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	<title>Geburt &#8211; Milchtropfen</title>
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		<title>Verliere ich meine Freunde, weil ich Mutter/Vater bin?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Will]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Oct 2017 18:30:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es heißt, wenn man Kind(er) bekommt, würde man seine Freunde verlieren. Weil man merkt, dass man sich fremd geworden ist. Auf einmal völlig andere Interessen hat. Dass einem jetzt Dinge nicht mehr so wichtig sind wie früher. Aber ist das wirklich wahr? Ich verrate dir 7 Gründe, weshalb man seine Freunde wirklich verliert. Verliere ich ... <a title="Verliere ich meine Freunde, weil ich Mutter/Vater bin?" class="read-more" href="https://www.milchtropfen.de/verliere-ich-meine-freunde-weil-ich-muttervater-bin/" aria-label="Mehr zu Verliere ich meine Freunde, weil ich Mutter/Vater bin?">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es heißt, wenn man Kind(er) bekommt, würde man seine <strong>Freunde</strong> verlieren. Weil man merkt, dass man sich fremd geworden ist. Auf einmal völlig andere Interessen hat. Dass einem jetzt Dinge nicht mehr so wichtig sind wie früher.</p>
<p>Aber ist das wirklich wahr? Ich verrate dir 7<strong> Gründe</strong>, weshalb man seine Freunde wirklich <strong>verliert</strong>.</p>
<p><span id="more-7453"></span></p>
<h2>Verliere ich meine Freunde, weil ich Mutter/Vater bin?</h2>
<p>Letztens bekam ich eine Nachricht von einem guten <strong>Freund</strong>, die sich gewaschen hatte. Als ich sie las, musste ich ganz schön schlucken. Er beschwerte sich, dass ich mich wochenlang nicht melde. Dass immer nur er es ist, der den <strong>Kontakt</strong> hält. Ich würde zwar zurückschreiben und Treffen vorschlagen und wir würden uns auch treffen, aber nur, damit ich mich dann wieder wochenlang nicht melden würde. Ich könne mich ja auch einfach mal nur so melden, ohne &#8211; oh Wunder &#8211; konkreten Anlass.</p>
<p>Immer und immer wieder las ich die Zeilen. Ich war erst verletzt. Dann wütend. Wollte ihm eine ordentlich gepfefferte Nachricht zurückschreiben. Wollte mich rechtfertigen und ihn auf den Mond schießen.</p>
<p>Doch dann war ich ruhig. Ich wusste, ich log mir gerade in die eigene Tasche. Ich wusste, er hatte Recht.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7463" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frau-schaut-uebers-meer-auf-landschaft.jpg" alt="Frau schaut übers Meer auf Landschaft" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frau-schaut-uebers-meer-auf-landschaft.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frau-schaut-uebers-meer-auf-landschaft-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ich hielt unsere Freundschaft für <strong>selbstverständlich</strong>. Dass ich nicht viel dafür tun müsse. Dass sie von ganz allein laufen würde. Aber Freundschaft ist etwas Lebendiges. Und etwas, das lebendig ist, kann auch <strong>verkümmern</strong> und irgendwann absterben. Wie eine Pflanze, die man nicht umsorgt.</p>
<p>Von daher bin ich diesem guten Freund dankbar. Ich bin dankbar dafür, dass er einfach Tacheles mit mir geredet hat. Er hätte es auch wie andere einfach auslaufen lassen und sich nicht mehr melden können.</p>
<h2>Warum Freundschaften enden</h2>
<p>Viele meiner Freundschaften sind nach der <strong>Geburt</strong> meines Sohnes eingegangen. Erst dachte ich, es liegt daran, weil ich Mutter geworden war.</p>
<p>Heute denke ich anders darüber. Warum enden Freundschaften wirklich? Hierfür gibt es <strong>7 mögliche Gründe</strong>:</p>
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<h3>1. Verunsicherung</h3>
<p>Wenn ein <strong>neuer</strong> Mensch in ein Leben tritt, braucht es immer erst Zeit, damit sich alle aneinander gewöhnen können. Ist doch genau so wie wenn meine Freundin frisch verliebt ist und jetzt erst mal nur ihren neuen Freund treffen will. Ist doch total ok und sollte man ihr auch nicht übel nehmen.</p>
<p>Mit einem Kind ist das nochmal eine ganz andere Sache, finde ich. Für diesen kleinen Menschen ist man nämlich ein Leben lang verantwortlich. Es ist alles neu, man steht total am Anfang und ist voller Sorgen und Ängste. Es braucht einfach <strong>Zeit</strong>, dass man warm geworden ist, sich eingespielt hat, sich besser versteht.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7469" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/mann-haelt-schlafendes-baby-im-arm-frau-freut-sich.jpg" alt="Mann hält schlafendes Baby im Arm, Frau freut sich" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/mann-haelt-schlafendes-baby-im-arm-frau-freut-sich.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/mann-haelt-schlafendes-baby-im-arm-frau-freut-sich-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Gerade die Anfangszeit, also die <strong>Wochenbettzeit</strong>, fand ich schön, als mich meine Freund*innen besuchen kamen. Die mir was zu Trinken gebracht haben. Mir angeboten haben, den Haushalt zu schmeißen. Die was zu Futtern vorbeigebracht haben (Kartoffelsalat! Köstlich!). Mir den kleinen Piepmatz für wenige Sekunden abnehmen konnten, damit meine Hebamme meinen Bauch abtasten und ihn einmassieren konnte.</p>
<p>Es heißt, <strong>Kinderlose</strong> denken anders. Und das kann durchaus stimmen. Sie können nicht in mich hineinsehen. In mich, die vor Kurzem ein Kind bekommen hat. Womöglich sind sie <strong>verunsichert</strong>, wie sie mit dieser neuen Situation umgehen sollen und brauchen Klarheit, Orientierung.</p>
<p>Deshalb bin ICH an der Reihe. Was brauche ich? Können mir meine Freund*innen dabei helfen? Wie? Brauch ich Ruhe und Einsamkeit? Oder fühle ich mich überfordert, hilflos, und sehne mich nach jemandem zum Ausheulen, die/der mir wieder aufhilft?</p>
<h3>2. Überheblichkeit</h3>
<p>Viele Kinderlose berichten, dass sich ihre <strong>Freundin</strong> plötzlich in eine zweite Mutti verwandelt hat und sie wie ein <strong>Kind</strong> behandelt.</p>
<p>Dass ich ein Kind bekommen habe, bedeutet doch nicht, dass meine kinderlosen Freund*innen mit einem Mal <strong>inkompetente</strong> Vollidioten geworden sind.</p>
<p>Warum sollte ich meiner/m Freund/in auf einmal klar machen wollen, dass es draußen kalt ist und sie/er doch nicht allen Ernstes ohne Jacke rausgehen kann? Dass sie/er sich noch nicht die Hände gewaschen hat, seit wir heimgekommen sind. Und sowieso habe ich jetzt durch mein Mutterdasein ja von überhaupt allem mehr Ahnung und werfe ihr/ihm jetzt mein gesamtes Wissen mit all meinen <strong>Ratschlägen</strong> und <strong>Tipps</strong> und Lebensweisheiten um die Ohren&#8230; Ganz ehrlich: Muss das sein?</p>
<p>Würde mich jemand so behandeln, hätte ich auch schon das Weite gesucht.</p>

<h3>3. Intoleranz</h3>
<p>Freundschaft bedeutet für mich Akzeptanz. <strong>Toleranz</strong>. Meine/n Freund/in so nehmen, wie sie/er ist. Ich will sie/ihn nicht ändern und sie/er soll mich nicht ändern wollen.</p>
<p>Ich kann mir vorstellen, dass es aber welche gibt, die meinen, wenn sie ein Kind (oder mehrere Kinder) haben, dass sie alles besser wüssten und alle um sich herum <strong>ändern</strong> wollen &#8211; gerade die Kinderlosen. Oder dass die Kinderlosen nicht akzeptieren können, dass nicht auch mal der Papa das Kind ins Bett bringen kann, damit ich mal wieder zum Mädelsabend kommen kann.</p>
<p>Für eine Freundschaft ist Intoleranz Gift wie für jede andere <strong>Beziehung</strong> auch. Warum bin ich mit jemandem befreundet, die/den ich ändern will? Oder die/der mich ändern will?</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7464" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frauen-sind-in-eine-deckel-eingehuellt-und-laecheln.jpg" alt="Frauen sind in eine Deckel eingehüllt und lächeln" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frauen-sind-in-eine-deckel-eingehuellt-und-laecheln.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frauen-sind-in-eine-deckel-eingehuellt-und-laecheln-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>So endete beispielsweise eine Freundschaft abrupt, als ich ein Treffen absagte, weil die Nacht mit meinem Baby der blanke Horror gewesen und ich einfach totmüde war. Meine Freundin war die Tage aus Hamburg angereist &#8211; nicht nur wegen mir, sondern auch wegen anderer Freundschaften &#8211; und sie meldete sich nach meiner Absage einfach nicht mehr.</p>
<p>Genau so ist es, wenn mein/e Freund/in es unangenehm findet, wenn ich mein Kind stille. Weil sie/er das abstoßend findet oder sonstwie. Das kann durchaus das Ende einer Freundschaft bedeuten, wenn sie/er mich nicht so akzeptiert, wie ich bin, nämlich stillend. Sie/Er kann ihre/seine Meinung aber weiterhin haben und ich meine und wir können weiterhin befreundet sein.</p>
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<h3>4. Kompromisslosigkeit</h3>
<p>Für Kinderlose mag es auch schwer zu verstehen sein, dass sich mit Kind wirklich alles ändert. Der Rhythmus, die Prioritäten, Gewohnheiten, Vorlieben, Abneigungen, Interessen, Gesprächsthemen usw. &#8211; alles <strong>verändert</strong> sich.</p>
<p>Wenn mir die Freundschaft zu jemandem wichtig ist, versuche ich, <strong>Kompromisse</strong> zu finden.</p>
<p>Nein, ich kann abends/nachts nicht auf die Party mitkommen oder ins Kino gehen oder mich betrinken oder beim Filmmarathon mitmachen. Aber ich kann Alternativen anbieten, um meine Freund*innen trotzdem zu sehen: Es gibt wunderbare (Kinder-)Cafés, (Indoor-)Spielplätze, Parks, Restaurants, das eigene Zuhause oder das Zuhause der anderen usw.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7465" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/kinder-spielen-mit-riesenseifenblasen.jpg" alt="Kinder spielen mit Riesenseifenblasen" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/kinder-spielen-mit-riesenseifenblasen.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/kinder-spielen-mit-riesenseifenblasen-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Außerdem: Was spricht dagegen, sich tagsüber zu treffen? Warum müssen Erwachsenentreffen zwangsläufig immer abends/nachts stattfinden?</p>
<p>Wenn mir eine Freundschaft zu jemanden etwas <strong>bedeutet</strong>, dann finde ich auch Wege, diese aufrecht zu erhalten.</p>
<h3>5. Egozentrik</h3>
<p>Wie gesagt, kann sich mit Kind wirklich viel in einem verändern. Wie man denkt, fühlt, was einem <strong>wichtig</strong>/unwichtig ist usw.</p>
<p>Auch für mich waren plötzlich ganz andere Themen hochinteressant. Am Liebsten hätte ich die ganze Zeit über Babys, Windeln, Schlafgewohnheiten, Ess- und Trinkverhalten, Spielzeug, Impfen, Gesundheit, Krankheit, Kita usw. geredet.</p>
<p>Doch ich erinnerte mich an die Zeit zurück, in der ich selber noch <strong>kinderlos</strong> war: Ich war Azubine in einer Rechtsanwaltskanzlei. Meine beiden Kolleginnen im Zimmer waren bzw. sind Mütter. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass sie den ganzen, verdammten Arbeitstag über nichts anderes als ihre Kinder reden konnten. Sophia kommt in die Schule und es tauchen die ersten Probleme auf, weil sie Mathe nicht mag, sondern lieber lesen will, aber sie muss doch auch Mathe üben. Oh Gott, sie hasst die Schule jetzt schon! Der kleine Winfried ist so ein Goldschatz, weil er so süße Geräusche macht!!</p>
<div id='c6846_31_19' class='sam-container sam-place' data-sam='0'></div>
<p>Sie fanden es hochinteressant. Ich als Kinderlose hatte absolut null Verständnis für dieses Gelaber. Wirklich. So fies es klingen mag. Aber ich konnte damit nichts anfangen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch kein Kind. Konnte es mir nicht ansatzweise vorstellen und konnte demnach auch absolut nicht kapieren, was es so Faszinierendes an Kindern geben mochte, dass man sich den ganzen Tag darüber unterhielt. Es machte mich aggressiv. Es <strong>nervte</strong> mich.</p>
<p>Und deshalb versuche ich jetzt, wo ich selber Mutter bin, ein <strong>Gleichgewicht</strong> zu halten. Natürlich will ich über meinen Sohn erzählen. Aber meine Freund*innen sind teilweise immer noch kinderlos und wollen sich nicht den ganzen Tag darüber unterhalten. Ihr Leben ging bisher auch weiter. Sie haben andere <strong>Interessen</strong> und wollen auch darüber erzählen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7466" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frauen-sitzen-auf-einer-bank-und-lachen.jpg" alt="Frauen sitzen auf einer Bank und lachen" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frauen-sitzen-auf-einer-bank-und-lachen.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frauen-sitzen-auf-einer-bank-und-lachen-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Die Welt dreht sich nicht nur um mich. Das will ich damit sagen.</p>
<h3>5. Einseitigkeit</h3>
<p>Zu einer Freundschaft gehören immer zwei. Mindestens.</p>
<p>Es ist wie bei jenem guten Freund, den ich oben erwähnt hatte. Wo immer nur er es war, der sich meldete.</p>
<p>Aber Freundschaft ist beidseitig. Wenn eine/r immer nur gibt und macht und tut und die/der andere im <strong>Gegenzug</strong> immer nur nimmt und nie etwas macht und tut, dann ist es kein Wunder, wenn die Freundschaft im Sande verläuft. Dann wird aus jener Freundschaft nur noch ein Facebookprofil in einer langen Freundschaftsliste, das nur aus Höflichkeit nicht gelöscht wird.</p>
<h3>6. Rumgedruckse</h3>
<p>Ein tolles Wort: Rumdrucksen! Ich liebe es! Das trifft es nämlich haargenau. Wenn sich jemand nicht <strong>auszudrücken</strong> weiß und so vor sich hin stammelt. Um den heißen Brei redet. Nicht auf den Punkt kommt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7467" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frau-senkt-den-blick.jpg" alt="Frau senkt den Blick" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frau-senkt-den-blick.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/frau-senkt-den-blick-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p><strong>Ehrlichkeit</strong> ist das A und O in einer Freundschaft. Ohne sie geht gar nichts. Eine Freundschaft, die weder <strong>Kritik</strong> noch Meinungsverschiedenheiten aushält, ist keine Freundschaft.</p>
<p>Wenn mich stört, dass meine Freund*innen sich immer nur abends zum Saufgelage treffen wollen, dann muss ich das ansprechen. Alternativen anbieten. Über meine Sorgen und Wünsche reden. Und nicht einfach eingeschnappte Leberwurst spielen, nichts unternehmen, aber hoffen, dass sie was unternehmen, und sie dann ziehen lasse, wenn sie es nicht tun. Zumindest nicht, wenn mir die Freundschaft wichtig ist.</p>
<p>Wenn meine Freund*innen eher von der Sorte sind, die <strong>unterschwellig</strong> mitteilen, dass sie mit etwas nicht einverstanden sind, dann muss &#8211; zumindest sehe ich das so &#8211; Klartext geredet werden.</p>
<p>Ich kann mit diesem &#8222;Ich ignoriere dich jetzt, weil ich sauer auf dich bin&#8220;-Quatsch absolut nicht umgehen. Macht mich aggressiv, weil meine Mutter auch immer so drauf war und ist. Hat mich als Kind zutiefst verletzt, als Jugendliche tierisch abgenervt und als Erwachsene kann ich nur noch mit den Augen rollen und den Kopf schütteln, weil es mir mittlerweile zu blöd geworden ist. Das ist doch Kindergarten.</p>
<p>Das heißt: Wenn jemand ein Problem hat, soll sie/er das direkt ansprechen und nicht versuchen, es indirekt mitteilen zu wollen. Menschen können keine Gedanken lesen und wissen, was im Kopf der/des anderen vor sich geht. Was sie/ihn stört.</p>
<h3>7. Alte Zeiten betrauern</h3>
<p>&#8222;Ja, ich weiß, es war&#8217;ne geile Zeit&#8230;&#8220; singt Juli in ihrem Lied &#8222;<strong>Geile Zeit</strong>&#8220; und es ist wahr. Es war eine geile Zeit, nachts loszuziehen, tanzen zu gehen bis früh am Morgen. Alkohol trinken, geile Musik hören, die erste Liebe, Shishabar und und und&#8230; War wirklich eine tolle Zeit.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7471" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/freundinnen-ziehen-durch-die-gegend.jpg" alt="Freundinnen ziehen durch die Gegend" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/freundinnen-ziehen-durch-die-gegend.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/freundinnen-ziehen-durch-die-gegend-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Aber für mich als Mutter ist diese Zeit vorbei.</p>
<p>Ich kann durchaus verstehen, dass einige Freunde diesen alten Zeiten nachtrauern. Dass es auch Freunde gibt, die diese alten Zeiten nicht gehen lassen wollen und können. Die weiterhin auf <strong>Party</strong> gehen und stundenlang Filme ansehen, sich dabei Chips und Alkopops reinziehen und nichts anders in ihr Leben lassen wollen. Das ist bedauerlich, weil es womöglich das Ende einer guten Freundschaft bedeutet, aber Reisende (oder Feiernde?) soll man nicht aufhalten.</p>
<p>Wenn jemandem unsere Freundschaft wichtig genug ist, wird sie/er es verkraften, mich eine Zeit lang nicht bzw. nie wieder unter einer Discokugel zu treffen.</p>

<h2>Fazit</h2>
<p>Freundschaften <strong>sterben</strong> nicht ab, weil man jetzt Mutter oder Vater geworden ist. Es sind die vielen, kleinen Dinge, die sich daraus entwickeln. Dass man andere ändern will und nicht so akzeptiert wie sie sind bzw. geworden sind. Dass einem die Freundschaft nicht wichtig genug ist, Kompromisse zu finden, überhaupt erst einmal Zeit füreinander zu finden. Auch über Dinge zu reden, die einen nicht interessieren, die/den Freund/in aber schon. Weil die Welt sich auch für andere weiterdreht und man nicht der Mittelpunkt des Universums ist.</p>
<p>Freundschaften gehen ein, weil man verunsichert ist und nicht weiß, was man tun oder sagen kann. Weil man den Mut verloren hat, zu sagen, was einem nicht gefällt oder dass man Hilfe braucht. Man will niemanden <strong>verletzen</strong>, aber eine Freundschaft sollte Ehrlichkeit und die Tatsache, dass nicht alle gleich sind, verkraften können.</p>
<p>Wir sollten miteinander <strong>reden</strong> und nicht unsere Freundschaften auf&#8217;s Spiel setzen, bloß, weil wir anderer Meinung geworden sind, andere Interessen haben, und meinen, wir würden uns voneinander entfernen. Freundschaften sind so wichtig. Wir müssen sie hegen und pflegen und dürfen sie nicht verkümmern lassen. Zumindest nicht, wenn sie uns wichtig sind.</p>
<p>Was würdest du deiner/m Freund/in jetzt gern sagen?<br />
</p>
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		<title>Die Geburt meines Sohnes</title>
		<link>https://www.milchtropfen.de/die-geburt-meines-sohnes/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Will]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Jun 2016 18:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Baby]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie ich mir die Geburt meines Sohnes ganz genau ausgemalt hatte: Im Geburtshaus. Natürlich. In der Wanne. Wie ich mein Baby zum ersten Mal in den Armen halte, es mich mit seinen großen Augen ansieht und ich mich Hals über Kopf verliebe. Doch der Plan von einer Traumgeburt platzte wie eine Seifenblase. Die Geburt meines Sohnes verkehrte ... <a title="Die Geburt meines Sohnes" class="read-more" href="https://www.milchtropfen.de/die-geburt-meines-sohnes/" aria-label="Mehr zu Die Geburt meines Sohnes">Weiterlesen</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie ich mir die Geburt meines Sohnes ganz genau ausgemalt hatte: Im Geburtshaus. Natürlich. In der Wanne. Wie ich mein <strong>Baby</strong> zum ersten Mal in den Armen halte, es mich mit seinen großen Augen ansieht und ich mich Hals über Kopf verliebe.</p>
<p>Doch der Plan von einer Traumgeburt platzte wie eine Seifenblase. Die Geburt meines Sohnes verkehrte sich nämlich ins komplette Gegenteil…</p>
<p><span id="more-397"></span><div id='c1992_0_11' class='sam-container sam-place' data-sam='0'></div></p>
<h2>Die Geburt meines Sohnes</h2>
<p>&#8222;Frau Braun! Sind Sie wach? Können Sie mich hören? FRAU BRA-HAUN!&#8220;</p>
<p>Bevor mich diese nervige Stimme aus der <strong>Vollnarkose</strong> holt, war ich einfach nur weg. Alles war schwarz. Es gab keinen Traum, keine Angst und keine Tränen mehr. Ich war einfach im Nichts.</p>
<p>Ich sehe alles noch verschwommen, wie durch Milchglas, und stehe total neben mir. Erkennen kann ich nur, dass ich jetzt wieder zurück im Kreißsaal bin und blicke nach rechts, um nach Mathi, meinem Freund, zu sehen. Er ist da. Das beruhigt mich. Er hält etwas in den Armen. Es ist mein Baby, das noch vor wenigen Minuten (?), Stunden(?) in meinem Bauch war.</p>
<p>Als man es mir gibt, kann ich es kaum glauben. Das ist mein Baby? Es kam mir alles so irreal vor. Ich war wie im Jum – total benebelt.</p>
<p>Dann zeigen sie mir den <strong>Mutterkuchen</strong>, der mich an einen weit verzweigten Baum erinnert. Was sie wohl damit gemacht haben? Hab ich ein Stück davon gegessen? Ehrlich, ich weiß es nicht mehr.</p>
<p>Nach 3 Stunden stille ich das 1. Mal mein Baby. Zumindest steht es so in den Unterlagen. Ich persönlich hatte absolut kein Zeitgefühl. Ich sehe nur in die dunklen Augen meines Babys, das beim Stillen wohlig grunzt. Es ist so schrumplig, schießt es mir durch den Kopf. Er sah wirklich aus wie ein alter Mann.</p>
<p>2980 g, 48 cm. Er war so winzig, dass ich von den Ärzten gefragt wurde, ob ich während der Schwangerschaft geraucht hätte. Das machte mich richtig wütend! Denken die tatsächlich, dass ich so etwas meinem Baby antun würde? Riesen sind mein Mann und ich nun wirklich nicht. Also warum sollte unser Baby es sein? Blass sei er, sagten sie. Ich war beleidigt. In meinen Augen war er wunderschön. Trotz der vielen Falten, der schrumpligen Fingerchen und dem kahlen Köpfchen.</p>
<h2>Doch beginnen wir von vorne</h2>
<p>Es war der 15.03.2015 und es war bereits spät. Mit meinem fetten Kugelbauch bewegte ich mich gemächlich ins Schlafzimmer und versuchte, im wabbeligen Wasserbett eine annähernd angenehme Position in Seitenlage einzunehmen. Irgendwann döste ich ein.</p>
<p>An richtiges <strong>Schlafen</strong> war seit der Schwangerschaft nicht mehr zu denken. Unzählige Male wachte ich auf. Meine Nase war, sobald ich mich hinlegte, verstopft wie bei einer fiesen Erkältung.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-406" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-frau-ist-nachts-wach.jpg" alt="Geburt - Frau ist nachts wach" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-frau-ist-nachts-wach.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-frau-ist-nachts-wach-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Auch diese Nacht wachte ich wie üblich auf, so etwa gegen 02:00 Uhr. Meine Blase drückte. Ich rollte mich vorschriftsmäßig vom Wasserbett herunter und schlich mit leisen Sohlen ins Bad, damit mein Freund nicht wach wurde.</p>
<p>Als ich im Bad war, merkte ich, dass meine Unterwäsche komplett <strong>nass</strong> war und ich fragte mich, ob ich eingepullert hatte.</p>
<p>Von Schwangeren mit schwacher Beckenbodenmuskulatur hatte ich ja schon zur Genüge gehört. Ich entschied mich dafür (wenn auch etwas spät), mehr für meinen Beckenboden zu trainieren.</p>
<p>Ich machte alles sauber, zog mich um und wollte wieder zurück ins Bett. Da spürte ich plötzlich, wie mir etwas Nasses die Beine hinunter rann. Ich blieb stehen und starrte nach unten. Ich war mir nicht sicher. Hatte ich gerade schon wieder eingepullert? Ich war doch gerade eben auf dem Klo! SO schlecht kann mein Beckenboden jetzt aber nicht sein.</p>
<p>Oder ist es der <a href="http://www.mamiweb.de/familie/der-blasensprung/1" target="_blank" rel="noopener">Blasensprung</a>? Läuft mir hier gerade Fruchtwasser an den Beinen entlang?</p>
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<p>Langsam breitete sich ein ungutes bis leicht panisches Gefühl in mir aus. Ich setzte mich nochmal auf die Toilette. Mein Herz wummerte. Ich machte wieder alles sauber, zog mich um, doch es passierte wieder genau das gleiche wie zuvor.</p>
<p>Ich traute mich nicht mehr vom Klo runter und rief meinen Freund. Der aber schlief seelenruhig weiter und hörte mich nicht. Scheiße, verdammt! Warum hört er mich nicht?! Ich rief lauter und verzweifelter nach ihm. Nichts. In meiner <strong>Panik</strong> fing ich an zu heulen.</p>
<p>Irgendwann hörte er mich dann endlich und kam schlaftrunken zu mir. Als er merkte, was hier los war, gab er mir ruckzuck das Telefon, damit ich die Bereitschaftshebamme anrufen konnte. Ich war total nervös und traute mich anfangs nicht, sie mitten in der Nacht anzurufen (es war inzwischen 02:30 Uhr). Was, wenn das jetzt falscher Alarm ist? Dann hab ich sie ganz umsonst geweckt! Oh Mann, ey. Wenn ich daran zurückdenke, fasse ich mir immer an den Kopf…</p>
<p>Irgendwann war die Angst überwunden. Ich rief die Bereitschaftshebamme an (die übrigens nicht meine eigentliche Hebamme war) und fing auch prompt wieder an zu weinen, als ich meine Lage schilderte.</p>
<p>Sie war wirklich sehr nett und beruhigte mich. Alles kein Grund zur Sorge. Wir sollten jetzt noch versuchen, Kraft zu tanken. Um 09:00 Uhr würden wir uns im Geburtshaus treffen. Oh mein Gott! Es geht los!</p>
<p>An Schlaf war vor lauter Aufregung gar nicht zu denken. Ich versuchte, mich zu entspannen. Ruhte mich aus. Unter tausend Gedanken, die mir durch den Kopf schwirrten, schlief ich dann doch irgendwann ein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-702" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/die-geburt-meines-sohnes-mutter-mit-kugelbauch.jpg" alt="Die Geburt meines Sohnes - Mutter mit Kugelbauch" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/die-geburt-meines-sohnes-mutter-mit-kugelbauch.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/die-geburt-meines-sohnes-mutter-mit-kugelbauch-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Wir trafen dann wie verabredet im <a href="http://www.geburtshaushellersdorf.de/" target="_blank" rel="noopener">Geburtshaus Hellersdorf</a> ein und wurden auch gleich von der Leiterin empfangen. Wir wurden in einen wunderschönen, gemütlichen Raum geführt. Dort gab es dann Wehentee, ein beruhigendes Gespräch und sogar eine <strong>Akupunktur</strong>.</p>
<p>Die Leiterin gab uns <strong>Globulis</strong> mit einer Liste, wann diese einzunehmen sind, mit auf den Weg und empfahl uns, viel spazieren zu gehen. Wir würden uns dann abends mit der Bereitschaftshebamme treffen und dann weiterschauen.</p>

<p>Gesagt, getan. Wir liefen draußen im Grünen herum und riefen überall in der Familie an, dass es jetzt endlich so weit sei. Aber irgendwie ging es nicht wirklich los bei mir. Ich hatte keine Probleme beim Gehen, konnte mich unterhalten, musste nichts veratmen. Ich bildete mir zwar immer ein, dass das, was ich fühlte, bereits Wehen waren (schließlich musste es ja jetzt mal langsam losgehen), aber tatsächlich passierte rein gar nichts.</p>
<p>Abends kamen wir mit all unserem Kram zum <strong>Geburtshaus</strong>. Ich war voller Erwartungen und sah mich schon mein Baby in den Armen halten. Mit Babyschale, Babysachen, Essen, Trinken, Klamotten, Rucksack und und und waren wir ausgestattet und richteten uns in unserem Zimmer ein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-419" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-warmes-licht.jpg" alt="Geburt - warmes Licht" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-warmes-licht.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-warmes-licht-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Auch hier war die Atmosphäre einfach fantastisch. Ein herrlicher Duft breitete sich im Raum aus, das Licht war angenehm warm, das Zimmer gemütlich eingerichtet. Ich fühlte mich entspannt, aufgehoben, umsorgt, sicher und war guter Dinge.</p>
<h2>Der Einlauf</h2>
<p>Ein Einlauf. Was ist das überhaupt? Ein dünner Schlauch wird in den Po eingeführt. Durch diesen Schlauch wird <strong>Wasser</strong> in den Körper geleitet. Wenn ein Druckgefühl entsteht, wird der <strong>Schlauch</strong> behutsam entfernt. In meinem Fall verließ die Hebamme anschließend den Raum, damit ich noch ein wenig aushielt und rumlief.</p>
<p>Wenn man merkt, jetzt geht es nicht mehr, macht man wie gewohnt auf der Toilette sein Geschäft. Meine Hebamme blieb solange draußen, damit ich ungestört war und meine Privatsphäre hatte und mich nicht schämen brauchte.</p>
<p>Als das geschafft war, untersuchte die Hebamme bei mir, wie weit der <strong>Muttermund</strong> schon geöffnet war. Und????? Ich war ganz aufgeregt? 1 cm? 2 cm? Ihre Antwort war niederschmetternd: Null. Nichts. Nicht mal ein bisschen. Und noch kein einziges Zipperlein, das zumindest eine Wehe erahnen lassen könnte. Das lief alles überhaupt nicht wie geplant.</p>
<p>Die Hebamme gab uns bis 22:00 Uhr Zeit, dass die Wehen einsetzten und der Muttermund sich etwas geöffnet hatte. Sollte dies nicht der Fall sein, müssten wir ins Krankenhaus. Die Gefahr einer <strong>Infektion</strong> steigt, wenn der Blasensprung bereits einige Zeit zurückliegt. Langsam wurde es also kritisch.</p>
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<p>Eine Geburt im Krankenhaus kam für mich eigentlich überhaupt nicht infrage! Ich hatte mich ja bewusst für ein Geburtshaus und gegen ein Krankenhaus entschieden. Ein <strong>Krankenhaus</strong> stellte ich mir immer so vor: Steril, grelles Licht, unfreundliches Personal, es stinkt nach Desinfektionsmittel, Kaiserschnitt wird natürlicher Entbindung vorgezogen usw.</p>
<p>Ich wollte mein Baby wirklich absolut nicht im Krankenhaus zur Welt bringen. Ich war hoch motiviert, die Wehen voranzutreiben, um nicht ins Krankenhaus zu müssen. Mein Kind sollte natürlich im Geburtshaus zur Welt kommen. Schließlich hatte meine Schwägerin so davon geschwärmt. Das wünschte ich mir auch für mein Baby und mich.</p>
<p>Wir spazierten also wieder eine gefühlte Ewigkeit draußen in der Dunkelheit umher, unterhielten uns und ich spürte ansatzweise eine Wehe.</p>
<p>Doch der Muttermund hatte sich kein Stück geöffnet. Wir mussten jetzt ins Krankenhaus, um dort wehenfördernde Tabletten zu bekommen und die Geburt voranzutreiben. Die Hebamme empfahl uns das <a href="https://www.vivantes.de/fuer-sie-vor-ort/details/action/custompage/einrichtung/vivantes-klinikum-am-urban/seite/einstieg-3/" target="_blank" rel="noopener">Vivantes Klinikum in Kreuzberg</a>.</p>
<p>Meine Eltern machten sich sofort auf den Weg, um uns dort abzuladen, da ich logischerweise nicht fahren durfte und mein Freund keinen Führerschein hatte.</p>
<h2>Die 1. Schicht</h2>
<p>Die 1. Schicht entsprach genau meinen Vorstellungen: Die Ärztin, die zu uns kam, war absolut unsympathisch, arrogant und unhöflich!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-6593" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/strenge-aerztin.jpg" alt="strenge Ärztin" width="680" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/strenge-aerztin.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/strenge-aerztin-400x252.jpg 400w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/strenge-aerztin-30x19.jpg 30w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Wir wussten ja, dass wir Tabletten zur <strong>Wehenförderung</strong> bekämen, waren also entsprechend vorbereitet. Aber als uns die Ärztin gleich Antibiotika geben wollte &#8211; nur für den Fall &#8211; stellten wir zunächst einige Fragen, um uns zu informieren.</p>
<p>Da antwortete sie doch tatsächlich mit einer derart pampigen Stimme:&#8220;Ich habe jetzt auch keine Lust, das mit Ihnen zu diskutieren!&#8220;</p>
<p>Na toll, dachte ich. Da muss ich schon im Krankenhaus entbinden und dann krieg ich gleich zur Begrüßung so eine ungemütliche <strong>Wetterhexe</strong> an meine Seite. Die Hebamme ging ja noch, war jetzt aber auch nicht mein Favorit. Ich hätte lieber meine Hebamme vom Geburtshaus dabeigehabt, aber die durfte das aus versicherungsrechtlichen Dingen oder was weiß ich nicht.</p>
<p>Zurück zur Ärztin, die jetzt mit dem Chefarzt telefonierte und sich in unserer Gegenwart über uns beschwerte:&#8220;Ja, unverantwortlich&#8230;!&#8220;, sagte sie. Sie stellte es so dar, als wollten wir das Antibiotikum nicht nehmen. Tatsächlich hatten wir aber nur Fragen über Nebenwirkungen etc. gestellt. Wir gehören nunmal nicht zur Sorte Patient, der nichts fragt und zu allem &#8222;Ja, immer her damit!&#8220; sagt&#8230; Hat ihr wohl nicht gepasst. Ich weiß es nicht.</p>
<p>Nichtsdestotrotz entschied ich mich dafür, das <strong>Antibiotikum</strong> zu nehmen (was sich später laut Ärzten als richtige Entscheidung erwies). Dennoch war ich geknickt. Durch diesen unfreundlichen Umgang mit uns fühlte ich mich einfach nur unwohl. Dazu kam noch meine Voreingenommenheit von Krankenhäusern. Ich wollte nicht hier sein.</p>
<p>Die wehenfördernden Tabletten bekam ich allerdings nicht sofort. Es musste noch diverser Papierkram unterschrieben werden. Der Chefarzt, der noch nicht da war, sollte mich auch nochmal untersuchen (und dann feststellen, dass mein Muttermund weiterhin 0 cm geöffnet war) und zwischendurch kamen immer wieder Notfälle herein, die natürlich Priorität hatten.</p>
<p>So kam es also, dass die 1. Schicht bereits nach Hause gehen konnte und ich erst von der 2. Schicht die Tabletten zur Wehenförderung bekam.</p>
<h2>Die 2. Schicht</h2>
<p>Etwas Gutes hatte die ganze Warterei: Die 2. Schicht war ein absoluter Traum! Die junge <strong>Hebamme</strong> war so freundlich, lieb, hilfsbereit, einfühlsam, liebevoll. Ich fühlte mich bei ihr richtig wohl.</p>
<p>Mit meinem Freund ging ich &#8211; es war bereits Morgen &#8211; im Park, der vor dem Krankenhaus lag, spazieren. Es war herrliches Wetter, die Sonne schien, die Schwäne schwammen auf dem Wasser, die Vögel zwitscherten. Es kam mir irgendwie irreal vor.</p>
<p>Für wenige Momente musste ich während unseres Spaziergangs immer innehalten, stehenbleiben und <strong>atmen</strong>. Mein Freund stützte mich dabei so gut er konnte. Und dann ging es wieder und wir konnten unseren Gang fortsetzen.</p>
<p>Zurück im Krankenhaus fand ich es dann angenehm, beim Atmen in die Hocke zu gehen. Niemand gab mir vor, diese Position einzunehmen. Ich empfand sie persönlich einfach als „richtig“. Das gab mir Kraft und Mut. Mein Körper zeigte mir, was er für die Geburt brauchte. Das Vertrauen wuchs: Ich schaffe das!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-422" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-schwan-auf-wasser.jpg" alt="Geburt - Schwan auf Wasser" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-schwan-auf-wasser.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-schwan-auf-wasser-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Die Stunden zogen dahin. Wir hatten kein bisschen schlafen können und waren hundemüde. Wann es mir mein Körper auch nur immer kurz ermöglichte, versuchte ich zu ruhen. Kraft zu schöpfen.</p>
<p>Ein Bett stand mir zur Verfügung. Es war so schmal, dass es gerade mal für mich reichte. Mathi hingegen musste versuchen, auf dem Besucherstuhl zu schlafen. Zwischendurch quetschten wir uns sogar gemeinsam auf das schmale Bett und versuchten, kurz Kraft zu tanken. Bis ich wieder unsanft geweckt wurde und laut atmen musste.</p>
<p>Im Geburtsvorbereitungskurs hatten wir einmal das Atmen geübt und sollten ausprobieren, welcher Laut uns beim Ausatmen am Angenehmsten war. Im Kurs kam mir das etwas albern vor, aber jetzt war ein tiefes &#8222;Aaaaaaaaaaaah!&#8220; genau das Richtige für mich. Davon wurde mein Freund natürlich auch gleich wieder wach. Es zehrte sehr an unseren Kräften. Nebenan schrie sich eine Gebärende die Seele aus dem Leib.</p>
<p>Dann bekamen wir <strong>Besuch</strong>. Mathis Mutti wollte natürlich sehen, ob mit uns und ihrem zukünftigen Enkelkind alles ok war und uns unterstützen. Ich war wirklich groggy. Immer wieder durchzog es meinen Körper mit einem fiesen Ziehen und ich musste tiiiiiiief ausatmen, um den Schmerz erträglich zu machen.</p>
<p>Mathis Mutter war inzwischen wieder weg. Allmählich merkte ich, wie mich die immer wiederkehrenden Schmerzen an den Rand der Erschöpfung trieben. Mathi versuchte, mir zu helfen. Er sagte immer zu mir, ich solle atmen. Hilfreich fand ich das in dem Moment nicht. Es machte mich eher wütend. Ich bat ihn so freundlich, wie es mir nur möglich war, damit aufzuhören.</p>
<p>Aufgrund der voranschreitenden Zeit kam immer mal wieder eine Hebamme oder ein Arzt herein, um mir eine <strong>PDA</strong> anzubieten. &#8222;Auf keinen Fall!&#8220;, dachte ich. Ich würde mich wie eine Versagerin fühlen, wenn ich jetzt schon ein Schmerzmittel bräuchte! Doch der Wunsch danach kam immer wieder, mit jeder Wehe, und ich biss mir auf die Lippen, um nicht zu sagen:&#8220;Okay, verdammt, gebt mir eine PDA!&#8220;.</p>
<p>Zwischendurch wurde auch immer wieder mein Muttermund kontrolliert, da ich schon ziemlich laut ausatmen musste. Die Hebamme kam herein und sagte:&#8220;Na das hört sich doch schon sehr gut an.&#8220;.</p>
<p>Doch bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass der <strong>Muttermund</strong> keinen einzigen verdammten Zentimeter geöffnet war! Ich wurde verrückt! Und wütend! Ich hätte am liebsten geheult und geschrien und irgendetwas an die Wand geschmissen! Warum ertrage ich hier schon stundenlang diese Scheißschmerzen, ohne dass hier auch nur im Entferntesten was passiert?! Ich war echt auf 180! Aber da kam schon die nächste Wehe&#8230;</p>
<div id='c6057_31_19' class='sam-container sam-place' data-sam='0'></div>
<h2>PDA</h2>
<p>Stundenlang kamen Wehen. Und ich ertrug sie. Ich hatte mir meine angenehmste Position gesucht: Kniend, die Arme auf dem Bett abgelegt, den Kopf darauf liegend, wobei Mathi unentwegt meinen Rücken streichelte. Ich war in dieser Zeit wie in <strong>Trance</strong> und bekam rein gar nichts von dem, was um mich herum geschah, mit. Ich machte einfach nur noch die Wehen mit, atmete laut mit &#8222;Aaaaaaaaaah!&#8220;.</p>
<p>Viele motivieren sich dann immer: Mit jeder Wehe kommen sie ihrem Baby ein Stückchen näher. Sie wandeln den Schmerz in etwas Positives um.</p>
<p>Nur bei mir klappte das irgendwie nicht. Ich spürte kein Vorankommen. Es ging mir einfach nur beschissen. Statt Kraft aus meinen Wehen zu schöpfen, merkte ich nur, wie mir mit jeder einzelnen von ihnen meine Kraft geraubt wurde. Unter all dem Schmerz fand ich kein bisschen Hoffnung. Ich war völlig neben der Spur.</p>
<p>Ich war ausgelaugt. Erschöpft. Hoffnungslos. Unendlich müde. Benommen. Komplett plemplem. Und dann hörte ich mich inmitten all diesen Wusts ganz kleinlaut sagen:&#8220;Ich glaube, ich nehme jetzt doch eine PDA.&#8220;</p>
<p>Weißt du, wie ich mich nach diesem Satz fühlte? Du magst es kaum glauben, aber es ging mir NOCH beschissener als vorher. Ich war maßlos von mir enttäuscht. Ich fühlte mich wie eine <strong>Versagerin</strong>. ICH war es, die auf keinen Fall Medikamente nehmen wollte. Die eine PDA für total überflüssig gehalten hatte. Was war mit natürlicher Geburt im Geburtshaus geworden?</p>
<p>All diese Vorstellungen waren nicht mehr wichtig für mich. Sie verloren mit der Zeit an Bedeutung. Bis sie mir völlig egal waren. Ich wollte nur noch, dass es weitergeht und irgendwann zu Ende ist. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte auch irgendwo nicht mehr, glaube ich.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-411" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/kopf-in-den-haenden.jpg" alt="Kopf in den Händen" width="679" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/kopf-in-den-haenden.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/kopf-in-den-haenden-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Ohne großes Gewese wurde alles Notwendige arrangiert, Papiere unterzeichnet usw. Ich war totmüde, erschöpft, total k.o. und wollte nur noch schlafen. Wie die Ärztin aussah, die mir die PDA verpasste, weiß ich gar nicht mehr. Das einzige, was mir von ihr in Erinnerung geblieben ist, ist ihre verdammt nervige Stimme.</p>
<p>Mittlerweile saß ich auf dem Bett, um mich etwas zu erholen. Dann kam sie herein, sagte, ich solle mich jetzt mal aufrichten und ganz weit nach vorn beugen, damit sie die Nadel setzen können. Stattdessen war ich wohl kurz eingenickt.</p>
<p>Als sie merkte, dass ich keine Anstalten machte, ihrer Bitte Folge zu leisten, kam ein pampiges &#8222;Frau Braun, Sie müssen jetzt auch mal mitmachen!&#8220;</p>
<p>Ich dachte, ich bin im falschen Film. „Ich müsse jetzt auch mal mitmachen?!“ Hallo? Geht’s noch? Ich fühlte mich ehrlich gesagt verarscht! Am liebsten hätte ich ihr was an den Kopf geknallt. Doch statt meine letzte Energie dafür zu verschwenden, sie anzuschreien, richtete ich mich mühsam auf.</p>
<p>Immer wieder kam eine <strong>Wehe</strong> und ich sollte Bescheid geben, wenn eine vorbei war. Sollte ganz still sitzen, mich keinen Deut bewegen, den Kopf ganz weit nach vorn beugen. Es war eine echt unangenehme Position. Vor allem mit dem Kugelbauch.</p>
<p>Ich hatte das Gefühl, dass gar keine Pause mehr zwischen den Wehen war. Die Ärztin wollte das nicht glauben, als ich immer wieder kurz angebunden (ich musste ja atmen) &#8222;WEHE!&#8220; keuchte. Also wurde ich an den Wehenschreiber angestöpselt, nur damit sie sehen konnte, dass da wirklich Wehen kamen&#8230; Ich sagte dann nichts mehr. Atmete, so gut es eben nach vorn gerichtet ging und ließ sie machen. Irgendwann hatte sie den Moment abgepasst und mir die Nadel gesetzt.</p>
<p>Als die PDA wirkte, ging es mir schlagartig besser. Ich konnte wieder klar denken, mich mit Mathi unterhalten, meine Umgebung wieder wahrnehmen; auch dem Arzt fiel mein besserer Gemütszustand auf.</p>
<p>Auch beim Muttermund hatte sich inzwischen etwas getan: 3 cm! Na immerhin!</p>
<p>Von mir aus können wir jetzt loslegen, dachte ich. Die Wehen, die jetzt kamen, waren ein Klacks im Vergleich zu denen davor.</p>
<h2>Die 3. Schicht &#8211; Notkaiserschnitt</h2>
<p>Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht mehr, wann die 2. Schicht ging und die 3. kam. Ich war wie gesagt einfach nur durch. Ich glaube, es war so um die Entscheidung mit der PDA herum.</p>
<p>Zumindest hatten wir auch mit der letzten Schicht Glück gehabt. Die Hebamme war sehr nett zu uns und gab sich die größte Mühe, es uns so angenehm wie möglich zu machen. Auch wenn mir ihre Methode mit dem „<a href="https://www.babyartikel.de/magazin/tipps-und-tricks-fuer-die-geburt" target="_blank" rel="noopener">Äpfel schütteln</a>“ extrem auf die Nerven ging, wusste ich doch ihre Mühe zu schätzen.</p>
<p>Wir waren also gerade beim „Äpfel schütteln“, da fing das <strong>Kontrollgerät </strong>mit einem Mal zu piepen an. Sofort betrat der Arzt das Zimmer. Er erklärte, das Kontrollgerät piept, weil die Herztöne des Babys aus irgendeinem unbekannten Grund runtergehen.</p>
<p>So behutsam wie möglich versuchte der Arzt uns zu verstehen zu geben, dass, wenn die <strong>Herztöne</strong> jetzt weiterhin so schlecht sind, unser Baby per Kaiserschnitt geholt werden müsse, eventuell sogar per Notkaiserschnitt unter Vollnarkose. Es würde dann alles ganz schnell gehen müssen, sollte es dazu kommen.</p>
<p>Was war nur los mit unserem kleinen Würmchen? Wir machten uns unendlich Sorgen! Wir konnten nichts machen. Einfach weiter auf das Gerät starren, bangen und hoffen.</p>
<p>Und es kam, wie es kommen musste. Ich hatte nach diesen Stunden gar nichts anderes mehr erwartet, ehrlich gesagt. Es ging ja bereits alles schief, was bisher geplant war. Warum sollten also die Herztöne unseres Babys wieder hochgehen?</p>
<p>Klar hatten wir uns mit dem Gedanken an einen <strong>Kaiserschnitt</strong> „angefreundet“. Es war jetzt nicht das Tollste, was ich mir vorstellen konnte, aber es war ok für mich, redete ich mir ein.</p>
<p>Aber als der Arzt dann mitteilte, dass sie unser Baby jetzt wirklich holen würden, zerbrach mein letztes Stückchen Hoffnung. Es hieß nicht mehr Kaiserschnitt; jetzt war die Rede von einem NOTkaiserschnitt. Aus dem einfachen Grund, dass sie nicht wussten, warum bei jeder Wehe die Herztöne des Kleinen runtergehen würden.</p>
<p><strong>Notkaiserschnitt</strong>. Das bedeutete für meinen Freund, dass er nicht dabei sein durfte. Er würde meine Hand nicht halten können. Mir keinen Mut zusprechen können. Er würde die Geburt seines Sohnes komplett verpassen und hinter verschlossenen Türen abwarten müssen. Diese Ungewissheit, ob es meiner Freundin und meinem Baby gut geht, stellte ich mir grausam vor.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-6594" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/person-wartet-hinter-milchglas.jpg" alt="Person wartet hinter Milchglas" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/person-wartet-hinter-milchglas.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/person-wartet-hinter-milchglas-400x253.jpg 400w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/person-wartet-hinter-milchglas-30x19.jpg 30w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Und für mich bedeutete der Notkaiserschnitt Vollnarkose. Ich würde die Geburt meines Sohnes nicht miterleben. Sein erstes Geräusch beispielsweise. Oder seinen ersten Blick, wenn er die Augen öffnet. Seinen ersten Geruch. All das würde ich verpassen.</p>
<p>Stattdessen würde ich wie ein Schwein aufgeschnippelt und mein Baby mit stinkenden Gummihandschuhen aus mir herausgenommen werden. Ich würde es nicht halten können, also würden sie es mir auch nicht sofort auf den Bauch oder die Brust legen. Es würde in ein totes Stück Stoff gewickelt werden. Es würde meinen Geruch nicht wahrnehmen und meine Wärme nicht spüren können.</p>
<p>Wie soll es sich denn sicher, wohl und geborgen fühlen, wenn all das mit ihm gemacht wird?</p>
<p>Im ersten Moment noch wohlig warm, im nächsten kalt und grell und laut. Es würde vor lauter Panik gar nicht weiter wissen, weinen, schreien, zu mir wollen, aber ich wäre nicht da.</p>
<p>Und dann kamen ja noch die ganzen Informationen dazu, die ich im Laufe der Schwangerschaft so gelesen hatte. Mein Körper würde später denken, mein Baby sei tot, weil ich nicht aktiv bei der Geburt dabei gewesen sei. Ich würde mein Kind nicht lieben können wie eine Mutter, die ihr Kind auf natürliche Weise auf die Welt gebracht hat. Es würden Stillprobleme kommen. Wahrscheinlich würde ich gar nicht stillen können.</p>
<p>All dieser Wust an Informationen und Gefühlen schoss durch meinen Kopf. Ich hatte keine Wahlmöglichkeit. Es würde so passieren, es gab keine Alternative. Das, was mir da vorgesetzt wurde, musste ich jetzt nur noch in den Kopf kriegen.</p>
<p>Ja und dann kam, was eigentlich schon längst überfällig war: Wir fingen furchtbar an zu weinen. Ich konnte nicht mehr aufhören. Ich wollte nicht aufhören. Hoffte irgendwie noch auf ein Wunder, aber es kam keins. Wir hatten es uns so ganz anders vorgestellt. Und nun traf genau das ein, was wir am wenigsten wollten. Mehr machen, als zu weinen, kann man da nicht.</p>
<p>Und so willigten wir ein, der Arzt trommelte alle notwendigen Leute zusammen. Er bereitete uns darauf vor, dass jetzt alles ganz schnell gehen würde.</p>
<p>Währenddessen starrten wir gemeinsam mit der Hebamme auf die Herztöne des Babys, auf dass sie sich wieder besserten. Und tatsächlich: Sie gingen wieder hoch! Die Hebamme sprang aus dem Zimmer, um den Arzt zu informieren! Jetzt wird alles gut, dachte ich! Ich kann doch &#8222;normal&#8220; entbinden!</p>
<p>Aber für den Arzt, der bereits alle um sich geschart hatte, war die Zeit zu lang fortgeschritten. Es ging los.</p>
<p>Ich wurde von Leuten, die ich nicht kannte, auf meinem Bett in den <strong>OP</strong> gerollt. Der Abschied von Mathi tat mir unendlich weh und ich fing wieder zu heulen an. Ich wollte ihn bei mir haben, aber das ging nicht.</p>
<p>Im Nu wurde ich auf einen anderen Tisch gehievt und bekam eine Maske auf, damit ich narkotisiert werden konnte. Ich zählte. Atmete. Versuchte, wach zu bleiben. Aber dann war alles Schwarz. Den Rest, wie ich aufwachte und das winzige Schrumpelfüßchen erblickte, kennst du.</p>
<h2>Die Kaiserschnittnarbe</h2>
<p>Die Narbe war echt gut gemacht, das musste ich den Chirurgen lassen. Sie tat zwar einige Monate etwas weh und ziepte, aber ich hatte schon Schlimmeres von anderen Müttern mit Kaiserschnitt gehört. Meine <strong>Narbe</strong> war weder wulstig noch besonders auffällig, und sie riss auch nie auf. Gott bewahre, wenn ich daran denke, dass noch so etwas hätte passieren können!</p>
<p>Aber jedes Mal, wenn ich über meinen Bauch strich, der jetzt gar nicht mehr schön prall und kugelrund war, sondern nur noch schwabbelig, und mich furchtbar erschreckte und manchmal sogar anwiderte, fühlte ich nichts. Rein gar nichts. Durch den Kaiserschnitt wurden zig <strong>Nerven</strong> durchtrennt.</p>
<p>Manchmal, wenn Mathi meinen Bauch streichelte, fühlte es sich an wie ein verdammt schlimmer Sonnenbrand. Es war mir unangenehm, wenn er oder ich über meinen Bauch fuhr. Es gab Zeiten, in denen ich es nicht einmal mehr zuließ, dass über meinen Bauch gefahren wurde. Es kam mir vor, als würde dieser Teil meines Bauchs nicht mehr zu mir gehören, denn ich spürte ja nichts mehr. Ich bangte, dass ich dort nie wieder etwas fühlen könnte.</p>
<p>Und tatsächlich sollte es über ein Jahr dauern, bis ich wieder etwas fühlen konnte und es für mich auch wieder normal war, über meinen Bauch zu streichen.</p>
<h2>Wochenbett</h2>
<p>Wir beschlossen kurzerhand, nach der Geburt im Krankenhaus zu bleiben und uns ein Zimmer zu nehmen. Mathi sagte auf Arbeit Bescheid und verbrachte die Tage gemeinsam mit unserem Baby und mir. Wir machten es uns so richtig gemütlich und gingen kaum aus unserem <strong>Nest</strong> raus.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-421" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-papa-und-baby.jpg" alt="Geburt - Papa und Baby" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-papa-und-baby.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-papa-und-baby-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Unser Zimmer lag ganz am Ende des Flurs. Keiner störte uns. Nur die Essensfrau und ab und zu mal eine Hebamme kamen in unsere gemütliche Höhle herein, um sich um uns zu kümmern. Der Kleine schlief die ganze Zeit über, und wenn er mal nicht schlief, dann trank er, als gäbe es kein Morgen mehr. Das war einige Tage bis wenige Wochen ziemlich unangenehm. Es fühlte sich bei jedem Stillen so an, als würde sich etwas in mir immer zusammenziehen – die <strong>Gebärmutter </strong>bildete sich zurück.</p>
<p>Dass ich mein Baby nicht mehr hergeben wollte, kennt wohl jede Mutter. Wenn es Nacht wurde, ließ ich es in meinen Armen schlafen. Wenn es Durst hatte, war ich sofort da und konnte es stillen.</p>
<p>Die Hebammen sagten uns, wir dürften das bloß nicht die Ärzte wissen lassen, aber das war uns sowas von egal, was die uns sagen würden. Wenigstens, was dieses Thema anging, konnten wir selbst entscheiden. Und das ließen wir uns nicht nehmen.</p>
<p>Und anders wäre es auch gar nicht möglich gewesen, wenn man überlegt, dass ich so <strong>schwach</strong> war, dass ich mein Baby gar nicht halten konnte! Jedes Mal, wenn der kleine Nimmersatt von der Brust abging und nicht mehr von allein rankam, musste Mathi aufstehen, ihn hochnehmen und ihn so anlegen, dass er wieder trinken konnte. Ich war unheimlich froh, ihn an meiner Seite zu haben. Ich weiß nicht, was ich allein in diesem Zimmer gemacht hätte. Wahrscheinlich ständig die Hebammen herbeigeklingelt.</p>
<p>So vergingen die Tage im Krankenhaus. Es kam auch Besuch (an den ich mich kaum noch erinnere, ich war noch ziemlich neben der Spur) und alle bewunderten den süßen Spatz, der wie ein alter Mann aussah.</p>
<p>Sogar die alte Wetterhexe bekamen wir ein zweites Mal zu Gesicht. Sie war genau so unsympathisch wie beim ersten Kennenlernen.</p>
<p>Auch der Chirurg, der den Kaiserschnitt gemacht hatte, stellte sich bei uns in aller Ruhe vor und erklärte uns ausführlich, woran es nun gelegen hatte, dass die Herztöne des Kleinen bei jeder Wehe runtergingen: Es lag an der <strong>Nabelschnur</strong>, die um seinen Hals gewickelt war. Mit jeder Wehe wurde er nach unten gedrückt und die Nabelschnur schnürte seinen Hals zu, sodass er kaum Sauerstoff bekam.</p>

<h2>Ab nach Hause</h2>
<p>So vergingen die Tage und nach und nach konnte ich mich besser aufrichten. Den Bauch durfte ich auf keinen Fall anspannen wegen der Narbe. Vorsichtig begann ich, ein paar <strong>Schritte</strong> zu gehen. Erst vom Bett runter, dann zum Bad, dann ins Bad, dann in die Dusche (da brauchte ich noch Hilfe), dann zur Untersuchung den Gang hinunter. Es ging voran und gegen Ende der Woche wurden wir von meinen Großeltern nach Hause gefahren.</p>
<p>Zu Hause war alles nochmal ganz neu für uns. Im Wasserbett durfte unser Baby ja nicht schlafen, aus Sicherheitsgründen. Aber ich durfte das Bett ja erst mal nicht verlassen. Wenn der Kleine in seinem Korb auf Rädern schlief, versuchte ich auch zu schlafen. Mathi brachte ihn mir dann, wenn er hungrig war. Aber so ganz ideal fand ich das nicht. Er wollte in meinen Armen sein und wachte sofort auf, wenn wir versuchten, ihn ins Bett zu legen.</p>
<p>Diese Zeit war hart. Doch sie besserte sich, als Mathi für 2 Wochen wegen seiner Arbeit nach Saarbrücken reisen musste. Ich war zwar super aufgeregt, weil ich mich dann ganz <strong>allein</strong> um den Kleinen kümmern musste &#8211; neben Haushalt, Essen machen usw. &#8211; aber zumindest die Nächte wurden ruhiger, weil ich ihn bei mir schlafen ließ, obwohl Mathi meinte, ich solle ihn in sein Bettchen legen, wenn er eingeschlafen sei. Aber das Risiko, dass er wieder aufwachte, wollte ich nicht eingehen. Also verbrachten wir die Zeit zu zweit entweder im Schaukelstuhl oder auf der Couch, auf die ich gezogen war, damit er bei mir schlafen konnte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-420" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-baby-schlaeft.jpg" alt="Geburt - Baby schläft" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-baby-schlaeft.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/06/geburt-baby-schlaeft-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Und irgendwann hatten wir uns aneinander gewöhnt und langsam und allmählich den Bogen raus. Doch es war nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, wie einem immer vorgegaukelt wird.</p>
<p>Noch heute gibt es Momente, in denen ich an meiner echten <strong>Mutterliebe</strong> zu meinem Sohn zweifle. Ich höre dann immer von allen, dass das, was in den Büchern stand, völliger Quatsch ist. Dass das nicht wahr ist und sie hätten nie eine liebevollere und geduldigere Mutter erlebt und dass ich das toll mache und dass wir das schaffen würden. Aber gegen dieses komische Gefühl komme ich nicht an, egal, was andere sagen.</p>
<p>Ich fühle mich, wenn ich zurück denke, immer noch als Versagerin! Ich bin wütend auf mich, dass ich es nicht allein geschafft habe und wahnsinnig enttäuscht von mir. Ich male mir aus, wie es unser Sohn unter anderen Umständen &#8211; ohne Krankenhaus, ohne PDA, ohne Kaiserschnitt und Ärzte usw. &#8211; vielleicht nicht geschafft hätte, lebend auf die Welt zu kommen.</p>
<p>Es gibt Zeiten, in denen mich mein Kind wütend macht, in denen ich nicht mehr kann, in denen ich müde und erschöpft bin, in denen ich für mich sein will. Und dann kommt wieder die Frage &#8222;Würde eine &#8222;richtige&#8220; Mutter auch so etwas denken?&#8220;.</p>
<p>Sogar nach mehr als einem Jahr nach der Geburt meines Sohnes kommen mir die Tränen, wenn ich mir dieses Ereignis in Erinnerung rufe. Selbst, als ich diesen Bericht geschrieben habe, musste ich an einigen Passagen halten und erst mal in Ruhe weinen. Es gibt noch viel zu verarbeiten.</p>
<p>Und nicht nur ich muss verarbeiten. Auch Mathi. Auch er muss weinen, wenn wir aus irgendeinem Grund wieder von der Geburt sprechen. Alle sagen, wir müssen darüber reden, reden, reden, sprechen, sprechen, sprechen, um das <strong>Trauma</strong> zu verarbeiten. Aber jeder macht das auf seine Weise. Ich für meinen Teil bin wieder einen Schritt gegangen, indem ich nochmal alles Revue passieren ließ. Und es war gut, auch wenn es weh tat.</p>
<h2>Was ich gelernt habe</h2>
<p>Was hat mich dieses doch ziemlich traumatische Ereignis gelehrt? Vor allem etwas, das ich zwar schon kannte, aber nicht auf die Geburt meines Sohnes anwenden wollte: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Man kann nichts <strong>planen</strong> und vor allem nicht die Geburt. Das wurde mir hiernach eindeutig klar.</p>
<p>Die Ärzte meinten, ich könne trotz Kaiserschnitt die nächsten Kinder auf natürliche Weise gebären, da mein Körper eigentlich &#8222;weiß&#8220;, wie es geht. Nur bei dieser Geburt hat es nunmal leider nicht geklappt.</p>
<p>Für die nächsten Kinder &#8211; sollten wir diesen Schritt jemals wagen &#8211; werde ich mir nicht so viele Gedanken machen. Ich werde so lässig wie es geht an die Sache rangehen und hoffentlich im Geburtshaus gebären können.</p>
<p>Und wenn es auch bei den zukünftigen Geburten nicht der Fall sein sollte, dann ist das halt so. Ich werde meine Kinder trotzdem lieben können, auch wenn ich manchmal von Zweifeln überhäuft werde.</p>
<p>Zum Schluss möchte ich dir dafür danken, dass du dir diesen Brocken durchgelesen und mir zugehört hast.</p>
<p>Wenn auch du über deine Geburt &#8211; sei es wie eine aus dem <strong>Bilderbuch</strong> oder aus einer <strong>Horrorgeschichte</strong> &#8211; reden willst, dann schreib mir. Ich höre dir gern zu.<br />
</p>
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