Wie unser Kind lernt

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Der Druck, der Stress, wenn es ums Thema Lernen geht und der in unserer Gesellschaft so normal geworden ist, nervt mich nur noch. Ganz schlimm wird es meiner Meinung nach, wenn dieses ganze Gedöns bereits auf die Kleinsten unter uns hereinprasselt.

Ein Versuch, das Ganze etwas zu entschleunigen: Ich erzähle mal, wie wir das mit dem Lernen so handhaben…

Wie unser Kind lernt

Wenn man sich mit anderen Eltern austauscht, ist man ganz schnell dabei, einen Wettstreit auszuüben. Wie alt ist er? Kann er denn schon dies und jenes? Was, das etwa noch nicht? Unsrer konnte das schon mit… Also mit … Monaten/Jahren sollte er das doch NORMALERWEISE schon können…?

Gerade in Muttigruppen ist es ein Graus! Da fragt eine Mama, ob ein 2-Jähriger schon das ABC aufsagen und bis 10 zählen können muss.

Und dann brauchst du eigentlich nur noch drauf zu warten, dass sich aus dieser kleinen Frage eine regelrechte Schlammschlacht verwandelt.

Da kommen erstmal die Muttis mit ihren Wunderkindern, die bereits mit 1,5 bis 2 Jahren das komplette Alphabet und bis 100 zählen können. Dass sie auch schon mehrere Sprachen fließend sprechen, versteht sich von selbst.

Wie unser Kind lernt - Frauen auf Sitzbänken

Dann kommen die Mamas, die nur rumpöbeln, aber nicht genau mit der Sprache rausrücken und da fliegen schon die Fetzen.

Und zu guter Letzt kommen die Mamas, die so wie ich denken. Immer langsam. Lass dein Kind doch mal Spaß am Leben haben. Wozu ist die Schule da, wenn man da schon alles kann? Warum alles vorverlegen? Darf dein Kind auch spielen und lernen, was ihm gefällt und wofür es sich interessiert?

Lass mich machen, wie ich will

Ich reiße mich von der Diskussion los, lehne mich zurück und denke nach. Wie lernt unser Kind eigentlich?

Ich erinnere mich an die Zeit zurück, als der kleine Mann das Treppenlaufen lernte. Nach oben ging das schon ganz gut. Aber runter? Du meine Güte! Da hätten sich einige an den Kopf gefasst, wenn sie uns gesehen hätten. Er lief – halt dich fest – vornüber die Treppe herunter.

Kind geht vornüber die Treppe runter

Mir wurde so oft gesagt, dass ich meinem Kind zeigen soll, dass es rückwärts runter gehen muss. Dann sind die Beine nämlich zuerst am Boden angekommen und wenn er fällt, dann fällt er auf den Po und nicht auf den Kopf.

Aha, mhm, klingt logisch, ich versuchte es. Interessierte mein Kind nicht die Bohne.

Gerutscht wurde sowieso vornüber. Selbst seine kleinere Cousine hatte es drauf, rückwärts die Couch herunter zu gleiten. Warum nicht der kleine Mann? Ich weiß es nicht und ließ ihn machen.



Und irgendwann waren wir im Zimmer meiner Schwester und er kletterte auf das Bett und – oh welch Wunder – wieder rückwärts herunter. Und das ging gefühlte 50 Mal so und von da an hatte er es drauf.

So ganz nebenbei

Auf unserem Kühlschrank klebt ein Saisonkalender. Den habe ich mal aus einem Kochbuch ausgeschnitten, um beim Einkaufen zu wissen, was gerade gekauft werden sollte und was eher weniger.

Der kleine Mann spielte dann immer gern mit den Magneten und schob die über den Kühlschrank hin und her und kreuz und quer. Er fand das wirklich sehr amüsant. Und dann eines Tages – ich wusch gerade ab, während der kleine Mann am Kühlschrank spielte – sagte er „Kaki!“ und zeigte auf die Khaki am Saisonkalender.

Ich war total baff, ging zu ihm und stellte fest, dass er auch schon wusste, wo die Banane ist. Und die rote Bete. Und und und…

Wie unser Kind lernt - Saisonkalender

Wir haben das niiiiie mit ihm geübt. Wir unterhalten uns am Tisch oder beim Einkaufen über die Sachen, die wir da vor uns haben. Ansonsten bringen wir nichts direkt bei. Wir setzen uns also nicht hin, holen einen Stapel Karteikarten heraus und lernen jetzt eine Runde mit dem Kleinen. Was für eine grausige Vorstellung! Wo bleibt da der Spaß am Lernen?

Interessen unterstützen

Wir handhaben das bei unserem Kind so: Wenn sich ein Interesse abzeichnet, wird das gefördert. Der kleine Mann ist gerade fasziniert vom Stecken? Dann bekommt er diese Möglichkeit, wo es nur geht.

Beim Spielzeug kann man beispielsweise anfangen und Steckspielzeug* kaufen. Oder man wird erfinderisch und bastelt sich etwas aus dem, was man zu Hause hat.

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Wie ein Schwamm aufsaugen

Und irgendwann hat der kleine Mann genug Papageien gesehen, erst einmal oft genug das Wort Papagei gesagt („Pata-ei“), genug Bücher über Papageien gelesen, genug Papageien im Tierpark beobachtet und oft genug das Wort Papagei gesehen. Da wurde so viel aufgesaugt in der letzten Zeit, dass es auch irgendwann genug ist. Der Schwamm kann nichts mehr aufnehmen.

Dann widmen wir uns einem neuen Thema. Neuen Interessen. Und das Aufsaugen beginnt von Neuem. Mit der selben Begeisterung wie beim ersten Mal.

Wie unser Kind lernt - Kind hält Blume

So stelle ich mir das Lernen vor: Man begeistert sich für ein Thema, will wirklich alles drüber wissen und irgendwann ist man befriedigt. Der Wissensdurst ist gestillt. Fürs erste. Denn dann kommt wieder etwas und wieder etwas und es geht immer so weiter. So lange man sich nur immer für neue Dinge begeistern kann. Und das geht in meinen Augen nur, wenn ich mein Kind entscheiden lasse, was es gerade lernen will. Einem Menschen beibringen zu wollen, wofür er sich nicht interessiert, ist meiner Meinung nach überflüssig, sinnlos.

Mitspielen

Was ich sagen will: Lass deinem Kind Zeit, die Welt für sich und auf seine Weise zu entdecken. Und auch wenn du denkst, es spielt „nur“, macht „nichts Sinnvolles“, dann lass es machen, denn in diesem Moment lernt es am besten, nämlich spielerisch.

 

Kind malt mit Stift auf Tablet

Und ich bin nicht fehlerfrei. Wie oft möchte ich meinem Sohn helfen, wenn ihm etwas nicht gelingt. Wenn er den Baustein nicht auf den anderen gesetzt kriegt und ständig abrutscht. Auch den Umgang mit Frustration müssen wir beide noch lernen.

Oder er benutzt eine Gabel als Kamm und ich sage ihm, es ist eine Gabel, damit isst man, spießt Dinge auf.


Dann denke ich mir im Nachhinein, ach Mann, hättest du ihn mal machen lassen. Eine Gabel sieht schon aus wie ein Kamm. Warum nicht den Gedanken weiter führen und einfach mal mitspielen?

Warum muss alles so geordnet und in Strukturen gepresst sein? Weil man Angst hat, dass er sich fortan seine Haare mit einer Gabel kämmt? Denk doch mal weniger wie eine Erwachsene und mehr wie ein Kind.

Wie unser Kind lernt - Kindliche Fantasie

Dann ist meine Unterwäsche halt mal ein heißes Stück Kuchen, das gerade frisch aus dem Ofen kommt. Unsere Erwachsenenwelt ist mitunter so grau und eintönig und langweilig und vorhersehbar, dass mir die lebhafte Fantasie meines Kindes 1000 Mal lieber ist. Ich bin mir sicher, dass mein Sohn auf diese Weise viel mehr lernen und behalten wird, als wenn man zwanghaft versucht, etwas in seinen Kopf zu pressen.

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