Mit Baby duschen


Nur zu oft ist es in den Kleinfamilien Alltag, dass der Vater arbeiten geht und die Mutter während des Mutterschutzes und der Elternzeit – oder noch darüber hinaus – mit dem Baby allein zu Hause ist.

Und dann kommen Tage, an denen das Baby für keine einzige Sekunde abgelegt werden will.

Was also tun, wenn man mal dringend unter die Dusche müsste und das Baby nicht allein gelassen werden will?

Mit Baby duschen

Was habe ich mich damals, als ich noch keine Mutter war, über das versiffte Äußere von den in Kaufhäusern umherziehenden Müttern ausgelassen… Ich schäme mich, wenn ich daran zurückdenke.

Aber die sahen aus! Meine Güte! Mit fettigen Haaren und einem schnell übergestreiften Jogginganzug schlurften sie wie Zombies durch die Gänge und schoben den Kinderwagen vor sich her.

Ich vertrat bis dahin die Meinung, dass man für Körperpflege und ein nettes Äußeres immer Zeit findet.

Mit dem Baby duschen - Frau duscht

Und als ich selber frisch gebackene Mutter war, änderte sich meine Meinung schlagartig. Ich lief zwar nie im Jogginganzug durch die Gegend, aber plötzlich konnte ich ganz gut nachvollziehen, wie schnell man als Mutter zu solch einem Schlabberlook kommen kann.

Kaum zu glauben, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, aber es gab sie tatsächlich: die Zeit, in der man den ganzen Tag nur am Stillen ist und zu nichts kommt. Nichts! Kein Duschen, keine Wäsche, kein Putzen, kein Fegen, kein Saugen. Die Wohnung sah furchtbar aus!

Eventuell schaffte ich es noch, das eingefrorene Essen, das ich zur Vorbereitung auf das kommende Wochenbett en masse vorgekocht hatte, aufzuwärmen. Das war’s dann aber auch schon.

Zeit, zu handeln

Ich erinnere mich noch genau an den Tag zurück, als mir die Stilleinlagen ausgingen und ich mich nicht aus dem Bett bewegen durfte, um neue zu kaufen. Logischerweise stillte ich dann, ohne dass mein BH durch eine Stilleinlage geschützt wurde.

Immer, wenn die Milch dann einschoss und die Milch an beiden Seiten in Strömen floss (okay, anfangs waren es eher ein paar Tröpfchen, aber steter Tropfen höhlt den Stein), saugte sich mein Still-BH mit dem gelblichen Kolostrum voll.



Ich kam nicht einmal dazu, den verdammten BH zu wechseln! Es war eine Katastrophe! Als mich dann mein Freund darauf hinwies, ich möge doch mal den BH wechseln, war es mir so unendlich peinlich! Plötzlich war ich zu einer dieser Mütter aus den Kaufhäusern geworden.

Es gab Zeiten, in denen der Kleine sofort, obwohl er gerade noch tief und fest geschlafen hatte, bemerkte, wenn er abgelegt wurde. Er wachte dann auf, weinte, wollte wieder gestillt werden. Ich setzte mich wieder in den Stillsessel und alles ging von vorne los. Teufelskreis. Also wie stellt man es denn nun an, wenn man allein ist und das Baby nicht ablegen kann?

Zeit zu zweit

Bei mir war es von einem Tag auf den anderen so weit: Ich hatte die Nase voll von gelben BH’s, unreinem Körpergefühl und dergleichen. Ich schnappte mir zwei Badetücher, zog erst mich und dann den Kleinen aus, und stieg mit ihm in die Dusche.

Da er das gemeinsame Duschen bisher nicht kannte, war er ganz gespannt, was jetzt kommen würde. Mit großen Augen wartete er ab.

Es passierte nicht sonderlich viel in meinen Augen, doch für ihn war es etwas völlig Neues. Der Duschvorhang wurde zugezogen, die Dusche wurde angestellt, Temperatur gecheckt und dann stellten wir uns in den Wasserstrahl.

Das meiste bekam ich ab, der Rest rann meinem Baby langsam über den Körper. Ich wollte nicht, dass er vollgespritzt wird, sich erschreckt oder es unangenehm findet. Also schirmte ich ihn ab.

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Drahtseilakt

Es war schon nicht leicht am Anfang, das gebe ich zu. Immerhin hatten wir unseren Sohn sonst immer auf dem Wickeltisch gewaschen oder in der Babywanne gebadet.

Jetzt stand ich plötzlich mit meinem Kind auf dem Arm unter der Dusche und musste zusehen, wo ich bleibe.

Da ich zu dieser Methode erst später kam, konnte unser Sohn seinen Kopf bereits halten. Ich musste also nicht noch zusätzlich den Kopf stützen. Das stelle ich mir nämlich noch einen Tick schwieriger vor.

Ich setzte meinen Sohn auf meine rechte Hüfte, hielt ihn mit dem rechten Arm und wusch ihn mit der linken Hand mit Wasser ab. Babyhaut braucht nämlich kein Shampoo oder sonstwas, das ist ja das Tolle! Und das Beste: sie riecht nicht nach Parfüm, sondern nach sich selbst. Herrlicher Babygeruch! Tiiiief einatmen!

Wenn er zu schwer wurde, oder nun die andere Seite mit Waschen dran kam, wechselte ich einfach die Seiten und fertig.

Und nun kommt der schwierigere Teil: sich selbst zu waschen, während man das Baby im Arm hält.

Das ist nicht so kompliziert, wie man es sich vielleicht vorstellt. Mit der Zeit arrangierte ich mich damit, dass ich den Kleinen immerzu auf einem Arm trug und alles mit nur einer Hand erledigte.

Mit dem Baby duschen - Mutter und Kind Arm in Arm

So geht’s:

Im Folgenden gebe ich ein paar Tipps, wie ihr euer Baby am besten halten könnt.

Haare waschen

Mein Baby habe ich auf meiner Hüfte abgestützt und umklammere es mit dem Arm, damit es nicht runterfällt. Mit der anderen Hand kann ich jetzt den Rest erledigen: Haarshampoo greifen, aufmachen, über den Kopf gießen, Shampoo abstellen, Zeug auf dem Kopf einmassieren, Kopf unter die Dusche halten (diesen Part fand mein Kleiner immer lustig mitanzusehen) und ausspülen. Dabei darauf achten, dass das Baby keine Shampoospritzer ins Auge bekommt.

Duschgel

Und genau so handhabt man das dann auch, wenn man den restlichen Körper saubermacht.

Kind wird, wie oben beschrieben, gehalten, das Duschgel mit der freien Hand aufgemacht, über den Körper geträufelt, abgestellt, einmassiert, alles abgebraust – fertig!

Abtrocknen

Klar, dass man beim Aussteigen Acht geben muss. Ich weise dennoch darauf hin: Wenn ihr aus der Dusche steigt, gebt Acht, dass ihr nicht ausrutscht oder was auch immer.

Wenn ihr draußen seid, wickelt zuerst euer Baby in ein Badetuch ein, damit es nicht auskühlt und friert. Danach seid ihr dran.


Wenn sich euer Baby jetzt kurz ablegen lässt, damit ihr euch ein Tuch umbinden könnt, schön. Ich musste lernen, auch das mit dem Kleinen auf dem Arm zu erledigen.

Dann geht es nur noch ums Abtrocknen, Wickeln und Anziehen. Das könnt ihr ja wie üblich machen. Unser Baby fand aber auch den Wickeltisch doof. Was uns dabei geholfen hat, könnt ihr übrigens in folgenden Beiträgen nachlesen:

Nachtrag: Wie ist es heute?

Mittlerweile genießen wir es richtig, mit unserem Kind gemeinsam zu baden oder zu duschen. Auch der Papa kann diesen Part mal übernehmen, damit ich währenddessen etwas anderes erledigen kann.

Zu zweit ist es natürlich einfacher, als wenn man allein mit dem Kind ist. Wenn Papa und Sohn fertig sind, stehe ich draußen mit Badetuch bereit, mummel den Kleinen schön warm ein, trockne ihn ab, wickel ihn, zieh ihn an usw. Der Papa kann dann noch in Ruhe zu Ende baden und macht das Bad sauber. Ist doch eine prima Arbeitsteilung, oder?

Und wenn ich mich entscheide, mit dem Kleinen baden zu gehen, wenn wir allein zu Hause sind, ist das auch keine große Sache mehr. Der Kleine kann schon in der Wanne sitzen, wir spielen und spritzen und planschen und singen. Während ich bereits aus der Wanne steigen und mich abtrocknen kann, spielt der Kleine noch mit seinem Spielzeug oder Badebuch weiter, bis ich ihn dann aus der Wanne hole.

Mit dem Baby duschen - Kind spielt in der Wanne

Keine Sorge: Ich verlasse NIE den Raum, während mein Sohn noch in der Wanne sitzt. Ich bleibe immer dabei, um im Notfall eingreifen zu können.

Lasst mich wissen, ob euch das gemeinsame Duschen/Baden geholfen hat, wie ihr es findet oder welche Methoden euch womöglich geholfen haben, damit ihr ohne Drama duschen gehen konntet.

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6 Gedanken zu “Mit Baby duschen

  1. Hallo Julia!
    Super Anleitung zum gemeinsamen Duschen, danke!
    Eine Frage hab ich nur dazu: Wie alt war dein Baby, als du damit angefangen hast?
    Liebe Grüße

    • Hallo Vicky,
      der Dusch-Artikel ist schon etwas älter. Ich wollte ihn schon längst überarbeiten. Freut mich, dass er trotzdem hilfreich für dich war 🙂
      Zu der Frage, wie alt mein Baby war… Das kann ich gar nicht mehr genau sagen. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau. Es war so um die Zeit, als er bereits seinen Kopf selbstständig halten konnte. Das war etwa mit einem halben Jahr, denke ich.
      Davor haben wir ihn entweder mit dem Waschlappen gewaschen (gerade in der Zeit, als wir bei ihm Neurodermitis vermuteten), in der Babywanne gehalten und dort gebadet (was ich als extrem unbequem empfand) oder gemeinsam mit ihm in der Wanne gebadet.
      Wie handhabst du das mit deinem Baby? Gemeinsam baden/duschen oder wie macht ihr das?
      Liebe Grüße
      Julia

  2. Hallo Julia,

    Danke für den tollen Artikel! Mein Kind lässt mich leider auch nicht mal 5 Minuten duschen, daher kam ich über Google auf deine Seite. Morgen wird direkt mal ausprobiert mit der kleinen Maus auf dem Arm zu duschen.

    Eine Frage habe ich allerdings noch! Wie hast du sichergestellt, dass die Wassertemperatur nicht zu heiß war? Ich bin echt ein totaler Warmduscher, aber will ja nicht, dass es für mein Baby zu heiß wird.

    Liebe Grüße,
    Becci

    • Hallo Becci,
      den Gedanken hatte ich auch. Ich zähle sogar eher zu den Heißduschern und mag lauwarmes Wasser überhaupt nicht 😉 Da ich das aber weiß, stelle ich die Temperatur automatisch kälter. Um zu gucken, ob die Temperatur für dein Baby angenehm ist, kannst du langsam von unten anfangen. Lass etwas Wasser über die Füße träufeln, schau, wie dein Baby reagiert und taste dich langsam vor. Wenn du dir ganz unsicher bist, kannst du auch ein Wasserthermometer* in den Strahl halten. Das Thermometer zeigt dir dann an, ob das Wasser für Babys richtig temperiert ist.
      Kannst mir ja gern berichten, wie das Duschen mit deinem Baby war 🙂
      Liebe Grüße
      Julia

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