Familienbett – Warum eigentlich (nicht)?

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Eltern kuscheln mit Kind im Bett

Manche mögen es, manche nicht. Ich erzähle mal, wie wir zum Familienbett kamen. Und warum ich es manchmal auch gern anders hätte.

Familienbett – Warum eigentlich (nicht)?

Um die Frage zu beantworten, wie wir überhaupt auf die Idee kamen, ein Familienbett zu gründen, muss ich etwas weiter ausholen. Und euch in meine Kindheit mitnehmen.

Unsere Wohnung, in der meine Eltern mit meiner Schwester und mir damals noch wohnten, war ziemlich groß. Jeder von uns hatte sein eigenes Zimmer. Meine Schwester hatte ihr Zimmer an einem Ende der Wohnung. Meins lag am anderen Ende, neben dem meiner Eltern. Die schliefen zusammen. Wir Kinder schliefen allein.

Als Kind empfand ich es damals schon als… wie soll ich sagen… ich empfand es nicht als ungerecht, allein zu schlafen. Es schwankte mehr das Bedürfnis mit, lieber bei meinen Eltern sein zu wollen. Mit ihnen zu kuscheln. Gemeinsam auf der Couch zu sitzen. Oder Spiele zu spielen. Egal, was. Hauptsache zusammen sein.

Stattdessen hieß es für meine Schwester und mich, ab in die Falle. Zähne putzen. Und dann gute Nacht. Die Großen kuscheln jetzt noch gemütlich auf der Couch und gucken fern. Ohne euch.

Meine Schwester und ich nutzten beim Zähne putzen die Gelegenheit, durch den Türspalt zu gucken. Mit fernzusehen. Unsere Eltern saßen gemütlich auf der Couch und guckten fern. Wir verrenkten uns die Köpfe, um mitzusehen. Wenn wir dann hörten, wie einer von ihnen aufstand, um nachzusehen, was wir so lange trieben, rannten wir schnell zurück ins Bad und taten ganz geschäftig.


Das schlechte Gewissen

Eines Abends war es also wie immer: Meine Eltern schauten fern, während ich durch den Spalt spähte, um mitzugucken.

Irgendwann reichte es meiner Mutter aber dann. Sie hatte es wohl mehrmals mitbekommen. Mich vielleicht auch ermahnt. Wahrscheinlich war es auch schon sehr spät. Ich weiß es nicht mehr.

Plötzlich sprang sie von der Couch auf, riss die Tür auf, ich total geschockt, dass sie mich erwischt hatte. Sie gab irgendeinen Haufen Gemecker von sich, überschüttete mich wieder mit dem schlechten Gewissen. Sie zerrte mich am Arm ins Wohnzimmer zur Couch und setzte mich unsanft drauf. Ich will fernsehen? Bitteschön! Ich könne so lange fernsehen… ach, ich weiß gar nicht mehr, was genau sie mir entgegen schleuderte.

Ich wollte es wiedergutmachen. Wollte aufstehen. Ich weinte. Es tat mir leid. Ich wollte sie nicht verärgern. Ich wollte doch einfach nur dabei sein. Doch ich durfte nicht mehr aufstehen und alles wiedergutmachen. Ich wurde zurück auf die Couch zu meinem Vater gedrückt, der indes alles still mit ansah und nichts sagte.

Meine Mutter verließ das Drama wie üblich mit einem theatralischen Türknallen und ward nicht mehr gesehen. Ich saß also weinend auf der Couch neben meinem Vater, der weiterhin schwieg. Der Film, der lief, interessierte mich kein Stück. Ich weinte und hoffte auf Erlösung. Ich weiß nicht, wie lange es dauerte, bis ich gehen durfte.

Die Angst

Was hat diese Geschichte mit dem Familienbett zu tun? Sie zeigt, wie ich aufgewachsen bin. Wie ich erzogen wurde. Bei uns gab es kein Familienbett. Meine Eltern schliefen zusammen. Aber nicht wir Kinder. Unsere Eltern wollten uns etwas bieten, denke ich. Jede von uns hatte ihr eigenes Zimmer. Das war in den ganz schlimmen Terror-Zickenkrieg-Zeiten schon ganz gut so. Hat womöglich Leben gerettet.

Aber in der Nacht wünschte ich mir sehnlichst jemanden herbei. Doch ich war allein. Fürchtete mich. Wagte nicht aufzustehen. Wohl einerseits, weil es sonst wieder Streit gegeben hätte, dass ich ins Bett soll.

Andererseits wohl auch, weil ich nicht von dem Monster unter meinem Bett gefressen werden wollte. Pedantisch achtete ich darauf, dass alles bis auf meinen Kopf unter der Bettdecke war, damit mich das Monster nicht unters Bett zerren konnte. Ich hatte oft furchtbare Angst in der Nacht. Aber ich gab keinen Mucks von mir.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Kind hat Angst im Bett

In meinem Kopf stellte ich mir vor, ich würde nach meinen Eltern um Hilfe schreien. Malte mir aus, wie lange es dauern würde, bis sie da sein würden. Bis dahin wäre ich schon längst tot, dachte ich. Und so schrie ich nicht und stand auch nicht auf. Bewegte mich nicht. War starr und wagte kaum zu atmen.

Wenn ich krank war und Husten hatte, hustete ich absichtlich lauter und bellender, damit meine Mutter es nebenan hören konnte. Irgendwann stand sie auf, gab mir Hustensaft und war schnell wieder weg.

Allen Mut zusammen nehmen

Als wir älter, aber immer noch Kinder waren, waren wir abends auch mal allein – meine Schwester und ich. Wir gingen dann allein schlafen, wann wir wollten. Das war einerseits cool, weil ich dann ewig lange aufbleiben und tun und lassen konnte, was ich wollte. Doch in der Nacht war ich wieder allein. Da konnte mir der Berg an Kuscheltieren, die mich mit ihrer Masse schon aus meinem eigenen Bett verdrängten, auch nicht helfen.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Kind schläft mit einem Haufen Kuscheltieren im Bett

Wenn ich allen Mut zusammengenommen hatte, weil ich es schier nicht mehr aushielt, schlich ich mit meinem Bettzeug bewaffnet durch die beängstigende, stille, stockfinstere Wohnung. Bis zum Ende unserer Wohnung. Wo das Zimmer meiner Schwester lag. Ich klopfte an ihrer Tür. Flüsterte ihren Namen. Fragte, ob sie noch wach sei und ich reinkommen dürfe.

Manchmal stellte sie sich schlafend, glaube ich. Dann musste ich den unendlich langen, gruseligen Weg wieder zurück gehen. In mein Zimmer. Ans andere Ende der Wohnung.

Heile Welt

Aber manchmal, da wurde mir Einlass gewährt. Dann trat ich ein und sah warmes Licht, weil meine Schwester noch las. Auf das coole Hochbett meiner Schwester, das mein Papa und mein Opa für sie gebaut hatten, durfte ich nicht. War auch zu eng. Ich verkroch mich dann lieber auf ihre Couch. Es war alles gut. Ich war jetzt in Sicherheit. Das spürte ich.

So redeten meine Schwester und ich über irgend etwas. Oder sie las mir vor. Hörten wir Musik? Keine Ahnung. Irgendwas taten wir in den Stunden bestimmt. Bis wir beide derart müde waren, dass das Licht ausgemacht wurde und wir schlafen gingen. Meine Schwester in ihrem Bett. Ich auf der Couch. Eingemummelt in mein Bettzeug, das ich auf meinen nächtlichen Streifzügen durch die Wohnung immer mitnahm.

So war für einige Stunden heile Welt. Bis meine Eltern wiederkamen. Sahen, dass ich nicht in meinem Bett lag. Dann fanden sie mich auf der Couch meiner Schwester. Ich stellte mich jedes Mal schlafend, damit sie mich dort in einem Anfall von Barmherzigkeit liegen lassen. Oder mich zumindest in mein Bett tragen. Aber das war nie der Fall. Nie. Ich wurde geweckt. Sollte mein Bettzeug packen. Und wieder in mein eigenes Bett gehen.

Es gab noch viele Male, in denen ich wieder mit meinem Bettzeug auf die Couch meiner Schwester wanderte. Aber die Botschaft, dass ich nicht allein schlafen wollte, die kam nie an. Irgendwann hörten die Nachtwanderungen dann auf. Ich glaube, ich hatte aufgegeben.

Zeichen

Das sind Erinnerungen, die mir geblieben sind, wenn ich an das Einschlafen denke. Keine schönen Nächte, findet ihr nicht?

Manchmal weinte ich mich einfach in den Schlaf, weil das so einfach war. Ich dachte mir irgendetwas Tottrauriges aus, weinte und weinte und weinte und schlief dann irgendwann ein. Ich weiß gar nicht mehr, wann das anfing und wann es aufhörte.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Kind allein traurig im Bett

Was all diese Erinnerungen gemein haben: Meine Eltern wussten nichts davon. Von den Nächten, in denen ich mich in den Schlaf weinte. Von meinen Ängsten, die mich mit weit aufgerissenen Augen im Bett stumm nach Hilfe schreien ließen. Die mich dazu veranlassten, Nähe zu suchen. Sei es im abendlichen Spähen durch den Türspalt oder in den nächtlichen Wanderungen durch die Wohnung hin zum Zimmer meiner Schwester. Meine Eltern verstanden die Zeichen nicht.

Als ich schwanger wurde, stand für meinen Mann und mich fest, dass wir es anders machen wollen. Zumindest das haben mich meine Kindheitserinnerungen gelehrt: Allein (ein)schlafen ist traurig. Bald darauf stand das Beistellbett fertig montiert an unserem Wasserbett und wartete auf seinen Einsatz.

Ein langer Weg

Als der kleine Mann geboren wurde, verbrachten wir erst einmal knapp eine Woche im Familienzimmer des Krankenhauses. Dort legte ich den kleinen Mann so gut wie nie ins extra Bett – schon gar nicht zum nächtlichen Schlafen. Ich wollte ihn einfach immer bei mir oder meinem Mann haben.

Als wir dann endlich zu Hause waren, wurde schnell klar, dass der kleine Mann gern mal ein Nickerchen im Rollkörbchen macht. Oder auf uns. Im Arm. Aber wenn es Nacht wurde, verpuffte der Traum vom Beistellbett ganz schnell.

Mein Mann zockte damals noch bis spät in die Nacht. Während der kleine Mann im Körbchen schlief, konnte ich schon mal ins Bett und eine Mütze Schlaf nehmen. Zum Stillen würde der kleine Mann dann vorbeigebracht werden.

Doch dieses ewige aus dem Schlaf gerissen werden, machte mich kirre. Manchmal total aggressiv. Ich war übellaunig und wollte einfach nur schlafen und nicht gestört werden.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Frau schaut verärgert auf Mann im Bett, der sich versteckt

Das Problem: unser Wasserbett. Da durfte unser Baby ja nicht schlafen. Also hieß es für mich: geweckt werden, hinsetzen, stillen, im Sitzen dösen. Oder raus aus dem Bett. Rein in den Schaukelstuhl. Stillen. Dösen. Während der Papa nebenan zockte. Ihr könnt euch bestimmt denken, dass das kein Dauerzustand wurde. Irgendwann explodierte ich und zog mit Baby auf die Couch. Da konnten wir beide nebeneinander liegen, stillen, schlafen.

Doch die Couch war jetzt auch nicht das Nonplusultra. Wir brauchten ein Bett mit Matratze, damit wir endlich auch mal wieder zusammen in einem Zimmer schlafen konnten. Doch das Wasserbett wollten wir beide nicht aufgeben. Zu teuer gewesen. Zu schön, um es einzutauschen gegen Matratzen.

Und nach viiiiielen Monaten kaufte ich mir ein kleines Bett mit Matratze und stellte es neben unser Wasserbett. Da schlief ich dann mit dem kleinen Mann, und der Papa hatte weiterhin sein Wasserbett. Unser Familienbett war geboren.

Manchmal ist Familienbett doof

Es ist schön so wie es ist. Kein nächtliches Aufstehen, um mein Kind im Nebenzimmer zu beruhigen und zum Weiterschlafen zu bewegen. Wenn er unruhig wird, bin ich kurze Zeit vorher wach, kann ihn stillen und es geht für uns zurück ins Traumland. Dann ist unsere Entscheidung für ein Familienbett die beste und angenehmste überhaupt gewesen.

Aber manchmal… manchmal… da wünsche ich mir ein wenig Einsamkeit. Keine unruhigen, kleinen Füße und zappeligen Speckbeinchen auf meinem Oberschenkel, von denen ich ständig blaue Flecke bekomme. Von einem Kind, das manchmal so unruhig schläft, dass es irgendwann im 90° Winkel zu mir liegt – die Füße in meinem Gesicht.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Kinderfuß und Hand im Bett

Ich will auf der Seite liegen, die ich beim Schlafen bevorzuge. Auf dem Bauch. Dem Rücken. Mit dem Rücken zum kleinen Mann, ohne dass dieser davon gleich wieder unruhig wird, weil er spürt, dass da was nicht stimmt.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Frau schläft gemütlich eingekuschelt im Bett

Wann werde ich wieder mit der Bettdecke bis zum Hals schlafen können? Wann wird das nächtliche Stillen weniger und wann wird es ganz aufhören? Und wann wird dieses nervige Zuppeln an den Brustwarzen aufhören, das ich ständig unterbinden muss?

Mit Kinderaugen sehen

Das sind so Momente, in denen ich kein Familienbett mehr will. Weil die Nächte unglaublich anstrengend waren. Weil dann meine Reserven beinahe völlig aufgebraucht sind.

Dann stehe ich früh morgens unter der heißen Dusche, um zu Kräften zu kommen, und denke zurück an meine Kindheit. Wie schön ich die Ferien fand, die wir bei unseren Großeltern verbrachten, weil wir da gemeinsam in einem Zimmer schliefen. Wir redeten und lasen bis spät abends. Redeten noch weiter, als das Licht bereits aus war. Es war so ein schönes Gefühl von Geborgenheit, das mir in Erinnerung geblieben ist.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Kinder lesen zusammen im Bett

Ebenso die Nächte, die wir bei unseren anderen Großeltern verbrachten. Ein Zimmer. Eine ausgeklappte Couch. Kuschlig weiche Bettdecken und Kissen. An solchen Tagen fühlte ich mich nachts pudelwohl. Ich liebte diese Zeiten.

Und dann sind da die Erinnerungen, in denen ich allein im Bett zu Hause war. Das abgespeicherte Gefühl von Einsamkeit. Was für Ängsten ich ausgesetzt war.

Selbst ich als Kind hatte jedes einzelne Kuscheltier, das ich hatte (und davon hatte ich eine ganze Menge) nachts in mein Bett genommen. Der Gedanke, dass ein Kuscheltier allein schlafen musste, war für mich unerträglich. Es tat mir unendlich weh, wenn wirklich kein Kuscheltier mehr reinpasste oder ich selber mal etwas mehr Platz für mich haben wollte. Ich als Kind hatte so ein schlechtes Gewissen, mein Kuscheltier allein einschlafen zu lassen. Als Kind! Warum verstanden es dann meine Eltern nicht?

Über ihre Beweggründe kann ich nur rätseln. Und daraus lernen. Für mich steht fest, dass ich es anders machen will. Denn mein Kind hat mir gezeigt, dass es nicht allein schlafen will. Nicht allein schlafen kann. Er braucht unsere Nähe. Und die soll er bekommen, bis er alt genug ist und sie nicht mehr braucht.

Familienbett - Warum eigentlich (nicht) - Eltern kuscheln mit Kind im Bett

Ich will, dass sich mein Kind beschützt fühlt. Er soll wissen, dass er immer zu uns kommen kann. Egal, was ist.

Wenn die Zähne drücken und er wieder öfter gestillt werden will und schlecht träumt und ständig im Schlaf weint, dann zehrt es an den Kräften, sicher. Aber nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei. Die Zeit ist absehbar.

Und so sehe ich es auch auf lange Sicht betrachtet. Es wird irgendwann vorbei sein. Dann wird nicht mehr gekuschelt. Dann ist das peinlich. Und solange mein Kind nach meiner Nähe verlangt, werde ich ihm diese geben. Wenn er sagt „Schützich.“, lege ich meinen Arm wie gewohnt um ihn und sage „Ich beschütze dich.“ Wenn er „Milch.“ sagt, stille ich ihn.

Es ist nicht mal der Gedanke, dass es irgendwann vorbei gehen wird, warum wir im Familienbett schlafen. Ich blicke zurück in meine Kindheit und ich sehe wieder die Angst in meinen Augen. Spüre diese Ohnmacht. Dass ich um Hilfe schreien will, es aber nicht wage.

Mein Sohn soll wissen, das wir immer für ihn da sind und auch weiterhin da sein werden. Was auch immer ihn gerade beschäftigt. Letztens weinte er sich im Familienbett aus dem Schlaf wach, weil er keine Socken trug. Ohne einen dummen Spruch zog ich sie ihm an und er lachte im Halbschlaf und war wieder weg. Dieses Gefühl, dass da immer jemand ist, der kommt, egal, was los ist, dieses Gefühl soll unser Sohn beibehalten und nie verlieren.

Und wer weiß. Vielleicht wird dadurch das Kind in mir auch ruhiger einschlafen können.

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Über Julia

Hallo! Ich bin Julia, 26 Jahre alt und blogge seit 2016. Ich bin Mutter eines kleinen Mannes (geb. 2015) und bastel mit Leidenschaft.
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