Wenn der Abend länger wird... - Kind krabbelt auf Kisten

Wenn der Abend länger wird…


Es ist nicht immer so, aber es kommt vor, dass das Kind nicht schlafen kann, nicht schlafen will. Aus irgendeinem Grund ist es, obwohl es schon längst Schlafenszeit wäre, hellwach.

Ein Rückblick auf einen Abend, der immer länger wurde…

Wenn der Abend länger wird…

22:19 Uhr ist es jetzt. Eigentlich 23:19 Uhr, weil heute Nacht die Uhren umgestellt wurden. Der kleine Mann schläft. Endlich.

Nachdem unsere kleine Familie den Norovirus überstanden hatte, hatte sich gleichzeitig auch unser Tagesrhythmus verschoben. Unser Sohn durfte schließlich nicht in die Kita. Und auch jetzt, nachdem die Symptome verschwunden sind, wollen wir wenigstens noch ein paar Tage abwarten. Damit nicht wieder alles von vorne beginnt, und damit sich kein weiteres Kind ansteckt.

Energiebündel

Die Zeit zu Hause ist anscheinend nicht so aufregend wie in der Kita. Zumindest scheint es mir so, da unser Sohn trotz eines langen, gemeinsamen Tags am Abend total viel Energie hat und nicht einschläft. Da können wir den ganzen Tag gespielt, getobt, draußen gewesen sein, den Balkon gewässert, Wasserschlachten in der Wanne gemacht oder sonst etwas getan haben…

Es ist ja nicht so, dass er dann total aufgedreht ist und keine Möglichkeit hat, sich zu entspannen und zu beruhigen, um allmählich müde zu werden. Gegen Abend wird gemeinsam in Ruhe Abendbrot gegessen, wir räumen zusammen den Tisch ab, gehen baden, putzen Zähne. Dann geht es ab ins große Familienbett und wir lesen Bücher bei gedimmtem Licht. Aber es hilft alles nichts.

„Tra!“, sagt unser Sohn dann immer. Wir sollen ihn tragen. Ich frage dann immer erst:“Musst du kackern? Musst du pullern?“. Wenn er die Frage bejaht, geht es nochmal ins Bad. Wenn sie verneint wird, heißt es schlicht und ergreifend, er ist nicht müde und will noch spielen.

Der Papa ist dann meist der erste von uns beiden, der dann wieder mit dem Kleinen aufsteht und Richtung „Spielzimmer“ geht. Er hat ja Recht. Es hilft ja alles nichts. Was sollen wir alle Drei die Zeit im Bett totschlagen, wenn der Kleine nicht schlafen kann?

Wenn der Abend länger wird - Kinderhand hält Vaterhand

Als der Papa eine Weile mit unserem Sohn gespielt hat, komme ich nun auch dazu; etwas gestärkt von der kleinen Verschnaufpause im Bett. Der Papa geht an den Computer, um wenigstens ein bisschen arbeiten zu können, während ich mich mit dem Kleinen beschäftige.

Als wir einen fetten Turm aus Bausteinen erschaffen haben, will der Kleine auf ihn rauf klettern. Und ich erkenne, wie viel Energie mein Kind noch hat. Er will klettern. Doch was tun? Hier im Kinderzimmer ist alles eben. Hier und da stehen ein paar Spielkisten rum, das war’s aber auch schon. Damit kann man nicht viel anfangen.


Eisschollen-Spiel

Als mein Sohn schließlich auf einer kleinen Kiste an der Wand steht, geht mir ein Licht auf. Ich stehe auf, schnappe mir zwei Spielzeugboxen und reihe sie an die Kiste, auf der mein Sohn steht. Ist er auf die letzte raufgeklettert, reihe ich die vorhergehenden Boxen vorne ran und es kann weitergehen. Ähnlich wie Eisschollen, auf die man tritt, bei denen die letzten bereits untergehen. So bewegen wir uns allmählich durchs Zimmer. Aber so ganz funzt das nicht und irgendwann ist es langweilig.

Parcours

Es nervt mich plötzlich ungemein, dass ich meinem Sohn nicht das bieten kann, was er gerade braucht. Ich sehe mich im Zimmer um und entscheide, mit dem, was wir haben, einen kleinen Parcours zu bauen.

Das Regal, das nur für Pflanzen und gebastelte Sachen in der Ecke stand, wird von der Wand gerückt, sodass man durchkrabbeln kann.

Wenn der Abend länger wird... - Kinderzimmer Parcours

Danach kommt der blaue Krabbeltunnel, den ich mal für wenige Euro auf eBay Kleinanzeigen erworben hatte.

Und ja, ich bin auch durch den Tunnel durch. Es ist echt nicht einfach, da durch zu robben! Aber es ging schon irgendwie.

Wenn der Abend länger wird... - Kind krabbelt durch Krabbeltunnel

Der Wäscheständer wurde kurzerhand zur Höhle ernannt (Eine schöne Kindheitserinnerung. Ich habe als Kind immer sehr gerne Höhlen gebaut).

Wenn der Abend länger wird... - Wäscheständer als Höhle

Und danach wurden die Kisten, die wir anfangs benutzt hatten, wieder verwendet.

Wenn der Abend länger wird... - Kind krabbelt auf Kisten

So bahnten wir uns den Weg bis in den Flur, in dem übrigens immer noch unser Malort steht. Dort musste unser Sohn etwas klettern, weil er über die Lehne seiner Sitzbank drüber musste.

Wenn der Abend länger wird... - Kind klettert über Sitzbank

Dann kamen noch ein Tisch vom Malort, unser Wäschekorb, ein Stuhl und eine Leiter dazu.

Wenn der Abend länger wird... - Kind klettert über Wäschekorb

Bevor es runterging, wurde noch kurz Halt beim Ziel, der Schatzkiste, gemacht.

Wenn der Abend länger wird... - Schatztruhe

So verbrachten wir eine ganze Weile unsere Zeit, der Papa übte sich indes als Barde und klimperte auf der Ukulele herum.

Und langsam, aber sicher wurde der kleine Abenteurer müde. Wir kehrten zurück ins Schlafzimmer, legten uns ins Bett, kuschelten, redeten noch ein wenig miteinander. Der Kleine wollte nicht wirklich gestillt werden, sondern genoss meine Streicheleinheiten (der Papa durfte nicht). Zum Schluss entschied er sich dann doch für das Stillen und schlief nach wenigen Minuten ein.

Jetzt denke ich über das Geschehene nach…

Es ist wahrlich nichts, was ich jeden Abend machen könnte: Kisten, Tische, Stühle, Bänke, Wäschekorb und -ständer verrücken. Vor allem nicht, wenn ich selber total übermüdet bin. Es hatte mich nur an diesem Abend besonders gestört zu sehen, was mein Sohn will und dass er das zu Hause nicht hat: Ein Ort, an dem er ein bisschen klettern kann.

Ich denke, man muss nicht jedes Mal die Bude umräumen, wenn solche Abende anstehen. Man kann sich aber als Ausnahme gern mal solche Aktionen ausdenken. Ansonsten wird halt nur auf das geklettert, was schon da ist, um beim Beispiel zu bleiben. Dann geht es eben „nur“ auf die Couch oder „nur“ auf das Bett oder was eben sonst so da ist.

Ich habe schon sehr lange damit geliebäugelt, das Kinderzimmer umzubauen. Alles auf einer Ebene zu haben, hat mich einfach mit der Zeit genervt. Ich wollte Treppen zum Wickeltisch, verschiedene Ebenen mit unterschiedlichem Untergrund. Aus dem Kinderzimmer sollte einfach ein richtiges Kletterzimmer werden.

Diese Gedanken hörten auf, als ich dachte, unserem Sohn würde es so genügen wie es ist. Jetzt beginnt es wieder in meinem Kopf zu rattern. Und daran ist allein dieses Buch* Schuld, das ich vor Ewigkeiten mal gelesen habe und dessen Inhalt seither nicht vergessen konnte! Wir werden sehen, für was wir uns am Ende entscheiden werden. Am Ende ist es ja doch zum Großteil immer eine Frage des Geldes.

Hattet ihr auch schon mal solche besonderen Abende/Nächte?

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