Trocken werden ohne Töpfchentraining

Baby in Decke eingehüllt

Unser Sohn ist jetzt mittlerweile 2,5 Jahre alt – genauer gesagt 2 Jahre und 8 Monate – und nachts von einem Tag auf den anderen „trocken“ geworden. Tagsüber gibt es noch die einen oder anderen Unfälle und auch von nächtlichen Ausnahmen möchte ich mich nicht freisprechen.

Dennoch muss ich sagen, dass ich den Verlauf als recht angenehm empfand, weshalb ich dir mal ans Herz legen wollte, wie das bei uns ablief. TROTZ eines durstigen Kindes, das mitten in der Nacht nach Wasser fragte oder gestillt werden wollte. Trotz so mancher „Rückfälle“ von windelfrei zur Windel. Es braucht kein 3-Tage-Töpfchentraining oder sonstiges. Was es bei uns brauchte, erzähle ich dir in diesem Beitrag.

Trocken werden ohne Töpfchentraining

Zu diesem Thema fällt mir plötzlich folgende Begebenheit ein: Ich bin mit meinem Sohn (damals etwa 1,5 Jahre alt) auf dem Kirschbaumspielplatz. Es ist Sommer. Der kleine Mann trägt eine kurze Hose und ein T-Shirt. Völlig ausreichend.

Es sind auch andere Kinder da. Als der kleine Mann sich streckt, guckt hinten ein Zipfel seiner Windel raus. Ein älterer Junge sieht das und fragt mich:“Trägt der noch Windeln?“ Ich, etwas irritiert, erwidere ganz einfach mit „Jaaaaa…?“. Darauf folgt ein angewidertes „Iiiiiiih!“ seitens des Jungen, der sich dann vom Acker macht. Ich werde völlig perplex zurück gelassen.

Zu früh? Zu spät?

Diese wenn auch sehr kurze Begebenheit lässt mich heute noch nachdenklich werden. Ich führte ein Selbstgespräch (Wo war zu der Zeit eigentlich mein Mann? Keine Ahnung.): Ist der kleine Mann schon zu alt für Windeln? Muss er jetzt schon „trocken“ werden? Ach was! Lass dich doch nicht verunsichern! Der Junge vom Spielplatz hat wahrscheinlich so’ne Eltern, die ihm damals beim Trockenwerden Druck gemacht haben. Bestimmt haben die auch immer „Iiiiiiih!“ gerufen, wenn er in die Windel gemacht hat. Genau.

Trotzdem. Egal, ob der Kommentar von einem Kind oder einem Erwachsenen gekommen wäre: Ich lasse mich nicht darauf ein, einen Wettbewerb deshalb zu veranstalten.

Aber wann kann man denn ungefähr damit rechnen? Gibt es ein ungefähres Alter, ab wann Kinder Bescheid geben, wann sie mal müssen? Du wirst staunen…

Abhalten

Nach der Geburt meines Sohnes bekam ich das Buch „Verwöhn dein Baby nach Herzenslust“* von meiner Schwester geschenkt. Übrigens ein wundervolles Buch, das ich nur zu gern weiterempfehlen kann. Aber mir geht es jetzt nur um ein ganz bestimmtes Thema, von dem ich bis dahin noch nie gehört oder gelesen hatte. Es ging um das Thema Ausscheidungskommunikation.

Ausscheidungskommunikation bedeutet, dass Babys schon von Geburt an signalisieren, dass sie mal müssen – egal, ob groß oder klein. Dann hält man sie ab. Das kannst du dir ungefähr so vorstellen: Du hältst dein Baby nach vorn gerichtet zu dir. Sein Rücken kuschelt sich an deinen Bauch. Du hältst dein Kind in den Kniekehlen, sodass es eine Hockstellung annimmt. Dann hältst du dein Kind über eine Schüssel oder ähnliches und es kann sein Geschäft erledigen. Fertig.

Wenn es dann schon älter ist (bei uns ging das mit gut 2,5 Jahren los), musst du dein Kind sicherlich nicht mehr so halten. Jungs können dann z.B. im Stehen pinkeln, Mädchen sich hinhocken (oder es auch im Stehen versuchen, hehe).

Mix aus Windeln, Abhalten, Töpfchen und windelfrei - ins Gebüsch

Als ich das Kapitel „Ausscheidungskommunikation“ durch hatte, war der kleine Mann zwei oder drei Monate alt und ich fühlte mich wie eine Versagerin. Mein Baby wollte mir die ganze Zeit über mitteilen, dass es mal muss! Und ich hab es nicht kapiert! 3 Monate lang!!

Aber ich fing mich schnell. Ich war Feuer und Flamme! Ich wollte den kleinen Mann abhalten! Jetzt, sofort und auf der Stelle! Ich schnappte mir mein Baby, zog es untenrum aus, ging mit ihm ins Bad und hielt es über dem Waschbecken ab. Und… es klappte! Wooooow!! Das ist ja TOTAL EINFACH!

Von wegen! Dadurch, dass wir beim 1. Mal gleich ein Erfolgserlebnis hatten, hatte ich auch erwartet, dass es jetzt immer gleich klappen würde. Aber dem war nicht so. Ich hielt den kleinen Mann ab. Er musste nicht. Dann zog ich ihn wieder an und er strullerte los.


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Signale erkennen – Das Experiment beginnt

Es wurde empfohlen, sich einfach einen Tag lang mit dem Baby hinzusetzen und es zu beobachten. Auf diese Art würde man schnell die Signale des Babys verinnerlichen.

Die Idee fand ich schön. Ich drehte die Heizung auf und setzte mich nackig mit meinem Baby ins Zimmer. Hautkontakt. Glückshormone produzieren und so.

Doch erst einmal wollte der Kleine gestillt werden, also stillte ich ihn. Während er völlig entspannt in meinen Armen liegt und vor sich hin grunzt, merke ich plötzlich, wie es mir am Bauch ganz warm wird. Jupp. Ich wurde gerade angestrullert. Schnell alles sauber machen. Während ich vor mich hin wischte, grübelte ich nach. War da ein Zeichen gewesen? Ein Signal hatte ich jetzt nicht bemerkt. Er lag einfach nur total relaxed in meinen Armen.

Hey, keine Panik, das war gerade mal der 1. Versuch, dachte ich mir, und fuhr mit dem Tagesexperiment fort. Um beim nächsten Mal nicht gleich vollgepullert zu werden, legte ich vorsichtshalber eine Mullwindel zwischen die kleinen Speckbeinchen.

Mix aus Windeln, Abhalten, Töpfchen und windelfrei - Baby in Decke eingehüllt

Das Experiment wurde vorzeitig abgebrochen, als bereits nach wenigen Stunden das Zimmer über und über mit nassen Tüchern, Mullwindeln, Waschlappen und einer nackten, total entnervten Mama war, die ihr nackiges Baby in den Schlaf stillte. Signale? Was für Signale?!

Was der Bauer nicht kennt…

Als ich im ersten Sommer anfing, unser Baby abzuhalten, stand ich erstmal allein auf weiter Flur. Mein Mann fand es seltsam. Auch, weil unser Baby es anfangs auch nicht kannte und meckerte, fühlte er sich in seiner Annahme, dass das Humbug sei, nur weiter bestätigt.

Meine Schwester kannte das Thema bereits, da sie sich das oben erwähnte Buch* bereits durchgelesen hatte. Sie wollte keinen Druck auf mich ausüben, sprach es deshalb nicht an. Aber als ich ihr erzählte, dass ich es ausprobiere, fand sie es cool. Meine Schwester war bis dahin die einzige, die mich darin unterstützte. Sie ging zusammen mit mir und dem Baby mit, als ich es abhielt. Sie fand es sehr interessant. Vor allem, wenn es auch mal klappte. Denn natürlich klappte es auch bei uns nicht immer.

Der Rest der Familie schaute komisch drein. Kannte ja niemand. Niemand von ihnen oder in ihrer Umgebung hatte das bisher so praktiziert. Auch, als der Kleine (wenn auch nur für kurze Zeit) in die Kita ging, wurde uns gleich mitgeteilt, dass er nicht abgehalten wird. Aufgrund Zeit- und Personalmangel ging es einfach nicht. Ich machte trotzdem mit dem Abhalten weiter. Jetzt waren wir schon so weit gekommen. Er sollte es nicht wieder verlernen.

Olivers Signale

Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat lernte ich Schritt für Schritt, die Signale meines Kindes zu deuten. Ich spürte, dass unser Band stärker wurde. So viele Fragen wurden plötzlich beantwortet. Ich verstand endlich, was mir der kleine Mops mitteilen wollte. Es ergab alles einen Sinn.

Im Babyalter wurde unser Sohn z.B. nervös, zappelte mit den Beinchen, dockte beim Stillen ständig an und ab und atmete schnell.

Als er krabbeln konnte, wurde es hingegen schwerer für mich, die Zeichen zu erkennen. Mal wollte er auf den Arm, dann doch lieber wieder runter.

Das gängige Zeichen blieb aber Nervosität. Und als mein Kind so weit war, dass es mir mittels Sprache mitteilen konnte, dass es mal dringend muss, wurde es umso leichter.

Die Zeit verging und meine Familie war verblüfft, wie es beim Abhalten immer besser klappte. Meine Mutter hielt den Kleinen sogar mal ab, als ich gerade auf Toilette war und der Kleine plötzlich „diesen Blick“ bekam. Und siehe da, es funktionierte. Sie war megastolz.

Mix aus Windeln, Abhalten, Töpfchen und windelfrei - Mutter und Kind lachen

Klar gab es viele, kleine Unglücke. Meine Mutter hatte z.B. unser Baby gerade auf dem Schoß, als es plötzlich unruhig wurde. Ich hatte ihr zuvor gesagt, wenn das geschehen sollte, müsse es pullern. Sie hatte es wohl nicht als unruhig empfunden und bekam dafür im Handumdrehen die Quittung. Wir nahmen es alle mit Humor und lernten eifrig dazu. Ich freute mich ungemein, dass die anderen doch noch Interesse am Abhalten entwickelten.

Nachts windelfrei

Da ich die Ausscheidungskommunikation auch nachts praktizieren wollte, bereitete ich unseren Schlafplatz entsprechend vor: Schüsseln, Mullwindeln, Handtücher, notfalls Stoffwindeln. Was man halt eventuell im Notfall brauchen könnte und nicht mitten in der Nacht fieberhaft suchen will.

Nachts war das Signal, dass er mal pullern muss, folgendes: Der kleine Mann fing an, die Decke wegzustrampeln. Da war also wieder das gängige Zeichen Nervosität.

Aber nachts, da ist das irgendwie alles anders als am Tag. Statt ausgeruht und voller Energie, ist man müde. Will schlafen. Muss eigentlich gerade die Batterien wieder für den Tag aufladen. Doch dann wird man kurz vorm Einschlafen geweckt, weil die Decke weggestrampelt wird. Aha, er muss pullern oder kackern. Dann mal schnell.

Ich ziehe mit dem Baby schläfrig ins Bad. Der kleine Mann wird aus seinem Halbschlaf geweckt und fängt an zu meckern. Ich werde immer wacher. Dann kackert er ins Waschbecken. Geschafft. Alles sauber machen. Anziehen. Hinlegen. Schlafen.

Mix aus Windeln, Abhalten, Töpfchen und windelfrei - Frau lehnt am Baum

Während der Kleine sich wieder in den Schlaf nuckelt, liege ich mit weit aufgerissenen Augen da. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Das Einschlafen wird zum Kampf, weil ich die ganze Zeit über Angst habe, den Moment zu verpassen, in dem er wieder muss. Dann würden wir wieder – wie so oft geschehen – im Nassen liegen. Alles müsste neu bezogen werden. Saubermachen. Kleidung wechseln.

Einige Tage hielt ich durch. Doch der nagende Schlafmangel machte das Thema Abhalten richtig ätzend. Dabei wollte ich nur alles richtig machen…

Kein Stress

Ich war zu dieser Zeit sehr unglücklich und unzufrieden und überhaupt total müde und genervt und überfordert und einfach alles. Also stöberte ich im Internet und las mir Erfahrungsberichte von den Windelfrei-Erfahrenen durch.

Schon bald stieß ich auf eine Seite, auf der es ungefähr hieß: „Wenn es stressig wird, wenn ihr müde seid: Lass es sein. Windel rum und schlafen.“ Und das erlöste mich dann von dem Druck, immer alles können und dabei über meine eigenen Grenzen gehen zu müssen.

So, wie wir es von nun an machten, war es für uns ok.

Ich ließ den kleinen Mann also so oft es ging ohne Windel rumkrabbeln und später rumlaufen und achtete so gut es ging auf die Zeichen. Aber wenn ich mich an diesem und jenem Tag nicht aufnahmefähig genug dafür fühlte, hatte ich kein schlechtes Gewissen mehr, wenn es eine Windel für meinen Sohn gab oder vermehrt „Unfälle“ passierten.

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Auch, wenn wir unterwegs waren, gab es eine Windel; genau so wie nachts.

Zu relativ verlässlichen Zeiten hielt ich dann ab, z.B. nach dem Aufstehen. Das klappte fast immer.

Stück für Stück

Als wir eine ungefähre „Basis“ hatten, ging es Stück für Stück weiter. Wir holten uns Bücher zum Thema Ausscheidungen und stöberten gemeinsam darin. Empfehlen kann ich hier ganz klar die Bücher „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“* und „Der kleine Klo-König“* für die kleinen Leseratten sowie das Buch „Nicht spülen! Eine Expedition ins Klo“* für die älteren. Sowohl über das Maulwurfbuch als auch das Expeditionsbuch habe ich Reviews verfasst, die du dir gern durchlesen kannst.

Ich kaufte auch gleich ein Töpfchen*. War übrigens für etwa 1,5 Jahre die totale Geldverschwendung. Unser Sohn hasste das Töpfchen.

Lieber folgte uns Oliver ganz interessiert ins Bad, um dort zu beobachten, was hier vonstatten ging.

Grünes Toilettenhäuschen in der Natur

Das mochte anfangs etwas ungewohnt sein, einen staunenden Beobachter vor sich zu haben, während man sein Geschäft erledigte, aber schon bald war es ganz normal für uns geworden und wir ließen immer öfter die Tür zum Bad offen stehen.

Das hat sich mittlerweile übrigens wieder gelegt, sodass wir auch mal wieder allein unser Geschäft erledigen können. Also keine Panik, dass du nie wieder Privatsphäre haben wirst.

Doch der Gang zur Toilette ist etwas völlig Natürliches und sollte auch so behandelt werden. Es ist normal, dass eine volle Blase auch entleert werden muss; das Gleiche gilt für den Darm. Pullern, kackern, pupsen oder wie auch immer man es nennen mag, sollte kein Tabuthema sein. Wir sollten unser Schamgefühl überwinden und unseren Kindern zeigen, was da hinter sonst verschlossenen Badtüren abläuft, damit sie von uns lernen können. Wie man pullert, kackert, pupst, sich sauber macht, die Toilette reinigt, spült, sich die Hände danach wäscht usw.

Vor und zurück

Egal, ob wir Windeln oder Klamotten wechseln, eine Pfütze aufwischen, den Teppich trocknen: Es ist eine ganz normale Sache. Es gibt keine angewiderten Bemerkungen, auch wenn es für uns übel riechen mag. Wir wollen kein Unbehagen hervorrufen.

Trotzdem reagierte ich nicht immer happy, wenn wir schon eine Weile windelfrei lebten und es dann von einem Tag auf den anderen „Rückfälle“ gab und es mir vorkam, als würden wir wieder am Anfang stehen. Sagte er zuvor noch „Kacka!“, wenn er mal kackern musste, verlangte er plötzlich wieder nach seiner Windel.

Dann schlief er zum Mittagsschlaf bereits ohne Windel und plötzlich wurde ich wieder von etwas Warmem geweckt, das sich auf dem ganzen Bettlaken ausbreitete. Ich gebe zu, dass es mich genervt hat.

Ich war müde und erschöpft, als ich zum x-ten Mal den Bezug vom Autositz abzog, ihn in die Waschmaschine stopfte, zum Trocknen aufhing, ihn bei der nächsten Autofahrt wieder über den Sitz zog, um ihn dann am selben Tag wieder abzuziehen.

Wir versuchten, für diese „Phase“ wieder zu wickeln, aber unser Sohn lehnte eine Windel strikt ab. Was tun? Für die Übergangszeit blieb nur eins: Wasserundurchlässige Unterlagen – mein ganz persönlicher Tipp für die Vor-und-zurück-Zeit.

Kind steht vor zwei Wegen

Egal, ob für die Couch, den Sessel, den Teppich oder sonst einen stofflichen Untergrund: Nimm wasserundurchlässige Matratzenunterlagen. Für den Autositz kannst du Inkontinenzunterlagen* oder kleine Wickelunterlagen* nutzen.

Wenn es nämlich dazu kommen sollte, dass dein Kind dir nicht Bescheid sagt, dass es mal muss, weil es abgelenkt war, grad etwas Neues lernt o.ä., dann kannst du die Unterlagen einfach waschen und brauchst dich nicht darum zu sorgen, wie du den Geruch jemals wieder aus den Möbeln bekommen sollst.

Fazit

Es gibt viele Wege, wie dein Kind trocken wird. Sei es von Beginn an mit Windelfrei, Teilzeitwindelfrei, Wickeln mit Stoffwindeln oder Wegwerfwindeln und gelegentlichem Abhalten oder einem Kuddelmuddel aus allen Varianten.

Du kannst dein Kind auf seinem Weg unterstützen, indem du ihm zeigst, wie es geht. Lass dein Kind dir dabei zusehen, wie du auf die Toilette gehst, erkläre es ihm, lest lustige und interessante Bücher über Ausscheidungen und schaut, wie es euch dabei geht.

Wenn du merkst, du kommst mit der Ausscheidungskommunikation überhaupt nicht hinterher, du erkennst überhaupt keine Signale, dann rede dir nicht ein, deshalb ein/e Versager/in zu sein. Mach das, womit du und dein Kind euch wohl fühlt, geht in eurem Tempo.

„Rückschritte“ sind völlig normal. Dein Kind mag schon seit Tagen, Wochen tagsüber windelfrei leben und verständlich zeigen, wann es mal muss, und plötzlich scheint alles wieder auf Null zu sein. Wie kann das sein? Es gibt viele mögliche Ursachen für „Rückfälle“, z.B. lernt dein Kind gerade etwas Neues und ist einzig und allein damit beschäftigt. Alles andere ist im Moment nicht wichtig.

Was du während dieser Zeit und allgemein auf dem Weg zum Trockenwerden tun kannst, ist, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie nunmal sind. Dein Kind pullert und kackert gerade (wieder) ein. Das ist die Realität und du kannst nichts daran ändern. Akzeptiere diese Wahrheit. Nimm den Druck raus und versuche, so gut es geht mitzuhalten. Kauf dir wasserundurchlässige Unterlagen, damit du dich nicht um die Stoff-Möbel sorgen musst.

Frag dein Kind, wenn du merkst, dass es mal muss, weil es z.B. seine Beine zusammenkneift, ob es mal muss. Aber wenn es „Nein.“ sagt, lass es gut sein.

Kind spielt mit zusammen gekniffenen Beinen

Ich habe meinen Mann Ewigkeiten hinter unserem Sohn herrennen sehen, weil er sich sicher war, dass er mal muss, unser Sohn aber immerzu „Nein.“ erwiderte. Allein vom Zusehen dieses Szenarios war ICH genervt – wie mochte es da dem Kleinen ergehen? Wechsel zwischendurch immer mal wieder die Perspektive und versetz dich in die Lage deines Kindes hinein. Wie mag es sich gerade fühlen, wenn sich tagein, tagaus alles nur noch ums Thema Töpfchen dreht, wenn alle rumnölen, weil er wieder in die Hose gemacht hat und angewidert reagieren, wenn es ums Sauberwerden geht?

Beim Thema Trockenwerden ist der Weg das Ziel. Es geht nicht darum, dass dein Kind mittels eines 3-Tage-Töpfchentrainings von heute auf morgen „trocken“ ist. Es geht wie gesagt darum, WIE ihr dieses Ziel erreicht. Dass ihr aufeinander hört, eure Zeichen richtig zu deuten wisst, dass ihr keine Angst haben müsst, wenn es wieder rückwärts geht oder nur scheinbar mühselig vorwärts.

Ich möchte nicht sagen können, dass mein Sohn mittels Methode XYZ endlich nicht mehr in die Windel pullert und kackert. Ich möchte sagen können, dass ich ihn auf seinem Weg begleitet und unterstützt habe, so gut ich es nur konnte, und dass unsere Beziehung dadurch keinen Riss erleiden musste, bloß weil ich schnell, schnell machen und ihn an Tag X trocken haben wollte.

Wenn er nachts Durst bekam, holte ich ihm selbstverständlich etwas zum Trinken. Wenn er gestillt werden wollte, verweigerte ich ihm nicht die Brust, bloß damit seine Blase nicht voller wird und er dann pullern muss. Ich erkannte sein Bedürfnis und stillte es, ganz einfach. Ich ließ mir von niemandem reinreden. Kein/e Expert/in aus einem noch so tollen Ratgeberbuch hätte mich davon überzeugen können, dass es richtig sei, mein Kind dahingehend erziehen zu müssen.

Also: Der Weg ist das Ziel! Du kannst gut gemeinte Ratschläge – auch diese – annehmen oder aussortieren. Pick dir die Tipps heraus, mit denen ihr euch ALLE wohl fühlt und geht ganz gemächlich euren eigenen Weg.

Nachtrag 03.12.2017

Seit einigen Tagen bleibt Oliver auch unterwegs komplett trocken.

Die Inkontinenzunterlagen waren uns eine große Hilfe, allerdings bin ich der Meinung, dass mein Mann hier einen sehr guten Einfall hatte: Wir haben uns auf das Positive konzentriert.

Wenn der Kindersitz im Auto mal trocken geblieben war, haben wir unseren Sohn darauf aufmerksam gemacht und gesagt:“Hey, schau mal, dein Sitz ist ja trocken!“ Dann gab es ein High Five und seitdem bemerkt unser Sohn selber, dass der Sitz trocken geblieben ist und wir freuen uns alle gemeinsam darüber.

Nachts, wenn wir merken, dass Oliver unruhig wird, weil er pullern muss, geht der Papa mit ihm gemeinsam ins Bad. Danach schlafen wir alle entspannt weiter. Das Thema „Trocken werden“ scheint für uns abgeschlossen zu sein.

Über Julia

Hallo! Ich bin Julia, 26 Jahre alt und blogge seit 2016. Ich bin Mutter eines kleinen Mannes (geb. 2015) und bastel mit Leidenschaft.
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