade, wenn man unterwegs ist, zu Besuch war usw.

12. Zahnbürste kennenlernen, selber putzen lassen

Schon früh kann man sein Kind oder Baby an das Zähne putzen heranführen. Auch wenn es noch gar keine Zähne hat. Umso besser, ihm jetzt schon eine Zahnbürste bzw. einen Zahnputzfinger zu besorgen. Dann kann es sich in Ruhe mit diesem seltsamen Gegenstand vertraut machen, es von allen Seiten begutachten, anfassen, in den Mund nehmen usw.

Auch seinem Kind zu erlauben, sich die Zähne selber putzen zu dürfen, hilft bei einem entspannten Zähne putzen. Aber nachputzen müssen immer noch die Eltern.

13. Zahnbürste selber aussuchen lassen

Was eurem Kind sicher auch Freude bereiten wird: Wenn es sich seine Zahnbürste selber aussuchen darf.

Kind will nicht Zähne putzen - Zahnbürsten

Und wenn der Junge eine rosa Glitzerzahnbürste haben will oder die Tochter eine stinknormale, in den Augen der Eltern voll langweilige Zahnbürste haben will: Holt sie eurem Kind! Nichts ist schöner, als wenn man seinem Kind dadurch das Zähne putzen angenehmer machen kann.

14. Am Ende half dann doch das Singen

Und zu guter Letzt half bei uns dann doch das Singen. Allerdings stehen bei uns nun Kinderlieder auf dem Programm. Anfangs war es noch der Bi-Ba-Butzemann, weil der Cousin meines Sohnes einst so lustig zu diesem Lied tanzte. Darauf folgte dann Hopp, hopp, hopp, Pferdchen lauf Galopp. Jetzt sind wir bei Hänsel und Gretel. Und es ist mir egal, ob ich meinem Kind das gruselige Hänsel und Gretel Lied vorsingen soll, in dem am Ende die Hexe verbrannt wird (obwohl ich anfangs schon zögerte, es vorzusingen) oder Hänschen Klein, der seine Mutter verlässt. Hauptsache, das Zähne putzen geht ohne Tränen, ohne Gezeter, ohne Tritte, ohne Bisse vonstatten.

Nachtrag

Es ist eine Weile vergangen. Der kleine Mann wird bald 2 Jahre alt. Momentan läuft das Zähneputzen bei uns so ab:

  1. Nur die Mama darf putzen. Das war wohl dem Umstand geschuldet, dass der Papa erst spät abends nach Hause kommt und da bereits alles erledigt ist.
  2. Wenn es mal Tage gab, an denen ich auch nicht putzen durfte, durfte ein von ihm ausgewähltes Kuscheltier seine Zähne putzen.
  3. Wir singen immer noch. Hänsel und Gretel sind mittlerweile out. Jetzt wird „The wheels on the bus go round and round“ gesungen. Wir ändern die Strophen dann stark ab. Zum Beispiel: Opa in the bus says „Show me your ticket“ usw. – Da wird das Lied nicht langweilig.

Wenn auch ihr noch ein paar Tricks in petto habt, die euch geholfen haben: Nur her damit. Ich erweitere meine Liste gern, damit sowohl Eltern als auch Kinder (wieder) Freude am Zähne putzen haben.

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