Langzeitstillen

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Neulich habe ich von einer britischen Mutter gelesen, die ihre 8-jährige Tochter stillt. Der Bericht wurde in einer Stillgruppe geteilt und erhitzte in nur kürzester Zeit die Gemüter.

Bevor du angewidert die Nase rümpfst und wegklickst, möchte ich dich dazu einladen, dir meine Gedanken zu diesem Thema durchzulesen.


Langzeitstillen

In einer Facebookgruppe wurde miss Mum’s Beitrag „Diese Mama stillt ihre achtjährige Tochter und die hat folgendes zu sagen“ geteilt, der mich vom Weiterscrollen abhielt. Ich stutzte. Auf dem Bild war eine Frau zu sehen, die ein Kind stillte. Laut Facebookpost war das Kind zu diesem Zeitpunkt 8 Jahre alt.

DAS hatte ich auch noch nicht gesehen. Babys werden gestillt. Kleinkinder mitunter auch noch, aber selbst das ist bei uns schon eine Seltenheit. Aber ein 8-jähriges Kind, ja, das war auch für mich etwas ungewöhnlich.

Langzeitstillen - Warum es (fast) keine Gründe gegen Langzeitstillen gibt | Mehr Infos auf www.milchtropfen.de

Gespaltene Meinungen zum Langzeitstillen

So ein Thema ist natürlich reißerisch, weil die Meinungen hier weiiiiiit auseinander gehen. In kürzester Zeit hatten sich 4 Gruppen herauskristallisiert:

Die 1. Gruppe

Die 1. Gruppe fand es einfach nur schön, dass diese Mutter ihrer Tochter das Stillen ermöglichte. Daumen hoch, süßen Kommentar drunter, mit Herzchen aufhübschen, fertig.

Die 2. Gruppe

Die 2. Gruppe blieb noch ganz bei sich. Sagte zwar, dass es für sie persönlich undenkbar wäre, akzeptierte aber die Mutter, die ihr 8-jähriges Kind stillt. Ganz nach dem Motto „Leben und leben lassen“.

Die 3. Gruppe

Die 3. Gruppe hingegen kommentierte mit Worten wie „Pervers„, „Nicht mehr normal“, „Unmöglich“, „Nicht mehr schön“, „Furchtbar“, „Krank“ und dergleichen.

Drei Affen, zwei mit weit aufgerissenem Mund

Einige unter ihnen konnten nicht einmal genau beschreiben, warum sie es pervers oder was auch immer fanden. Aus irgendeinem Grund ließen sie absolut nicht mit sich reden und beleidigten auf’s Schärfste. Es war kein Herankommen oder vernünftiges Diskutieren mit ihnen möglich.

Die 4. Gruppe

Die 4. Gruppe empfand es wie die 3. Gruppe als extrem negativ, rückte aber zumindest mit der Sprache raus. Sie begründeten, warum sie Langzeitstillen nicht gutheißen. Damit kann man arbeiten, dachte ich.


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Gründe gegen Langzeitstillen

Gehst du jene Argumente derjenigen durch, die das Langzeitstillen negativ empfanden, wirst du am Ende feststellen, dass es fast (!) keinen Grund gegen Langzeitstillen gibt.

1. Kuscheln reicht doch in dem Alter aus!

Dass Stillen nicht nur Nahrungsaufnahme bedeutet, ist vielen gar nicht klar. Stillen ist so viel mehr als nur Durst und/oder Hunger zu löschen. Stillen ist Liebe, Nähe, Geborgenheit, Frieden, Ruhe, Entspannung, ein sicherer Hafen und vieles mehr. Und das nicht nur für Babys. Liest man sich die Meinungen gestillter Kinder durch, wird klar, dass das Stillen an der Brust für sie etwas ganz Wunderbares ist.

Wer sagt, dass Kuscheln ausreichen muss? Warum muss Kuscheln ausreichen?

Mutter hält trauriges Kind in den Armen

2. Das natürliche Abstillalter liegt zwischen 2 und 7 Jahren!

Im Jahre 2005 wies die amerikanische Akademie der Kinderärzte (AAP) in ihrer veröffentlichten Verlautbarung „Breastfeeding and the Use of Human Milk“ darauf hin, dass es keine Obergrenze zur Stilldauer gibt. Daneben geben anthropologische Forschungen Hinweis darauf, dass das natürliche Abstillalter beim Menschen zwischen 2,5 und 7 Jahren liegt. So las ich es in der Stellungnahme zur Stilldauer des La Leche Liga Deutschland e.V. und des AFS Bundesverband – Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen e.V.

Nun wird dieses Kind aber bereits ein Jahr länger gestillt… Man stelle sich mal vor: Mit 7 Jahren ist Stillen noch ok. Mit 7 Jahren und 1 Tag nicht mehr. Mit 8 Jahren schon gar nicht!

Das sind doch alles nur Zahlen. Wir sind Menschen, individuell, und passen nunmal nicht stets in Muster rein.

Dass eine Forschung ergab, das natürliche Abstillalter beim Menschen liege zwischen 2,5 und 7 Jahren, heißt doch nicht, dass es kein Darunter und Darüber geben darf.

Ich finde die Empfehlung der WHO „(…) 2 Jahre oder darüber hinaus.“ genau richtig. Denn letztendlich geht es nicht darum, welche Zahl uns vorschreibt, wie lange Stillen noch „normal“ ist, sondern darum, ob wir es noch wollen.

3. Ich will meinen Busen auch irgendwann mal wieder für mich haben!

Und da kommen wir auch schon zum einzigen Argument, das gegen Langzeitstillen spricht: Die Mutter will es nicht (mehr).

Das Argument „Ich will meinen Busen auch mal wieder für mich haben.“ finde ich völlig in Ordnung. Für diese Mutter wäre es persönlich zu lang.

Frau liegt entspannt auf dem Bett

Wie lange gestillt wird, hängt von Mutter UND Kind ab. Wenn die Mutter sich also dagegen entscheidet, dann ist das so und sie muss sich Gedanken darüber machen, wie sie nun sanft abstillen kann.

Doch genau so sollte auch die Entscheidung von Mutter und Kind akzeptiert werden, die weiter stillen. Leben und leben lassen.

4. Die Mutter muss endlich mal loslassen!

Einige kamen nun auf das Thema Trennungsangst zu sprechen. Die Mutter würde noch stillen, weil sie einfach nicht loslassen könne. Sie täte ihrer Tochter damit nichts Gutes, hätte einen an der Waffel.

Das kann sein, aber niemand von uns kennt diese kleine Familie. Wir wissen nichts von der Beziehung zwischen Mutter und Kind, kennen ihren Alltag nicht, wie sie sich verhalten, was sie mögen, was sie nicht mögen, wie sie Konflikte lösen uvm.

Der Beitrag, den ich las, war viel zu kurz, um ein ungefähres Bild zwischen Mutter und Kind zu bekommen. Am Ende kam die Frage auf, was denn die Tochter zum Langzeitstillen sagen würde. Ihre Meinung: Es sei ganz normal. Sie sei damit aufgewachsen. Punkt.

Ich hatte mir mehr Ausführlichkeit gewünscht und wurde etwas enttäuscht. Aber dann dachte ich mir: Für sie ist es völlig normal. Sie muss nicht lang und breit erklären, warum sie noch gestillt werden möchte. Sie ist damit aufgewachsen. Kennt es gar nicht anders. Will es scheinbar auch gar nicht anders. Und wenn die Mutter sie lässt, dann ist doch alles gut. Schließlich geht es darum und nur darum, was Mutter und Kind wollen.

Und seien wir mal ganz ehrlich: Wenn das Kind nicht mehr gestillt werden möchte, dann kann die Mutter da wenig machen, außer es zu akzeptieren. Wie sollte es auch anders gehen?

Wenn man sich wirklich Gedanken darüber macht, ob das noch „gesund“ und „normal“ ist, dann sollte man diese Familie einfach mal kennenlernen. Sie anschreiben, sich miteinander austauschen, treffen, miteinander reden, beobachten und kennen sowie verstehen lernen.

5. Milch aus dem Becher ist ok, aber doch nicht aus der Brust!

Manche schrieben, dass die Milch ja auch einfach abgepumpt und dem Kind in einem Becher gereicht werden könne.

Kinder in Weihnachtskleidung trinken Milch aus Glasflaschen

AHA!, dachte ich mir. Es geht hier also gar nicht darum, dass das Kind 8 Jahre alt ist. Oder dass es Muttermilch trinkt. Sondern darum, dass es diese aus der Brust seiner Mutter trinkt. Und das zeigt nur eins: Das Stillen wird als sexuelle Handlung angesehen.

Können wir uns dem Trend, dass unsere Brüste für Werbung und dergleichen zweckentfremdet werden, endlich widersetzen? Brüste sind nunmal zum Stillen da und haben absolut nichts mit einer sexuellen Handlung zu tun! Ich finde es schade, dass sowohl Frauen als auch Männer die eigentliche Funktion einer Brust völlig aus den Augen verloren haben.

6. Manche Kinder kommen mit 8 schon in die Pubertät!

Genau so sieht es mit dem Argument, dass das Kind in die Pubertät kommt, aus. Ja, dann ist es in der Pubertät. Hormone werden produziert. Sekundäre Geschlechtsorgane bilden sich aus. Und weiter?

Leider wurde dieser Kommentar nicht weiter ausgeführt, weshalb ich hier nur spekulieren kann. Aber ich denke, auch diese Mutter hat das Stillen mit einem sexuellen Akt in Verbindung bringen wollen.

Können wir nicht einfach die Tochter fragen, wie sie das Stillen findet? Es ist für sie völlig normal.

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7. Jemand könnte es herausfinden

Da wird also gesagt, die Mutter solle abstillen, weil jemand, z.B. die Schulkamerad*innen, erfahren KÖNNTEN (!), dass die Tochter noch gestillt wird.

Es ist also noch nicht passiert. Könnte aber. Und deshalb soll die Tochter nicht mehr gestillt werden? Ist doch verrückt, etwas zu unterlassen, aus Angst, dass es jemand erfahren könnte.

Wenn ich mein Leben nur aufgrund irgendwelcher Ängste vor Dingen, die möglicherweise passieren könnten, strukturieren würde, würde ich doch gar nicht mehr richtig leben. Mein Leben wäre ständig von Angst geleitet.

Selbst, wenn jemand herausfindet, dass Mutter und Tochter noch eine Stillbeziehung führen, dann was?

8. Angst vor Mobbing

Die deutlich wichtigere Aussage hinter „Es könnte jemand herausfinden.“ ist doch eigentlich die Angst (da ist sie schon wieder) vor Mobbing. Sei es von Erwachsenen oder Kindern.

„Kinder sind nunmal grausam.“

links viele Holzfiguren, rechts eine Holzfigur

Diese Aussage hat mich extrem wütend gemacht! Kinder sind nicht „nunmal grausam“. Ich sehe das ganz und gar nicht so. Ich sehe in Kindern sehr soziale, empathische, hilfsbereite, liebevolle Wesen. Kinder sind nicht böse. Sie sind das genaue Gegenteil davon.

Natürlich gibt es Mobbingfälle. Das will ich gar nicht bestreiten. ABER: Machen wir es uns hier nicht ganz schön einfach?

Wir sagen: Kinder sind halt fies. Wenn sie herausfinden, dass die 8-Jährige noch an Mamas Busen hängt, wird sie gemobbt. Aber warum wird sie gemobbt und nicht einfach akzeptiert?

Wenn Toleranz zu Intoleranz wird

Kinder sind nicht von Natur aus „böse“. Sie werden es erst. Und zwar durch Erziehung. Und das ist nicht nur irgendein Spruch, wenn du dir mal vor Augen führst, was erzogene Kinder alles müssen:

Wir sagen ihnen, wann sie aufstehen müssen: JETZT und nicht erst, wann sie wollen. Wir sagen ihnen auch, welche Pflichten sie haben. Klassisches Beispiel: Zähne putzen. Und wenn das Kind nicht will und Zeter und Mordio schreit, ja, dann wird es halt festgehalten und mit roher Gewalt geputzt. Ist ja schließlich unsere Pflicht, für saubere Zähne zu sorgen.

Wir entscheiden darüber, was gesunde Ernährung bedeutet, verbieten ihnen Süßigkeiten und zwingen sie zum Probieren oder Aufessen. Fernsehen ist Teufelswerk, das muss auch eingeschränkt werden. Wir bringen sie in die Kita und später in die Schule und geben sie ab, wenn sie nicht wollen. Auch hier herrscht nur Vorgabe, was sie wie lange zu tun haben. Was wird gespielt/gelehrt, wie lang wird gespielt/gelehrt, wann gibt es Essen, wann wird geruht, was muss das Kind schon können und wie kann das zu Hause (z.B. durch Hausaufgaben oder Hobbys) gefördert werden.

Ist das erledigt, ist endlich Zeit für freies Spiel. Ein wenig Freiheit. Und dann holen wir sie ab und sie wollen nicht mitkommen. Trödeln. Sind übellaunig und trotzig. Auf beiden Seiten schlechte Stimmung. Jetzt will das Kind auch noch angezogen werden, obwohl es das schon kann. Will getragen werden, obwohl es schon laufen kann. Nach langem Gemecker endlich fertig. Ab nach Hause. Nein, Kind will noch auf den Spielplatz. Aber nur 5 Minuten!


Sind wir endlich auf dem Spielplatz angekommen (Kind wollte sich nicht anziehen lassen, Kind wollte nicht in den Kinderwagen/Tragegurt/ins Auto/laufen), soll es teilen lernen, was ihm auch nicht in den Kram passt, und wenn wir los wollen, wollen sie nicht mitkommen. Dann drehen wir uns um, sagen „Tschüss“ und tun so, als würden wir sie allein lassen. Oder wir zählen bis Drei und hoffen, dass das Kind bis dahin spurt. Ansonsten wird es halt schreiend abtransportiert.

Wir sagen ihnen, dass dieses und jenes Verhalten „schlecht“ ist und dieses und jenes Verhalten wiederum „gut“ ist. Wir setzen Belohnungen für „gutes“ Verhalten, und Bestrafungen (manche sagen jetzt auch gern Konsequenzen dazu) für „schlechtes“ Verhalten ein. Das kann Liebesentzug in Form von Ignorieren sein oder seelische Gewalt wie anschreien, beleidigen oder körperliche Gewalt wie Klapse, Ohrfeigen, an den Ohren ziehen oder schlimmeres.

Manchmal denken wir, es sei logische Konsequenz, zu sagen: „Wenn du nicht damit aufhörst, gehen wir nicht zum Spielplatz.“ Tatsächlich ist es aber eine Konsequenz, die wir uns ausgedacht haben, um zu erziehen. Wir bestrafen unser Kind, weil es sich nicht so verhält, wie wir wollen. Wenn unser Kind nicht spurt, bestrafen wir es. Wir setzen, wenn nötig, unsere körperliche Überlegenheit ein, um unseren Willen durchzusetzen.

Wir wollen sie zu „guten“, sozialen, selbstbewussten Menschen erziehen. Aber im Grunde genommen ziehen wir nur an ihnen herum und bringen ihnen bei, dass wir sie nicht so lieben, wie sie sind. Wir erwarten ein bestimmtes Verhalten von ihnen und akzeptieren kein anderes. Wir schauen nicht, was hinter dem Verhalten steckt. Welches Bedürfnis da schlummert und entdeckt werden möchte. Wir wollen, dass unsere Kinder funktionieren. Manche rebellieren gegen dieses Machtspiel, was zu noch mehr Erziehung führt. Ein Teufelskreis. Andere resignieren, funktionieren und verlieren dabei sich selbst.

Selbst, wenn du jetzt sagst „So erziehe ich gar nicht!“, dann stell dir einfach mal die Kinder vor, die so erzogen werden. Denkst du, dass diese Kinder andere akzeptieren werden? Die sich anders verhalten? Schwächer sind? Sich nicht rumkommandieren lassen? Diese Kinder werden sich so verhalten, wie es ihnen beigebracht wurde. Sie verhalten sich intolerant, egoistisch, wahren nicht die Grenzen anderer, reagieren mit Gewalt statt mit Empathie, grenzen aus, was andersartig ist, mobben.

Kinder tuscheln und halten sich lachend die Hand vor den Mund

Das haben sie von den Erwachsenen gelernt. Nicht nur, indem sie so behandelt wurden. Kinder sind Nachahmer. Sie sehen sich ihre Vorbilder an (z.B. die Eltern) und lernen von ihnen. Wird ein Kind, das lernt, wie seine Eltern andere Menschen beleidigen oder sich hinter deren Rücken über sie auslassen, Toleranz lernen?

Blick in die Zukunft

Damit will ich sagen: Die Angst, das 8-jährige Kind, das NOCH gestillt wird, könnte gemobbt werden, ist KEIN Argument zum Abstillen. Tatsächlich ist es eher ein Grund, darüber nachzudenken, was für eine Gesellschaft hier gerade heranwächst, vor der wir unsere Kinder beschützen wollen, und dann an dieser Stelle anfangen zu arbeiten.

Wenn wir Angst vor grausamen Kindern haben, sollten wir nicht die Mutter und ihre Tochter dazu drängen, ihre Lebensweise zu ändern, damit sie in dieser intoleranten Gesellschaft bestehen können. Wir sollten grundsätzlich daran arbeiten, in was für einer Gesellschaft wir zukünftig leben wollen.

Das geht aber nur, wenn wir 1. unsere und andere Kinder so behandeln, wie wir es uns selber von anderen wünschen und 2. danach leben. Wir sind nunmal die Vorbilder.

Andere Länder, andere Sitten

Es ist meines Erachtens nach auch wichtig zu sagen, dass es bei uns vielleicht „nicht normal“ sein mag, so lange zu stillen. Als ich schwanger war und zum Geburtsvorbereitungskurs ging, wurde uns allen die Frage gestellt, wie lange wir denken, solle ein Baby gestillt werden. „Ein Jahr.“, riefen beinahe alle im Chor.

Doch in anderen Ländern herrschen völlig unterschiedliche Stillkulturen.

Frau stillt Kind auf dem Boden

So fand ich in Herbert Renz-Polsters Buch „Kinder verstehen – Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt“* (welches ich nur empfehlen kann) folgende Daten:

Die als Sammler lebenden Bofi in Zentralafrika stillen ihre Kinder zwischen 36 und 53 Monaten (3 und 4,5 Jahren) ab. Die in unmittelbarer Nachbarschaft sesshaft gewordenen Stammesmitglieder dagegen zwischen 18 und 27 Monaten (1,5 und knapp 2,5 Jahre).

Gehen wir ins Tierreich und schauen uns die Affen an, stillen diese je nach Körpergröße zwischen 1 und 7 Jahren. Die Menschenaffen hingegen stillen im Schnitt etwa 5 bis 7 Jahre.

Menschenaffen Mutter stillt ihr Kind

Wie lange stillen die Mütter in anderen Ländern?, fragte ich mich, und recherchierte im Internet.

Die äthiopischen Frauen stillen bis zur Geburt des nächsten Kindes. Danach bekommt das erste Kind abrupt von einem Tag auf den anderen keine Muttermilch mehr. Nur noch das zweite Kind wird fortan gestillt.

Lansinoh Laboratories, Inc., ein weltweit führender Hersteller von Stillprodukten und Zubehör, befragte 13.348 Mütter aus Brasilien, Kanada, China, Kolumbien, Frankreich, Deutschland, Mexiko, Türkei, UK und USA im Rahmen der internationalen Stillumfrage zu ihren Einstellungen und ihrem Stillverhalten.

Hiernach gaben auf die Frage „Wie lange sollte ein Kind gestillt werden?“ fast 50% der Befragten 6 bis 12 Monate an. Die Mehrheit der Mütter in 7 von 10  Ländern empfindet 6 bis 12 Monate Stillzeit als ideal – darunter auch Deutschland. Frankreichs Mütter halten 3 bis 6 Monate für ausreichend, ein Viertel meint, 0 bis 3 Monate sind genug. Ganz anders empfinden es türkische Mütter: Dort möchten über 40% über die 12 Monate hinaus stillen.

Es gibt zahlreiche Faktoren, die solch unterschiedliche Stillkulturen hervorrufen: Tradition, Umfeld, Nachwuchs, Geld, Bildung, Unterstützung, persönliche Gründe uvm.

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Raus aus dem Teufelskreis

Hier in Deutschland und anderen Ländern ist der Glaube, ein Kind müsse bloß ein Jahr gestillt werden, weit verbreitet. Er hat sich in unsere Köpfe gesetzt, ohne dass wir ihn hinterfragten.

Erst, als mein Baby und ich uns dem berüchtigten 1. Jahr näherten, begriff ich, dass das unmöglich stimmen konnte. Mein Baby signalisierte mir etwas völlig anderes. Es trank noch SO oft und lange an der Brust, dass ich den Irrglauben „Abstillen mit einem Jahr“ über Bord warf.

So denkt und fühlt aber nicht jede Mutter, was auch völlig ok ist. Ich akzeptiere das. Nur manchmal denke ich, verheimlichen auch welche einfach, dass sie noch stillen. Sie haben Angst, ausgegrenzt zu werden, stelle ich mir vor. Denn genau so denke ich auch.

Ich habe ein ungutes Gefühl, wenn ich in der Öffentlichkeit stille, obwohl es etwas völlig Natürliches ist. Beispielsweise lege ich meinen Arm um mein Kind, damit uns niemand stillen sieht. Ich stille, wo wir allein und ungestört sind und uns niemand zusieht. Manchmal verstecke ich mich auch auf der Toilette und stille dort, weil ich nicht weiß, wie mein Umfeld reagieren könnte. Und das ist ein Teufelskreis.

Dadurch, dass sich Mütter wie ich nicht trauen, offen dazu zu stehen, dass sie weiter stillen, kann Langzeitstillen auch gar nicht zur „Normalität“ werden. Die Menschen sehen es einfach zu selten. Wer weiß, wie viel 5-, 6-, 7-, 8-Jährige noch gestillt werden. Still und klammheimlich. Zu Hause, wo es keine(r) sehen kann.

Genau deshalb habe ich mir vorgenommen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. In meiner Familie wissen alle, dass ich einen 2,5-Jährigen stille. Und da lasse ich mir auch nicht reinreden. Vor allem, weil mein Mann da voll und ganz hinter dieser Entscheidung steht. Wir sind ein Team. Das stärkt mir ungemein den Rücken.

Braut stillt Kind, Bräutigam legt den Arm um sie und lächelt zum Kind

Und was, wenn wir außerhalb sind? Keine Sorge, ich schwinge meine Brüste nicht den Vorbeilaufenden entgegen. Aber ich lasse es mir auch nicht nehmen, mein Kind zu stillen. Ich will mich nicht auf die Toilette verziehen und dort mein Kind stillen. Wir finden es beide total eklig. Und nur, weil ich Angst vor Konfrontation hatte, bin ich weiterhin im Damenklo verschwunden. Das ist doch verrückt.

Ich will diesen Teufelskreis durchbrechen. Einfach akzeptiert werden.

Und selbst, wenn du nicht langzeitstillen willst, kannst, was auch immer, so möchte ich dir ans Herz legen, meine Entscheidung, mein Kind über das übliche 1. Jahr hinaus zu stillen, zu akzeptieren.

Wenn du mich siehst, schenk mir ein Lächeln. Ich kann mir vorstellen, in viele grimmige Gesichter sehen zu müssen. Vielleicht auch gemeine Kommentare über mich ergehen lassen zu müssen. Da wirkt ein Lächeln wahre Wunder.

Und wenn du es nicht einmal schaffst zu lächeln, dann schau einfach weg. Lass mich da sitzen und mein Kind stillen und geh einfach deines Weges. Mehr will ich doch gar nicht.

Langzeitstillen
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30 Gedanken zu “Langzeitstillen

  1. Liebe Julia,
    Ich hab eben deinen Artikel gelesen und freue mich so sehr, dass du mit dem Thema „Langzeitstillen“ (traurig, dass es einen eigenen Namen haben muss) so offen und toll umgehst. Ich selber habe leider nach 15 Monaten abgestillt, leider auch weil ich dem Druck von außen dann doch nicht mehr stand halten konnte, habe es aber so sehr genossen und werde beim nächsten Kind definitiv länger stillen (wenn es das auch möchte)
    Artikel wie deiner stärken Menschen wie mich, die eben manchmal doch unsicher werden.
    Danke dir dafür!

    • Hallo Eva,
      anfangs wollte ich es sogar „Langzeitstillen Extrem“ nennen, aber dann dachte ich mir: Nein, es ist nicht extrem.
      Eigentlich mag ich noch nicht mal das Wort Langzeitstillen, aber die meisten Menschen können mit diesem Begriff eher etwas anfangen. Mir fehlt da auch eine bessere Alternative. Du hast schon Recht, es sollte ganz normal Stillen heißen, nicht wahr?
      Auf jeden Fall freut es mich riesig, dass ich dir mit meinem Artikel Mut machen konnte 🙂
      Es ist zwar schade, dass dich deine Umgebung nicht so unterstützt hatte, wie du es gebraucht hättest, aber wir lernen nie aus. Und siehe da, beim nächsten Kind willst du länger stillen 🙂 Das freut mich total 🙂
      Liebe Grüße
      Julia

  2. Hallo Julia,
    danke für den Artikel.es hat mich so berührt .
    mein Sohn ist 22 monate und stillen auch noch. ich werde oft gefragt, ob ich noch stille und merke, dass ich ja sage, mich aber dafür rechtfertige..ich sage, ich bin müde, schaffe es nicht, möchte meinen Schlaf.. dabei könnte ich nur mit Ja, ich stlle noch antworten…aber man wird nur schief angeschaut …dabei geht es uns beiden soooo gut damit ..
    ich finde gut,was du machst …
    wünsche dir alles Liebe 🙂

    • Liebe Elena,
      ich wünschte, die Leute wären aufgeklärter, was das Thema Stillen betrifft…
      Ich hoffe, ich konnte mit meinem Beitrag einigen die Augen öffnen, aber auch Mut machen, wenn es sie selber betrifft.
      Es ist schön zu hören, dass es Leute wie dich gibt, die offen und ehrlich zu ihrer Stillbeziehung stehen 🙂 Lass sie schief schauen. Du sagst es ja: EUCH geht es damit prima. Hals dir nicht die Probleme anderer auf 😉
      Viele liebe Grüße
      Julia

  3. Liebe Julia, danke für diesen tollen Artikel, der mir enorm viel Kraft gibt.
    Meine Tochter ist 5 1/2 Jahre und stillt zum Einschlafen, nachts und tagsüber, wenn sie eine Kuscheleinheit braucht.
    Die ganzen bösen und unqualifizierten Kommentare tun sehr weh, und setzen auch unbewusst unter Druck.
    Niemals hätte ich gedacht, und es vor allem für möglich gehalten, (m)ein Kind so lang zu stillen. Auch mein Ziel waren 12 Monate. Aber es kommt, wie es kommen muss.
    Dein Artikel hat mich wieder einmal bestätigt in dem, was ich tue. Danke dafür <3
    Liebe Grüße Sandra

    • Liebe Sandra,
      das ist ja wundervoll, dass du trotz der Kommentare und des Drucks weiterhin deinen Weg gehst! Das ist wahnsinnig stark, finde ich, und sehr bewundernswert!
      Freut mich, dass ich dir mit diesem Beitrag wieder Kraft geben konnte. Das war mein Ziel 🙂
      Ich wollte damals auch nur ein Jahr stillen und fertig. So, wie ich es von allen um mich herum auch gehört habe. Und dann hab ich gemerkt, dass das einfach nicht natürlich ist und hab es sein lassen. Genau so, wie es bei dir war 🙂
      Wir sind nicht die einzigen. Es gibt noch viele andere Mütter, die über das übliche 1. Jahr hinaus stillen. Nur, dass sie nicht so gern darüber reden und auch beim Kinderarzt lügen. Dadurch kann Stillen über ein Jahr aber niemals als etwas völlig Normales angesehen werden. Deshalb mein Artikel 🙂
      Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft!
      Viele, liebe Grüße
      Julia

  4. Das ist wirklich ein schöner Artikel, liebe Julia!
    Ich stille meinen Sohn seit bald 13 Monaten und es ist kein Ende in Sicht. Aber ich gebe zu, dass ich auch immer wieder zweifle und leider auch jetzt schon auf viel Unverständnis stoße…
    Gott sei Dank steht mein Mann hinter mir. Und meine Mama – die hat mich 2 Jahre und meinen Bruder 3 Jahre gestillt 🙂
    Schön, dass du mit solchen Worten den Menschen Mut machsta

    • Liebe Lisa,
      dass dein Mann und deine Mama hinter dir stehen, ist großartig! Mein Mann steht da auch voll und ganz hinter mir. Von einigen aus der Familie wurde ich einmal gefragt, ob ich denn nun abstellen werde (woraufhin ich nur mit „Nein.“ antwortete) und seitdem lassen sie mich in Ruhe und lassen uns machen. Es ist immerhin auch unsere Angelegenheit. Menschen mischen sich nur allzu gern in anderer Leute Angelegenheiten ein.
      Ich wünsche euch noch eine schöne weitere Stillzeit 🙂
      Julia

  5. Hallo Julia,
    ich bin auf deine Seite gestoßen und finde deinen Artikel toll! Auch ich wehre mich gegen Kommentare und angewiderte Blicke aus dem Umfeld und auch aus dem verwandten- und (ehemals) Freundeskreis. Wir stillen nun seit bald 2 Jahren und ein Ende ist noch nicht in Sicht 🙂 Leider war es hier (berlin)oft schon mit Säugling nicht gern gesehen „öffentlich“ zu stillen. Ich habe aber immer weiter gemacht und mich gewehrt. Ich setze mich doch nicht auf ein öffentliches Klo oder verstecke mich am besten noch in einem Busch zum stillen, damit die anderen nicht auf perverse Gedanken kommen. Da sollten solche Menschen sich lieber mal selbst fragen warum sie die Brust als etwas sexuelles ansehen. In diesem Sinne
    Eine schöne Stillzeit allen, hört auf euer Gefühl, die Natur hat sich was dabei gedacht!

    Julia

    • Liebe Julia 🙂
      Bei deinem Kommentar mit dem Gebüsch musste ich lachen 😀 Obwohl es eigentlich ein ziemlich ernstes Thema ist, denn natürlich hast du Recht. Warum sollten wir uns vor der natürlichsten Sache der Welt verstecken?
      Wie hast du dich gewehrt? Hast du dir ein paar Konter zurechtgelegt oder kommt das spontan von dir? Wie machst du das? Vielleicht kann ich mir da ja noch eine Scheibe von dir abschneiden 😉
      Liebe Grüße und alles Gute euch
      Julia

  6. Hallo Julia,

    ich bin durch Zufall auf deinen Artikel gestoßen und möchte dir dafür danken.
    Mein Sohn ist jetzt bald elf Monate alt und ich werde ich seit einem halben Jahr von Verwandten und auch einigen „Freunden“ (mit eigenen Kindern!) gefragt, ob ich noch immer stille!
    Bei der „älteren Generation“ (70+) wundert es mich nicht, mich regen da nur unqualifizierte und unangebrachte Kommentare wie „dann hast du ja bestimmt voll die Hängetitten“ auf.
    Bei gleichaltrigen Freunden und Bekannten irritiert es mich total, vor allem wenn ich weiß, dass sie den Brust-Ersatz Beruhigungssauger bei ihren und anderen Kindern bis in den Kindergarten hinein akzeptieren. Mein Sohn hat und hatte nie einen Beruhigungssauger und ist immer total fasziniert, wenn er einen findet. Er nimmt ihn dann am Mundteil in die Hand und untersucht den harten Teil total interessiert, wenn eine Kette dran ist gefällt ihm diese meist noch besser.
    Ich habe nicht vor von mir aus abzustillen, bevor ich muss, er möchte oder ich eventuell meinen Körper doch wieder für mich haben möchte.

    • Hallo Jenny,
      Danke für deinen Kommentar.
      Es gibt viele stillende Mamas, die genau so, wie du es beschrieben hast, von ihrem Umfeld behandelt werden, weil sie eben „noch“ stillen. Das können Bekannte, Freunde, aber auch völlig Fremde sein und es ist in meinen Augen schockierend, dass sich die Leute so derart in die Angelegenheiten anderer Menschen einmischen. Ich frage mich dann immer, ob die nicht genügend andere Probleme haben, weshalb sie dann noch zusätzlich im Garten des Nachbarn nach Unkraut suchen müssen.
      Ich hab selber auch die Erfahrungen machen müssen, dass es einige Leute sogar eklig finden, wenn sie erfahren, dass ich unseren Sohn „noch“ stille. Und es hat mich sehr verletzt. Wären diese Menschen nicht aus meinem Leben verschwunden, hätte ich wohl von mir aus so gut es geht den Kontakt gemieden. Was soll ich mich mit Menschen umgeben, die nur Feindseligkeiten übrig haben?
      Wie geht es dir damit? Hast du jemanden, der dir den Rücken stärkt und dich in deinem Vorhaben unterstützt?
      Die Situation, die du von deinem Sohn beschrieben hast, der ganz interessiert einen Schnuller erkundet, ist ja auch echt süß ^^ Siehst du, wenn er das Original hat, warum sollte er dann einen Nuckel nehmen? Viele Menschen vergessen einfach, was das eigentliche Original ist. Nicht die Brust ist der Schnullerersatz; es ist genau andersherum.
      An sich ist es mir schnurz, ob ein Kind mit oder ohne Schnuller aufwächst, gestillt wird oder nicht. Mich stört diese Anfeindung beiderseits, dass man sich ständig für seine Entscheidungen rechtfertigen muss. Muss man nicht.
      Denkst du, dein Umfeld wäre an sich offen für eine konstruktive Diskussion mit den reinen Fakten? Würdest du dir überhaupt die Mühe machen wollen, deine Energie darauf zu verwenden, es ihnen begreiflich zu machen?
      Ich wünsche dir und deinem Sohn alles Liebe und eine Stillbeziehung, die so lange anhält, wie ihr beide es wünscht <3
      Julia

  7. Wow.. 🙂 ein ganz wundervoller Artikel. Ich finde es super. Mein Sohn ist 15 Monate alt und wird liebend gern gestillt. Wenn er gerne an die Brust möchte interessiert es ihn nicht wo wir sind. Ich finde das vollkommen in Ordnung und gebe ihm das was er braucht. Immer wieder hört man von vielen Seiten der kann ja schon laufen jetzt reicht es doch auch oder du machst es ihm aber nicht einfach sich von dir unabhängig zu machen. (Mit 15 Monaten „ja klar“)
    Dein Artikel zeigt viele Seiten das finde ich gut. Danke dafür und viel Spaß beim Stillen. Ich werde es solange genießen wie es der kleine Mann und ich möchten 😉

    • Liebe Maike,
      vielen Dank für dein Feedback 🙂
      Ja, manche müssen eben immer ihren Senf dazugeben und sich in die Angelegenheiten anderer einmischen. Ich finde, dadurch wird vielen extrem viel Druck gemacht. Würden sich doch diejenigen, die immer solche Kommentare von sich geben, mal diesen Beitrag durchlesen… so vielen könnten die Augen geöffnet werden.
      Alles Liebe und eine schöne Stillzeit wünsch ich euch 🙂
      Julia

  8. Danke für den Artikel.. mein Sohn ist jetzt 3,2jahre alt und wird nach Bedarf gestillt..tag und Nacht!Warum,wenn es mein Körper produziert,soll das unnormal sein?? die Vorurteile das es die erste Trennung ist die wir durchleben müssen und es als Mutter wichtig sei dies zu tun(disziplin!)ist doch völliger Blödsinn…aus meiner sicht ist der Alltag(in den ersten 6/7jahren) durch so viel neues, Änderungen, Entwicklungen und Trennungen geprägt das es doch schön ist das Stillen als eine Konstante zu erhalten und dem Kind die Chance zu geben Abstand zu nehmen wenn es los lassen kann..und klar auch wenn die Mama keine Lust mehr hat!also so what!Ich versuche so oft wie es geht in der Öffentlichkeit zu stillen und mich den blicken auszusetzen um es normal werden zu lassen!!Wer wenn nicht wir Stillenden können das Bild ändern?!ich finde es ganz schlimm das es normal ist einer Puppe die flasche zu geben..achtung das ist nun für Gegner pervers…aber warum sollen die Mädels nicht ihre Brust ihrer püppi geben?!da beginnen doch die sexuellen komplexe bei Mädels erst!Und das finde ich pervers!!das der Körper in all seiner perfektheit(weiblich oder männlich)einer solchen gesellschaftlichen Zensur unterliegt(ich fange nicht erst an über schönheitsideale zu reden…!!)
    Ich denke auch das es viele Kinder gibt die heimlich lang gestillt werden!welche komplexe und Informationen übermitteln wohl diese Muttermilch den Kindern…(frage ist die muttermilch einer kuh besser für mein kind als meine eigene?!!hinterfragt euch das mal!!)wasser ist ein informationsträger(nachgewiesen!!)also raus aus den Toiletten!!und ästhetisch draussen stillen wo es alle sehen können!!!!!
    Ich liebe es.die Zeit vergeht so schnell geniesst es!!Familienbett,stillen,alles persönliche Entscheidungen die keinen was angehen!
    Respekt und liebe gegenseitig ist der weg und nicht Konkurenz!Mutter sein ist eine wunderbare Gemeinsamkeit und kein Kampf!!!

    Danke Denise

    • Liebe Denise,
      das Thema scheint dich emotional sehr zu berühren, habe ich den Eindruck. Mir geht es genau so, wenn diese klassischen Fragen à la „Stillst du noch?“ usw. kommen. Ich verstehe nicht, wie manche es nicht verstehen können, dass es völlig normal ist, sein Kind über das bei uns übliche 1. Jahr hinaus zu stillen.
      Ich finde es bewundernswert, dass du dich dieser möglichen Konfrontation stellst und öffentlich stillst, damit dieses Bild zur Normalität wird. Hat dich schonmal jemand drauf angesprochen? In irgendeiner Form negativ reagiert oder auch positiv? Wie hast du reagiert? Diese Fragen stelle ich mir noch, ich freue mich, wenn du darauf noch antworten kannst.
      Ganz liebe Grüße
      Julia

  9. Ich stille meinen 16 Monate alten Sohn auch wann er möchte eben da wo wir grad sind. Bisher habe ich von den Vorbeigehenden nur lächelnde oder neugierige Blicke bekommen. Ich nehme da eher Verständnis wahr. Ganz im Gegensatz zu Kinder- oder Frauenärztin, die mich spüren lassen, dass sie das Stillen in dem Alter unnötig finden. „Das ist doch jetzt aber nicht mehr notwendig.“ Ich versuche in so einer Situation mich nicht zu rechtfertigen sondern einfach. Aussagesätze zu machen. Trotzdem verunsichert das natürlich. Aber ich möchte solange stillen, wie wir beide das möchten.

    • Liebe Beatrice, freut mich, dass du so positive Erfahrungen gemacht hast mit freundlichen und interessierten Blicken. Leider hab ich bei meinen Ärzt*innen auch gleich dumme Kommentare gehört, mir wurde sogar zum Schreien lassen (für das nächtliche Abstillen) geraten, was ich ungeheuerlich finde, weil sich Ärzt*innen erdreisten, sich 1. da überhaupt einzumischen, da es bei unserem Besuch nicht darum ging und 2. solch mehr als fragwürdigen Ratschläge zu verteilen. Das Traurige ist mMn, dass ich nicht die erste und auch nicht die letzte gewesen sein werde, die solche „Tipps“ bekommt. Viele hören dann auf den „ärztlichen Rat“, die haben ja schließlich studiert und wissen es besser, ne? Gut, dass manche noch einen Instinkt haben und ihren Babys zuhören können.
      Liebe Grüße
      Julia

  10. Hallo Julia,
    Dein Artikel gefällt mir sehr gut und ich finde es toll das hier bisher nur positive Kommentare geschrieben wurden. Ich habe meine zweite Tochter 17 Monate gestillt, morgens und abends. Krankheitsbedingt habe ich es dann nicht mehr regelmäßig geschafft zu stillen sodass sich die Milchproduktion leider eingestellt hat. Meine Tochter war sehr traurig und verzweifelt. Wäre das nicht gewesen hätten wir auch noch länger gestillt.
    Zu einem vorigen Kommentar bezüglich einer Puppe die Flasche geben möchte ich gerne ergänzen, dass meine größere Tochter ihrer Puppe immer die Brust gegeben hat 😀
    Auch deine Beschreibung wie viele Eltern mit ihren Kindern umgehen und ihnen ihre Meinung aufzwingen – dadurch entstehen eingeschränkte Sichtweisen. Wenn man als Kind nicht selbst denken darf, lernt man es auch nicht und passt sich der Mehrheit an. Sie sind es so gewohnt und es wird auch so gewünscht… Sehr schade 🙁

    *stillen ist das beste und natürlichste was man einem Baby schenken kann *

    Traut euch und bleibt selbstbewusst!

    • Liebe Jacqueline, das tut mir Leid, dass es nach den 17 Monaten nicht mehr mit dem Stillen geklappt hat, das muss sehr hart gewesen sein für euch beide.
      Die Geschichte mit der Puppe hab ich auch schon öfter gehört und finde sie total lustig. Das Gleiche mit dem Tragen, dass die Kleinen dann ein Tragetuch für ihre Puppen haben. Total süß, wie sie nachahmen 🙂
      Liebe Grüße
      Julia

  11. Es gibt sie noch,die Mamas die lange stillen 👍😊😊😊wie schön 😊😊😊Ich habe drei Kinder,die Große hat sich selbst abgestillt…..da war sie drei…..der Große wollte permanent an Mamas Busen,was mir dann doch zuviel wurde und so habe ich mit 2,5 Jahren die Notbremse gezogen und abgestillt….unsere kleine Motte ist jetzt 1,5 Jahre alt und liebt ihre „Nana“ über alles…..wir werden sehen wielang wir diese schöne intime besondere Zeit genießen werden 😊😊
    Ich sehe es gerne wenn andere Mamas ganz entspannt ihre Kinder stillen,warum auch soll mit 6 Monaten damit Schluss sein nur um dann Flaschennahrung zu füttern????Das werde ich wohl nie verstehen…..Ich selbst habe das Selbstbewusstsein so offen darüber zu sprechen und es auch zu praktizieren zugegeben erst bei unserer kleinen Zwiebel….. bei der Großen geschah alles über das erste Jahr hinaus auch nur im heimlichen, traurig wenn ich jetzt darüber nachdenke…..
    Etwas natürliches wird in unserer Gesellschaft eben nur schwer akzeptiert…..
    Darum vielen Dank für diesen schönen Beitrag und alles liebe für alle Mamis die ihren Bedürfnissen und denen ihrer Mäuse nachgehen und nicht iwelchen Gesellschaftsdogmen!

    • Liebe Jana,
      ich freu mich auch immer total, wenn ich stillende Mütter in der Öffentlichkeit sehe. Ich merke ihnen schon ihre Unsicherheit an. Wenn ich dann mal Blickkontakt mit ihnen habe, lächel ich sie einfach an, damit sie wissen, dass sie sich nicht schämen müssen. Aber auch bei Müttern, die ihren Babys die Flasche geben, merke ich diese Unsicherheit an. Wer weiß, ob sie stillen wollten und es nicht klappte, aus welchen Gründen auch immer und sie sich nun verurteilt fühlen. Diese Kehrseite gibt’s leider auch. Deshalb lächel ich auch Mütter (und Väter) mit Fläschchen an. Ich finde es schon ein wenig traurig, muss ich zugeben, aber wenn ich Akzeptanz will, dann sollte ich wohl anfangen und auch akzeptieren, dass das nicht alle so wollen und können, denke ich.
      Liebe Grüße
      Julia

  12. Hallo! Das ist der beste Artikel den ich zu dem Thema bis jetzt gelesen habe und ich habe schon sehr viele gelesen:-)
    Stille auch seit 3 Jahren und freue mich immer wieder von anderen zu lesen die so denken wie ich!!! Echt total Toll!!!Liebe Grüße

    • Hey Manu 🙂
      vielen Dank für deine Nachricht und das große Kompliment <3 Das hat mich sehr berührt <3
      Liebe Grüße
      Julia

  13. Liebe Julia,
    Dein Artikel hat mich sehr berührt. Ich habe meinen Sohn 2 Jahre und 8 Monate gestillt. Anfangs war es mir wichtig mindestens 1 Jahr zu stillen, aber auch ich merkte, dass mein Kleiner noch länger diese besondere und einzigartige Nähe benötigte.
    Deine Ausführung zu Erziehung sowie den gesellschaftlichen Zwängen fand ich sehr treffend. Es ist Schade, das viele Menschen nicht verstehen, dass sie andere mit ihren Aussagen unbewusst unter Druck setzen. Mehr Toleranz und Verständnis würde unserer Gesellschaft gut tun. Vielleicht hilft dein Artikel dabei!
    Liebe Grüße
    Anja

    • Liebe Anja,
      vielen Dank für deine Nachricht 🙂 Ich hoffe auch, dass mein Artikel einigen die Augen (und Herzen) öffnen wird <3
      Liebe Grüße
      Julia

  14. Liebe Julia, vielen Dank für diesen Artikel, der meinen Horizont erweitert hat und danke auch den anderen für ihre Einblicke in den Kommentaren :). Ich muss gestehen, dass ich bisher auch eher skeptisch war, wenn ich gehört habe dass jemand so lange stillt. Nicht, dass ich etwas negatives gesagt hätte oder blöd geguckt habe, das wäre mir nicht eingefallen, das ist einfach nicht meine Angelegenheit. Aber ich konnte es mir für mich nicht vorstellen, länger als ca. 1 Jahr zu stillen. Meine Tochter ist jetzt bald 3 Monate alt und das Stillen klappt soweit gut. Nach diesem Artikel und den vielen interessanten Kommentaren von anderen Müttern werde ich wahrscheinlich doch etwas entspannter an das Thema rangehen wenn sie ein Jahr alt ist und einfach mal schauen, wie es sich entwickelt. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen, 3-4 Jahre zu stillen, aber z.B. 2 Jahre wäre wohl doch ok. So wie es andere schildern, ist es wohl für die Kinder viel normaler, als man sich das selbst vorstellt oder vermittelt bekommt. Dabei hat meine Oma mir immer zu 2-3 Jahren geraten, interessanterweise. Mein Mann kommt aus einer anderen Kultur und fände es sowieso normal, wenn ich deutlich länger als 1 Jahr stille. Ich stille übrigens auch immer an jedem Ort, wenn nötig und werde das auf jeden Fall beibehalten. Leider gibt es auch in meinem Umfeld Mütter mit ähnlich alten Babys, die auch jetzt sich nicht trauen, z.b. im Café zu stillen, einfach weil andere komisch gucken und Mutter/Baby keine Privatsphäre geben. Wenn es in Deutschland weiter so wenig Kinder gibt, werden Kinder bzw. Babys in der Öffentlichkeit wohl auch weiter ein Kuriosum bis zu einem Ärgernis sein. Andere Länder sind da viel weiter….

    • Hey Ulrike,
      danke für deinen Kommentar. Ich finde es interessant, wie du erzählst, wie sich deine Sichtweise geändert hat – erging es mir „damals“ genau so. Ich dachte auch, 1 Jahr stillen und dann ist Schluss, aber als ich mein Kind so sah, wie oft und lange es noch stillte, konnte ich mir das immer weniger vorstellen, je näher das Datum rückte. Und das finde ich so schön, dass es noch Menschen wie dich gibt, die zwar ihre Meinung haben, aber auch in der Lage sind, dennoch eine andere Sichtweise einzunehmen und sogar ihre Meinung zu ändern. Das freut mich total, dass dir der Artikel und auch die Kommentare hier geholfen haben, etwas lockerer an die Sache ranzugehen und einfach zu schauen, wie es sich so entwickelt bei dir und deiner Tochter 🙂
      Viele liebe Grüße und alles Gute <3
      Julia

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