Selbstbestimmter Medienkonsum

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Viele Eltern sind unsicher, wie lange und wie oft ihre Kinder Medien konsumieren dürfen. Damit die Kinder nicht den ganzen Tag vor der Glotze sitzen, müssen Regeln und feste Zeiten her…

… oder auch nicht? Mein Fazit nach gut einem Jahr selbstbestimmtem Medienkonsum liest du im heutigen Beitrag. Und du wirst sehen: Es ist nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht.

Selbstbestimmter Medienkonsum

Wenn sich unsere Kinder für Handy, Smartphone, iPhone, iPad, Tablet, Laptop, Computer, Fernseher & Co. interessieren, geht uns der Arsch gründlich auf Glatteis, denn wir wissen nicht, wie viel Medienkonsum gesund und ungesund ist, wie lange und wie oft sich unsere Kinder in welchem Alter damit beschäftigen dürfen usw.

Und dann gibt es ja immer die große Angst vor der Sucht. Dass uns unsere Kinder, sollten wir ihnen mal den kleinen Finger reichen, gleich den ganzen Arm abreißen und gar nicht mehr von diesem Teufelszeug wegzubekommen sind.

Damit das nicht passiert, braucht es in der Erziehung feste Zeiten, klare Regeln, Einschränkungen und natürlich auch Verbote. Vielleicht gibt es mal eine Ausnahme, wir sind ja keine Unmenschen, aber an sich muss dieser Medienkonsum kontrolliert und reguliert werden.

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Was wäre, wenn…?

Vielleicht hast du dich schon mal gefragt, welche Folgen das hätte, wenn du dein Kind einfach machen lassen würdest. Wenn du dir den Satz „Noch 5 Minuten, dann mach ich aus.“, den darauf folgenden Tobsuchtsanfall deines Kindes sowie dein immer dünner werdendes Nervenkostüm einfach mal sparen würdest.

Womöglich tauchen in dir Bilder von viereckigen Kinderaugen auf, weil es den ganzen Tag nichts anderes macht, als vor der Flimmerkiste zu sitzen und zu zocken, gemeinsam mit Chipstüte und Eistee versteht sich.

Dazu kommen stickige Luft, verkümmernde Kreativität, Sprachprobleme, Fettleibigkeit, Akne, Krankheit und der Fakt, dass dein Kind keine Freunde (mehr) hat, weil es nie raus will und seine bisherigen Kontakte der Technik vorzieht.

Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Kind guckt YouTube Video

Mit anderem Spielzeug spielt dein Kind schon lange nicht (mehr), es hat ja das Tablet. Dinge, bei denen es sonst so gern mitgemacht hat, kannst du jetzt allein machen, denn dein Kind ist inzwischen mit der Couch verwachsen.

Dein schlechtes Gewissen steigt ins Unermessliche, weil du dein Kind allein vor der Glotze sitzen lässt, damit du etwas Haushalt und andere Arbeit erledigen kannst. Ja, eine glückliche Familie sieht anders aus…

Doch was, wenn ich dir sage, dass wir unser Kind mit etwa 2 Jahren haben Tablet spielen, Videos, Filme und Serien gucken lassen, wie es ihm beliebte, und es nicht alles so furchtbar schlecht war, wie die breite Masse denkt und sagt?

Wie funktioniert das? Gibt es bei uns wirklich gar keine Einschränkungen? Hat freier Medienkonsum gar keine Nachteile und nur Vorteile? Das erfährst du in meinem schonungslos ehrlichen Resümee, das ich nach ca. einem Jahr gezogen habe.



Wie alles begann

An dieser Stelle muss ich gleich sagen, dass wir nicht von Anfang an unser Kind haben frei entscheiden lassen, was, wie oft und wie lange es das Tablet nutzen darf. Diesen Weg gingen wir tatsächlich erst etwas später.

Bis dahin gab es von uns ausgewählte YouTube Videos, die maximal 5 Minuten liefen. Sie entsprachen zwar den Interessen unseres Sohnes (Baufahrzeuge sind bis heute seine große Leidenschaft), vor allem aber sollten sie lehrreich sein. Ein Video reichte, dann wurde ausgemacht. Dass das unserem damals etwa 2-Jährigen nicht gefiel, kannst du dir sicher vorstellen.

Genau in dieser Zeit las ich Ruths Beitrag „Gebt den Kindern Zucker“, was oberflächlich betrachtet erstmal nichts mit dem Thema zu tun haben mag, doch die Aussage war grob gesagt: Selbstbestimmte Kinder machen ihre eigenen Erfahrungen und lernen, wenn ihnen etwas nicht gut tut. In diesem Fall z.B., dass Marshmallows zwar lecker sind, aber man aufhört, wenn man genug davon hat.

Denn dadurch, dass man nie reguliert wurde, blieb das eigene Körpergefühl bestehen und konnte dem Kind rechtzeitig melden „Ich hab genug Zucker. Ich will nicht mehr.“.

Im Falle von Fernseher & Co. lautet die Übersetzung dann wohl eher: Ein selbstbestimmtes Kind wird digitale Medien nie als eine Art verbotene Frucht ansehen, die es so lange und so oft wie nur möglich „inhalieren“ muss, sondern in dem Maße nutzen, in dem es ihm gut tut (meine persönliche Ergänzung: vorausgesetzt, seine Bedürfnisse wurden bisher und werden weiterhin „korrekt“ befriedigt).

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Alltag mit einem selbstbestimmten Kind

Wie ist der Alltag so, mit einem Kleinkind, das so oft und so lange Tablet spielen und TV gucken darf, wie es will?

Bei uns laufen die Tage i.d.R. so ab: Mein Sohn isst gern vor dem TV Frühstück. Danach macht er ihn entweder selber aus oder lässt ihn laufen und spielt mit mir oder dem Papa eine Runde im Kinderzimmer. Von Bücher lesen über Basteln, Experimentieren und sich eigene Spiele und Wörter ausdenken bis zur wilden Verfolgungsjagd ist alles dabei, von mangelnder Kreativität kann hier wirklich nicht die Rede sein.

Dann möchte er gern Mamamilch trinken, am Liebsten auf der Couch, während wir gemeinsam eine Folge oder einen Film ansehen, während ich, soweit es möglich ist, das Mittagessen vorbereite. Wir essen also danach gemütlich Mittag (manchmal vor dem Fernseher, manchmal läuft er nur im Hintergrund, manchmal ist er auch aus), evtl. gibt’s anschließend ein Mittagsschläfchen (was eher selten der Fall ist, leider) und danach geht’s ab nach draußen bis es Abend wird. Für Autofahrten nutzt Oliver gern das Tablet, ansonsten bleibt es unberührt im Rucksack.

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Oliver liebt Tablet und Fernseher, keine Frage, aber dann sagt er auch “ Mama, lass uns spielen.“ und das Ding ist aus. Wenn ich sage „Lass uns jetzt raus gehen und dies und das machen.“, muss ich keine breiten Diskussionen führen, ich muss kein tobendes, todunglückliches Kind trösten und begleiten. Es wird einfach gemacht, und zwar nicht, weil er sonst mit einer Moralpredigt oder Strafe rechnen müsste, sondern einfach, weil es für ihn keinen Grund gibt. Es ist ok für ihn.

Kind malt auf Tablet

Denn Fakt ist: Oliver weiß, er kann es jederzeit nutzen, weshalb er keinen Drang (mehr) verspürt, tagein, tagaus davor zu lungern.

Wie sieht es mit sozialen Kontakten aus?

Gegenüber Menschen ist Oliver allgemein ziemlich offen, begrüßt Fremde auf der Straße und zaubert ihnen ein Lächeln ins Gesicht, sorgt sich um weinende Kinder und spricht sie an, geht allgemein schon offen und selbstbewusst durchs Leben und hat keine Scheu, sich mit anderen zu unterhalten (außer, wenn es die anfängliche Schüchternheit bei Gästen und Besuchen ist oder wenn es darum geht, ob er mit fremdem Spielzeug spielen darf, da muss ich immer ran).

Das kann natürlich auch der Papa sein, der da in ihm zum Vorschein kommt, aber zumindest hat der Medienkonsum keine negativen Folgen auf sein Sozialleben, im Gegenteil. Oliver hat sich bestimmte Verhaltensweisen und Sprüche aus seinen Lieblingsserien abgeguckt und sie in seinen Wortschatz aufgenommen. Da haut er manchmal „Oh Junge!“ raus, und ich weiß schon „Ah ja, das ist Mickey Maus.“.

Aber bis sich das so eingependelt hatte, wie es heute ist, sollte einige Zeit vergehen und uns auch einige Nerven kosten…


Hochs und Tiefs

Ich muss sagen, der Anfang vom selbstbestimmten Medienumgang war echt nicht leicht und es schwebte erstmal die Angst mit, dass wir hier gerade richtig Mist bauen, indem wir unser Kind selbstbestimmt Tablet spielen und YouTube Videos schauen lassen.

Dadurch, dass wir die Zeiten am Tablet anfangs reguliert hatten, war aber klar, dass unser Sohn erstmal sämtliche Zeit, die ihm in seinen Augen „noch“ zur Verfügung stand, nutzen musste. Er wollte nicht raus, wollte nichts anderes spielen, es hieß nur Tablet, Tablet, Tablet (einen TV hatten wir zu dem Zeitpunkt nicht)… und wir ließen ihn… saßen neben ihm, ließen ihn nicht allein, begleiteten ihn, erklärten, wenn nötig.

Treffen sich ein Kind und ein Tablet - Mutter und Kind schauen Tablet

Irgendwann trauten wir uns dann auch mal, ihn allein auf der Couch sitzen und Tablet spielen zu lassen, während wir etwas kochten, aufräumten oder andere Dinge taten, die uns Freude bereiteten, ein Buch lesen zum Beispiel.

Ich gebe zu, es war schon schön und auch ein Stück befreiend, mal für einen Moment eine Verschnaufpause machen zu können. Sonst sah es nämlich so aus, dass unser Sohn 24/7 bespaßt werden wollte und sich nie mal für ein paar Minuten selber beschäftigte.

Auch die langen Autofahrten, die aus geschäftlichen Gründen jeden Monat auf uns zukamen, waren angenehmer, weil Oliver beschäftigt war. Statt ein Riesenrepertoire an Spielsachen für die lange Autofahrt mitzunehmen, alle paar Minuten anzuhalten, weil er keine Lust mehr auf den Autositz hatte, ewig lange zu warten, bis er wieder in den Kindersitz stieg, konnten wir nun einfach durchfahren. Das war schon toll, sparte viel Zeit, viele Nerven, weil wir ja immer pünktlich sein mussten usw.

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Nachteile

Doch ich bin ehrlich: Es war nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Ganz und gar nicht.

Die Anfangszeit wollte Oliver wie gesagt nicht raus, nichts unternehmen, er hockte nur am Tablet. Das machten wir auch mit, immerhin sollte er ja lernen, dass ihm das Tablet uneingeschränkt zur Verfügung stand und es nichts gab, was er heimlich machen oder „inhalieren“ muss, solange es da ist. Dass das eine ganze Weile dauern würde, wussten wir, darauf hatten wir uns eingestellt.

Kind malt mit Stift auf Tablet

Doch für meinen Mann war es leichter zu ertragen, da er ja auswärts arbeiten ging, sich mit Kolleg*innen und Freund*innen unterhalten, essen gehen konnte usw. Für ihn ging es wie gewohnt weiter.

Für mich hingegen war es schon schwer, weil ich ja sah, wie oft und wie lange (in meinen Augen ZU oft und ZU lange) der Kleine mit dem Tablet spielte. Wenn ich raus, einkaufen, mich mit anderen treffen oder einfach etwas draußen unternehmen wollte, gab es kein Herankommen an Oliver. Ich gab nach und wir blieben zu Hause… während ich immer öfter meine eigenen Bedürfnisse nach Abwechslung, Gesellschaft, Austausch, frischer Luft, Neuem uvm. missachtete.

Dazu kam, dass sich Oliver auf You Tube gern so richtig schlimme Videos ansah. Also kein Splatter, um Gottes Willen, die Altersbeschränkungen beachten wir dann doch. Es waren mehr diese furchtbar bunten, schrillen, Regenbogenquietscheentchenlalavideos voll ätzender Werbung, weißt du, was ich meine? Videos, in denen sich Erwachsene wie kleine Kinder verhalten und mit Babystimme sprechen oder – noch schlimmer – total monoton und langweilig ihren Text ablesen! Es war die Hölle für meine Augen und Ohren, ich hatte den Eindruck, mein Gehirn würde verkümmern, weil die so dämlich und hohl waren! Puh! Ich merke jetzt noch, wie wütend mich diese stupiden Filme gemacht haben.

Aber Oliver fand sie toll und drückte immer und immer wieder auf „Wiederholen“. Allmählich wich meine anfängliche Begeisterung, wie schnell er den Umgang mit der neuen Technik gelernt hatte, einem innerlichen Brodeln.

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Die Bedürfnisse aller zählen

Bis ich endlich kapierte, dass in einer Familie die Bedürfnisse ALLER wichtig sind, musste erst etwas Zeit vergehen und mich innerlich zum Explodieren bringen.

Doch dann begriff ich: Ich will nicht mehr in der Bude hocken und diesen Quark gucken. Ich will raus, andere Menschen treffen, mich austauschen, unterhalten, Freunde finden, Sonne tanken, Luft schnappen, den Wind in meinen Haaren spüren. Ich fühle mich erst so richtig wohl, wenn ich draußen bin, umgeben von Natur.

Auf der Suche nach gemeinsamen Lösungen

Das verstand Oliver nur leider nicht. Es dauerte also nochmal eine Ewigkeit, bis ich endlich zu ihm durchdringen und wir gemeinsam eine Lösung finden konnten.

1. Zeit

Manchmal brauchte er einfach etwas Zeit, bis wir uns losmachen konnten. Ein wenig Geduld meinerseits und wir waren beide glücklich.

2. Mitnehmen

An anderen Tagen wiederum reichte mein Vorschlag, dass er das Tablet mitnehmen und unterwegs schauen kann, und wir konnten uns auf den Weg machen.

12 von 12 - Mai 2017 - Kind guckt im Kinderwagen Tablet

3. Nachtwanderung

Und wiederum an anderen Tagen war irgendwas los und er ließ sich nur schwer bis gar nicht überzeugen. Dann ging ich, sobald der Papa zu Hause war, selber nochmal eine Runde oder wir machten gemeinsam eine Nachtwanderung. So kamen wir zwar erst abends raus, aber in meinen Augen war das definitiv besser als gar nicht.

Kind leuchtet bei Nachtwanderung mit Taschenlampe auf den Boden

4. Einlenken

Und wenn es gar nicht, wirklich gar nicht möglich war, dass wir rauskamen – das war immer dann der Fall, wenn Oliver gerade eine neue App oder eine neue Kinderserie für sich entdeckt hatte und das nun wie ein Schwamm aufsaugen musste – dann lenkte ich auch wieder ein, setzte mich neben ihn und las was auf dem Smartphone oder schrieb für den Blog. So war ich da, um ihm Gesellschaft zu leisten, konnte ggf. Fragen beantworten, musste mir den Kram aber nicht selber angucken.

5. Miteinander reden

Als Oliver dann älter wurde, lenkte auch er ein, wenn ich vorschlug, dass wir mal etwas anderes machen oder anschauen können.

So schafften wir es allmählich, all unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Vielleicht nicht in der Form, dass alle sofort und auf der Stelle glücklich waren, aber wir konnten ein angenehmes Gleichgewicht halten.

Wenn es spät wird

Manche Tage waren aber richtig ätzend, muss ich sagen. Dann wollte Oliver selbst mitten in der Nacht, als wir einfach nur schlafen wollten, weil wir unendlich müde waren, weiter gucken.

Kind schaut nachts Tablet

Ob wir uns dann dazu aufrafften und noch eine Weile gemeinsam mit ihm das ansahen, was ihn gerade so brennend interessierte, oder ob wir sagten „Nee, es ist jetzt echt spät, wir sind hundemüde und brauchen Schlaf, damit wir morgen voller Energie in den Tag starten können, du kannst entweder selber noch gucken (wir waren im selben Zimmer) oder machst jetzt aus und kommst schlafen.“, hing tatsächlich von unserer momentanen Verfassung ab.

Oftmals sah Oliver kurz weiter, kroch dann aber doch lieber unter die Bettdecke und schlief mit uns ein.

Manchmal saß er aber auch schon total müde auf der Couch und wollte trotzdem weitergucken. Da half meist ein klares, aber bestimmtes „Komm, mach aus und lass uns schlafen gehen.“. Erst, als er merkte, dass mir das wichtig ist und ich es ernst meine, kam er mit. Obwohl er schon total groggy war, brauchte er einen kleinen „Schubs“.

Aber wie so oft, kamen auch Extremfälle bei uns vor. Zum Glück nur selten, aber danach war auch der darauf folgende Tag im Eimer, weil wir alle übermüdet und gereizt waren.

„Was haben wir da nur angerichtet?!“, schoss es mir dann nach solch quälenden Nächten durch den Kopf. Ich machte mir Vorwürfe, dass eben nicht all seine Bedürfnisse erfüllt waren und mein Kind jetzt zum Suchti wird. Dass er anscheinend nicht weiß, was ihm gut tut und was nicht.

Tablet? Mir doch egal!

Verblüfft war ich allerdings, wenn wir draußen waren! Das Tablet hatten wir dabei, das wusste Oliver. Wir versteckten es nicht heimlich vor ihm, er hatte es selbst eingepackt.

Nur interessierte ihn das Tablet einfach nicht. Draußen war so viel los, dass er keinerlei Drang verspürte, damit zu spielen. Wir konnten den ganzen Tag mit anderen Menschen verbringen, mit Kindern spielen, neue Spielplätze entdecken, ohne dass einmal der Satz kam „Mama, ich will mein Tablet haben.“ Sobald wir jedoch zu Hause waren, saß er da wieder und tippte auf dem Display rum.



Angebote machen

Es war und ist noch heute wichtig, dass ich Oliver nicht einfach den ganzen Tag dem TV oder was auch immer überlasse, denn ich hab gemerkt, dass er schon ganz gern auch was anderes macht, wenn es ihm angeboten wird.

Ich suchte mir also ein paar Bastelideen heraus, um herauszufinden, ob sie Oliver interessierten. Manches interessierte ihn wirklich absolut nicht die Bohne, wenn er mich da werkeln sah, aber bei anderen Experimenten begannen seine Augen zu leuchten und er stieg drauf ein.

Das Gleiche wendete ich bei den Haushaltsaufgaben an, bei denen Oliver sonst immer total gern mitgemacht hatte, denn dieses Interesse hatte sich wirklich verändert, seit das Tablet eingezogen war. Sobald ich aber Oliver darauf hinwies, dass ich jetzt z.B. Wäsche wasche und ihn gefragt hab, ob er das Waschmittel einfüllen und die Waschmaschine einstellen will, kam er geflitzt.

Ebenso, als wir einen Spielplatz entdeckten, der Olivers aktuelles Interesse weckte: Flaschenzüge! Seitdem brauch ich nur das Wort „Hochziehspielplatz“ sagen (Oliver hat dem Spielplatz diesen Namen gegeben), und der Kleine lässt alles stehen und liegen und ist bereit, mit mir loszugehen.

Kind zieht am Flaschenzug auf Spielplatz

Und noch eine Art Angebot, das Oliver dazu ermutigte, auch mit seinem anderen Spielzeug zu spielen, so banal es auch klingen mag: Kinderzimmer aufräumen und die Spielsachen „hübsch“ präsentieren, wie z.B. in offenen, farblosen Kisten, auf Augenhöhe, in Szene gesetzt. Darauf fuhr Oliver total ab.

Es gibt doch Einschränkungen!

Das Wichtigste zum Schluss:

Wir haben uns natürlich darum gekümmert, das iPad kindersicher einzustellen, das bedeutet, dass der Kleine keine Spiele spielt und Filme sieht, die nicht für sein Alter geeignet sind. Beim iPad kann man das prima in der Rubrik Einschränkungen unter Einstellungen ändern. Wenn du ein Tablet mit Android hast, musst du dir dafür eine spezielle App besorgen, bei uns ist es Kindermodus.

Vielleicht mögen manche denken „Das ist aber nicht selbstbestimmt.“, für mich zumindest ist es vollkommen logisch, dass es meiner Verantwortung obliegt, mein Kind weder Pornos noch Horrorfilme o.ä. für sein Alter Ungeeignetes spielen bzw. gucken zu lassen.

Kind spielt auf iPad Feuerwehrspiel

Diese Einschränkung haben wir übrigens auch im Appstore bzw. im Playstore eingestellt. Allerdings erst, als Oliver einmal versehentlich einen In-App-Kauf getätigt hatte, nachdem er auf meinem Smartphone ein Spiel gespielt hatte. Er kann ja noch nicht lesen, hat einfach irgendwo drauf gedrückt und schwupps hatte er was gekauft. Das war auch echt ärgerlich, aber gut, das lag in meiner Verantwortung.

Es bedeutet ja nicht, dass Oliver sich nichts Neues kaufen darf, wir wollen einfach nur, dass er mit uns darüber redet und wir auch abwägen können, ob wir uns das gerade leisten können und ob dieses Spiel tatsächlich das enthält, was er sich vorgestellt hat.

Da wir seit Kurzem auch einen Fernseher bei uns stehen haben, schauen wir auch sehr gern Serien auf Netflix. Dort hat Oliver sein eigenes Kinderkonto, frei von nervender Werbung, auf dem Kinderfilme bis 12 Jahre laufen. Alles, was ab 12 Jahren empfohlen wird, ist – zu meinem Erschrecken – schon ausgesprochen brutal, das darf er tatsächlich nicht gucken und das begründen wir auch so für ihn.

Fazit

Es ist ok, wenn wir unsere Kinder auch mal allein spielen lassen, damit wir was anderes machen können, deshalb sollten wir kein schlechtes Gewissen haben. Wir sollten unsere Kinder aber nicht ständig und immerzu sich selbst überlassen.

Es ist ok, wenn das Kind keine Lust auf was anderes hat, aber wir sollten nie aufhören, sie daran zu erinnern, dass wir sie auch gern bei uns haben und ihre Gesellschaft und Mithilfe genießen.

Das kann man meiner Meinung nach gut zeigen, indem man sich neben sie setzt und einfach mal zuschaut, Interesse zeigt, mitmacht, dabei ist. Ich merke, dass Oliver dann immer sofort anfängt, mir was zu erzählen, obwohl er gerade eben noch ganz still da saß und alles beobachtet hat.

Eine andere Möglichkeit von Interesse am Kind wäre, dass man immer mal wieder Angebote macht und diese auch verändert, um zu schauen, ob das Kind grad wirklich total gefesselt vom TV ist oder einfach nur ein interessanteres Angebot braucht, um mitzumachen. So kristallisiert sich Stück für Stück heraus, wovon unsere Kinder gerade wirklich begeistert sind und was ihnen gefällt.

Gerade die Anfangszeit erfordert enorm viel Zeit, Nerven und Begleitung, weil sich dein Kind mit dieser neuen Welt vertraut machen und alles wissen und lernen will. Es ist völlig verständlich, dass es eine lange Zeit nichts anderes machen will, das kennst du sicher auch, wenn du ein Buch an einem Stück durchliest, weil es so spannend und faszinierend ist, oder wenn ein brandneues Spiel für Erwachsene auf dem Markt erscheint.

Gib deinem Kind die Zeit, zu lernen, dass es nicht „suchten“ muss, sondern dass es das Tablet jederzeit nutzen kann, so wie jedes andere Spielzeug auch, vergiss aber bitte nicht dich selbst dabei und sei klar in deinen Botschaften. Achte auch darauf, deine eigenen Bedürfnisse nicht zu kurz kommen zu lassen, sei stets in Kontakt mit deinem Kind. Sobald dein Kind weiß, dass das Tablet weder zur Belohnung, Bestrafung, Motivation, Manipulation oder sonstwas eingesetzt wird, wird es für gemeinsame Lösungen offen sein. Auch dann, wenn es sieht, dass dir etwas gerade sehr wichtig ist.

Bis dahin ist es wahrscheinlich ein langer, Kräfte zehrender Weg, der viel Nerven und Geduld erfordert, doch meiner Meinung nach ist es die mitunter wichtigste Entscheidung, die wir Eltern treffen werden.

Sicher wirst auch du Momente haben, die dich verängstigen und verunsichern, doch genau dafür ist ja mein Beitrag da. Ich habe nichts beschönigt, nichts weggelassen, ich hab dir all unsere Erfahrungen mit ihren positiven und negativen Seiten geschildert. Nun ist es an dir, wie du mit dieser Information umgehst, und sicherlich werden auch du und dein Kind eure ganz eigenen Erfahrungen machen.

Selbstbestimmter Medienkonsum
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