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	<title>Kontrolle &#8211; Milchtropfen</title>
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	<title>Kontrolle &#8211; Milchtropfen</title>
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		<title>Unerzogen &#8211; Was bedeutet das?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Will]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Sep 2017 04:20:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Baby]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute möchte ich auf einen Artikel reagieren, in dem es um die unerzogene &#8222;Erziehungsmethode&#8220; geht. Denn oft wird &#8222;Unerzogen&#8220; &#8211; wie in jenem Beitrag &#8211; völlig missverstanden. Was also bedeutet &#8222;Unerzogen&#8220; für mich? Unerzogen &#8211; Was bedeutet das? Der Grund, über &#8222;Unerzogen&#8220; zu schreiben, kam, als ich las, wie eine Bloggerin über die &#8222;unerzogene Erziehungsmethode&#8220; ... <a title="Unerzogen &#8211; Was bedeutet das?" class="read-more" href="https://www.milchtropfen.de/unerzogen-was-bedeutet-das/" aria-label="Mehr zu Unerzogen &#8211; Was bedeutet das?">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute möchte ich auf einen Artikel reagieren, in dem es um die unerzogene &#8222;Erziehungsmethode&#8220; geht. Denn oft wird &#8222;<strong>Unerzogen</strong>&#8220; &#8211; wie in jenem Beitrag &#8211; völlig missverstanden.</p>
<p>Was also bedeutet &#8222;Unerzogen&#8220; für mich?</p>
<p><span id="more-7224"></span></p>
<h2>Unerzogen &#8211; Was bedeutet das?</h2>
<p>Der Grund, über &#8222;Unerzogen&#8220; zu schreiben, kam, als ich las, wie eine Bloggerin über die &#8222;unerzogene Erziehungsmethode&#8220; schrieb und mich dabei wirklich rasend machte. Ich weiß nicht, wie oft ich beim Lesen mit dem Kopf schüttelte.</p>
<p>Einfach, weil sie über &#8222;Unerzogen&#8220; schrieb, ohne sich augenscheinlich vorher darüber <strong>informiert</strong> zu haben. Warum schreibt sie über etwas, das sie nicht kennt und nie ausprobiert hat?</p>
<p>Sie schreibt, dass sie mit ihrem Beitrag niemanden kränken will, aber das tut sie. Sie kränkt eine derart bedürfnisorientierte, einfühlsame, liebevolle Haltung; einfach, indem sie sich nicht vorher drüber schlau gemacht hat und nun ins Blaue hinein rät, was &#8222;Unerzogen&#8220; sein könnte.</p>
<p>Sie denkt, was viele &#8211; und auch ich &#8211; im 1. Moment denken: Unerzogen. Aha. Soll heißen: Kind darf alles machen, was es will. <strong>Laissez-faire</strong> eben. Die Eltern geben ihre Verantwortung komplett beim Kind ab.</p>
<p>Als ich damals auf diese &#8222;Erziehungsmethode&#8220; traf, verteufelte ich sie nicht. Ich wollte mehr darüber erfahren und trat in die Facebook Gruppe &#8222;Unerzogen leben&#8220; ein. Dort lernte ich eine für mich nie da gewesene Lebensweise kennen.</p>
<h2>Ein neuer Weg</h2>
<p>Ich las plötzlich nicht mehr von Eltern, die sich über den <strong>Wutanfall</strong> ihres Kindes amüsierten oder beschämende Fotos oder Videos von Kindern zeigten. Ich lernte auf einmal Eltern kennen, die sich für den Wutanfall ihres Kindes interessierten und lernen wollten, wie sie damit umgehen können. Diese Eltern suchten nicht nach einer Lösung, wie ihr Kind funktioniert. Sie suchten nach einem Weg, der beide Seiten &#8211; Kind und Eltern &#8211; mit einbezog.</p>
<p>Es ging nicht mehr darum, dass sich Eltern <strong>Tipps</strong> holen, wie sie ihr Kind in die Klamotten bekommen, die es nicht anziehen will. Hier tauschten sich Eltern aus, die ihr Kind selbst entscheiden lassen wollten. Die ihrem Kind vertrauen wollten.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7321" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-legt-seine-hand-in-die-eines-erwachsenen.jpg" alt="Kind legt seine Hand in die eines Erwachsenen" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-legt-seine-hand-in-die-eines-erwachsenen.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-legt-seine-hand-in-die-eines-erwachsenen-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>In den anderen Gruppen fühlte ich mich manchmal so <strong>einsam</strong>, weil es bei uns eben nicht immer so reibungslos funktionierte, wie die anderen erzählten. Mein Kind schlief nicht durch. Es wird IMMER NOCH gestillt. Will nicht in die Kita. Treibt mich manchmal an den Rand der Erschöpfung. Und ganz ehrlich? Ich wollte es auch nicht mit Gewalt dazu bringen, wie einige meinten. Sätze wie &#8222;Das Leben ist kein Ponyhof.&#8220; und dergleichen fanden bei vielen Anklang, bei mir stießen sie nur sauer auf.</p>
<p>In der &#8222;Unerzogen leben&#8220; Gruppe erfuhr ich plötzlich von einem Haufen Eltern, die genau die gleichen &#8222;Probleme&#8220; hatten wie ich. Dass sie wütend auf ihr Kind sind, dass der Partner nicht wie gewünscht mitmacht, dass das Kind haut und beißt und dies und jenes tut&#8230; Aber diese Eltern suchten nicht nach einer Lösung, wie sie jemanden in den Begriff bekommen konnten. Hier wurde hinter das <strong>Verhalten</strong> geschaut. Was können wir FÜR die- oder denjenige/n tun, damit wir alle zufrieden sind?</p>
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<p>So lernte ich mit der Zeit die &#8222;unerzogene&#8220; Haltung kennen. Oftmals stieß ich an meine Grenzen. Thema Süßigkeiten. Medienkonsum. Zähne putzen. Selbstbestimmtes Schlafengehen. Die Klassiker schlechthin. Ich wurde von <strong>Zweifeln</strong> übersät. Dann belas ich mich. Wurde wieder ruhig. So geht es manchmal bergauf, bergab bei mir. Ich bin längst nicht da, wo ich sein will, aber ich bin auf dem Weg. Und das fühlt sich mega stark an, weil es unserer Beziehung unheimlich gut tut.</p>
<h2>Was bedeutet &#8222;Unerzogen&#8220; für mich?</h2>
<p>Es ist schwierig, Außenstehenden &#8222;Unerzogen&#8220; zu erklären, und das am Besten in einem Wort oder Satz. Eine exakte <strong>Definition</strong> von &#8222;Unerzogen&#8220; gibt es für mich nicht. Einfach, weil es so vielschichtig ist. Ich versuche trotzdem mal, dir verständlich zu machen, was &#8222;Unerzogen&#8220; für mich bedeutet:</p>
<h3>1. Auf Augenhöhe</h3>
<p>Für mich sind Oliver und ich auf Augenhöhe. Es gibt kein Oben und Unten. Keine <strong>Stufe</strong>, auf der ich höher stehe und er niedriger oder umgekehrt. Wir sind gleichwertig. Ich versuche (versuche, wohlgemerkt, denn auch ich verfalle hin und wieder in alte Muster), Oliver wie einen <strong>Erwachsenen</strong> zu behandeln. Einen kompetenten Menschen.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7309" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mutter-schaut-kind-auf-augenhoehe-an.jpg" alt="Mutter schaut Kind auf Augenhöhe an" width="679" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mutter-schaut-kind-auf-augenhoehe-an.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mutter-schaut-kind-auf-augenhoehe-an-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Wenn ich drohe, in Erziehungsmethoden zu verfallen, hat mir ein Spruch meines Mannes extrem geholfen:&#8220;Du bist seine beste <strong>Freundin</strong>.&#8220;</p>
<p>Klar wünsche ich mir, dass sich das irgendwann auch mal ändert und jemand anderes an diese Stelle tritt, aber momentan ist es halt so. Dann denke ich mir:&#8220;Was würde meine beste Freundin jetzt sagen? Was würde mir gut tun? Was bräuchte ich, statt dummer Belehrungen, die einfach nie hilfreich sind?&#8220;</p>
<h3>2. Keine Gewalt</h3>
<p>Das bedeutet für mich auch gleichzeitig, meinen Sohn nicht mit <strong>Gewalt</strong> &#8211; sei es seelische oder körperliche &#8211; zu etwas zu bewegen.</p>
<p>Ich nehme ihn nicht einfach hoch und schleppe ihn kreischend davon, wenn ich meine, es sei nun Zeit für uns, den Spielplatz zu verlassen. Ich <strong>manipuliere</strong> meinen Sohn nicht, damit er etwas für mich macht, indem ich z.B. sage:&#8220;Du machst mich unheimlich traurig, wenn du dein Zimmer nicht aufräumst.&#8220; oder dergleichen.</p>
<h3>3. Schutz vor Gefahr</h3>
<p>Oft kommt dann von Außenstehenden das <strong>Ampel-Argument</strong>: Dass &#8222;Unerzogen&#8220; bedeutet, sein Kind ALLES ausprobieren zu lassen. Zum Beispiel, was passiert, wenn es über eine rote Ampel oder allgemein die Straße läuft. Dass wir doch einen an der Waffel haben müssen, wenn wir unser Kind nicht von der Straße wegzerren, bloß, weil wir keine <strong>Macht</strong> ausüben wollen.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7322" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mutter-haelt-kind-in-den-armen-und-laechelt-es-an.jpg" alt="Mutter hält Kind in den Armen und lächelt es an" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mutter-haelt-kind-in-den-armen-und-laechelt-es-an.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mutter-haelt-kind-in-den-armen-und-laechelt-es-an-400x253.jpg 400w" sizes="(max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Das bedeutet &#8222;Unerzogen&#8220; für mich eben nicht. Natürlich <strong>schütze</strong> ich mein Kind davor, von einem Auto etc. überfahren zu werden. Bei &#8222;Unerzogen&#8220; geht es aber um viel mehr. Was treibt mein Kind dazu, über die Straße zu rennen, obwohl ich &#8222;Stop! Straße!&#8220; rufe? Was kann ich für uns tun?</p>
<h3>4. Alternativen</h3>
<p>Oftmals kann ein <strong>Konflikt</strong> auch ganz einfach gelöst werden, indem wir oder ich nach Alternativen suche(n).</p>
<p><a href="https://www.milchtropfen.de/kind-will-sich-nicht-anziehen-lassen/" rel="noopener">Mein Kind will sich nicht anziehen (lassen)</a>. Was kann ich dann tun? Oder will mein Kind sich anziehen (lassen), ist aber gerade in ein Spiel vertieft? Braucht es Zeit? Braucht es einen Grund zum Anziehen? Bricht mir ein Zacken aus der Krone, wenn ich meinen Sohn halbnackt rausgehen lasse und die restlichen Klamotten mitnehme?</p>
<p><strong>Alternativen</strong> zu suchen, ist für mich mit das Wichtigste in &#8222;Unerzogen&#8220;, denn oftmals gibt es einen Haufen Möglichkeiten.</p>
<p>Mein Sohn rennt einfach über die Straße, ohne zu gucken, obwohl ich mir schon den Mund fusslig rede. Ich will meinen Sohn nicht an die Hand nehmen, weil er das nicht mag. Er will eigenständig rüber laufen und das akzeptiere ich. Aber was kann ich tun?</p>
<p>Ich will ihn nicht in seiner Freiheit einschränken und an so einer komischen Handfessel oder Kinderleine festmachen. Also welche Alternativen habe ich? Sollten wir vielleicht eine Zeit lang Straßen meiden? Einfach ab in den Wald, auf&#8217;s Land o.ä., wo er einfach drauf los rasen kann? Wo keine unmittelbare Gefahr für Leib und Seele besteht?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7314" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-laeuft-auf-landstrasse.jpg" alt="Kind läuft auf Landstraße" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-laeuft-auf-landstrasse.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-laeuft-auf-landstrasse-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ich versuche also, seinem Drang, einfach loszurennen, zu entsprechen, statt ein Verbot auszusprechen. Ich suche nach Orten, die es ihm ermöglichen. Wo er sein Bedürfnis ausleben kann.</p>
<h3>5. Freie Entfaltung</h3>
<p>So handhabe ich das auch mit anderen <strong>Bedürfnissen</strong>, die mein Sohn hat.</p>
<p>In unserer Gesellschaft ist vieles oft in Schwarz und Weiß eingeteilt. Oder in diesem Fall in Rosa und Blau. Mein Sohn liebt es, Sachen zu machen, die angeblich nur den Mädchen vorbehalten sind. Das ist nicht fair. Jede/r sollte das Recht auf freie Entfaltung haben. Ob mein Sohn sich nun schminkt und die Nägel lackiert, ein Mädchen mit einem Werkzeugkoffer spielt usw., sollte völlig egal sein. Solange sie Spaß daran haben: Warum nicht?</p>
<p>Dazu zähle ich auch, dass ich Oliver nicht vorgebe, mit was er sich zu beschäftigen hat. Obwohl das ja voll gut für die Motorik ist. Oder weil das dies und jenes fördert.</p>
<p>Ich schaue meinen Sohn an. Was <strong>interessiert</strong> ihn gerade? Aha, er schleppt gerade unheimlich gern Autos ab. Dann lass ich ihn damit spielen, so oft und so lange er das will. Kaufe mit ihm passendes Zubehör ein. Bis sich ein neues Interesse bemerkbar macht. Oh, Omas Lippenstift interessiert ihn. Das war z.B. der Grund, weshalb ich ihm ein <a href="http://amzn.to/2f96Wc3" target="_blank" rel="nofollow noopener">Schminkköfferchen</a>* kaufte. Nicht, weil ich der Meinung bin, gegen diesen ganzen Genderquatsch anzukämpfen, sondern weil er mir gezeigt hat, dass er es mag.</p>

<h3>6. Ich bin nicht inkonsequent, wenn ich meine Meinung ändere</h3>
<p>Ganz klassisch. Wir stehen an der Kasse im Supermarkt und Minimi will ein Ü-Ei.</p>
<p>Als ich &#8222;Unerzogen&#8220; noch nicht kannte, war ich auf dem Trip, dass ich auf jeden Fall &#8222;Nein.&#8220; sagen muss. Weil er sonst immer eins will. Weil da Zucker drin ist und der ist ungesund. Weil andere denken könnten, dass ich weich bin und mich nicht <strong>durchsetzen</strong> kann.</p>
<p>&#8222;Unerzogen&#8220; hat mir gezeigt, dass es kein Weltuntergang ist, wenn mein Sohn mit einkauft und sich Dinge aussucht, die er mag. Wenn der <strong>Geldbeutel</strong> es zulässt, warum nicht? Wenn ich überlege, was ich alles für Zeug einpacke, weil ich es mag, ist ein Ü-Ei doch eine Lappalie.</p>
<p>Oder ein anderes Beispiel, das oft bei uns Thema ist: Losgehen oder losfahren. Auch, wenn ich zuerst der Meinung bin, dass wir JETZT los müssen, darf ich meine Meinung ändern. Ich bin nicht <strong>inkonsequent</strong>, wenn ich meinem Sohn noch Zeit gebe, sein YouTube Video zu Ende zu sehen oder unser Auto an der Tankstelle zu waschen, damit wir danach los können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7311" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-waescht-auto-an-der-tankstelle.jpg" alt="Kind wäscht Auto an der Tankstelle" width="679" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-waescht-auto-an-der-tankstelle.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-waescht-auto-an-der-tankstelle-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Ich sehe ihn als gleichwertigen Menschen an, der <strong>mit entscheiden</strong> darf, wann wir aufbrechen. Von einem Erwachsenen würde ich mich doch auch überzeugen lassen. Warum dann nicht auch von meinem Sohn?</p>
<h3>7. Mein Sohn MUSS auch</h3>
<p>Wenn die Zeit aber knapp wird, weil ein wichtiger Termin steht, dann plane ich schon im Voraus ein, dass mein Sohn möglicherweise nicht sofort los will. <strong>Zeitdruck</strong> ist ein absoluter Stimmungskiller bei uns. Deshalb versuche ich, mich gar nicht erst von der Zeit unter Druck setzen zu lassen.</p>
<p>Und wenn&#8217;s nun trotz Zeiteinplanung brenzlig wird und wir los <strong>MÜSSEN</strong>? Dann müssen wir los.</p>
<p>Unsere kleine Familie war beispielsweise mit dem Auto geschäftlich unterwegs. Mein Mann musste einige Shops besuchen und dort die Mitarbeiter/innen trainieren. Währenddessen dümpelte ich mit Oliver in der Gegend rum. Bis wir einen Platz mit einem Berg voller <a href="http://amzn.to/2x9pZv6" target="_blank" rel="nofollow noopener">Lego Duplo</a>* Bausteine fanden.</p>
<p>Wir waren so vertieft in unser Spiel, als mein Mann plötzlich anrief. Wir müssen JETZT los. Also was kann ich tun? Mein Sohn wollte natürlich nicht sofort los. Er wollte weiterspielen. Hätte ich am Liebsten auch gemacht, aber es ging nicht. Ich erklärte es ihm. Klappte nicht. Er wollte &#8222;noch einmal&#8220; einen Baustein setzen. Ok. Danach wollte er weiterspielen. Allmählich kam ich ins Schwitzen. Mein Mann wartete im Auto und wollte los. Mein Sohn wollte weiterspielen und nicht los.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7301" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-spielt-mit-einem-berg-aus-lego-duplo-bausteinen.jpg" alt="Kind spielt mit einem Berg aus Lego Duplo Bausteinen" width="679" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-spielt-mit-einem-berg-aus-lego-duplo-bausteinen.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-spielt-mit-einem-berg-aus-lego-duplo-bausteinen-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Nach mehrmaligen Versuchen meinerseits, ihn zum Mitnehmen zu animieren, sagte ich ihm, dass wir jetzt los müssen. Ich hatte einen günstigen Moment abgepasst, in dem er gerade mit Bauen fertig war und nahm ihn hoch. Er <strong>protestierte</strong>. Weinte. Ich tröstete ihn. Es tat mir wirklich in der Seele weh, ihn einfach gegen seinen Willen mitzunehmen. Es ist keine Umgangsweise, die ich tagtäglich pflege. Aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden.</p>
<p>Ich versuche, wenn wir trotz Zeiteinplanung in so einer blöden Situation landen, meinem Sohn so oft und lange wie möglich seinen Willen zu lassen. Ich gebe ihm Möglichkeiten, &#8222;Nein.&#8220; zu sagen, so oft es halt geht. Aber irgendwann müssen wir los, weil es unumgänglich ist.</p>
<h3>8. Meine Handlungen sollten nicht von der Meinung anderer beeinflusst werden</h3>
<p>Gerade in der Lego Duplo Situation bekomme ich schnell Herzrasen. Drumherum all die Eltern mit ihren Kindern, die gerade mitbekommen, dass ich mein Kind nicht im <strong>Griff</strong> hab. Es ist SO unangenehm für mich gewesen. Ich wusste mir nicht zu helfen, kam aus der Situation nicht raus. Zwischenzeitlich dachte ich, hau ich einfach den Spruch &#8222;Dann geh ich jetzt ohne dich.&#8220; raus. Krass oder? Zu was für perfiden <strong>Methoden</strong> man plötzlich bereit ist, wenn man sich bedrängt fühlt.</p>
<p>Ein ganz schwieriges Thema, mit dem ich persönlich immer wieder auf&#8217;s Neue zu kämpfen habe: Die Angst, was andere denken könnten und meine Handlungen danach auszurichten. Kind läuft lieber nur mit Socken statt mit Schuhen die Straßen entlang. Kind will ein zweites Eis. Kind ist 2,5 Jahre alt und will jetzt, mitten auf dem Spielplatz, gestillt werden und schreit laut &#8222;Bitte, Mama, bitte!!!!&#8220;, damit sich auch wirklich jede/r zu uns umdreht. Oh mein Gott, was sollen nur die Leute von uns<strong> denken</strong>??</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7303" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-laeuft-draussen-mit-socken-auf-dem-gehweg.jpg" alt="Kind läuft draußen mit Socken auf dem Gehweg" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-laeuft-draussen-mit-socken-auf-dem-gehweg.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-laeuft-draussen-mit-socken-auf-dem-gehweg-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ich könnte dir noch hundert weitere Beispiele nennen, in denen ich so starr vor Angst war, was andere denken könnten.</p>
<p>Aktuell arbeite ich daran. Ich habe mir vorgenommen, mich nicht mehr auf die Damentoilette zu verziehen, wenn mein Sohn im Restaurant gestillt werden möchte. Nein. Das will und werde ich nicht mehr mitmachen. Ich werde für mein Recht, an öffentlichen Orten stillen zu dürfen, und für das Bedürfnis meines Sohnes, gestillt zu werden, einstehen. Auch, wenn er &#8222;schon&#8220; 2,5 Jahre alt ist. Ich habe mir vorgenommen, meine Handlungen nicht von der Meinung anderer beeinflussen zu lassen.</p>
<p>Wenn mein Sohn also wieder einen Wutanfall bekommt, dann schau ich gar nicht erst hoch, wer uns beobachten könnte. Ich <strong>konzentriere</strong> mich auf meinen Sohn und blende alles um mich herum aus. Es ist egal, wer böse guckt. Es ist egal, was für Kommentare dazwischen zischen. Es ist auch völlig gleich, was sie denken KÖNNTEN! Ich bin hier und jetzt bei meinem Sohn und nirgendwo anders.</p>
<div id='c6377_34_18' class='sam-container sam-place' data-sam='0'><div style="margin: 0px -15px 0px !important; color: #000; font-size: 8pt;" class="werbungaus"><aside id="adsinfo">Anzeige</aside><script async src="//pagead2.googlesyndication.com/pagead/js/adsbygoogle.js"></script>
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<h3>9. Ich bin ich und du bist du</h3>
<p>Was ich erst vor relativ kurzer Zeit durch &#8222;Unerzogen&#8220; gelernt habe: Ich kann, will und werde niemanden <strong>ändern</strong>, die/der sich nicht ändern will.</p>
<p>Ich bin beispielsweise in einer Familie groß geworden, in der autoritär erzogen wurde. Als Oliver dann auf die Welt kam, kamen sie alle mit ihren Ratschlägen und Tipps und Ängsten und verwirrten mich total. Und dann dachte ich nur so: Ich kann mir das alles anhören und dann damit machen, was ich will. Ich kann es so machen, wie sie sagen oder auch nicht und gehe meinen eigenen Weg. Ich wollte, dass das akzeptiert wird und das wurde es auch (zumindest zum Teil).</p>
<p>Doch plötzlich fingen mein Mann und ich selber an, alle um uns herum ändern zu wollen. Weil &#8222;Unerzogen&#8220; ja so richtig und wichtig und super ist. Ich erkannte, dass &#8222;Unerzogen&#8220; nicht nur bei meinem Kind anfängt und endet. Es geht weiter und bezieht sich auf unser gesamtes <strong>Umfeld</strong>. Auf die/den Partner/in, Freunde, Bekannte, Verwandte, Nachbarn, Fremde, ja, sogar den Umgang mit Tieren, eben alle um uns herum.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-5939" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/07/wenn-erziehungsstile-kollidieren-grossfamilie.jpg" alt="Wenn Erziehungsstile kollidieren - Großfamilie" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/07/wenn-erziehungsstile-kollidieren-grossfamilie.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/07/wenn-erziehungsstile-kollidieren-grossfamilie-400x253.jpg 400w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/07/wenn-erziehungsstile-kollidieren-grossfamilie-30x19.jpg 30w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ich lernte, andere zu <strong>akzeptieren</strong> wie sie sind, unabhängig davon, ob ihr &#8222;<a href="https://www.milchtropfen.de/wenn-erziehungsstile-kollidieren/"  rel="noopener">Erziehungsstil</a>&#8222;, ihre Haltung und Lebensweise mit meiner übereinstimmte oder nicht.</p>
<p>Genau dasselbe gilt für unseren Sohn. Wenn ich ihn frage, ob er etwas für mich wegschmeißen kann, weil ich gerade aufräume und andere Dinge mache, und er mit &#8222;Leider nicht.&#8220; antwortet, akzeptiere ich das. Ich zwinge ihn nicht dazu. Wenn er beim Aufräumen helfen will: Gern. Wenn er mitkochen will: Da ist deine Leiter.</p>
<h3>10. Kinder sind keine Besitztümer</h3>
<p>Ich will meinem Sohn seinen freien Willen lassen. Er ist nicht irgendetwas, das ich besitze, und so behandel ich ihn auch nicht. Ich <strong>fordere</strong> nichts, was er nicht will (außer, es ist gefährlich, wir müssen jetzt wirklich los o.ä.).</p>
<p>Doch dann bin ich mit meinem Sohn auf dem Spielplatz und wir begegnen Familien, die alles andere als &#8222;unerzogen&#8220; leben. Die ihre Kinder anblaffen, ihre Ängste herunterspielen, respektlos ihnen gegenüber sind. Das zu beobachten, ist hart. Da schwirrt oft der Satz in meinem Kopf: Sind halt ihre Kinder. Ich darf mich da nicht <strong>einmischen</strong>.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7316" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-haelt-sich-die-augen-zu.jpg" alt="Kind hält sich die Augen zu" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-haelt-sich-die-augen-zu.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-haelt-sich-die-augen-zu-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Kinder sind aber keine Gegenstände, die man besitzt und über die bestimmt wird. Sie sind Menschen. Sie gehören niemandem, außer sich selbst. Es ist ihr Körper. Ich darf nicht darüber entscheiden und auch sonst niemand (ausgenommen bei Gefahr).</p>
<p>Wenn einige meinen, ihrem Kind eine auf den Hinterkopf zu geben, weil es nicht hört, muss ich <strong>einschreiten</strong>. Das ist meine Pflicht. Und wenn ich auch &#8222;nur&#8220; die Polizei rufe, weil ich mich nicht traue, was zu sagen, dann habe ich mehr getan als dumm daneben zu stehen und mit dem Kopf zu schütteln.</p>
<p>Jede/r hat das <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_2.html" target="_blank" rel="noopener">Recht auf körperliche Unversehrtheit</a>. Steht sogar im Grundgesetz.</p>
<h3>11. Vertrauen in Selbstbestimmung</h3>
<p>Ich sorge also für mein Kind, damit es ihm weder seelisch noch körperlich an irgendetwas fehlt. Ich bereite ihm beispielsweise gesundes Essen zu. Aber was, wenn er das nicht essen will? Wenn er früh morgens lieber <strong>Eis</strong> essen will? Muss ich da einschreiten, damit mein Kind körperlich unversehrt bleibt?</p>
<p>Ich für meinen Teil habe gelernt, meinem Kind zu <strong>vertrauen</strong>, dass es weiß, was ihm gut tut und eben nicht. Es gibt also Eis bei uns, wenn meinem Sohn danach gelüstet. Ich stelle ihm dann noch als weiteres Angebot was Gesundes daneben. Mal nimmt er sich was davon, mal aber auch nicht. Das finde ich völlig ok.</p>
<p>Aber was, wenn er draußen nackt herumlaufen will, obwohl es doch schon recht kalt ist? Ich weise ihn darauf hin, dass es draußen windig und kühler ist und er nackig wahrscheinlich frieren wird. Manchmal entscheidet er sich dann doch für etwas <strong>Kleidung</strong>. Manchmal aber auch nicht. Ich nehme dann Kleidung mit für den Fall, dass er sich doch umentscheidet. Und weißt du was? In 2,5 Jahren wurde er 3 Mal krank, darunter zwei Erkältungen und ein gemeiner <a href="https://www.milchtropfen.de/einmal-norovirus-bitte/" rel="noopener">Norovirus</a>. Ich denke schon, dass mein Sohn weiß, was ihm gut tut.</p>
<p>Wenn es sehr spät am Abend ist und <a href="https://www.milchtropfen.de/mein-kind-will-nicht-schlafen-gehen/" rel="noopener">mein Kind immer noch nicht schlafen kann/will</a>, dann ist das auch völlig in Ordnung. Dann soll er halt schlafen gehen, wenn er bereit dazu ist. Wenn er müde ist.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-5430" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/kind-liest-mit-papa-buch-im-bett.jpg" alt="Kind liest mit Papa Buch im Bett" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/kind-liest-mit-papa-buch-im-bett.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/kind-liest-mit-papa-buch-im-bett-300x190.jpg 300w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/kind-liest-mit-papa-buch-im-bett-30x19.jpg 30w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Was ich sagen will: Es ist sein Körper. Ich werde ihn nicht dazu zwingen, nur Gesundes zu essen, ich werde ihn nicht <a href="https://www.milchtropfen.de/rosenkohl-zum-essen/"  rel="noopener">zum Probieren zwingen</a>, ich werde ihn so gut es geht niemals zu etwas zwingen. Wenn er Waschmittel probieren will, sitze ich aber nicht still daneben und schaue zu, wie er gleich lernt, was mit dem Waschmittel in seinem Körper passiert. Ich hoffe, du verstehst, wo da meine <strong>Grenze</strong> liegt.</p>
<h3>12. Grenzen wahren</h3>
<p>Wo wir schonmal beim Thema Grenzen sind. Es heißt ja immer so schön &#8222;Kinder brauchen Grenzen.&#8220; und ich finde, das stimmt ganz und gar nicht. Nicht Kinder brauchen <strong>Grenzen</strong>. Kinder können sehr gut einschätzen, wenn ihnen was zu viel wird und stehen ausgezeichnet für ihre Grenzen ein.</p>
<p>Wir Eltern hingegen sollten uns da eine Scheibe abschneiden und selber auf unsere Grenzen schauen und diese <strong>wahren</strong>. Wenn ich meine eigenen Grenzen nicht wahren kann, ist mein Kind nicht dafür verantwortlich zu machen. Es hat ein Bedürfnis. Ich hab ein Bedürfnis. Aber welches wiegt mehr?</p>
<p>Wenn ich beispielsweise vorne im Auto sitze und mein Baby aus voller Kehle hinten im Autositz schreit, ich aber nach Hause will, dann frage ich mich: Welches Bedürfnis wiegt mehr? Kann ich mein Bedürfnis zurückstellen, um das meines Kindes zu stillen? Können unsere Bedürfnisse zugleich gestillt werden (&#8222;<strong>unden</strong>&#8220; sagen die Unerzogenen)?</p>
<p>Im Beispiel mit dem Auto heißt das: Ich fahre nicht 15 Minuten mit einem panisch schreienden Kind durch die Stadt, um ja nur schnell nach Hause zu kommen. Natürlich will ich nach Hause. Es ist spät. Ich bin müde. Ich will nach Hause was essen. Mein Mann ist auch schon zu Hause und er soll sich um das Baby kümmern oder dergleichen. Aber mein Baby lebt im Jetzt. 15 Minuten Schreien bedeuten für es Todesangst. Es will beruhigt werden. Kuscheln. Gestillt werden. In Mamas Gesicht sehen und wissen: In ihren Armen ist alles gut. Mehr will ein Baby nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-4685" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/05/baby-geniesst-mamas-naehe.jpg" alt="Baby genießt Mamas Nähe" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/05/baby-geniesst-mamas-naehe.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/05/baby-geniesst-mamas-naehe-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Also halte ich an und beruhige mein Baby. Versuche es nach einer Weile wieder. Es gab auch schon Zeiten, da hab ich das Auto an Ort und Stelle stehen lassen und bin mit den Öffis nach Hause gefahren, weil es einfach nicht anders ging.</p>
<p>Natürlich hätte ich mein Baby in die Schale pressen, festschnallen und wie der geölte Blitz nach Hause fahren können, während es die ganze Stadt zusammenschreit. Aber das wollte ich nicht. Ich sah mein Bedürfnis nicht so wichtig, meinem Baby das anzutun, und stellte es zurück.</p>
<p>Hier lassen sich übrigens auch prima <strong>Alternativen</strong> finden, um diesen Konflikt zu vermeiden. Auto meiden, Öffis nehmen, Essen einpacken für unterwegs, mit dem Baby schlafen, wenn es schläft, früher los, wenn Baby noch nicht so müde ist, Unterhaltung fürs Baby einpacken und und und.</p>
<h3>13. Für die eigenen Bedürfnisse sorgen</h3>
<p>Momentan macht der kleine Mann keinen Mittagsschlaf und schläft trotzdem erst gegen 01:00 Uhr morgens ein. Das ist hart, äußerst Kräfte zehrend und macht unheimlich <strong>wütend</strong>.</p>
<p>Und diese Wut, hat mich &#8222;Unerzogen&#8220; gelehrt, will mir etwas sagen. Meine Wut will mir sagen, dass es mir nicht gut geht.</p>
<p>Im obigen Fall bedeutet meine Wut, wenn mein Kind nachts immer noch auf 180 ist und hüpfen und springen und beißen will, und ich komplett im Eimer bin, dass ich für mich sorgen muss. Ich bin 24/7 mit meinem Kind beschäftigt. Gibt es in dieser Zeit eine Möglichkeit, für mich zu sorgen? Mir <strong>Ruheinseln</strong> zu schaffen? Tankstellen? Was kann ich für mich tun, damit ich diese Zeit schaffe, ohne mein Kind nonstop anzumeckern und genervt zu reagieren?</p>
<p>Können wir eine/n Babysitter/in einstellen? Eine Reinigungskraft, die im Haushalt unterstützt? Kann sonstwer helfen? Freunde, Familie, irgendwer? Sich mit dem Kind beschäftigen oder sonstwie helfen?</p>
<p>Oder kann mir etwas genau in diesem Moment, in dem ich wütend bin, <strong>helfen</strong>? Schokolade? Lieblingsmusik? Ein Spruch, der mich wieder runterholt? Atmen? Mit meinem Kind baden, damit ich entspannen und es rumplanschen kann?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-939" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/frau-entspannt-und-atmet.jpg" alt="Frau entspannt und atmet" width="679" height="431" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/frau-entspannt-und-atmet.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/frau-entspannt-und-atmet-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Was will mein Kind? Will es mit mir toben oder reicht es aus, wenn ich mich in den Raum lege, ruhe, und es um mich herumwirbelt?</p>
<p>Nicht mein Kind ist dafür zuständig, dass meine Bedürfnisse gestillt werden. Dafür bin ich allein <strong>verantwortlich</strong>. Ich muss mich um mich selbst kümmern. Das darf ich meinem Kind nicht aufbürden und ihm vorhalten, wenn es das nicht kann, weil es für seine eigenen Bedürfnisse einsteht.</p>
<h3>14. Ich breche aus alten Mustern aus</h3>
<p>Ich wurde erzogen und es haften immer noch <strong>alte Glaubenssätze</strong> in meinem Kopf, die ich nicht wegbekomme. Beispiel Wände bemalen. Das war vor einigen Wochen total angesagt bei uns.</p>
<p><a href="https://www.milchtropfen.de/kind-bemalt-waende/" rel="noopener">Unser Sohn bemalte also unsere Wände</a> und wir waren am Durchdrehen. Er hatte einen eigenen <a href="https://www.milchtropfen.de/wir-zaubern-dirnen-malort/" rel="noopener">Malort</a> zum kreativen Entfalten. Aber nein, die weißen Wände waren attraktiver. Hier ein Strich, da ein Krikelkrakelbild, dort bisschen Knete, da mal rumkleckern &#8211; es war furchtbar.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-5782" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/mein-kind-malt-gern-an-den-waenden-bemalte-wand-voller-knete.jpg" alt="Mein Kind malt gern (an den Wänden) - bemalte Wand voller Knete" width="679" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/mein-kind-malt-gern-an-den-waenden-bemalte-wand-voller-knete.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/mein-kind-malt-gern-an-den-waenden-bemalte-wand-voller-knete-400x253.jpg 400w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/06/mein-kind-malt-gern-an-den-waenden-bemalte-wand-voller-knete-30x19.jpg 30w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Ich befasste mich mit dem Thema. Was will er? Was braucht er? Was ist sein Bedürfnis? Was treibt ihn dazu, an den Wänden zu malen, obwohl ich &#8222;Nein.&#8220; gesagt habe? Am Ende löste ich unseren Konflikt, indem ich ihm zugestand, SEIN Zimmer, SEIN Spielzeug, so zu gestalten, wie er es wollte.</p>
<p>Ich trennte mich von &#8222;<strong>Man darf nicht</strong> an den Wänden malen&#8220;, befreite mich von meinen Ängsten und Sorgen und ließ etwas Unerzogenes zu. Unser Sohn darf an den Wänden malen. An einigen, nicht an allen, denn wir leben auch in der Wohnung und fühlen uns nicht wohl, wenn alles voller wirrer Striche ist. Das funktionierte für uns ganz gut.</p>
<p>&#8222;Unerzogen&#8220; bedeutet für mich, alte Muster zu <strong>hinterfragen</strong> und ggf. zu durchbrechen.</p>
<p>Mein Sohn bewirft mich mit Sand. Meine erste Reaktion wäre normalerweise:&#8220;Ich will nicht mit Sand beworfen werden. Hör auf, mich mit Sand zu bewerfen. Wirf lieber da hin.&#8220;</p>
<p>Aber diesmal machte ich daraus eine kleine Sandschlacht und warf etwas Sand auf seine Füße. Wir jagten uns also quietschend über den Spielplatz und bewarfen uns mit Sand. Er mir gegen die Beine, ich ihm auf die Füße. Es machte Spaß und zeigte mir, dass ich auch einfach mal über meinen Schatten springen und aus alten Mustern ausbrechen darf. Es wirkt befreiend.</p>
<div id='c3452_31_19' class='sam-container sam-place' data-sam='0'></div>
<h3>15. Mein Kind ist &#8222;gut&#8220;</h3>
<p>Mein Kind ist nicht &#8222;böse&#8220;. Sein Handeln hat immer einen <strong>Grund</strong>. Es will mich nicht ärgern, sondern auf etwas aufmerksam machen.</p>
<p>In meinem Beitrag &#8222;<a href="https://www.milchtropfen.de/blogparade-missverstaendnisse-zwischen-kindern-und-erwachsenen/" rel="noopener">Missverständnisse zwischen Erwachsenen und Kindern</a>&#8220; erzählte ich von einem Ereignis zwischen meinem Vater und mir. Ich wollte eine Szene aus dem Film &#8222;Dornröschen&#8220; nachspielen und sagte zu ihm &#8222;Komm, Alter!&#8220;. Mein Vater reagierte empört und ließ mich links liegen. Und ich stand da wie ein begossener Pudel und wusste nicht, was gerade passiert war.</p>
<p>Dieses Ereignis hat mich gelehrt, meinem Kind stets Gutes zu unterstellen. Wenn es <strong>haut</strong>, ist es nicht böse. Es weiß sich vielleicht nicht anders auszudrücken. Wenn es <strong>beißt</strong>, ist es auch nicht böse. Vielleicht zahnt es gerade. So kann das auf jede Situation angewandt werden. Bevor wir unseren Kindern etwas Gemeines <strong>unterstellen</strong>, sollten wir schauen, ob wir uns nicht doch irren, und es uns etwas ganz anderes mitteilen wollte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7319" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-mit-klarem-blick.jpg" alt="Kind hält sich die Augen zu" width="680" height="428" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-mit-klarem-blick.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/kind-mit-klarem-blick-400x252.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Natürlich erkenne ich auch, wenn mein Sohn jemanden mit <strong>Absicht</strong> zurück schubst, weil er versehentlich angerempelt wurde, als es darum ging, die Kaninchen zu füttern.</p>
<p>Da gehe ich dazwischen, schütze das andere Kind. Mein Sohn hat mir gezeigt, dass er sich nicht anders zu helfen weiß, wenn er angerempelt wird. Ich bin an der Reihe. Wie kann er sich anders schützen, sich wehren? Sollten wir mit ihm einen <strong>Verteidigungskurs</strong> besuchen, damit er lernt, sich zu wehren, statt nach dem Motto &#8222;Auge um Auge, Zahn um Zahn&#8220; zu leben?</p>
<h3>16. Ich bin Vorbild</h3>
<p>Obige Kaninchensituation hat mir auch gezeigt, dass mein Sohn (bisher) keine andere Möglichkeit kennt, sich zu wehren, sich zu schützen, zu <strong>verteidigen</strong>.</p>
<p>Wir wollen, dass er <strong>selbstbewusst</strong> ist. Dass er den Mut hat, &#8222;Nein.&#8220; zu sagen, wenn es ihm zu weit geht. Das kann er. Und wir akzeptieren sein &#8222;Nein.&#8220; und hören beispielsweise mit dem Kitzeln auf, wenn er nicht mehr mag.</p>
<p>Trotzdem ist er total schüchtern und vorsichtig. Lässt den lauten Kindern auf dem Spielplatz den Vorrang und wartet, bis frei ist. Nur da kommt schon das nächste Kind, das sich vorbei drängelt. Er hat das Nachsehen.</p>
<p>Da fiel mir auf, dass ich zwar in solchen Situation ganz klar für mich einstehen würde, persönlich aber auch eine von der <strong>schüchternen</strong> Sorte bin. Wenn ich mich wohl fühle, blühe ich auf, aber das braucht seine Zeit.</p>
<p>Vielleicht hat mein Sohn ja von mir Zurückhaltung gelernt. Er sieht mich 24/7, im Gegensatz zu seinem vor Selbstbewusstsein strotzendem Vater.</p>
<p>Wenn ich meinem Kind also Dankbarkeit zeigen will, Höflichkeit, Empathie, Selbstbewusstsein usw., dann muss ich auf mich schauen: Bin ich denn überhaupt so? Sieht mein Sohn, dass ich dankbar bin, höflich, empathisch, selbstbewusst usw.? Lebt sein Umfeld nach diesem Vorbild?</p>
<h3>17. Ich muss nicht für alles eine Lösung haben</h3>
<p>&#8222;Unerzogen&#8220; hat mir auch gezeigt, dass ich nicht für alles eine Lösung parat haben muss.</p>
<p>Wir sitzen beispielsweise drinnen, schauen aus dem Fenster. Es <strong>regnet</strong>. Mein Sohn will, dass es aufhört zu regnen. Kann ich nicht ändern. Es macht ihn traurig und er will wirklich, dass es jetzt aufhört zu regnen. Kann ich trotzdem nicht <strong>ändern</strong>.</p>
<p>Was ich tun kann, ist da zu sein. Ich kann nicht alles zu seinen Gunsten ändern. Aber ich kann ihm zeigen, dass ich immer für ihn da bin. Kann ihm sagen, dass der Regen auch was <strong>Gutes</strong> hat. Kann mit ihm draußen in den Pfützen hüpfen und ihm begreiflich machen, dass uns Regen nicht davon abhält, rauszukommen. Oder dass man an Regentagen auch ganz coole Sachen drinnen machen kann. Regen hat auch seine angenehmen Seiten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-5802" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/10/kind-spielt-mit-autos-in-grosser-regenpfuetze.jpg" alt="Kind spielt mit Autos in großer Regenpfütze" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/10/kind-spielt-mit-autos-in-grosser-regenpfuetze.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/10/kind-spielt-mit-autos-in-grosser-regenpfuetze-400x253.jpg 400w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/10/kind-spielt-mit-autos-in-grosser-regenpfuetze-30x19.jpg 30w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<h3>18. Es zeugt von Stärke, sich Hilfe zu holen</h3>
<p>Ich bin nicht immer gut gelaunt. Manchmal sind meine <strong>Reserven</strong> voll aufgetankt und es ist ein leichtes für mich, auf mein Kind einzugehen, das fordernd &#8222;Mama, komm her!&#8220; nach mir ruft, während ich Pfannkuchen für uns mache.</p>
<p>Ja, und manchmal, da lief die Nacht kacke, dann bin ich müde, dann ist der Papa schon aus dem Haus auf dem Weg zur Arbeit, die Wohnung sieht aus wie Sau, ich sehe all die Arbeit, niemand hilft mir, niemand unterstützt mich und dann kann ich es weniger leicht verkraften, für einen <strong>fordernden</strong> 2,5-Jährigen da zu sein, mit dem ich den ganzen Tag spielen soll.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7323" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mensch-haengt-schlapp-ueber-einem-baumstamm-im-wasser.jpg" alt="Mensch hängt schlapp über einem Baumstamm im Wasser" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mensch-haengt-schlapp-ueber-einem-baumstamm-im-wasser.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/mensch-haengt-schlapp-ueber-einem-baumstamm-im-wasser-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Da ist es wieder an mir, für mich zu sorgen. Kann mir jemand helfen? Nein? Das ist blöd. Denn da ist nunmal auch der Junge, der nicht versteht, dass ich <strong>erschöpft</strong> bin, und nun dies und das will.</p>
<p>Ja, da bin ich auch <strong>frustriert</strong>. Ausgelaugt. Und will eigentlich nur meine Ruhe haben. Geht aber nicht. Und wenn ich es nicht schaffe, für meine Bedürfnisse zu sorgen, reagiere ich auch schnell mit <strong>Wut</strong>.</p>
<p>In &#8222;Unerzogen&#8220; bin ich auf den <a href="https://www.milchtropfen.de/out/wutkurs" target="_blank" rel="nofollow noopener">Wutkurs</a>* von Ruth gestoßen. Ich hoffe, hier noch einige Dinge lernen zu können, die mir helfen, mit meiner Wut umzugehen.</p>
<p>Denn, sich Hilfe zu holen, sollte nichts sein, wofür man sich schämen muss. Die einen machen eine <strong>Therapie</strong>, um ihre Traumata aus der Vergangenheit aufzuarbeiten, die anderen holen sich Hilfe im Haushalt, die anderen tauschen sich aus, nehmen an Kursen teil, lesen passende Literatur.</p>
<p>Wir sind alle nicht perfekt und haben unser Päckchen zu tragen. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns damit abfinden. Wir reflektieren unser Verhalten und wollen etwas ändern. Dafür benötigen wir manchmal <strong>Hilfe</strong> und nehmen diese auch in Anspruch.</p>

<h3>19. Ich belohne und bestrafe nicht</h3>
<p>Was ich bereits vor &#8222;Unerzogen&#8220; lebte: Ich belohne kein &#8222;gutes&#8220; Verhalten und bestrafe kein &#8222;schlechtes&#8220; Verhalten. Hier half mir das Buch <a href="http://amzn.to/2jAUuqP" target="_blank" rel="nofollow noopener">&#8222;Liebe und Eigenständigkeit: Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung&#8220;</a>* von Alfie Kohn, die Schattenseiten des Belohnungs- und Bestrafungssystems zu verstehen.</p>
<p>Selbst bei &#8222;Unerzogen&#8220; spalten sich die Geister und viele fühlen sich unwohl, ihr Kind nicht zu loben.</p>
<p>Meiner Auffassung nach ist Belohnung und Bestrafung wie <strong>Dressur</strong>. Selbst, wenn ich mein Kind nicht bestrafe, wenn es die Vase zerdeppert, indem ich es auf die stille Treppe schicke o.ä., ist Belohnung für &#8222;gutes&#8220; Verhalten genau so schädlich.</p>
<p>Belohnung bedeutet, ich stelle mich über jemanden und gebe ihm zu verstehen, was angeblich richtig ist. Ich lobe und bestrafe, um sein <strong>Verhalten</strong> zu lenken, weil ich der Meinung bin, dass es das nicht von selbst herausfinden kann. Ich lobe mein Kind mit &#8222;Das hast du aber fein gemacht.&#8220;, wenn es den Müll in den Mülleimer schmeißt. Mein Ziel: Dieses Verhalten zu <strong>fördern</strong>. Ich zeige meinem Kind, dass es GUT ist, Müll in den Mülleimer zu schmeißen.</p>
<p>Wenn ich erzähle, dass ich meinen Sohn nicht lobe, kommen immer ganz traurige Reaktionen. Der Arme. Er wird immer um deine <strong>Anerkennung</strong> betteln und alles dafür tun, um von dir gesehen zu werden.</p>
<p>Dass ich meinen Sohn nicht lobe, bedeutet nicht, dass ich ihn <strong>ignoriere</strong>, wenn er mir etwas freudestrahlend zeigt. Ich bin trotzdem da und sehe ihn. Ich sehe, was er gemacht hat und freue mich mit ihm. Ich sitz nicht einfach nur da und schaue teilnahmslos drein.</p>
<p>Ich erkenne sehr wohl an, wenn er ins Töpfchen gepullert hat. Ich schreie aber nicht:&#8220;JA! Super! Fein hast du das gemacht! Klasse! PRIMA!&#8220; Ich sage beispielsweise:&#8220;Hey, du hast ins Töpfchen gemacht. Als wir gerade gespielt haben, warst du ganz hibbelig. Da muss deine Blase schon ganz schön voll gewesen sein. Jetzt ist sie leer und du bist entspannter. Jetzt können wir weiterspielen. Willst du das Töpfchen im Klo ausschütten?&#8220;</p>
<p>Oder ein anderes Beispiel: Mein Sohn zeigt mir, was er gemalt hat. Viele würden hier einfach antworten:&#8220;Super.&#8220; Fertig. Konversation beendet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-6690" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/08/kind-malt-auf-tablet.jpg" alt="Kind malt auf Tablet" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/08/kind-malt-auf-tablet.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/08/kind-malt-auf-tablet-400x253.jpg 400w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/08/kind-malt-auf-tablet-30x19.jpg 30w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ich persönlich denke nicht, dass mein Sohn von mir gerade wissen will, ob ich sein Gemaltes toll finde oder nicht. Er will <strong>Kontakt</strong>. Ich sage dann zum Beispiel:&#8220;So viele Farben! Wie hast du DAS denn gemacht?&#8220; und dann ist er schon eifrig dabei, mir zu erzählen, wie er dies und das gemalt hat. Oder WAS er genau gemalt hat.</p>
<p>Eine völlig andere <strong>Kommunikation</strong>, finde ich. Aber das ist einfach nicht für jede/n was. Ist auch ok. Da spielt dann wieder die Akzeptanz rein.</p>
<h3>20. Selbstreflexion</h3>
<p>Akzeptieren will ich persönlich nicht, dass ich autoritär erzogen wurde und das nun angeblich 1:1 <strong>übernehmen</strong> muss, weil ich es nicht anders kenne. Ich FÜHLE, wenn ich mein Kind ungerecht behandelt habe. Ich SEHE, wie verletzt er ist, wenn ich rummotze.</p>
<p>Ich persönlich gebe mich nicht damit zufrieden, so zu sein, wie ich bin und rede mich raus, weil ich daran angeblich nichts ändern kann.</p>
<p>Wenn ich abends im Bett liege und mir dieses oder jenes Ereignis ins Gedächtnis rufe, über das ich <strong>unzufrieden</strong> bin, weil ich es m.M.n. unglücklich angegangen bin, frage ich mich: Was hätte ich stattdessen tun können? Wie gehe ich diesen Konflikt beim nächsten Mal besser an? Was habe ich in dem Moment gebraucht und was mein Kind? Was könnte mir/ihm helfen?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7042" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/frau-liegt-entspannt-auf-dem-bett.jpg" alt="Frau liegt entspannt auf dem Bett" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/frau-liegt-entspannt-auf-dem-bett.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/frau-liegt-entspannt-auf-dem-bett-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Es tut mir gut, mein Handeln zu hinterfragen. Auch mal <strong>zuzugeben</strong>: Das war echt nicht ok, was ich da gesagt habe. Wie kann ich da an mir arbeiten? Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann sagt mir das, dass ich Hilfe brauche.</p>
<h3>21. Fehler eingestehen</h3>
<p>Wenn ich mies zu meinem Kind war und wieder am Boden der Tatsachen angekommen bin, sehe ich, was ich angerichtet habe. Mein Kind ist traurig. Verkrümelt sich. Ich geh ihm hinterher, er lässt es zu. Ich <strong>entschuldige</strong> mich für mein Verhalten. Sage, dass das echt nicht in Ordnung war, dass ich so laut geworden bin. Versuche ihm begreiflich zu machen, woran es liegt.</p>
<p>So möchte ich ihm zu verstehen geben, dass auch ich als seine Mutter Fehler mache. Dass ich Gefühle habe. Bedürfnisse. Dass ich kein Roboter bin, der zu 100% <strong>funktioniert</strong>, und manchmal einfach k.o. bin. Dass ich aber auch die Kraft habe, das einzugestehen und mich dafür zu entschuldigen. Ich erwarte von ihm keine Entschuldigung, aber es ist mir <strong>wichtig</strong>, ihm zu sagen: Es tut mir ehrlich Leid. Ich habe meinen Fehler erkannt. Daran will ich arbeiten.<br />
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<h2>Was &#8222;Unerzogen&#8220; für mich NICHT ist</h2>
<p>So gehe ich nun meinen Weg und lese und lese und lese und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es gibt SO viele, die &#8222;unerzogen&#8220; leben. Und trotzdem so viele <strong>Irrtümer</strong> darüber.</p>
<p>Ich möchte dir daher kurz und knapp erklären, was &#8222;Unerzogen&#8220; für mich absolut NICHT ist:</p>
<h3>1. Selbstaufgabe, Kind darf ALLES</h3>
<p>In &#8222;Unerzogen&#8220; geht es um die Bedürfnisse aller. Babys, Kleinkinder, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Haustiere&#8230; Eben alle, die zusammen leben, eigene Bedürfnisse haben und deren Erfüllung fordern.</p>
<p>Es geht nicht darum, dass man Konflikten aus dem Weg geht, das <strong>Kind alles machen lässt, was es will</strong>, und gar nicht an sich oder andere denkt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-7329" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/junge-mit-iro-lederjacke-und-jeans.jpg" alt="Junge mit Iro, Lederjacke und Jeans" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/junge-mit-iro-lederjacke-und-jeans.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2017/09/junge-mit-iro-lederjacke-und-jeans-400x253.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Es geht darum, die Bedürfnisse meines Kindes und der anderen wahrzunehmen, darauf einzugehen, aber mich selber dabei nicht aus den Augen zu verlieren. Das bedeutet auch, dass mein Kind eben nicht alles darf, was es will und tun und lassen kann, was es will, denn auch wir, die mit ihm zusammenleben, haben Bedürfnisse, die zu <strong>berücksichtigen</strong> sind.</p>
<p>Auch Menschen unseres Umfelds, Nachbarn, Fremde usw., haben Bedürfnisse, die berücksichtigt werden sollten. Es ist schwierig, die Mitte zu finden. Wenn mein Kind laut in der Wohnung trampelt, weil es nunmal so läuft, und die <strong>Nachbarn</strong> unter uns sich beschweren, dann muss da irgendeine Lösung gefunden werden. Natürlich könnte ich auch rotzig sagen:&#8220;Kinder sind nunmal laut. Finden Sie sich damit ab.&#8220;, aber das wäre in meinen Augen nicht &#8222;Unerzogen&#8220;. &#8222;Unerzogen&#8220; bezieht sich nicht nur auf mein Kind.</p>
<h3>2. Richtig und Falsch</h3>
<p>&#8222;Unerzogen&#8220; bedeutet nicht zwangsläufig, dass (Langzeit-)gestillt werden MUSS. Oder dass alle im Familienbett schlafen. Es geht auch nicht um Tragetuch-, Tragegurt- oder Kinderwagen<strong>pflicht</strong>, Stoffwindeln, Wegwerfwindeln oder Windelfrei.</p>
<p>&#8222;Unerzogene&#8220; können Hausfrau/-mann, selbstständig, Azubis, ganz oben auf der Karriereleiter in Entscheidungsposition, angestellt oder was auch immer sein.</p>
<p>&#8222;Unerzogene&#8220; Kinder gehen in die <strong>Kita</strong> oder auch nicht, gehen zur <strong>Schule</strong> oder auch nicht.</p>
<p>Für mich existiert nicht DAS Bild von &#8222;Unerzogen&#8220; und &#8222;Nur so geht Unerzogen&#8220;. Es geht um die Einstellung. &#8222;Unerzogen&#8220; ist eine <strong>Haltung</strong>, kein Erziehungsstil im üblichen Sinne.</p>
<p>Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Beitrag einen ersten, tieferen Einblick in &#8222;Unerzogen&#8220; geben. Was bedeutet &#8222;Unerzogen&#8220; für dich?<br />
</p>
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		<title>Wenn die Wut kommt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Julia Will]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Jul 2016 07:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Baby]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Kind]]></category>
		<category><![CDATA[Kleinkind]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unsere Kinder können so putzig und zuckersüß sein. Wie sie handeln, versetzt uns in Staunen und lehrt uns so einiges. Doch es gibt auch Zeiten, in denen man erschöpft und ausgelaugt ist und für die kleinen Entdecker mit ihrem großen Forscherdrang wenig Geduld und Nerven hat. Manchmal vielleicht so wenig, dass man kurz vorm Ausrasten ... <a title="Wenn die Wut kommt" class="read-more" href="https://www.milchtropfen.de/wenn-die-wut-kommt/" aria-label="Mehr zu Wenn die Wut kommt">Weiterlesen</a></p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unsere Kinder können so putzig und zuckersüß sein. Wie sie handeln, versetzt uns in Staunen und lehrt uns so einiges.</p>
<p>Doch es gibt auch Zeiten, in denen man erschöpft und ausgelaugt ist und für die kleinen Entdecker mit ihrem großen Forscherdrang wenig Geduld und Nerven hat. Manchmal vielleicht so wenig, dass man kurz vorm Ausrasten ist. Oder man rastet irgendwann wirklich aus, weil man es schon zu lange runtergeschluckt hatte.</p>
<p>Was hilft, wenn man kurz davor ist, vor Wut zu platzen und Dinge zu sagen und zu tun, die man im Nachhinein bereut?</p>
<p>Hier findet ihr die für mich hilfreichsten Tipps.<span id="more-870"></span><div id='c1933_0_11' class='sam-container sam-place' data-sam='0'></div></p>
<h2>Wenn die Wut kommt</h2>
<p>Damals zogen wir vor allem wegen der echt günstigen Mieten nach Hellersdorf. Von den anderen hörten wir dann immer Sprüche wie &#8222;In Hellersdorf leben nur die Asis. Allesamt arbeitslos, Hartzis, ungebildet, aber kriegen ständig Kinder.&#8220;, aber davon wollten wir nichts wissen. Rasch fanden wir eine hübsche Wohnung und zogen ein.</p>
<p>Mittlerweile leben wir seit fast 5 Jahren hier und haben uns unser eigenes Bild von diesem Bezirk gemacht.</p>
<p>Was ich am Schlimmsten hier finde, sind tatsächlich die Umgangsformen der Familien mit Kindern. Ich begegne ihnen überall: auf der Straße, an der Haltestelle, beim Einkaufen, im vorbeifahrenden Auto, auf Spielplätzen usw.</p>
<p>Die Eltern sind gestresst, überreizt, reagieren aggressiv und werden sofort laut und ungehalten, beleidigen, manche geben sogar einen Klaps.</p>
<h2>Anderer Bezirk, andere Sitten</h2>
<p>Als wir einmal im Volkspark Friedrichshain unterwegs waren, schien es, als seien wir in eine völlig andere Welt getreten. Glückliche Kinder, zufriedene Eltern, die gemeinsam mit den Kleinen im Sand buddeln und spielen noch und nöcher.</p>
<p>Was mich am Allermeisten faszinierte, war die Situation zwischen einem trotzigen Kind und seiner Mutter. Mutter und Kind gingen gerade noch Hand in Hand des Weges, da wollte der Kleine plötzlich nicht weiterlaufen und blieb stehen. Die Mutter versuchte ihn zum Laufen zu bewegen. Keine Chance. Der Kleine steigerte sich richtig in einen Wutanfall hinein. Er schrie und hantierte wild mit den Armen.</p>
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</div>
<p>In Hellersdorf erlebe ich immer nur die Reaktionen überforderter Eltern. Doch statt auszurasten und das Kind hinterherzuzerren, redete die Mutter total ruhig und blieb cool.</p>
<p>Als ihr Sohn weiterhin der gesamten Umgebung sein Leid lauthals mitteilte, staunte ich nicht schlecht. Immerhin sahen sich in diesem Moment alle Leute dieses Geschehen an. Es muss ein enormer Druck auf der Mutter geherrscht haben, als sie von allen beobachtet wurde.</p>
<p>Irgendwann setzte sich die Mutter auf eine nahe gelegene Bank und ließ ihren Sohn weiter auf dem Boden herumkrakelen. Sie lief nicht einfach weiter, wie das die Eltern in Hellersdorf machen. Sie blieb in Sichtweite ihres Sohnes, entfernte sich nur wenige Meter von ihm, ließ ihn sich austoben. Bald darauf hatte er sich wieder gefangen und setzte sich mit auf die Bank, ruhte sich aus und redete mit seiner Mutter.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-944" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/mutter-und-kind-hand-in-hand.jpg" alt="Wenn die Wut kommt - Mutter und Kind Hand in Hand" width="678" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/mutter-und-kind-hand-in-hand.jpg 678w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/mutter-und-kind-hand-in-hand-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px" /></p>
<h2>Wie ich mit Wut umgehe</h2>
<p>Solch eine Situation musste ich bisher nicht mit unserem Sohn durchstehen. Ich frage mich, wie wohl meine Reaktion ausgesehen hätte, wäre ich an Stelle dieser Mutter gewesen.</p>
<p>Zwar verhält man sich immer etwas anders gegenüber seinem Kind, wenn man unter Beobachtung steht, doch ich zweifle daran, dass ich so souverän geblieben wäre. Immerhin gibt es bereits jetzt Situationen, in denen mich mein Sohn voll auf die Palme bringt. Und er ist erst 16 Monate alt! Er fängt gerade an, die ersten Wörter zu üben und kann mich trotzdem schon derartig zur Verzweiflung treiben. Wahnsinn! Wie soll das erst werden, wenn er älter wird? Ich habe Angst.</p>
<p>Weil ich mich oft dabei ertappe, wie unverhältnismäßig ich in manchen Situationen reagiere, wenn ich wütend bin, dachte ich, kann es nicht schaden, die Kontrolle über seine Wut zu üben. Im Internet mache ich mich sogleich über das Thema &#8222;Wut kontrollieren&#8220; schlau und picke mir die für mich sinnvollsten heraus. Manche hatte ich bereits angewandt, ohne vorher gewusst zu haben, dass dies Methoden sind, um wieder runterzukommen.</p>
<p>Im Folgenden zeige ich euch die jeweiligen Methoden und wie sie bei mir in welcher Situation funktioniert haben.</p>

<h2>Die Methoden</h2>
<h3>Raum verlassen</h3>
<p>Als mich mein Sohn ständig beim Stillen biss, hatte ich mich anfangs überhaupt nicht unter Kontrolle. Wutentbrannt verließ ich dann den Raum, um Luft zu bekommen. Unbewusst hatte ich eine Methode zur Wutkontrolle angewandt. Und es hilft wirklich, auch wenn der Kleine einem schon nach wenigen Sekunden hinterherkrabbelt und nach einem ruft. Allein die kurze räumliche Trennung hat mich dann wieder so weit runtergeholt, dass ich nicht mehr so sauer auf meinen Sohn war.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-943" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-bunte-sitzbank.jpg" alt="Wenn die Wut kommt - bunte Sitzbank" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-bunte-sitzbank.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-bunte-sitzbank-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Den Raum kann man natürlich nur verlassen, wenn das Baby nicht aus voller Kehle nach einem schreit und Hilfe braucht und allein gelassen werden würde. Wenn das doch der Fall ist und man aber kurz davor ist, auszuticken, weil man nicht mehr kann, dann ist es besser, wenn jemand in diesem Moment kurz einspringen und für das Baby da sein kann.</p>
<p>Wenn ihr allein seid, dann ist es in meinen Augen immer noch die bessere Variante, das Baby für einen KURZEN MOMENT (Ich rede nicht von Stunden oder auch &#8222;nur&#8220; einer Viertelstunde schreien lassen!) sicher im Raum zurückzulassen, als es anzuschreien, zu schütteln oder noch schlimmeres&#8230;</p>
<h3>Von 180 wieder runterkommen</h3>
<p>Wenn ihr im Nebenzimmer seid, könnt ihr euch dann sammeln. Was mir dann hilft, mich schnell zu beruhigen? Entweder hole ich mir einen Snack, trinke kaltes Wasser, kaue einen Kaugummi usw. Weitere Techniken findet ihr etwas weiter unten. Vielleicht beruhigt es euch ja auch. Oder ihr habt bereits eine Methode, mit der ihr nicht mehr auf 180 seid. Drogen sind keine Option!</p>
<div id='c2997_34_18' class='sam-container sam-place' data-sam='0'><div style="margin: 0px -15px 0px !important; color: #000; font-size: 8pt;" class="werbungaus"><aside id="adsinfo">Anzeige</aside><script async src="//pagead2.googlesyndication.com/pagead/js/adsbygoogle.js"></script>
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<p>Was auch hilfreich war: werdet euch bewusst, dass euer Baby euch liebt, dass es euch braucht, dass ihr über manchen Dingen drüber stehen müsst. Ruft euch glückliche Momente ins Gedächtnis, um euch zu beruhigen. Manchmal hilft es auch, einfach mal zu weinen und den ganzen Stress rauszulassen.</p>
<h3>Bis 10 zählen</h3>
<p>Es braucht enorm viel Disziplin, den Moment, in dem man unendlich gern schreien würde, vorbeiziehen zu lassen und stattdessen bis 10 zu zählen. Und ich gebe zu, ich habe es manchmal nicht geschafft und etwas Dummes gesagt. Sobald es raus war, ging es mir zwar anfangs besser, aber es hat nachträglich absolut nichts gebracht. Um mich von meinem darauf folgenden schlechten Gewissen befreien zu können, entschuldigte ich mich dann schnell.</p>
<p>Vielleicht fällt es leichter, auch hier den Raum zu verlassen und bis 10 zu zählen. Ich zumindest habe bessere Alternativen für mich entdeckt, als bis 10 zählen zu müssen. Aber eventuell ist diese Methode genau das Richtige für euch.</p>
<h3>Atemtechnik</h3>
<p>Bei dieser Atemtechnik atmet man 3 Sekunden ein, hält die Luft für 3 Sekunden an und atmet anschließend 3 Sekunden lang aus. Das macht man so lange, bis man das Gefühl hat, sich wieder unter Kontrolle zu haben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-939" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/frau-entspannt-und-atmet.jpg" alt="Wenn die Wut kommt - Frau entspannt" width="679" height="431" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/frau-entspannt-und-atmet.jpg 679w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/frau-entspannt-und-atmet-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 679px) 100vw, 679px" /></p>
<p>Auch diese Methode erfordert viel Übung, harte Disziplin und funktioniert bei mir auch nicht immer. Probiert es aus. Vielleicht hilft es euch.</p>
<h3>Schlagen, beißen, treten, schreien</h3>
<p>Es ist so unbefriedigend, die angestaute Wut einfach nur wegzuatmen, finde ich. Man will seiner Wut Ausdruck verleihen und auf etwas einprügeln oder etwas anschreien. Ja, warum eigentlich nicht? Aber bitte nicht euer Kind oder sonst jemanden. Holt euch ein Kissen, eine Decke, einen Sandsack oder was auch immer, und prügelt drauf ein, bis ihr nicht mehr könnt. Hilft auf jeden Fall in Extremfällen, wenn keine Zeit für Meditation ist.</p>
<h3>Verstehen lernen</h3>
<p>In Momenten der Ruhe und Stille lohnt es sich dann, über das Vergangene nachzudenken. Lasst das Geschehene noch einmal Revue passieren. Was genau ist passiert, als ihr wütend wurdet und ausgeflippt seid? Könnte es vielleicht eine logische Erklärung für das Verhalten des anderen geben?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-941" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-blickt-zur-seite.jpg" alt="Wenn die Wut kommt - Kind blickt zur Seite" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-blickt-zur-seite.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-blickt-zur-seite-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Nehmen wir ein Beispiel, das bei uns immer noch Thema Nummer 1 ist, wenn es ums Essen geht: der Kleine wirft das Essen auf den Boden.</p>
<p>Man könnte im 1. Moment denken, der Kleine will einen auf die Schippe nehmen. So eine Frechheit! Und er verzieht keine Mine dabei! Lässt ihn völlig kalt, wenn ich ihm lang und breit erkläre, warum man das Essen nicht auf den Boden wirft. Manchmal guckt er einen dann völlig unbeeindruckt an und lässt das Essen wieder fallen! Der will mich doch provozieren!! Und schon ist das Drama im vollen Gange.</p>
<p>Wenn ich abends im Bett lag, fing ich an zu überlegen. Wollte mich mein Kind wirklich ärgern? Ich versuchte mich in die Lage meines Kindes hineinzuversetzen. Vielleicht würde ich es dann verstehen.</p>
<div id='c3547_31_19' class='sam-container sam-place' data-sam='0'></div>
<p>Kann sein, dass er erst einmal begreifen muss, was Schwerkraft bedeutet. Was passiert, wenn man Dinge fallen lässt? Fallen sie immer? Wirklich immer? Oh, jetzt bückt sich jemand nach den Sachen, die auf dem Boden liegen. Passiert das auch immer?</p>
<p>Wer weiß, ob unser Sohn tatsächlich so denkt. Zumindest hat es mir geholfen, ihm nicht immer sofort Bösartigkeit zu unterstellen. Und man reagiert beim nächsten Mal auch etwas entspannter, wenn das Essen wieder auf dem Boden landet.</p>
<h4>Es kann auch mehrere Gründe geben</h4>
<p>Als wir merkten, dass unser Sohn uns schon sehr deutlich verstand, aber immer noch nicht hörte, wenn wir sagten, dass das Essen auf den Tisch gehört, mussten wir weiterdenken. Warum lässt er es fallen, obwohl er versteht, dass das falsch ist?</p>
<p>Und wir erkannten, dass es die einfachste Methode unseres Sohnes war, sich Freiraum zu schaffen. Sein Teller war zu voll oder er wollte die Erdbeere jetzt einfach nicht mehr essen. So nach dem Motto &#8222;Aus dem Auge, aus dem Sinn&#8220;. Also baten wir ihn, wenn wir merkten, dass er sich gleich eines Stücks entledigen wollte, es uns zu geben, damit wir es beiseite legen konnten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-938" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-beim-essen.jpg" alt="Wenn die Wut kommt - Kind beim Essen" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-beim-essen.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-beim-essen-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ab und zu landet hier und da mal doch noch etwas auf dem Boden, aber es half uns wie gesagt, verständnisvoller mit der Situation umzugehen.</p>
<p>Es kann also nicht schaden, in ruhigen Momenten zu analysieren und zu hinterfragen. Und wenn dann wieder solch eine Situation auftritt, wisst ihr, wie ihr besser reagieren könnt oder könnt zumindest das Verhalten verstehen und nachvollziehen.</p>
<p>Es ist zwar keine Methode, um seine momentane Wut unter Kontrolle zu bekommen, doch langfristig gesehen wirkt sie vorbeugend und hilft, in Zukunft angemessener zu reagieren.</p>
<h3>Musik hören</h3>
<p>Im Internet steht, man soll beruhigende Musik hören, Entspannungsmusik. Ich für meinen Teil habe mir eine Playlist zusammengestellt, in denen es um die Liebe zu einem Menschen geht. Mein absoluter Favorit ist und bleibt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=q9ZgBDOaV0s" target="_blank" rel="noopener">&#8222;You&#8217;ll Be In My Heart&#8220; von Phil Collins</a>. So werde ich immer wieder daran erinnert, wie sehr ich mein Kind eigentlich liebe und wie bescheuert es gerade ist, sauer zu sein. Es half mir ungemein. Es lockerte die Stimmung umgehend auf, ich konnte mir beim Singen Luft machen und meine Laune stieg wieder. Und nebenbei beruhigte sich mein Kind beim Klang meiner Stimme auch gleich mit.</p>
<p>Ihr könnt natürlich auch eure Lieblingslieder hören oder was auch immer. Heavy Metal würde ich jetzt nicht unbedingt empfehlen&#8230; Das lässt das Blut nur stärker kochen.</p>

<h3>Spazieren gehen und frische Luft schnappen</h3>
<p>Diese Methode war am Hilfreichsten, wenn ich total übermüdet und gereizt war und keine Möglichkeit bestand, ein Nickerchen zu machen. Ich habe mir dann ganz schnell meinen Sohn geschnappt, nur das Allernötigste eingepackt und bin mit ihm raus an die frische Luft. Egal, ob Sonne, Wind, Regen oder Schnee: es hilft enorm, fand ich. Der Kreislauf kommt langsam in Schwung, man wird wacher und klarer im Kopf .</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-937" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-spaziergang-im-wald.jpg" alt="Wenn die Wut kommt - Spaziergang im Wald" width="680" height="429" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-spaziergang-im-wald.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-spaziergang-im-wald-300x189.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<h3>Körperlich aktiv werden</h3>
<p>Es ist ähnlich wie Spazieren gehen, doch manche müssen sich richtig auspowern, um ihre Wut abbauen zu können. Einige müssen joggen gehen, andere wiederum Fahrrad fahren oder schwimmen&#8230; Ich für meinen Teil fing an aufzuräumen. Geschirrspüler ausräumen, Staub saugen, Bad putzen, umherliegendes Spielzeug einräumen, Wäsche machen und und und &#8211; bei uns gibt es immer etwas zu tun.</p>
<p>Wenn ihr niemanden habt, der in diesem Moment auf euer Kind aufpassen kann und euer Kind euch braucht, dann tragt es doch einfach im Tragegurt mit euch herum. Es genießt eure Nähe, sieht euch dabei zu, was ihr macht, und ihr könnt euer Ding machen. Geht leider nicht, wenn man schwimmen gehen oder Extremsport betreiben will. Aber ihr findet bestimmt etwas, was ihr beide machen könnt.</p>
<p>Sollte euer Kind schon zu groß für einen Tragegurt sein: es auf der Hüfte zu halten geht sicher noch.</p>
<p>Mein Sohn hilft auch sehr gern beim Haushalt mit. Er stopft die Wäsche in die Waschmaschine, drückt die Knöpfe, wischt gern die Küchentheke, den Boden oder Tisch mit dem Schwamm, hängt die Wäsche auf (auch wenn dann alles auf einer Leine und übereinander hängt) usw. Vielleicht könnt ihr euer Kind auch beim Putzen mit einbinden. Versucht es einfach mal. Oder lasst euer Kind zugucken, was auch immer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-936" src="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-beim-abwasch.jpg" alt="Wenn die Wut kommt - Kind beim Abwasch" width="680" height="430" srcset="https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-beim-abwasch.jpg 680w, https://www.milchtropfen.de/wp-content/uploads/2016/07/wenn-die-wut-kommt-kind-beim-abwasch-300x190.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 680px) 100vw, 680px" /></p>
<p>Ich hoffe, die eine oder andere Methode lässt sich auch bei euch anwenden und &#8211; was wohl wichtiger ist &#8211; funktioniert auch.</p>
<p>Wie gefallen euch die oben genannten Tipps? Habt ihr eventuell eine völlig andere, eure ganz persönliche Calm-down-Methode gefunden?</p>
<p>Schreibt&#8217;s in die Kommentare und lasst es mich wissen.</p>
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