„Probier wenigstens mal.“

Kind schmollt vor Teller mit Brokkoli

*** TRIGGERWARNUNG: Essenszwang ***

Als Kind habe ich so gut wie alles gegessen. Und immer so viel, bis mir fast der Bauch platzte. Uff!

Doch eines Tages gab es Rosenkohl und ich wollte ihn – obwohl noch nie gegessen – nicht einmal probieren.

Sollten Kinder dazu angehalten werden, wenigstens mal zu probieren? Meine Meinung steht fest…

„Probier wenigstens mal.“

Wir saßen alle am runden Essenstisch im Wohnzimmer: Meine Eltern, meine Schwester und ich. Wie alt ich war, kann ich nicht genau sagen. Bestimmt schon im Grundschulalter.

Jedenfalls kochte meine Mutter am Wochenende immer lecker. Wochentags hatte sie nämlich keine Zeit wegen ihres Vollzeitjobs; ich aß dann in der Schulkantine.

Doch dieses Mal wollte sie wohl was Neues ausprobieren, weshalb es Rosenkohl gab.

Rosenkohl hatte ich zuvor zwar noch nie gegessen, doch war ich fest davon überzeugt, dass er mir nicht schmecken würde. Diese grünen, runden Kohlklöpschen sahen schon so aus (und rochen auch so), als würden sie mir nicht schmecken. Ich fing also an, alles bis auf den Rosenkohl aufzuessen.

Meine Mutter bemerkte natürlich, dass etwas übrig geblieben war, und beharrte nun darauf, dass ich wenigstens mal probieren solle. Ich weigerte mich. Ganz klar. Schließlich wusste ich am Besten, was mir schmeckte und was nicht. Was ich probieren wollte und was nicht.

Jetzt reicht’s

Die anfängliche Bitte meiner Mutter artete dann über die Zeit so aus, dass ich den Tisch nicht eher verlassen durfte, bis dass ich wenigstens einmal vom Rosenkohl probiert hätte.

Die anderen wollten natürlich nicht so lange warten, bis ich mich überwunden hatte, und verließen nacheinander den Tisch, um sich anderen Dingen zu widmen. Das Besteck und Geschirr war abgeräumt und meine Mutter in der Küche, um abzuwaschen. Mein Vater und meine Schwester machten irgendwas, nur nicht – wie ich – am Tisch festsitzen.

Keine Ahnung, wie lange ich da saß und vor mich hin grollte. Ich war wütend! Empört! Stinksauer! Und fuchsteufelswild! Ich wünschte meiner Mutter alles erdenklich Schlechte, weil sie mich dazu zwang, dieses Zeug zu essen, obwohl ich es nicht wollte. Innerlich wünschte ich mir, sie würde einsehen, dass es gemein von ihr gewesen war, mich zum Probieren zu zwingen, aber sie war mit mir schon zu sehr im vermeintlichen Machtkampf verwickelt, dass es für sie wohl kein Zurück mehr gab.


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Kapitulation

Wie lange es letztendlich gedauert hatte, bis ich mir dann doch ein winzig kleines Stück vom Rosenkohl angewidert in den Mund schob, weiß ich nicht mehr. Es war das geringere Übel, wenn ich mir vorstellte, stattdessen den Rest meines Lebens an diesem Tisch sitzen zu müssen.

Dass der Rosenkohl nicht so bitter schmeckte, wie ursprünglich angenommen, machte das miese Gefühl in mir aber auch nicht besser.

Ich wurde gezwungen. Mir wurde zwar nicht, wie so manch anderem armen Wurm das Essen unter körperlicher Gewalt in den Mund gestopft, aber es war auch nicht angenehm, gezwungen zu werden, etwas zu essen, das ich nicht essen wollte, indem man mir nicht eher gestattete, den Tisch zu verlassen, bis ich wenigstens mal probiert hatte.

Das ist es, was diese Erinnerung an das Rosenkohlessen so unerträglich für mich macht. Das Gefühl, dass jemand über deinen Körper entscheidet. Dir begreiflich macht, dass du nichts, aber auch gar nichts dagegen tun kannst, dich dagegen aufzulehnen. Du willst es nicht, aber das zählt nicht. Du darfst diesen beschissenen Tisch nicht eher verlassen, bis dass dieses winzig kleine Stück Rosenkohl in deinem Mund gelandet ist, du gekaut und es heruntergeschluckt hast.

Das i-Tüpfelchen

Was das damalige Verhalten meiner Mutter noch unbegreiflicher macht, kam erst Jahre später ans Tageslicht, als sie mir erzählte, sie wäre damals von ihrer Mutter – meiner Oma – ebenfalls gezwungen worden, etwas zu essen, das sie nicht essen wollte. Ihr wurde gedroht, sie dürfe sonst nicht mithelfen, den Weihnachtsbaum zu schmücken.

Kind schmollt vor Teller mit Brokkoli

Meine Mutter war anscheinend ein noch größerer Dickschädel als ich, denn sie aß keinen einzigen Bissen davon und durfte dann zur Bestrafung auch nicht den Baum schmücken.

Warum sie genau dieses Szenario mit ihrer eigenen Tochter – mir – Jahre später nachspielen musste, begreife ich nicht. Es ist absurd! Und macht mich unfassbar wütend. Sie hätte hier – in ihrer eigenen Erziehung – aus dem Teufelskreis ausbrechen können. Tat es aber nicht. Sie wusste, was sie mir damit antun würde, schließlich hatte sie es selbst einst als Kind miterlebt, und war trotzdem der Meinung, es genau so handhaben zu müssen. Warum???

Mein Kind muss nicht probieren

Was mich diese Erinnerung gelehrt hat: Niemals werde ich mein Kind – oder sonst jemanden – zwingen, etwas (auf) zu essen, wenn es das nicht will. Weder mit Bestrafung, noch mit Belohnung, körperlicher Gewalt oder sonst irgendwie. Und nein, mein Kind muss noch nicht mal probieren, auch, wenn es dieses und jenes noch gar nicht kennt und noch gar nicht wissen kann, ob es ihm schmeckt oder nicht.

Natürlich ist es schade, wenn ich etwas gekocht habe, was mein Sohn dann nicht anrührt. Ich habe mir Mühe gegeben. Zeit investiert. Trotzdem ist mein Selbstwertgefühl oder unsere Beziehung nicht davon abhängig, ob mein Kind mein Essen mag oder nicht. Ich akzeptiere es, wenn mein Sohn auch mal etwas eklig findet und nicht essen oder probieren will. Dann biete ich Alternativen an, damit er nicht hungern muss.

Bei uns gibt es kein Lob fürs Probieren oder Aufessen, keine Bestrafung fürs Nichtprobieren oder Nicht(auf)essen. Keine Manipulation in Form von „Sonst scheint die Sonne nicht.“ oder „Dann bin ich aber traurig.“. Ich mache kein Spiel daraus, indem ich den Löffel in ein Flugzeug verwandel, das in seinem Mund landen will.

Essen ist bei uns, was es ist: eine ganz natürliche Sache, die nicht als Druckmittel eingesetzt wird. Essen wird bei uns mit Spaß, angenehmer Atmosphäre, gemütlichem Beisammensein, Entspannung, manchmal aber auch mit wilder Unterhaltung verbunden.

Kind lacht beim Picknick

Ich finde es schön, dass mein Sohn auch mal Sachen probiert, die ich nie im Leben angerührt hätte. Rote Bete. Oliven. So komme ich auch mal dazu, Neues auszuprobieren. Im Umkehrschluss lässt er sich von unseren Vorlieben auch sehr gern anstecken. Sowohl mein Mann als auch ich sind wahre Sushi-Fans. Wir lieben Sushi. Unser Sohn mag übrigens die Avocado Maki am Liebsten.

Ja, ich muss sagen, dass Essen bei uns ziemlich entspannt abläuft. Die Zeit war gekommen, mich meiner Vergangenheit zu stellen.


Kriegsbeil begraben

19 Jahre etwa habe ich dieses grüne Gemüse nicht angerührt. Das war wohl der sogenannte Garcia-Effekt, über den Dr. Herbert Renz-Polster in seinem Buch „Kinder verstehen: Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt“* schreibt: „Hat ein Nahrungsmittel einmal Übelkeit oder Erbrechen ausgelöst (…), so wird es langfristig abgelehnt. Eine einzige schlechte Erfahrung reicht dabei aus, um das jeweilige Nahrungsmittel jahrelang zu meiden (…).“

19 Jahre (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) sollte es dauern, bis ich mit der Vergangenheit und dem Rosenkohl Frieden schließen wollte und mir ein Rosenkohlrezept aussuchte. Es versprach, ganz lecker zu sein, also probierte ich es aus. Weil ICH es wollte. Weil mich niemand dazu zwang. Ich entschied selber, ob und wann ich damit reinen Tisch machen würde.

Am Ende hat es mir trotzdem nicht geschmeckt, aber ich hatte selbst entschieden, der Vitamin C Bombe noch eine Chance zu geben. Niemand hatte mich gezwungen, niemand hatte mich gebeten. Es war meine Entscheidung. Und damit konnte ich das Kapitel Rosenkohl endlich ad acta legen.

Was aber wäre gewesen, wenn ich nie zum Probieren gezwungen worden wäre? Wenn es mir weiterhin angeboten, aber freigestellt worden wäre, ob ich es essen möchte oder nicht? Hätte das Vorbild meiner Schwester und meiner Eltern, die gern Rosenkohl essen, gereicht, damit ich ihn auch irgendwann mal probiert hätte? Hätte ich Rosenkohl irgendwann auch mal gern gegessen, wenn man mir die Zeit damit gegeben hätte?

Hätte, hätte, Fahrradkette – Ich kann nur drüber spekulieren. Aber ich bin heilfroh, dass mit mir das Thema Essenszwang endlich ein Ende gefunden hat.

Wenn dich das immer noch nicht beruhigt und du dir weiterhin Sorgen um dein Kind machst, weil es so ein „schlechter Esser“ ist, empfehle ich dir das o.g. Buch von Dr. Herbert Renz-Polster sowie das Buch „Mein Kind will nicht essen“* von Dr. Carlos González.

Wurdest du schon mal zum Essen gezwungen? Konntest du deinen Frieden damit finden?

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Über Julia

Hallo! Ich bin Julia, 26 Jahre alt und blogge seit 2016. Ich bin Mutter eines kleinen Mannes (geb. 2015) und bastel mit Leidenschaft.
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11 Gedanken zu „„Probier wenigstens mal.“

  1. Meine Jungs,mittlerweile 10 Jahre alt,mussten nicht den Teller leer essen…
    Bei uns gibt es die Regel,dass alles probiert wird,wenn es nicht schmeckt,muss es nicht aufgegessen werden…
    Das machen wir bis heute so und auch bei Mäuschen Nummer 3…
    Rosenkohl mögen meine Jungs gar nicht,Ich liebe ihn…Dafür waren es nur wenige Speisen bis jetzt,die sie wirklich gar nicht essen…darauf nehme ich Rücksicht…denn was mir nicht schmeckt,bereite ich ja auch nicht zu…😊😊😊

    • Hallo Sandra,
      das ist schön, dass du da Rücksicht auf die Geschmäcker aller nimmst. Das kenne ich – auch aus eigener Kindheit – so. Ich war Vegetarier und unsere Mutter hat (fast) immer einen Extratopf ohne Fleisch für meine Schwester und mich gemacht. Würde bestimmt auch nicht jede/r so machen 😉
      Eine Frage, wenn auch etwas provokant – bitte verzeih mir das, aber es macht mich einfach neugierig – hab ich dann aber doch, und zwar: Was machst du, wenn deine Jungs auch nicht probieren wollen? Was machst du? Was sagst du? Wie reagierst du?
      Würde mich wirklich sehr interessieren, wie du an die Sache rangehen würdest.
      Liebe Grüße
      Julia

  2. Alles, was Zwang ist, ist schädlich.
    Ich wäre glaube ich so trotzig gewesen, dass ich den Rest meines Lebens an diesem Tisch gesessen hätte. Ich hätte NICHT probiert.

    • Hallo Kara,
      ja, so viel Disziplin hätte ich mir auch für mein kleineres Ich gewünscht. Freut mich, dass du diese Dickköpfigkeit gehabt hättest 🙂 Klingt so, als wärst du nicht gezwungen worden. Liege ich damit richtig?
      Liebe Grüße
      Julia

  3. Hallo 🙂

    Also ist kann da aus eigener Erfahrung berichten, dass ich meinen Eltern heute noch dankbar bin, dass ich wirklich alles probieren und essen musste, was auf den Tisch kam. Heute mag ich nämlich fast alles und auch wenn es mir nicht so schmeckt, esse ich es trotzdem. Daher haben mich auch alle Freunde/Verwandte/Bekannte die ich besuche gerne zu Gast, da ich beim Essen nicht heikel bin 😉 Meinen Geschwistern und mir wird auch heute noch oft von Erwachsenen gesagt, wie gerne sie uns Kinder zu Gast hatten, da wir wirklich alles gegessen haben 😀

    • Hallo Jenni,
      bevor ich weiter antworte, würde ich gern noch erfahren, wie dieser Zwang zum Essen und Probieren bei dir in der Kindheit genau aussah. Wie wurdest du gezwungen? Kannst du dich daran erinnern und das näher beschreiben?
      Ich zweifle stark daran, dass ein Kind, welches unter Gewalt von seinen Eltern zum Essen gezwungen wurde (z.B. Nase zu halten, Mund auf, Essen rein), tatsächlich von Dankbarkeit sprechen würde. Das klingt für mich nämlich eher nach Verdrängung und Leugnung.
      Liebe Grüße
      Julia

  4. Hallo Julia,

    nein, Nase wurde mir nie zu gehalten und das Essen mit Gewalt in mich reingestopft, aber wir mussten schon am Tisch sitzen bleiben, bis wir aufgegessen hatten 😉 Natürlich habe ich mich als Kind geärgert, aber das habe ich mich auch, wenn ich mein Zimmer aufräumen musste. An meine Kindheit kann ich mich noch sehr gut erinnern – so alt bin ich noch nicht 😉
    Liebe Grüße,
    Jenni

    • Hallo Jenni,
      schön, dass du geantwortet hast 🙂
      Aber wärst du heute – ohne Zwang zum Aufessen/Probieren – nicht vielleicht auch das, was man allgemein unter einem „guten“ Esser versteht? Selbst wenn nicht, was wäre so schlimm daran? Jede/r hat andere Vorlieben. Das ist doch völlig ok.
      Ich habe das Gefühl, dass du deshalb von Dankbarkeit sprichst, weil du damals und heute durch dein unkompliziertes Essverhalten willkommen warst/bist.
      Denkst du nicht, dass du das auch mit deinem ganz eigenen Körpergefühl gewesen wärst?
      Wenn die Leute unzufrieden mit dir wären, bloß, weil du manches Essen nicht gern, manches aber lieber isst, sagt es m.M.n. mehr über sie aus als über dich. Nämlich, dass sie ihr Selbstwertgefühl davon abhängig machen, ob jemand ihr Essen mag oder nicht. Dass sie jemanden so haben wollen, wie SIE wollen und nicht, wie er/sie tatsächlich ist.
      Wenn du etwas nicht so gern isst, sagt es was aus? Lediglich, dass du Vorlieben und Abneigungen hast. Es bedeutet nicht, dass du jemanden nicht magst oder mehr magst.
      Noch dazu: Will ich von jemandem willkommen geheißen werden, bloß, weil ich immer sein Essen esse, obwohl ich es gar nicht mag? Was sagt das über diese Menschen aus? Hätten sie mich nicht gern als Gast, wenn ich nicht alles (auf)esse, was sie servieren? Ist mein Essverhalten wichtiger als meine Persönlichkeit? Hätte mein ganz eigenes Ich nicht gereicht, dass sie mich gern bei sich gehabt hätten? Hätten sie mich dann tatsächlich ausgeschlossen?
      Natürlich hast du dich als Kind geärgert, wenn du am Tisch so lange sitzen bleiben musstest, bis du aufgegessen hattest. Dir wurde dein Körpergefühl abgesprochen. Du warst satt oder hast etwas nicht gemocht und musstest es trotzdem aufessen. Warum? Warum wurde dir diese Gewalt angetan? Frag doch mal deine Eltern, warum du aufessen musstest.
      Ich will dir deine Freunde, Familie usw. nicht schlecht reden. Ich will nur nicht, dass du dir etwas schönredest, obwohl es nichts Schönes war.
      Zwang zum Essen und Zwang zum Zimmer aufräumen kann man auch nur bedingt miteinander vergleichen. Ja, beides ist gegen deinen Willen von dir verlangt worden – unter Androhung einer Strafe (du darfst den Tisch nicht verlassen beim Essen; beim Aufräumen vielleicht, dass dann die große, blaue Mülltüte kommt – so war es zumindest bei mir). Aber beim Essen wurde in das Vertrauen in deine körperlichen Fähigkeiten eingegriffen. Das bedeutet nicht, dass es nicht weniger schlimm war, zum Aufräumen gezwungen worden zu sein. Versuch, diese Gewalt nicht herunterzuspielen, die dir widerfahren ist – das möchte ich nur sagen.
      Sei offen und ehrlich, was da geschehen ist. Schreibe es vielleicht mal auf – nur für dich. Wie hast du dich dabei gefühlt? Was hättest du dir von deinen Eltern gewünscht?
      Alles Liebe
      Julia

      • Hallo Julia,

        ich bin mir sicher, dass ich von diesen Menschen sicher weiterhin eingeladen worden wäre, wenn ich nicht alles gegessen hätte – aber vielleicht hätten sie mich dann nicht immer zum Essen miteingeladen (wer will schon kochen und dann wird es nicht gegessen 😉 ).
        Wenn es als Kind nach mir gegangen wäre, dann hätte ich mich von Süßigkeiten, Nudeln, Pommes, Pizza und Schnitzel ernährt. Ich denke, dass mein Geschwister und ich gerade deswegen so gut wie alles mögen – weil wir eben alles essen mussten, denn Geschmacksnerven gewöhnen sich an Geschmäcker 😉 Ich bin im nachhinein auch sehr dankbar dafür, weil meine Geschwister und ich sehr viel in der Welt herumgereist sind (Thailand, USA, Pakistan, Indien etc.) und wir daher nicht verhungert sind – denn wenn man in einem Thailändischen oder Pakistanischen oder Indischen Bergdorf sitzt und nur das Essen bekommt, dass die Einheimischen dort essen und man jemand ist, der vieles nicht mag, dann gibt es dort nichts was dir schmeckt. 😉
        Ich bin wirklich offen und ehrlich und finde es voll ok, wenn ein Kind etwas essen muss, was ihr/ihm nicht schmeckt, denn vielleicht es es gesundheitlich ja auch notwendig, dass es das isst.
        Ich habe auch das „Glück“ meiner Schwägerin zu zu sehen, die 4 Kinder hat und jedes ihrer Kinder musste nur das Essen, was es mochte. Inzwischen kocht sie zu Mittag 4 verschiedene Menüs, denn das eine mag das nicht und das andere das nicht. Sie ist fertig, denn sie ist nebenbei auch noch berufstätig.
        Zurück zu meiner Kindheit:
        Ich musste auch nur dann alles vom Teller essen, wenn ich es selber genommen hatte. Wenn meine Mama mir das Essen auf den Teller gegeben hatte, musste ich nicht alles wegessen, denn dann hatte sie mir einfach zu viel gegeben, aber ich musste immer von allem etwas essen. Und wirklich, so unglaublich das klingt, ich bin meinen Eltern heute wirklich dankbar dafür, denn hätten sie das nicht gemacht, würde ich heute vieles sicher nicht essen (und da wären Nahrungsmittel dabei, die für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind.).
        Alles Liebe,
        Jenni

  5. Hallo Julia,

    beim Essen weiß ich nicht mehr wie das ablief aber bei anderen Dingen lief viel mit Zwang und Bestrafung ab wenn man nicht so funktionierte wie es die Eltern wollten. Und es hat seine Folgen im Erwachsenen Alter.
    Wir hier leben unter einem Dach d.h. Kindheitstrigger gepaart mit Generationskonflikt. Großeltern mischen auch gerne ungefragt mit. Wir haben zurzeit das Brotrinden-Dilemma, an dem ich Schuld sein soll, weil ich es vorgelebt habe. Nunja, ich mag Brotrinde nicht, essse sie aber als Vorbildfunktion nun mit. (Widerwillig)
    Mein Kind bekommt das Brot in Stücke geschnitten und bunt angerichtet. Den einen Teil mit Rinde wird gegessen der andere Teil wird abgeknabbert und bleibt liegen, also nur die Rinde. Vielleicht so 3-4 Stück. Von mir aus soll er sie liegen lassen ggf. Versuch ich ihn zu motivieren sie mit extra viel Streichwurst zu essen. Mal gelingts mal nicht. Ich möchte uns da keinen Stress machen. Es folgen aber leider auch per Einmischung folgende Leitsätze „das macht mich aber traurig, dass du….“ bis zu Bestrafung (was anderes ist das ja auch nicht) „Dann gibt es nichts anderes am Tag zu essen als das hier“ alles unter dem Deckmantel „Konsequentes Handeln“ – „Das Kind hat nicht zu bestimmen“. Mein Bauchgefühl würde am liebsten sagen „Probieren ob der Rest auch noch in den Mund findet aber es ist ok wenn du nicht magst“ und trotzdem gibt’s einen Joghurt oder ein Keks am Nachmittag. Mir ist wichtig das immerhin das Brot gegessen wird plus die Wurst mit drauf, ohne immer damit zu spielen und zu zermatschen. Und wenn der Spinat auf einmal nicht mehr schmeckt, gibts die Nudeln halt nur so. Die isst er dann auch. Extra kochen gibts nicht ansonsten gibt’s ne Stulle. Aber nix essen und dann nur Süßes das gibt’s auch nicht. Auch die Großeltern haben div. Dinge die ihnen nicht zusagen und auch das ein oder andere wurde noch nie probiert aber von vorne rein gesagt „ih das mag ich nicht“. Aber Da spielt dann der Leitsatz „Erwachsene dürfen das“ ne Rolle. Find ich och doof. Ich denke es spielt auch ne große Rolle wie ich versuche mein Kind dahingehen zu motivieren etwas Neues zu probieren. Sitzen lassen, alle anderen dürfen aufstehen du aber nicht, irgendwas verbieten oder anschreien oder so… absolutes NO GO!!!! Essen soll genussvoll sein nicht grauenvoll.

    • Hey Sam,
      wie du eure Situation beschreibst, klingt sehr anstrengend. Ich würde mir da auch nicht reinreden lassen. Tipps kann man sich immer gern anhören, aber dann für sich und sein Kind entscheiden, ob man diesen Tipp annimmt oder doch lieber nicht. Kleine Kinder – gerade zu Beginn der Beikost – wollen einfach nur mit dem Essen mantschen, damit spielen, es in den Mund nehmen, spucken es auch wieder aus, schmieren es auf ihrem Teller (und dem Tisch) hin und her usw. – Und es ist wichtig, dass wir unsere Kinder diese Erfahrung nicht nehmen. So machen sie nämlich ihre ersten Erfahrungen mit dem Essen. Sie lernen es kennen. Da braucht sich niemand sorgen, dass das im Erwachsenenalter noch genau so gehandhabt wird, denn das macht ihr ja nicht, die ihr Vorbilder seid.
      Alles, was mit Zwang zu tun hat, sei es emotionale Erpressung (das macht mich aber traurig), Bestrafung (dann gibt es nicht anderes am Tag zu essen als das hier) ist schädlich und trägt keineswegs dazu bei, dass das Kind positive Erfahrungen mit Essen machen kann. Wer isst schon gern unter Druck?
      Wenn ich ein Verhalten meines Kindes nicht verstehen kann, versuche ich mich immer gern, in es hineinzuversetzen. Es mag keine Rinde vom Brot essen. Ok. Dafür mag ich z.B. keine rote Bete, die mein Sohn liebend gern isst. Was ich sagen will: Wir haben alle Abneigungen und Vorlieben und das sollte respektiert werden; immerhin sind wir alle Individuen.
      Deshalb möchte ich dir ans Herz legen, auch dazu zu stehen, dass DU selbst auch keine Rinde gern isst. Womöglich warst du hier eine Vorbildfunktion für dein Kind. Das erinnert mich an meinen Opa, der zum Frühstück gern keine Butter auf sein Brot strich, abends aber schon. Ich habe das als Kind irgendwann übernommen und es war ok für alle – auch wenn meine Oma erst komisch geguckt und sich gesorgt hat. Aber sie sah, dass mein Opa ja auch keine Butter auf seine Stulle tat, von daher…
      Bleib dir treu und steh dazu, dass du nunmal manches mehr und manches weniger und manches überhaupt nicht magst. Das ist völlig normal und verständlich.
      Essen soll genussvoll sein, nicht grauenvoll – Du sagst es! Und das darf nicht nur für Erwachsene gelten. Wie unvorstellbar unfair wäre das sonst?
      Sam, ich möchte dir gern einen Beitrag von mir da lassen, in dem es darum geht, was man tun kann, wenn andere Erziehungsstile (wie beispielsweise die der Großeltern) mit dem eigenen kollidieren. Ich bin da ganz bei deinem Kind und hoffe, dass du stark genug für sein Bedürfnis eintrittst. Du musst es unbedingt vor Druck, Strafen, Erpressung usw. schützen!
      Alles Liebe euch und melde dich mal.
      Julia

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