Die 10 wichtigsten Tipps zum Abstillen


Ich hab mich schon lange gefragt, ob ich jemals einen Beitrag übers Abstillen schreiben werde, weil ich es nie für möglich gehalten hatte, dass die Stillbeziehung zwischen meinem Sohn und mir je enden wird.

Aber jetzt ist es wirklich so weit und ich kann sagen: Ja, mein Kleinkind hat sich abgestillt und braucht auch nachts keine Brust mehr zum Einschlafen.

Hier sind meine 10 wichtigsten Tipps zum Abstillen!

Die 10 wichtigsten Tipps zum Abstillen

Während ich diesen Beitrag mit meinen 10 besten Tipps zum Abstillen schreibe, horch ich in mich rein und frag mich: Bin ich traurig darüber, dass es jetzt vorbei ist? Kein Einschlafstillen mehr, kein nächtliches Stillen mehr, kein schneller Tröster bei Unfällen und Krankheit, macht mich das irgendwie wehmütig?

Vor wenigen Wochen hätte ich noch lauthals gerufen: Nee, auf keinen Fall! Ich liebe meine wieder gewonnene Freiheit, Freizeit. Oliver ist 3,5 Jahre alt und lässt sich jetzt anders trösten, braucht keine Brust mehr, um sich zu beruhigen oder einzuschlafen, das ist einfach super cool!

Kann sein, dass es an dieser ruhigen Atmosphäre dieses Cafés liegt, in dem ich gerade sitze, aber jetzt denke ich so: Hm, ja, doch, irgendwie ist es schon ein ganz kleines bisschen schade. Nicht, weil ich jetzt mehr Zeit habe, sondern eher, weil ein wichtiger Lebensabschnitt vorbei ist. Für immer.

Das Stillen ist eine so wunderbare, mal anstrengende, aber wiederum auch so wichtige Zeit, dass wir uns gut überlegen sollten, wann, warum und vor allem wie wir abstillen. Aus diesem Grund möchte ich dir meine 10 wichtigsten Tipps zum Abstillen mit auf den Weg geben.

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1. Der richtige Zeitpunkt

Wie lange stillen? Wann abstillen? Meiner Meinung nach ist dieser Punkt der wichtigste von allen.

Denn wie lange du dein Kind stillst und wann du abstillst, das entscheiden nur dein Kind und du, denn es ist eure Stillbeziehung, lass also bitte nicht andere darüber entscheiden.

Dass die Oma traurig ist, dass ihr Enkelkind noch nicht bei ihr übernachten kann, weil es noch einschlafgestillt wird, und sie jetzt meint, es sei an der Zeit, dass du abstillst, ist bedauerlich. Der Nachbar von nebenan findet, dass dein Kind schon zu alt dafür ist, um gestillt zu werden? Das ist SEIN Problem, also mach es nicht zu deinem.

Wenn dir jemand dazu rät abzustillen, horch in dich rein und frag dich ganz ehrlich, ob dein Kind und du das auch so empfindet. Ob ihr das möchtet. Und ob ihr bereit dafür seid.

Die Stillzeit ist im Vergleich zum restlichen Leben so kurz und sie kommt nie mehr zurück, also überleg dir gut, ob du abstillst, weil DU es willst oder weil jemand anderes das als „richtig“ empfindet.

Bedenke, dass das „Langzeitstillen“ deinem Kind und auch dir viele Vorteile mit auf den Weg gibt, es im Umkehrschluss also viele Nachteile für dich und dein Kind gibt, wenn du es (frühzeitig) abstillst.



2. Langsam ausschleichen lassen

Je entspannter die Abstillzeit gestaltet wird, desto einfacher wird es für euch beide. Klar: Wenn du von heute auf morgen abstillen musst, wird es sich komplizierter gestalten, als wenn du ganz natürlich und sanft abstillen kannst, wenn sich also dein Körper und dein Kind langsam darauf einstellen können.

Bei uns war es z.B. so, dass Oliver erst ständig und überall trank. Dann fing ich an, ihm nicht mehr aktiv die Brust anzubieten, d.h. ich stillte ihn nur noch, wenn er mich darauf ansprach. So ergab es sich, dass wir nur noch zu Hause stillten, denn unterwegs war er zu abgelenkt. Später trank er dann nur tagsüber, dann nur noch abends, dann nur noch nachts und schließlich nur noch bei schlimmen Unfällen, Schmerzen oder in ganz besonders kuscheligen Momenten…

Je entspannter du das Abstillen gestaltest, sodass es sich langsam ausschleichen kann, desto angenehmer wird es für dich, deinen Körper und dein Kind.

Mutter stillt Kind im Arm

3. Achtung bei „Expert*innen“

Du willst dein Kind betreuen lassen, aber die/der Erzieher*in sagt, erst wenn dein Kind abgestillt ist, kann die Eingewöhnung gelingen?

Du musst demnächst ein Medikament einnehmen, es steht eine OP an und dein/e Ärzt*in erzählt dir, du darfst dein Kind nicht mehr stillen?

Dein Kind hat Karies und die/der Zahnärzt*in setzt dich unter Druck, du musst sofort abstillen, wenn du die Gesundheit deines Kindes nicht gefährden willst?

Ob Eltern, Tanten, Onkel, Nachbar*innen, Freund*innen – wenn es ums Stillen geht, werden plötzlich alle zu Expert*innen. Da kommen dann Sprüche wie „Was, du stillst IMMER NOCH??“, „Da ist doch nur noch Wasser drin.“, „Ich hab gehört, in Muttermilch sind ganz viele Schadstoffe!“.

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Ob das wirklich der Wahrheit entspricht, vermögen die einen oder anderen noch infrage stellen zu können. Von Erzieher*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und dergleichen nehmen wir allerdings ganz natürlich an, dass sie kompetent genug sind, uns Tipps zum Stillen geben zu können, ohne dass wir das je hinterfragen. Doch woran machst du Kompetenz fest? Daran, dass du freundlich behandelt wirst? Jemand studiert hat? Erfahren scheint? Einen weißen Kittel oder einen Doktortitel trägt?

Wenn dir ein/e scheinbare/r Expert*in rät, abzustillen, dann wende dich bitte zunächst an Leute, die sich (höchstwahrscheinlich) auf dem Gebiet auskennen, nämlich an Stillberater*innen, wie z.B. die von der La Leche Liga oder dem AFS Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen Bundesverband e.V..

4. Erkenne unerfüllte Bedürfnisse

Wenn du stillst und es dich nervt und stresst, dann frag dich: Nervt dich wirklich DAS STILLEN? Oder ist es etwas ganz anderes? Vielleicht nervt dich eigentlich, dass immer DU es bist, die das Kind beruhigt, weil du dir eigentlich Unterstützung durch deine/n Partner*in wünschst?

Überforderte Mutter mit Baby und Haushalt

So war es beispielsweise bei mir. Seither war ich es, die unseren Sohn ins Bett brachte, bis auf wenige Ausnahmen, die ich an einer Hand abzählen konnte. Und das nervte mich. Ich fand es ungerecht. Ich wünschte mir Gleichberechtigung und Unterstützung im gemeinsamen Familienleben. Als mein Mann also weniger arbeitete und mehr Zeit mit Oliver verbrachte, konnte ich die neu gewonnene Zeit für mich zum Arbeiten nutzen, weshalb das Stillen für mich so ganz nebenbei viel angenehmer wurde, obwohl ich am Stillen gar nichts verändert hatte, ich hatte einfach nur ein Bedürfnis erfüllt.

Wenn du also merkst, dass dich das Stillen nervt, dann frag dich, ob das Stillen nicht eher nur der Auslöser ist, dass du genervt bist, und eigentlich ein ganz anderes, unerfülltes Bedürfnis dahinter liegt. Wünschst du dir mehr Freizeit? Unterstützung? Gleichberechtigung? Selbstbestimmung? Was ist es, das du brauchst? Denn wenn du das heraus gefunden hast, dann kannst du aktiv etwas dafür tun, dass dein Bedürfnis gestillt wird, und musst nicht die Stillbeziehung zum Sündenbock erklären.


5. Sei klar und ehrlich

Bei mir war es so, dass mir das Stillen nach 3,5 Jahren sowohl am Tag als auch in der Nacht unglaublich unangenehm wurde. Und das sagte ich Oliver auch so und es war ok für ihn, nicht mehr oder nur ganz kurz zu stillen.

Einerseits denke ich, dass sein Alter Grund dafür war, dass er es gut akzeptieren konnte, andererseits denke ich auch, dass ich einfach klar in meiner Botschaft war, eben weil es sich auf einmal so unangenehm anfühlte.

Wenn du von dir aus das Stillen beenden willst, dann rate ich dir, einerseits klar in deiner Botschaft zu sein, andererseits finde ich es persönlich auch sehr wichtig, ehrlich zu sein. Keine Ausreden, wie „Die Brust ist krank“ oder „Die Milch ist alle“. Übernimm die Verantwortung für deine Entscheidung, statt sie abzuwälzen, dein Kind hat es verdient, dass du ehrlich mit ihm bist.

6. Begleite dein Kind

Es kann natürlich auch sein, dass du abstillen willst, dein Kind das aber richtig scheiße findet und viel weint und schreit. Und dazu hat es auch allen Grund und das ist ok. Durch diesen Frust und diese Trauer solltest du dein Kind hindurch begleiten. Es will gesehen werden. Es will dir sagen, dass es jetzt traurig ist. Und du musst jetzt für dein Kind da sein und ihm zuhören.

Kind weint im Arm der Mutter

Wenn Zweifel in dir kommen, frag dich: Will ich jetzt weiter stillen, damit es nicht mehr weint und ich diese Tränen nicht mehr ertragen muss? Wenn du eigentlich nicht mehr stillen willst, aber weiter stillen würdest, nur damit dein Kind aufhört zu weinen, dann würdest du gegen dein eigenes Bedürfnis handeln. Und was soll dein Kind daraus lernen? Dass man nicht für die eigenen Grenzen einstehen sollte?

Wenn also Zweifel in dir kommen, dann schau, ob du wirklich fürs Abstillen bereit bist oder doch nicht. Du kannst deine Meinung natürlich ändern und weiter stillen, ich würde dir aber raten, dass du ganz ehrlich zu dir selber bist, aus welchem Grund du deine Entscheidung triffst.

7. Du kennst dein Kind und dich am Besten

Manche schlagen vor, für einige Tage allein zu verreisen und die/den Partner*in mit dem Kind allein zu lassen. Für mich persönlich wäre das nichts, aber das kann ich nur entscheiden, weil ich mein Kind und mich gut kenne.

Damit meine ich: Bei all den Tipps zum Abstillen, die du hier und auch sonstwo liest, bleibt es am Ende immer dir und natürlich deinem Kind überlassen, ob diese Abstilltipps auch bei euch passen.

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8. Veränderungen brauchen Zeit

Gerade nachts wird es am Anfang länger dauern, bis dein Kind eingeschlafen ist, bei uns dauerte das Zubettbringen manchmal eine Stunde oder mehr. Bis man sich an etwas Neues gewöhnt hat, kann es dauern, Veränderungen brauchen nun mal ihre Zeit.

Für mich war es z.B. auch ungewohnt, nicht mehr so schnell einschlafen zu können wie bisher, doch mit der Zeit gewöhnten wir uns beide dran und kuschelten einfach viel häufiger.

Bei euch kann es auch etwas ganz anderes sein. Findet eure Alternative und lasst euch Zeit, euch daran zu gewöhnen. Dass es sich bei der Alternative um einen Schnuller handeln muss, finde ich übrigens nicht, meine Meinung ist weiterhin, es geht auch ohne Schnuller. Andererseits kann es natürlich auch so sein, dass dein Kind noch ein Saugbedürfnis hat, dann wäre es angebracht, einen geeigneten Ersatz zu suchen.

9. Abstillen heißt nicht Durchschlafen

Verbinde das Abstillen nicht damit, dass dein Kind fortan durchschlafen wird, denn das stimmt einfach nicht. Auch Erwachsene wachen nachts mehrmals auf, erinnern sich aber u.U. einfach nicht mehr daran.

Auch Oliver wacht nachts mehrmals auf. Mal ist er durstig, dann trinkt er Wasser, kuschelt sich wieder ein und schläft weiter. Oder er muss pullern, dann tragen entweder der Papa oder ich ihn zur Toilette und dann wird weiter geschlafen. Manchmal wacht er auf und merkt, dass ich weiter von ihm weg liege, als ihm lieb ist, dann möchte er mit mir kuscheln, ich rutsch zu ihm rüber und wir schlafen kuschelnd weiter.

„Dass du abgestillt hast, bedeutet, dass du nicht mehr stillst, es bedeutet nicht, dass dein Kind dich nachts nicht mehr braucht.“ – Milchtropfen

Kind mit Eltern wach im Bett

10. Ausnahmen sind völlig ok

Ausnahmen bestätigen die Regel. Es kann vorkommen, dass dein Kind schon mehrere Tage, vielleicht sogar Wochen nicht mehr gestillt wurde, und dann plötzlich wieder an die Brust will. Das kann z.B. dann der Fall sein, wenn es sich stark verletzt hat, bei uns geschah es manchmal auch – in meinen Augen – aus dem Nichts heraus.

Ich rate dir, es zuzulassen und dein Kind an der Brust zu stillen, denn dein Kind wird nicht wieder 24/7 stillen. Sieh es mehr wie eine Rückversicherung für dein Kind an, dass du immer noch für es da bist. Ich bin mir sicher, wenn es kurz getrunken hat, ist es auch wieder gut, und irgendwann reicht es für dein Kind, dass ihr „nur“ kuschelt und du es tröstest.

Was für Abstilltipps hast du noch auf Lager? Schreib sie mir gern in die Kommentare.

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