Mit Kind zum Faschingsumzug?

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Nach den Ereignissen des 19. Dezembers 2017 haben manche Angst, mit ihren Kindern öffentliche, große Veranstaltungen zu besuchen. Auch wir haben anfangs überlegt, ob wir den Faschingsumzug am 19. Februar 2017 mitmachen werden. Ob es nicht doch zu riskant ist.

Wir waren dabei und erzählen euch, wie es beim Faschingsumzug war. War es nicht doch zu gefährlich? Haben wir das Leben unseres Kindes riskiert?

Mit Kind zum Faschingsumzug?

Nach dem 19. Dezember 2017, an dem ein LKW in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche raste, fragt man sich jedes Mal, wo man sich mit seinem Kind noch hintrauen kann. Wenn es öffentliche Veranstaltungen gibt, fragt man sich, ob alles gut gehen wird. Ob es sich lohnt, dieses Risiko einzugehen. Oder ob man nicht lieber doch zu Hause bleiben sollte.

Mein Mann und ich haben da ganz unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. Ich habe nur daran gedacht, wie schön der erste Faschingsumzug für unseren Sohn und uns wird. Meine Oma und ich haben uns viel Mühe mit dem Indianerkostüm des kleinen Mannes gegeben. Keine Frage, dass wir zum Faschingsumzug gehen.

Mein Mann wollte erstmal überhaupt nicht mit. Er trägt noch ein Kindheitstrauma vom Fasching mit sich rum. Als Kind gezwungen zu werden, sich als kleinster Zwerg zu verkleiden, obwohl man sich weder verkleiden und erst recht nicht der kleinste Zwerg sein will, das brennt sich ins Gedächtnis ein.

Ich hatte es verstanden, dass er sich nicht verkleiden will. Aber beim ersten Faschingsumzug seines Sohnes muss er dabei sein. Noch dazu, weil Sonntag ist und er mal nicht arbeiten muss.

Und als ich ihn dann zum gefühlten 10. Mal frage, ob er nun mitkommen wird, erzählt er mir seine Bedenken: Dass er denkt, dass es wieder einen Anschlag geben wird. Dass etwas passieren wird. Er fürchtet um unsere Sicherheit.

Letztendlich haben wir doch beschlossen hinzufahren. Aus welchen Gründen, erläutere ich euch später.

Wo sind die Kostüme?

Am 19. Februar 2017 fuhren wir also los. Zwischendurch fragte ich mich innerlich, ob ich mich im Datum vertan hätte. Weit und breit keine Perücken oder anderweitigen Verkleidungen zu sehen. Hallo? Es ist Sonntag am späten Vormittag! Wo seid ihr alle?

Je weiter wir in die Stadt kommen, desto mehr sehen wir auch die Kostümierten herumlaufen. Ein Glück! Wir werden nicht die einzigen sein, die am Fachingsumzug teilnehmen.

Mit Kind zum Faschingsumzug - Mutter und Kind im Kostüm in der S-Bahn

Zwischendurch sacken wir noch die Oma ein (auch nicht im Kostüm, Frechheit) und fahren dann gemeinsam zum Olivaer Platz. Was wir uns hätten denken können: Mit den Öffentlichen kommt man nicht direkt zum Olivaer Platz. Es wurde weiträumig abgesperrt. Fette Fahrzeuge versperren die Straßen. Polizei noch und nöcher. Mein Mann staunte nicht schlecht. Und war etwas beruhigter, wie alles abgesichert wurde.



Segnung

Wir mussten noch eine Weile zu Fuß laufen und kamen punktpünktlich am Olivaer Platz an. Es gibt eine kurze und knackige Einführung. Denn es ist schon 11:10 Uhr und um 11:11 Uhr soll es losgehen.

Mit Kind zum Faschingsumzug - Rede am Olivaer Platz

Bevor sich die Fahrzeuge in Bewegung setzen, wird der Faschingszug gesegnet. Wir wollen alle Spaß haben. Singen. Lachen. Tanzen. Und alle wieder heil nach Hause kommen. Es soll keine Verletzten geben. Darauf ein dreifaches „Hejo!“ und es kann losgehen.

Stimmungskanone

Es gab Trommler und Trompeter in genialen Kostümen, die wirklich gut Stimmung gemacht haben.

Mit Kind zum Faschingsumzug - Musik am Olivaer Platz

Zwischendurch kamen aber auch Fahrzeuge, die einfach nur öde waren. Keine Musik. Auch nicht sonderlich geschmückt. Nicht mal Süßigkeiten!

Und dann kam die ultimative Stimmungskanone: Ein Doppelstockbus mit eigenem Sänger, super coolen Kostümen und genialer Mucke! Es gab ohne Ende Süßigkeiten, die in einer Tour ins Publikum geschmissen wurden. Konfetti durfte auch nicht fehlen. Es war eine super Stimmung! Wir sind von da an neben dem Bus gelaufen. Und auch viele andere Menschen entschieden sich, neben dem Bus mitzulaufen.

Mit Kind zum Faschingsumzug - Stimmungskanone Doppelstockbus

Es hat echt Spaß gemacht. Der kleine Mann verbrachte die Zeit manchmal im Kinderwagen. Aber dann wollte er auch raus und mitlaufen. Hat gelacht und getanzt. Versucht, rückwärts zu laufen. Es war echt süß. Die anderen mussten über sein süßes Indianerkostüm schmunzeln. Sie fanden es wirklich niedlich. Und ihn auch. Ja, die Stimmung war schon echt dufte.

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Sicherheit

An den Kreuzungen waren wieder haufenweise Polizisten und fette Fahrzeuge zu sehen, die die Querstraßen versperrten. Ab und zu liefen Polizisten neben uns her (auch die echten). Man fühlte sich wirklich sicher.

Als wir jedoch neben einem riesigen Stier liefen, bekam es der kleine Mann mit der Angst zu tun. „Schützich!“, rief er zu uns und wollte auf den Arm. Er wollte, dass wir ihn beschützen. Andere ließen sich mit Freude mit dem Stier fotografieren. Das hatten wir anfangs auch vor. Aber, wie gesagt, der kleine Mann hatte Angst. Daher ließen wir es sein und machten uns auf und davon.

Mit Kind zum Faschingsumzug - Stier

Gedächtniskirche

Wir gingen vom Olivaer Platz bis zum Wittenbergplatz. Als wir an der Gedächtniskirche vorbei liefen, wurde sämtliche Musik abgestellt. Hier gab es keine Partystimmung. Keine Musik. Kein „Hejo!“ oder sonstwas. Es wurden noch Süßigkeiten verteilt, aber mehr auch nicht. Schlagartig wurde die Stimmung eher drückend.

Die Menschen, die sich den Faschingsumzug die ganze Zeit an der Gedächtniskirche ansahen, hatten wohl eher das Bild eines öden Umzugs. Schließlich wurde keinerlei Musik gespielt. Keine freudigen Gesichter. Kein Gelächter. Nichts. Nur wenige Meter vor und hinter der Gedächtniskirche kam wieder Stimmung auf. Es war ein seltsames Bild.

Und als wir am Wittenbergplatz angekommen waren, machten wir eine kleine Snackpause. Mümmelten unsere mitgebrachten Stullen und machten uns dann alsbald auf den Heimweg.


Öffentliche Veranstaltungen mit Kind? Ja!

Und nun sind wir wieder zu Hause und ich bin froh, dass nichts passiert ist. Keine Verletzten. Oder gar Tote. Es lief alles gut.

Ich erinnere mich an eine kurze Unterhaltung mit meiner Oma. Sie meinte, wenn man sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, wenn man solche Veranstaltungen besucht, ist das eine Sache. Aber wenn man das Leben seines Kindes aufs Spiel setzt… (sie beendete den Satz nicht)… Man würde seines Lebens nicht mehr froh werden, wenn man den Anschlag überleben würde, aber nicht das eigene Kind…

Ich sitze jetzt hier und denke drüber nach, ob es das Risiko Wert war…

Mit Kind zum Faschingsumzug - Blumenfrau

Hätte, würde, könnte…

Durchaus hätte es schief gehen können, denke ich. Ich weiß nicht, ob ich dann anders hierüber denken würde. Ich hoffe es nicht. Denn es kann immer und überall was passieren. Es muss nicht mal ein Anschlag sein. Uns kann ein LKW überfahren. Wir hätten in eine Schlägerei geraten können. Mein Kind hätte in den Massen verloren gehen können. Mein Kind hätte entführt werden können. Es hätte eine Massenpanik geben können. Wir hätten totgetrampelt werden können. Und und und…

Was ich damit sagen will, ist: Es kann immer was passieren. Immer. Egal, ob gewollt oder ungewollt. Anschläge. Unfälle. Und wenn ich mir jedes Mal, wenn ich mit meinem Kind nach draußen vor die Tür gehen will, vorstelle, was alles passieren könnte… Ich würde das Haus nicht mehr verlassen wollen. Und das ist kein Leben.

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Wie man leben will

Es ist auch eine Frage, wie man leben will. Denn auch, wenn immer und immer wieder Anschläge passieren würden, würde ich mit meinem Kind besondere Veranstaltungen besuchen wollen. Nicht, weil ich es liebe, uns in Gefahr zu bringen. Es geht darum, wie man sein Leben leben will. Natürlich kann man immer in Angst, dass etwas Schlimmes geschehen könnte, zu Hause bleiben. Solche Veranstaltungen meiden. Aber dann lässt man sein Leben von Angst bestimmen. Und das will ich nicht.

Ich will nicht in ständiger Angst leben. Und diese Angst will ich auch nicht auf mein Kind übertragen. Das bedeutet nicht, dass ich es unbeaufsichtigt lasse. Es ist immer ein Auge auf den kleinen Mann gerichtet. Und gerade auf Veranstaltungen mit vielen Leuten muss man sein Kind immer im Auge behalten. Aber eben nicht im übertriebenen Maße, wenn ihr versteht.

Mit Kind zum Faschingsumzug - Mutter und Kind laufen mit

Ich zwinge den kleinen Mann auch nicht, permanent an meiner Hand zu laufen. Ich lasse ihm diese Freiheit. Wenn er auf den Arm will oder meine Hand halten will, gern. Aber ohne Zwang. Sicherlich gibt es Situationen, in denen diese Regel gebrochen werden muss, aber darum geht es jetzt gar nicht.

Vertrauen

Warum wir uns auch dafür entschieden hatten, diese Veranstaltung zu besuchen: Vertrauen. Wir vertrauen darauf, dass diese Veranstaltung gesichert wird. Durch weiträumige Absperrung zum Beispiel. Und durch die Polizei.

Aber sich nur auf andere zu verlassen, wäre dumm. Es ist auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dass man sich nicht blindlings auf andere verlässt. Man geht automatisch anders zu solchen Veranstaltungen. Man ist aufmerksamer. Hat die Augen offen. Sieht sich die Leute genauer an. Läuft auch nicht mitten in der Mitte. Lieber am Rand. Wenn was passiert, dann hat man am Rand weniger die Gefahr, von den panischen Massen überrannt zu werden.

Das sind so meine bzw. unsere Gründe, weshalb wir solche Veranstaltungen auch weiterhin besuchen und nicht meiden werden. Aber das kann ja jeder für sich selbst entscheiden, ob es ihm das Risiko Wert ist.

Wie denkt ihr darüber?


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