4 unlogische Sprüche, die Kinder von Erwachsenen hören


Schnappst du manchmal auch Sätze von den Menschen um dich herum auf und denkst dir nur „HÄ?! Das ist doch voll unlogisch.“?

Heute stelle ich dir mal meine Top Vier der unlogischsten Sprüche vor, die ich von Eltern gehört habe.

4 unlogische Sprüche, die Kinder von Erwachsenen hören

Als ich an diesem Beitrag gearbeitet habe, hab ich mich gefragt, was ich damit bezwecken will. Was will ich mit diesem Artikel ausdrücken, fragte ich mich.

Es geht mir nicht darum, mich über andere lustig zu machen oder mich als bessere Mutter zu profilieren, indem ich mit dem Zeigefinger auf andere zeige.

Mir geht es heute einzig und allein darum, aufzuzeigen, wie unlogisch manche Eltern mit ihren Kindern reden und dass sich jede/r einzelne die folgenden Situationen mal unter Erwachsenen vorstellen sollte.

Mit den folgenden Beispielen sind wir auch ganz schnell beim Thema Adultismus, der Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen, die auf einem bestehenden Ungleichgewicht zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen fußt.

Kinder werden heute immer noch respektlos behandelt und es scheint kaum jemanden ernsthaft zu schockieren, dass Eltern so mit ihren Kindern reden.

Ich möchte heute einfach aufmerksam darauf machen, in welchen Sätzen sich Adultismus versteckt und, um den Beitrag nicht ganz so düster enden zu lassen, auch aufzeigen, wie man stattdessen mit dem betroffenen Kind hätte reden können.

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1. Umgang mit Schmerz

Folgende Situation spielte sich auf dem Spielplatz ab: Eine Mutter kommt mit ihrem Kind und einem Baby im Kinderwagen zum Spielplatz. Das ältere Kind ist mit seinem Laufrad unterwegs und fällt hin. Es fängt an zu weinen. Die Mutter meint daraufhin zum Kind, das noch am Boden liegt: „Wenn du selber hinfallen kannst, dann kannst du auch selber aufstehen.“.

Der Satz ist an und für sich schon unlogisch. Wenn ich immer so argumentieren würde, dann könnte ich auch sagen:“ Wenn du dir ein Bein brichst, dann kannst du es auch reparieren.“.

Das Kind ist ja nicht absichtlich gestürzt. Es ist mit seinem Laufrad ausgerutscht und hingefallen. Versetze ich mich in die Lage jenes Kindes, was würde ich dann gern hören? Was täte mir in diesem Moment gut?

Mutter klebt Pflaster auf Knie vom Kind, das mit dem Laufrad hingefallen ist

Wahrscheinlich so etwas in der Art wie: „Oh je, hast du dir weh getan?“, „Bist du verletzt?“, „Ist alles in Ordnung bei dir?“, „Ups, da war der Boden echt rutschig. Warte, ich helf dir auf.“. Dazu vielleicht noch ein mitfühlender Blick, eine ausgestreckte Hand oder ein Streicheln und das Kind hätte etwas ganz anderes aus diesem Erlebnis gelernt.

Beispielsweise, dass Mama da ist, wenn es hingefallen ist und Schmerzen hat. Dass sie sich um es kümmert, sich um es sorgt, es liebt. Dass sie seinen Schmerz wahrnimmt und ernst nimmt.

Kein/e Erwachsene/r würde zu einem erwachsenen Menschen, der gerade vom Fahrrad gestürzt ist, sagen:“Wenn Sie selber hinfallen können, können Sie auch selber aufstehen.“. Das zeigt, wie unterschiedlich wir mit Kindern umgehen. Das zeigt Adultismus.



2. Umgang mit Trauer

Auf dem Spielplatz. Mir fällt ein Mädchen auf, das oft weint, scheinbar wegen jeder Kleinigkeit. Ihre Mama wirkt genervt. Das Mädchen entdeckt eine Blume, pflückt sie, lässt sie fallen, und will gerade wieder ansetzen zu weinen, als sie von ihrer Mutter unterbrochen wird mit folgenden Worten:“Elena (den Namen habe ich geändert), Elena, wir weinen nicht wegen einer Blume. Ok? Wir weinen nicht wegen einer Blume.“. Dabei schaut sie ihrer Tochter eindringlich in die Augen und hält ihre Hände. Das Kind weint nicht.

Und warum, frage ich, dürfen wir nicht wegen einer Blume weinen? Wenn sie uns doch gerade so wichtig war, dass wir sie gepflückt haben und behalten oder jemandem zeigen wollten. Diese wunderschöne und besondere Blume liegt jetzt auf dem nassen, sandigen Boden und eine ganze Welt bricht gerade für ein Mädchen zusammen. Ist das nicht tragisch? Da kann man doch richtig traurig werden und darüber weinen, oder etwa nicht?

Dürfen Kinder nur über Sachen weinen, die Erwachsene auch traurig finden? Wenn ein Mensch gestorben ist, ist das Grund genug, dass man weinen darf? Ist eine zu Boden gefallene Blume Grund genug, dass man weinen darf?

Niemand kann die Dinge so sehen, wie wir sie gerade mit unseren Augen sehen und kann sie auch nicht so fühlen, wie wir sie gerade mit unserem Herzen fühlen. Wenn also ein Kind aus tiefstem Herzen darüber bestürzt ist, dass ihm die Blume aus der Hand geglitten und zu Boden gefallen ist, und es nun das innere Bedürfnis danach verspürt, darüber zu weinen, dann ist das verdammt nochmal sein Recht.

Kind bewundert Löwenzahnblume

Unsere Aufgabe ist es dann, zu begleiten. Und ja, ich befinde mich gerade mit meinem 3,5-jährigen Sohn in einer Phase, in der jedweder Kontakt mit anderen die reinste Achterbahnfahrt ist und ich viiiiiel begleiten muss. Ich kenne es wirklich gut, wenn irgendwann die Luft raus ist, aber wenn ich gerade keine Empathie oder Kraft übrig habe, mein Kind mit netten Worten durch seine Trauer oder was auch immer für ein unangenehmes Gefühl zu begleiten, dann kann ich immer noch Präsenz zeigen, meinen Mund halten und einfach da sein und Händchen halten (wenn mein Kind das zulässt).

Sicherlich hätte es dem Mädchen ganz gut getan, dass es mit seinem Schmerz gesehen wird. So etwa:“Oh nein, dir ist die Blume runtergefallen und das macht dich grad ganz traurig?“, daraufhin gibt es vielleicht ein weinendes „JAA!“ als Antwort. „Stört es dich, dass die Blume jetzt voller Sand ist?“, woraufhin vielleicht noch ein schmerzlicheres „JAAAA!“ kommt. „Würde es dir helfen, wenn wir die Blume unter Wasser halten und vom Sand befreien?“, was bei meinem Sohn zumindest schon ein kleines Lächeln aufblitzen lassen würde.

Es ist so schön, wenn eine kaputte Welt so einfach wieder repariert werden kann, manchmal ist das aber auch nicht möglich. Wenn mein Sohn zum Beispiel tief darüber bestürzt ist, dass jetzt der Mond aufgeht und die Sonne untergegangen ist. Das ist traurig und ich kann ihn auch verstehen, aber ich kann es nicht ändern. Und dann kann ich nichts weiter tun, als Verständnis zu zeigen und zu trösten bzw. zu schweigen und da zu bleiben, wenn ich nichts sagen darf.

Aber unsere Kinder lernen dadurch etwas ganz wichtiges: Zuwendung. Mitgefühl. Verständnis. Akzeptanz. Ihre eigenen Gefühle, die da gerade in ihnen toben und gesehen werden wollen.

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3. Umgang mit Autonomie

Der Klassiker: „Wenn du … machst, dann …“

Dieses Beispiel lässt sich in jedweder Form variieren. In den vorderen Teil „Wenn du … machst“, kommt ein x-beliebiges Verhalten des Kindes, das von der/m Erwachsenen missbilligt wird. Auf das „dann …“ folgen dann die kreativsten Strafandrohungen.

So zum Beispiel: Ein Kind, das gerade Laufrad fahren lernt, wird von seiner Mutter begleitet. Sie muss ziemlich hinterher hetzen, beschützend hält sie ihre Hände in Rückennähe ihres Kindes.

Mutter hilft Kind beim Fahrradfahren

Das Kind schwenkt nach links und kommt vom ebenen Weg ab und wird von der Wiese gebremst. Es ist überrascht, scheinbar ist es selbst verwundert darüber, wo es gerade gelandet ist. Es freut sich und lacht, die Mama sagt, dass es lenken muss. Sie will das Kind wieder auf den ebenen Weg bringen, doch das Kind lenkt dagegen und freut sich. Die Mutter schaut verärgert drein und erwidert:“Wenn du so weitermachst, kannst du gleich absteigen.“

Ploppt bei dir auch gerade so ein „HÄ?!“ auf? Bei mir schon. Was hat das eine denn mit dem anderen zu tun? Wenn das Kind also nach links lenkt, dann kann es absteigen? Das ergibt doch gar keinen Sinn. Für jene Mutter ist dieser Satz sicherlich total logisch gewesen.

Eine logische Konsequenz ist das aber nicht, wenn das Kind nach links lenkt, dass es dann vom Laufrad absteigen soll. Diese Konsequenz hat sich die Mutter so ausgedacht. Denn eigentlich ist es keine natürliche oder logische Konsequenz, sondern schlichtweg eine Strafandrohung. Wenn du nicht so machst, wie ich es will, dann bestrafe ich dich. Leider immer noch ein Klassiker, wenn ich Eltern mit ihren Kindern reden höre.


Auf der Suche nach Bedürfnissen

Was aber wäre so schlimm gewesen, das Kind weiter über die Wiese fahren zu lassen? Vielleicht war die Mutter besorgt, dass es da so holprig und uneben ist und sie noch mehr aufpassen und hinterher sein muss, vielleicht sah sie schon den nächsten Sturz kommen und wollte es lieber vermeiden. Vermeiden, dass das Kind Schmerzen hat und weint, getröstet werden muss, vielleicht noch ein Wutanfall dazukommt, weil es nicht getröstet werden will.

Sie stellt ihr Bedürfnis nach Einfachheit und Sicherheit über das Bedürfnis ihres Kindes nach Spaß, Selbstbestimmung, Autonomie, Entdecken, Lernen uvm.

Und das wäre in meinen Augen auch ok gewesen, wenn es so kommuniziert worden wäre mit dem Kind. Stattdessen bekommt es aber nur eine für das Kind nicht nachvollziehbare Drohung zu hören und wird „gehorchen“, wenn es nach dem Prinzip von Belohnung und Bestrafung erzogen wird. Es hat gelernt, Dinge zu tun oder nicht zu tun, weil es dann entweder eine Belohnung bekommt oder bestraft wird. Es lernt nicht, worum es seiner Mutter in dem Moment eigentlich ging.

Mögliche Kommunikation zwischen Mutter und Kind

Was wäre, wenn stattdessen folgende Kommunikation zwischen Kind und Mutter abgelaufen wäre:

Mama:“Hups! Wo sind wir denn jetzt gelandet? Mitten auf der Wiese? Da fährt es sich aber echt holprig. Guck mal, wie viele Stöcker da rumliegen und wie viele Huckel es dort gibt. Lass uns wieder zum Gehweg zurück gehen, da fährt es sich leichter, ok?“

Die Mutter manövriert das Laufrad zurück zum Gehweg, doch das Kind lenkt wieder zur Wiese, beide landen wieder auf der Wiese und das Kind lacht.“

Mama:“Huch! Wir sind ja schon wieder auf der Wiese gelandet. Heißt das, dass du lieber auf der Wiese weiter fahren möchtest?“

Kind:“Jaaaaa! Auf der Wiese fahren!“

Mama, wenn es für sie ok ist:“Ok, aber dann halt dich gut fest, es wird jetzt nämlich etwas holprig. Und los…“

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Mama, wenn es für sie nicht ok ist:“Ah, verstehe, du willst lieber auf der Wiese fahren, das macht dir wohl mehr Spaß, hm? Hör mal, ich sehe, dass hier überall Stöcker rumliegen und Schlaglöcher in der Wiese sind. Das erschwert uns das Laufradfahren, finde ich, weil du dann ständig über die Huckel oder in diese Löcher fährst. Ich hab da Sorge, dass du da so oft umfällst und würde uns das gern ersparen. Ich fände es angenehmer, wenn du hier auf dem Gehweg weiterfährst und ich dich dort begleite. Können wir auf den Gehweg zurückkehren und dort weiterfahren?“

Das sind wie gesagt alles nur ausgedachte Beispiele, wie das Gespräch zwischen Mutter und Sohn hätte statt der Strafandrohung verlaufen können. Meiner Meinung nach wird dadurch viel verständlicher, was Kind und Mutter wollen, es trägt zum gegenseitigen Verständnis bei.

Mutter und Tochter Stirn an Stirn lächeln sich an

4. Die Sache mit dem Vertrauen

Manchen Eltern fällt es auch gar nicht auf, wenn sie etwas total Unlogisches sagen. So etwas wie „Pass auf!“.

Eltern sagen das, wenn sie ihr Kind darauf aufmerksam machen wollen, dass es jetzt bei dem, was es vorhat, besonders vorsichtig sein soll. Es ist gar nicht böse gemeint, wenn Eltern ihr Kind zu besonderer Vorsicht aufrufen.

Tatsächlich ist ein „Pass auf!“ aber völlig unnötig. Kein Kind klettert auf ein Klettergerüst und ist dabei bewusst unvorsichtig oder hat vor, sich dabei zu verletzen. Natürlich unternimmt ein Kind alles in seiner Macht stehende, um eine Herausforderung zu meistern, dazu muss es nicht hören, dass es aufpassen soll.

Das Gegenteil tritt dann ein, wenn Kinder ständig und immerzu zu hören bekommen, dass sie auf dieses und jenes Acht geben und aufpassen und vorsichtig sein sollen: Sie beginnen, an sich selbst zu zweifeln. Dazu kommt noch die Angst ihrer Eltern und irgendwann passiert dann genau das, wovor die Eltern ihr Kind beschützen wollten: Es scheitert.

Was kann man also statt diesem schwammigen „Pass auf!“ sagen? Wenn mein Sohn sich beispielsweise auf seinem Laufrad einer Straße nähert, dann sage ich so etwas ähnliches wie:“Ok, da vorne ist die Straße, da lassen wir dann ordentlich die Reifen quietschen (damit ist bei uns das Bremsen gemeint, das wir schon eingeführt hatten, als Oliver noch zu Fuß unterwegs war).“ Es ist also kein direktes „Sei Vorsichtig!“, sondern lediglich eine kurze Erinnerung an ein kleines Spiel, das uns Spaß macht.

Für andere, nicht so heikle Situationen wie die obige mit der Straße können die Eltern sich auch einfach mal im Schweigen üben und das „Pass auf dich auf!“, das ihnen schon auf der Zunge liegt, herunterschlucken, oder sie ermutigen ihr Kind, indem sie ihm viel Spaß auf dem Klettergerüst wünschen.

Kind baumelt an Klettergerüst und hat Spaß

Fazit

Auch heute reden wir mit Kinder anders als mit Erwachsenen. Gerade in Momenten, in denen wir überfordert, genervt und gestresst sind, sagen wir Dinge zu unseren Kindern, die wir so nie zu einem Erwachsenen sagen würden.

Manchmal wiederholen wir einfach nur die Erziehungsmethoden, die wir selber als Kind erfahren haben, manchmal hat es sich aber auch erst allmählich im Alltag eingeschlichen, dass wir in einer bestimmten Art und Weise mit unseren Kindern reden, die wir aber nie benutzen würden, wenn wir mit unseren Freund*innen, Kolleg*innen usw. sprechen würden.

Das Gute: Wenn wir uns einmal darüber bewusst geworden sind, dann können wir endlich damit beginnen, uns zu ändern.

Damit meine ich nicht, dass wir uns einfach verbieten, in einer bestimmten Art und Weise mit anderen zu kommunizieren oder andere zu behandeln, sondern dass wir uns im ersten Moment selber verzeihen können, was bislang passiert ist. Dass wir uns bewusst damit auseinandersetzen, wie es dazu kommen konnte, weshalb wir so und nicht anders reagiert haben.

Wenn wir erkennen, dass wir so nicht weiter mit unseren Kindern reden wollen und uns dazu entscheiden, eine Kommunikation zu wählen, die Respekt, Wertschätzung, Akzeptanz, Zuneigung, Verständnis uvm. beinhaltet, dann haben wir das größte Hindernis schon hinter uns. Denn wir fangen endlich an, all das, was sonst für immer dagewesen und normal angesehen wurde, zu hinterfragen und einen neuen Weg einzuschlagen, das zu einem Leben führt, das uns mit anderen verbindet anstatt uns von ihnen zu trennen.

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1 Gedanke zu “4 unlogische Sprüche, die Kinder von Erwachsenen hören

  1. Merkste selbst, dass du dich mit dem Artikel eben doch über andere stellst, oder? Ist doch total UNLOGISCH, erst zu behaupten, das wäre nicht deine Absicht und es dann doch zu tun.
    Weil du immer so respektvoll mit Kindern umgehst, hast du vielleicht verlernt, dass man mit Erwachsenen auch nicht so umgeht.

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