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	<title>Bedürfnis &#8211; Milchtropfen</title>
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	<title>Bedürfnis &#8211; Milchtropfen</title>
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		<title>Zusammenfassung von Katharina Saalfranks Vortrag vom 19.10.2017</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Will]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Oct 2017 00:33:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Eltern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am 19.10.2017 fand der Vortrag von Katharina Saalfrank zum Thema „Strafen und Konsequenzen“ statt und ich wollte heute mal kurz (ich hoffe zumindest, dass dieser Beitrag nicht allzu lang wird) darüber berichten. Zusammenfassung von Katharina Saalfranks Vortrag vom 19.10.2017 Der Vortrag war für uns alle kostenlos und ging etwa 2 Stunden. 1 Stunde Vortrag, 1 ... <a title="Zusammenfassung von Katharina Saalfranks Vortrag vom 19.10.2017" class="read-more" href="https://www.milchtropfen.de/zusammenfassung-von-katharina-saalfranks-vortrag-vom-19-10-2017/" aria-label="Mehr zu Zusammenfassung von Katharina Saalfranks Vortrag vom 19.10.2017">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Am 19.10.2017 fand der Vortrag von Katharina Saalfrank zum Thema „Strafen und <strong>Konsequenzen</strong>“ statt und ich wollte heute mal kurz (ich hoffe zumindest, dass dieser Beitrag nicht allzu lang wird) darüber berichten.</p>
<p><span id="more-7649"></span></p>
<h2>Zusammenfassung von Katharina Saalfranks Vortrag vom 19.10.2017</h2>
<p>Der <strong>Vortrag</strong> war für uns alle kostenlos und ging etwa 2 Stunden. 1 Stunde Vortrag, 1 Stunde Fragen stellen.</p>
<p>Mein Mann und ich waren mit unserem Sohn da und der fand den Vortrag jetzt nicht SO spannend, weshalb ich mich mit ihm ins Nebenzimmer verkrochen und dort gespielt habe. Deshalb kann ich mich hauptsächlich auf die fleißigen Notizen meines Mannes stützen. Ich hoffe, wir haben hier alles Wichtige notiert.</p>
<p>Am Anfang stellt sich <a href="https://www.katiasaalfrank.de/" target="_blank" rel="noopener">Katharina Saalfrank</a> als Diplompädagogin und Musiktherapeutin vor, die eine Praxis in Berlin-Wilmersdorf hat und u.a. Videoanalysen und Hausbesuche anbietet.</p>
<p>Natürlich schwingt bei Katharina Saalfrank immer dieser <strong>Super Nanny </strong>Ruf mit. Ich habe mich auch gefragt: Hat sie dahinter gestanden, was da im Fernsehen lief?</p>
<p>Gleich zum Anfang des Vortrages wird kurz darauf eingegangen und gesagt, dass es sich bei der Super Nanny um eine Kunstfigur handelt. Katharina Saalfrank erzählt zwischendurch, dass sie hunderte Stunden gedreht haben und letztendlich nur ein winzig kleiner Anteil davon ausgestrahlt wurde (genaue Anzahl habe ich nicht aufgeschrieben).</p>
<p>Für mich kam es zeitweise wie eine Rechtfertigung rüber, aber ich kann natürlich auch verstehen, dass sie diese Fragen geklärt haben möchte. Es gibt viele Kritiker*innen. Erst sagt sie das eine, dann das andere. Kann man sie überhaupt noch ernst nehmen?</p>
<p>Ja, denken mein Mann und ich, nachdem wir am Ende des Vortrages darüber geredet haben. Sie scheint – so war unser Eindruck – hinter dem zu stehen, was sie sagt. Gehen wir also auf das Inhaltliche ein.</p>
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<h2>Strafen und Konsequenzen</h2>
<p>Katharina Saalfrank möchte in diesem Vortrag ihr <strong>Buch</strong> <a href="http://amzn.to/2l7fm9F" target="_blank" rel="nofollow noopener">„Kindheit ohne Strafen: Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen“</a>* vorstellen. Ich hatte mir schon gedacht, dass es bei einem kostenlosen Vortrag so etwas in der Art geben wird. Von daher war ich jetzt nicht sonderlich überrascht. Ist in meinen Augen auch völlig ok.</p>
<p>Sie will hier also niemanden überzeugen, etwas zu tun, mit dem er/sie überhaupt nicht konform geht. Wer meint, Kinder bräuchten Konsequenzen/<strong>Strafen</strong> usw., soll seinen/ihren Weg gehen. „Kindheit ohne Strafen“ – dieser Weg sei etwas für Eltern, Erzieher*innen usw., die einen bindungs- und beziehungsorientierten Weg gehen <strong>WOLLEN</strong>.</p>
<h3>Wie geht das also?</h3>
<p>Es geht darum, vom <strong>Monolog</strong> („Ich hab dir doch schon hundert Mal gesagt, dass du das nicht machen sollst!“) in den <strong>Dialog</strong> zu kommen. Das könnte in etwa so aussehen, dass du dein Kind zu einem Kakao in die Küche einlädst und dort das Gespräch mit ihm suchst, z.B. so:„Du hast dein Zimmer nicht aufgeräumt. Ich fühle mich dabei unwohl. Ich kann gar keinen Fuß vor den anderen setzen, um zu dir ans Bett zu kommen. Warum räumst du nicht auf? Mir ist es wichtig, dass das Zimmer ordentlich ist. Was meinst du, können wir hier machen?&#8220;.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7656" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/kind-haelt-herztasse-mit-heisser-schokolade.jpg" alt="Kind hält Herztasse mit heißer Schokolade" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/kind-haelt-herztasse-mit-heisser-schokolade.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/kind-haelt-herztasse-mit-heisser-schokolade-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Wenn ich etwas von meinem Kind erwarte, wie z.B. Respekt, mein Kind sich mir ggü. aber m.M.n. respektlos verhält, muss ich mich fragen, woran das wohl liegen könnte. Ich schaue nicht mehr auf das <strong>Verhalten</strong> (mein Kind haut mich und/oder andere Kinder), sondern auf die <strong>Botschaft</strong> hinter dem Verhalten (z.B. <strong>Bedürfnis</strong> nach Kontakt, Nähe, es ist eifersüchtig usw.).</p>
<p>Es geht um <strong>Reflexion</strong>. Wie verhalte ich mich ggü. meinem Kind? Bin ich da respektvoll? Liebevoll? Warmherzig? Also all das, was ich mir von meinem Kind und auch anderen Menschen wünsche? Verhalte ich mich selber so, wie ich gern behandelt werden würde? Die <strong>Vorbild</strong>funktion spielt eine ganz wichtige Rolle.</p>
<p>Und dann gibt es Tage, da mag ich mich selber nicht, weil ich so ätzend ggü. meinem Kind bin. Das ist der ideale Moment, um mal tief in sich zu gehen. In die eigene <strong>Kindheit</strong>. Wie wurde ich da behandelt? Wurde ich da <strong>bedingungslos</strong> geliebt mit all meinen Gefühlen, wie Freude, aber auch Wut, Trauer, Angst? Oder wurde ich nur geliebt, wenn ich mich in einer bestimmten Art und Weise verhalten habe und wurde bestraft, wenn ich es nicht tat?</p>

<p>Wer sagt: Ich höre auf mein Bauchgefühl, sollte sich fragen: Ist es wirklich MEIN <strong>Bauchgefühl</strong> oder wurde es mir anerzogen? Würde mir mein eigenes Bauchgefühl tatsächlich sagen, dass ich meinem Kind jetzt mal eine scheuern muss? Ist es dann nicht vielmehr die eigene Erfahrung aus der Kindheit, wie ich da behandelt wurde, die mir da in mein Bauchgefühl reinredet? Dieser <strong>Schmerz</strong>, der mir da einreden will, dass das richtig war, denn so wurde ich auch behandelt und „geliebt“ und es war „nur zu meinem Besten“?</p>
<p>Dazu kommt noch, dass wir von außen einem enormen <strong>Druck</strong> standhalten müssen, wenn wir uns nicht so verhalten, zu was so viele Expert*innen raten: Strafe muss sein bzw. Konsequenzen müssen sein. Kinder testen Grenzen aus.</p>
<p>Uns wird also schon von angeblichen <strong>Expert*innen</strong> wie <a href="http://www.zeit.de/2005/29/Kinder_komma__Kinder" target="_blank" rel="noopener">Johanna Haarer</a> gesagt, dass wir im Kampf mit unseren eigenen Kindern stehen. Dass es immer darum geht, wer die <strong>Macht</strong> hat. Wer keine Strafen setzt, ist automatisch keine gute Mutter bzw. kein guter Vater oder wer auch immer. Schon das Baby, das von seiner Mutter Nähe und Essen will, ist ein <strong>Tyrann</strong>, der schreien gelassen, nur alle 4 Stunden gefüttert werden und vor allem gezüchtigt werden soll, damit er als gut erzogen gilt.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7657" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/vater-stirn-an-stirn-mit-baby-im-arm.jpg" alt="Vater Stirn an Stirn mit Baby im Arm" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/vater-stirn-an-stirn-mit-baby-im-arm.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/vater-stirn-an-stirn-mit-baby-im-arm-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<h2>Was Strafen und Konsequenzen anrichten</h2>
<p>Doch was macht das mit uns und vor allem mit unseren Kindern, wenn wir strafen? Wir verlassen die Beziehungsebene und gehen über zu <strong>manipulativem</strong>, <strong>erniedrigendem</strong>, gar <strong>grausamem Verhalten</strong>. Wir haben ein bestimmtes Ziel vor Augen, wie sich unser Kind zu verhalten hat.</p>
<p>Und diese Strafe versteht unser Kind als „<strong>Ich bin falsch</strong>“. Es stellt sich selbst in Frage, was im Erwachsenenalter zu Panikattacken, Angststörungen, Störungen, Störungen und noch mehr Störungen, die jahrelanger <strong>Therapie</strong> bedürfen, führt.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7655" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/teenager-sitzt-traurig-am-fenster.jpg" alt="Teenager sitzt traurig am Fenster" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/teenager-sitzt-traurig-am-fenster.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/teenager-sitzt-traurig-am-fenster-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ganz zu schweigen davon, dass dieses anerzogene Verhalten wiederum an die Kinder unserer Kinder weitergeben wird. Weil sie ja auch so behandelt wurden. Gleiches mit Gleichem vergelten. Macht demonstrieren. Starke gegen Schwache. Immer gegeneinander. Immer auf <strong>Machtkampf</strong> aus.</p>
<p>Also wie macht man es dann, wenn nicht mit Strafen und Konsequenzen?</p>
<p>Es geht um ehrliches <strong>Interesse</strong>. Nicht darum, einzig und allein das Verhalten meines Kindes zu interpretieren, sondern mir die <strong>Zeit</strong> zu nehmen, zu verstehen, was der Grund für sein Verhalten sein könnte. Es geht um Ernst nehmen. Zuhören. Und zwar offen und unvoreingenommen. Wertfrei. Mit Verständnis. Vertrauen in mein Kind. In Kontakt kommen. Wahrnehmen. In Beziehung gehen. Endlich wieder <strong>miteinander </strong>und nicht gegeneinander.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7658" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/mutter-haelt-kind-im-arm.jpg" alt="Mutter hält Kind im Arm" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/mutter-haelt-kind-im-arm.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/10/mutter-haelt-kind-im-arm-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<h2>Fazit</h2>
<p>Für meinen Mann und mich war es ein Vortrag, der uns in dem, was wir denken und tun, bestätigt hat. Es war nichts Neues mit besonderem Aha-Effekt, allerdings ist es immer wieder schön zu hören, dass auch andere diesen &#8222;neuen&#8220; Weg gehen. Die ihre Kinder nicht als Tyrannen, gegen die sie in den Krieg ziehen müssen, ansehen, sondern als <strong>gleichwertige</strong> Menschen, denen man auf Augenhöhe begegnet. Bei denen man wirklich daran interessiert ist, eine <strong>gemeinsame</strong> Lösung zu finden, wenn es zu Konflikten kommt, anstatt die eigene <strong>Macht</strong> gegenüber seinen Kindern zu missbrauchen.</p>
<p>Ich hoffe, du konntest einiges aus diesem Vortrag mitnehmen, auch wenn du nicht dabei warst 🙂</p>
<p>Alles Liebe</p>
<p>Julia<br />
</p>
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		<title>Treffen sich ein Kind und ein Tablet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Will]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 May 2017 01:31:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Eltern]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist das ein Witz? Kann sein. Nur weiß ich noch nicht, wie dieser enden wird. Wie er anfängt, wisst ihr jetzt. Wir haben unseren 2-jährigen Sohn auf unser Tablet losgelassen&#8230; Treffen sich ein Kind und ein Tablet Es klingt wie ein Scherz. Ist aber keiner. Das Ende ist noch nicht geschrieben. Aber den Anfang kann ... <a title="Treffen sich ein Kind und ein Tablet" class="read-more" href="https://www.milchtropfen.de/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet/" aria-label="Mehr zu Treffen sich ein Kind und ein Tablet">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ist das ein Witz? Kann sein. Nur weiß ich noch nicht, wie dieser enden wird. Wie er anfängt, wisst ihr jetzt. Wir haben unseren 2-jährigen Sohn auf unser Tablet losgelassen&#8230;</p>
<p><span id="more-4619"></span><div id='c3529_0_11' class='sam-container sam-place' data-sam='0'></div></p>
<h2>Treffen sich ein Kind und ein Tablet</h2>
<p>Es klingt wie ein Scherz. Ist aber keiner. Das Ende ist noch nicht geschrieben. Aber den Anfang kann ich euch schonmal erzählen.</p>
<p>Mein Mann und ich begeben uns auf ein fremdes Gebiet. Lassen los von „Du darfst pro Woche ein kurzes Video sehen (dessen Inhalt WIR bestimmen).“. Stattdessen heißt es nun bei uns „Du willst etwas auf dem Tablet schauen? Ok.“</p>
<h2>Seid ihr bekloppt?</h2>
<p>Früher hätte ich bei solchen Sprüchen mit dem Kopf geschüttelt. Die Eltern für verrückt erklärt. Für asozial gehalten. Weil sie ihr Kind einem Gerät mit ordentlich <strong>Suchtpotential</strong> aussetzen. Statt sich mit ihrem Kind zu beschäftigen. Es ist unverantwortlich!</p>
<p>Ja, so in etwa stelle ich mir meine Reaktion vor. Aber heute denke ich anders. Warum? Woher der plötzliche Sinneswandel?</p>
<h2>Ruth</h2>
<p>Nur einige Tage ist es her, seit ich auf Facebook einer Gruppe beitrat. Der „Unerzogen leben“-Gruppe. Auf diesem Weg lernte ich den <a href="http://unerzogenleben.com/index.php/blog/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">gleichnamigen Blog von Ruth</a> kennen. Das Thema „Unerzogen leben“ fesselte mich. Wenngleich es für mich kein völlig neues Gebiet war.<br />
Rasch musste ich jedoch feststellen, dass ich erzog. Obwohl ich es nicht wollte. Beispielsweise beim Thema „Tablet“. Mein Mann und ich waren der festen Überzeugung, unser Kind zu schützen. Vor der <strong>Sucht</strong>.</p>
<p>Der kleine Mann wollte nicht nur EIN Video sehen. Kaum war das eine zu Ende, wollte er noch eins sehen. Und noch eins. Und noch eins. Das hätte er tagelang machen können. Wir waren froh, diesem Suchtverhalten einen Riegel vorzuschieben. Zum <strong>Schutz</strong>. Davor, dass er nicht verdummt. Den ganzen Tag nichts besseres zu tun hat, als vor dem Tablet zu sitzen. Zu glotzen. Sich berieseln zu lassen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4670" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-starrt-auf-tablet.jpg" alt="Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Kind starrt auf Tablet" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-starrt-auf-tablet.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-starrt-auf-tablet-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Denn da draußen wartete doch das <strong>Leben</strong> auf ihn! Spielplätze mit vielen Kindern! Wälder! Strände! Ohne Ende Natur! Straßen voller Menschen! Jeder anders als der andere! Trubel und Tumult, in den er sich stürzen sollte! Um am Abend gemütlich zu Hause in unseren Armen einzuschlummern. Den anstrengenden, aber gigantischen Wahnsinn zu verarbeiten, den er erlebt hatte. DAS war meine Vorstellung von Leben. Dieses Leben sollte er führen. Aber ich fand Ruth’s Blog. Las ihre Beiträge. Und verstand: Ich muss loslassen.</p>
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<h2>Ängste</h2>
<p>Ich musste meine Angst loslassen. Und sie in <strong>Vertrauen</strong> umwandeln. Vertrauen in die Fähigkeiten meines Sohnes. Darin, dass er weiß, dass das Tablet keine verbotene Frucht mehr ist, die er pausenlos kosten muss. Nichts außergewöhnliches.</p>
<p>Indem wir unserem Sohn freistellten, zu entscheiden, wann, wie oft und wie lange er das Tablet benutzen wollte. Dadurch würden wir dem Tablet seine magische Anziehungskraft nehmen. Es sollte etwas werden, was er als Beschäftigungsmöglichkeit ansehen konnte. Damit er eine Auswahl treffen kann. Nicht etwas, das es nur selten gibt und daher in jeder nur erdenklichen Sekunde inhaliert werden muss. Vielleicht sogar so weit, dass er unsere Regeln irgendwann mit Verheimlichen oder Lügen umgehen würde.</p>
<p>Das ist es nicht, was wir wollen. Was wir wollen, ist Vertrauen. So, wie es bisher immer war. Unser Sohn sagt uns die Wahrheit. Weil er weiß, dass er nicht bestraft wird. Weder durch Liebesentzug noch sonst irgendetwas. Es war nie der Fall und soll es auch nie werden. Schmerzlich genug sind die eigenen Erinnerungen.</p>

<h2>Vertrauen</h2>
<p>Die ersten Tage, nachdem wir unserem Sohn freien Zugang zum Tablet erlaubten, war hart. Anfangs gab es nichts anderes. Kaum wachte er morgens auf, hieß es „Tablet?“. &#8211; Zack! &#8211; krabbelte er aus dem Bett und holte das Tablet. Ich setzte mich neben ihn. Wir schauten gemeinsam. Frühstück? „Nein. Tablet.“ Raus gehen? Frische Luft schnappen? Wir müssen noch einkaufen gehen. „Nein. Tablet.“ Was es auch war: Zähne putzen, schlafen gehen &#8211; er wollte es nicht. Nur das Tablet nahm er wahr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4672" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-malt-und-schreibt-auf-tablet.jpg" alt="Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Kind malt und schreibt auf Tablet" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-malt-und-schreibt-auf-tablet.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-malt-und-schreibt-auf-tablet-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ich hatte mich auf diese Zeit vorbereitet. Erfahrungsberichte anderer Eltern gelesen. Auch bei ihnen waren die Kinder erstmal nicht vom Tablet wegzubekommen. Als würden sie denken, die Zeit, in der sie endlich mal ans Tablet durften, sei begrenzt. Müsse ausgekostet werden. Nichts hat mehr Bedeutung. Befürchteten sie etwa, dass das Tablet verschwindet, sobald sie es aus der Hand geben? Vielleicht starrten sie deshalb ewig auf den Bildschirm. Ihre Eltern ließen sie. Und wir ließen unseren Sohn.</p>
<p>Wir vertrauten ihm. Er sollte es kennenlernen. Verstehen, dass es fortan zu seinem Leben dazugehört. Aber dass es auch andere Dinge im Leben gibt.</p>
<h2>Kikifax</h2>
<p>Vor der „Unerzogen leben“-Methode schauten wir uns <strong>Videos</strong> auf YouTube an. Feuerwehr. Polizei. Bagger. Dinge, die ihn interessierten. Aber von denen er auch etwas lernen konnte. Wir ließen ihn immer nur „echte“ Videos schauen. Kein verblödetes Zeichentrickgedöns. In denen Fahrzeuge Gesichter haben. Freudig im Kreis hüpfen. Kitschige Lieder singen.</p>
<p>Auf diesem Weg befreiten wir uns zumindest vom schlechten Gewissen, wenn wir unser Kind vor dieses gefährliche Gerät setzten. Immerhin war es <strong>lehrreich</strong>.</p>
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<p>Als der kleine Mann freien Zugang zum Tablet erhielt, änderte sich erst nichts. Wenn er ein (wie ich es nannte) „Kikifax“-Video ansehen wollte, verneinte ich. Sagte, das seien hohle Videos. Kikifax. Ohne Inhalt. Nur zur Unterhaltung. Und derart auf kindlich gemacht, dass mir die Galle hochkam.</p>
<p>Doch wer Werbung schaltet, landet oben in der Playliste. Weshalb der kleine Mann eines Tages ein Werbevideo anklickte. Von einem weiblichen Zeichentrickfeuerwehrauto. Mit Augen. Wimpern. Einer schrillen Stimme. Mit diesem Video begann die Zeit des Horrors.</p>
<h2>Angst vor Verdummung</h2>
<p>Kaum hatte ich meine Angst überwunden, tauchte sie wieder auf. Nur ausgetauscht gegen eine andere. Zuvor sorgte ich mich noch, dass unser Sohn süchtig wird. Nun befürchtete ich, dass er <strong>verdummt</strong>. Die Videos, die er ansah, waren kolossaler Schwachsinn. Die bunte Welt der quietschenden Schnuffeltierchen brach über mir zusammen.</p>
<p>Ich versuchte es mit Regulation. Wollte meinen Sohn auf vernünftige Inhalte umlenken. Er weigerte sich. Mit voller Inbrunst! Er schrie mir dermaßen die Ohren voll, dass ich schnell begriff.</p>
<p>Anfangs tat ich mich schwer damit, ihn diesen Blödsinn sehen zu lassen. Ich meine: Eine Bahn mit Psychoaugen. Alle lächeln und sind total glücklich! Jaaaaaa! Fliegende Hundehäufchen mit Kulleraugen! Sie sprechen, als hätten sie Helium eingeatmet! Schau nur! Sie tanzen über einen Regenbogen! Welche Farben kannst du erkennen?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4673" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kinder-drehen-durch.jpg" alt="Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Kinder drehen durch" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kinder-drehen-durch.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kinder-drehen-durch-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Begleitet wurde der Wahnsinn von einer nie enden wollenden Heididei-Musik. Ich sag euch, ich hatte es nicht leicht. Doch der kleine Mann fand es grandios. Er drückte auf Wiederholen. Immer und immer wieder. Diese gestellte perfekte Welt machte mich rasend. Und ödete mich gleichzeitig an.</p>
<h2>Was kann ich tun?</h2>
<p>Wir haben keinen Fernseher mehr. Aber DAMALS (war alles besser, nein). Ich erinnere mich, dass ich gern vor der Glotze saß. Mich berieseln ließ. Ich hatte wie immer einen beschissenen Tag auf der Arbeit verbracht. Auf dem Heimweg fuhr die Bahn nicht. Natürlich. Denn ich wollte ja nach Hause. Endlich daheim angekommen, brauchte ich meine Ruhe. Abschalten. Fernseher an. Essen. Und alle Viere von mir strecken.</p>
<p>Vielleicht ist es beim kleinen Mann nicht vergleichbar. Mag sein, dass er nicht berieselt werden will. Sondern es schlichtweg interessant findet. Und sogar etwas dabei lernt. Was immer das sein mag. Aber diese Sichtweise von damals half mir, es gut sein zu lassen. Ich akzeptierte, dass er jetzt „hohles Zeug“ sehen wollte.</p>
<p>Was ich tun konnte, tat ich. Ich setzte mich neben ihn. Wir kuschelten und machten es uns gemütlich. Ich leistete ihm <strong>Gesellschaft</strong>, statt ihn damit allein zu lassen. Hier und da warf ich was ein. Erklärte, was in den Szenen geschah. Benannte die Gefühle. Manchmal sagte ich auch einfach nichts und schwieg. Ab und zu zeigte mir mein Sohn, was er gesehen hatte. Dann unterhielten wir uns darüber.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4671" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-mutter-und-kind-schauen-tablet.jpg" alt="Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Mutter und Kind schauen Tablet" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-mutter-und-kind-schauen-tablet.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-mutter-und-kind-schauen-tablet-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Wenn meine <strong>Angst</strong> wiederkehrte, unternahm ich etwas gegen sie. Ich befürchtete, dass mein Sohn neben all dem Tabletgucken das Essen vergisst. Ich fragte ihn zwar, aber er sagte jedes Mal „Nein.“. Während er auf den Bildschirm starrte. Meine Sorge bekämpfte ich, indem ich einen leckeren Snack bereitstellte. Er aß nicht viel, aber zumindest eine Kleinigkeit.</p>
<p>Vor den Kindern mit <strong>Buckel</strong> habe ich auch Angst. Nicht direkt vor ihnen. Sondern davor, dass mein Sohn vom ewigen Gucken einen Buckel bekommt. Ich bekämpfe meine Angst, indem ich das Tablet auf Büchern staple. Oder wir legen uns hin und schauen im Liegen. Dann macht mein Sohn keinen krummen Rücken. Manchmal ist es leicht, seine Angst zu besiegen.</p>
<h2>Eigene Bedürfnisse</h2>
<p>Ein ganz wichtiger Punkt, finde ich. Der kleine Mann kann jederzeit das Tablet benutzen. Das heißt aber nicht, dass unser Leben nur noch Zuhause stattfindet. Und wir uns ausschließlich nach ihm richten müssen. Ich bin ein Mensch, der liebend gern rausgeht. Wenn wir eine besonders beschissene Nacht hinter uns haben, ist es frische Luft, die mir gut tut. Gleich nach der heißen Dusche. Und einem leckeren Frühstück.</p>
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<p>In der Anfangszeit, als der kleine Mann noch „inhalierte“, war der <strong>Tagesablauf</strong> schwer zu planen. Er dachte wohl, das Tablet würde dann verschwinden. Ich versicherte ihm, das Tablet würde warten. Draußen hatten wir kein Internet. Konnten eh nichts gucken. Wenn wir wieder Zuhause sind, versprach ich weiter, können wir gern weitergucken. Er vertraute mir. Wir gingen raus. Verbrachten eine schöne Zeit an der frischen Luft. Abends kehrten wir heim. Und wie versprochen durfte er zum Tablet.</p>
<p>Wenn unsere Babysitterin da ist, darf er auch gucken. Aber wir raten ihm, seine Zeit mit ihr zu nutzen, da sie nur einmal pro Woche kommt. Das Tablet ist immer da. Sie nicht. Erst zögert er. Dann legt er das Tablet beiseite. Und spielt etwas anderes mit ihr.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4674" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-malt-und-klebt.jpg" alt="Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Kind malt und klebt" width="679" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-malt-und-klebt.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-malt-und-klebt-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<h2>Aktueller Stand der Dinge</h2>
<p>So läuft es momentan. Es ist mal so, mal so. Manchmal ist es nervig, wenn ich mir diesen hohlen Kikifax ansehen muss. Zum tausendsten und abertausendsten Mal. Aber es ist auch schön, wenn ich erkenne, dass dieser hohle Kikifax doch nicht so hohl ist. Die Babystimmen nerven mich immer noch, keine Frage. Aber immerhin geben sich die Leute Mühe. Denken sich Szenen aus. Probleme. Passende Lösungen. Zumindest betrifft das die Videos, die wir aktuell sehen. Wer weiß, was uns noch erwartet. Es geht bestimmt noch viiiiel schlimmer!</p>
<p>Wichtig fand ich wie gesagt, dass hier jedermanns <strong>Bedürfnisse</strong> geachtet werden. Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, gehen wir raus. Das hat anfangs enorm <strong>Geduld</strong> gekostet. Weil der kleine Mann unbedingt schauen wollte. Ich ließ ihn. Schaute weiter mit ihm. Wenn ich Hunger bekam, ließ ich ihn allein weitergucken. Was auch mal ganz angenehm war. Dann machte ich uns Essen. Kam zurück. Und wir guckten zusammen weiter.</p>
<p>Später äußerte ich erneut den Gedanken, nach draußen zu gehen. Je nachdem, wie dringend ich es wollte, formulierte ich die Sätze anders. Wenn ich wirklich raus musste, war es keine Frage mehr, ob wir rausgehen wollen. Ich entschied es. „Lass uns jetzt rausgehen.“ Es dauerte noch eine Weile. Ich zog mich indes an. Redete, was wir unternehmen könnten. Wohin wir gehen könnten. Und irgendwann klappte es dann und der kleine Mann klinkte sich ein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4675" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-mit-mutter-unterwegs.jpg" alt="Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Kind mit Mutter unterwegs" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-mit-mutter-unterwegs.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-mit-mutter-unterwegs-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<h2>Falsche Zielsetzung</h2>
<p>Den Kommentar eines „Unerzogen leben“-Mitglieds fand ich ganz interessant. Er antwortete auf den Beitrag einer Mutter, die ihr Kind ebenfalls selbstbestimmt Tablet schauen ließ. Anfangs saßen die Kinder vier <strong>Stunden</strong> pro Tag am Tablet. Was sich später auf etwa 15 Minuten reduzierte. Im Durchschnitt. In mir kam der Drang auf, das nachzumachen. Aber mit einem falschen Ziel. Ich wollte unseren Sohn selbstbestimmt Tablet schauen lassen. Aber nur, damit wir diese 15 Minuten erreichen.</p>
<p>Da bremste mich der Kommentar des Gruppenmitglieds. Er erwiderte, dass das nicht das Ziel sein sollte. Es könnte sich ja auch herausstellen, dass ein anderes Kind liebend gern Stunden am Tablet verbringt. DAS ist Selbstbestimmung. Diesen Kommentar nahm ich mir zum Vorbild. Ich ergänzte ihn dann nur noch durch das Kapitel „Eigene Bedürfnisse“.</p>
<h2>Das große Ganze</h2>
<p>Vielleicht wundert es euch, dass es bei uns nur wenige Tage gedauert hat, damit es bei uns „klappt“. Dass der kleine Mann das Tablet beiseite legen und etwas anderes machen kann. DAS bezeichne ich als „klappen“. Es ist nicht die Zeit, die er damit verbringt. Es ist der <strong>Umgang</strong>. Er weiß, das Tablet ist da. Immer. Es wird ihm nicht weggenommen oder dergleichen. Ich bin schon etwas erstaunt, dass er das versteht.</p>
<p>Ich kann es nur vermuten, aber vielleicht waren es die Umstände, unter denen unser Sohn aufgewachsen ist. Der kleine Mann wächst <strong>bedürfnisorientiert</strong> auf. Das bedeutet zum Beispiel, dass er weiterhin nach Bedarf gestillt wird. Wir schlafen gemeinsam im Familienbett, weil er es nicht allein kann/will (und ich mittlerweile auch nicht). Bei uns gibt es kein Lob und kein Tadel. Keine Belohnung für „gutes“ Benehmen. Keine Bestrafung und Konsequenz für „schlechtes“.</p>
<p>Außerdem geht der Papa arbeiten &#8211; zu Hause und auswärts. Ich arbeite von zu Hause und bastle an unserem Blog. Den kleinen Mann betreue ich dabei rund um die Uhr. Aber auch der Papa ist öfter zu Hause als manch anderer. Weil der kleine Mann nicht in die Kita geht, unternehmen wir viel gemeinsam. Zusammen. Als Familie. Selten spielt der kleine Mann allein. Es sei denn, er will das wirklich. Kann ich bis jetzt an einer Hand abzählen. Einmal pro Woche gönnen wir uns eine Babysitterin. Das war’s.</p>
<p>Das soll kein Dogma sein! Bloß nicht! Ich wollte nur kurz unser Leben beleuchten. Euch zeigen, wie unser Sohn aufwächst. Vielleicht hat eins dieser Dinge geholfen, damit es so ist, wie es aktuell ist. Keine Ahnung. Das nur als Randnotiz für diejenigen von euch, die ihr Kind auch selbstbestimmt mit dem Tablet umgehen lassen wollen. Und bei denen es nicht so recht „klappen“ will.</p>

<h2>Gibt es gar keine Grenzen?</h2>
<p>Zum Schluss muss ich noch hinzufügen: Wir haben uns von Anfang an für ein paar Grenzen entschieden. Wenn das bedeutet, dass das keine Selbstbestimmung mehr ist, dann hört sie für uns hier auf. Hier schützen wir unseren Sohn wieder. Zum Einen: Unser Sohn kann gern Lieder hören. Kindersendungen sehen. Dokumentationen. Filme, die für sein Alter (oder darunter) geeignet sind. Was auch immer. Wir ziehen einen Schlussstrich bei Gewaltszenen, pornografischen Inhalten und dergleichen. Ganz klar. Wir schützen ihn vor solchen Inhalten. Das liegt in unserer <strong>Verantwortung</strong>. Er weiß nicht, was es für kranke Videos im Internet gibt. Davor bewahren wir ihn.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4676" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-guckt-youtube-video.jpg" alt="Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Kind guckt YouTube Video" width="679" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-guckt-youtube-video.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/05/treffen-sich-ein-kind-und-ein-tablet-kind-guckt-youtube-video-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Zum Anderen: <strong>Spiele</strong> sind nicht auf dem Tablet drauf. Genauso wenig wie auf unseren Smartphones. Hier war vor allem mein Mann das Zünglein an der Waage. Er ist der Computerfreak. Er kennt sich aus. Weiß, wie Spiele gemacht werden, um wirklich süchtig zu machen. Mit Zielsetzung. Belohnungssystem und dergleichen. Alles Dinge, die nicht in unseren „Erziehungsstil“ passen. Der kleine Mann soll eigene Ziele haben. Und sie nicht vorgesetzt bekommen. Belohnungen lehnen wir sowieso ab. Wenn es ein Spiel gibt, das alldem nicht entspricht, dann werden wir es uns holen. Wir sind dem Ganzen zumindest nicht völlig abgeneigt.</p>
<p>Puh! Das war eine ganze Menge, die ich loswerden musste. Hier endet mein Beitrag erst einmal. Wenn sich einschneidende Erlebnisse ereignen, werde ich einen Nachtrag schreiben. Bis dahin kann ich sagen: Ich bin froh über unsere Entscheidung.<br />
</p>
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