Krise überwinden – das erste Jahr mit Kind


Wenn Paare sich dazu entscheiden, ein gemeinsames Kind zu bekommen, schweben sie womöglich auf Wolke 7 und haben wenig Vorstellungen, wie das Elternsein so ist, es sei denn, sie haben schon Kinder aus anderen Beziehungen, dann wissen sie in etwa, was auf sie zukommt.

Mama und Papa zu werden, ist etwas Großartiges und Überwältigendes ohne Frage, doch sollten sich Pärchen über gewisse Dinge schon vor der Geburt des kleinen Menschen klar sein und zusammen über Erwartungen, Ängste und Herausforderungen sprechen, damit später in der Neugeborenenzeit nicht das “böse” Erwachen kommt. 

Krise überwinden – Als Paar durch die Neugeborenenzeit

Als Paar alleine lebt man so in den Tag hinein, das ändert sich schlagartig, wenn das Baby dann da ist. Plötzlich dreht sich alles um dieses kleine Wunder auf Erden. Alles muss sich neu sortieren. Jeder seine Rolle neu finden. Pärchenzeit ist rar und es liegt nun in der Hand des Paares, Lücken für liebevolle Zeiten zu finden, um sich gegenseitige Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu schenken. 

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Meine Geschichte

Als ich beschloss Mama zu werden, malte ich mir alles rosig aus, aber hatte nicht wirklich den geringsten Schimmer, wie es dann in der Realität aussehen könnte. Ich dachte an süße kleine Babyfüße, an das erste Lächeln meines Babys und an eine erste tolle Kennenlern- und Kuschelzeit. Dann kam alles anders, darauf komme ich gleich zurück. 

In unserer heutigen Zeit, wo viele Familien nicht mehr unter einem Dach leben, sehen wir eher selten andere Mamas und wie sie mit ihren Babys umgehen. Uns fehlt einfach die Erfahrung, Vorbilder und auch die Unterstützung des Mehrgenerationenhaushalts. 

Aber nun zurück zu mir. 

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Die Geburt

Die Geburt meines ersten Sohnes wollte ich nicht in einem Krankenhaus stattfinden lassen. Ich fühlte mich dort zu fremdbestimmt und nicht wohl, hatte ich schon viele negative Berichte dazu gehört und gelesen. Also suchte ich mir ein Geburtshaus, wo ich mich wohl fühlte und mir die Hebammen auch sympathisch waren. 

Am Tag der Geburt musste ich aber leider Gottes gewaltvolle und unangekündigte Interventionen erfahren, sodass ich erst einmal, ja ich würde sagen, traumatisiert war. Ich brauchte einige Wochen, um das Ganze zu verdauen. Warum ich euch das erzähle? Weil es nicht egal ist, wie wir gebären, ganz zu schweigen davon, wie wir selber geboren werden.

Ich wollte die erste Kuschelzeit eigentlich genießen, konnte es aber nicht wirklich, weil ich psychisch gar nicht anwesend war, und die Hormone trugen noch zusätzlich ihren Teil dazu bei. Erst nach 2-3 Wochen kam ich wieder zu mir und konnte mich besser auf mein frisch geborenes Baby einlassen. Ich hatte einiges aufzuholen und wünsche jeder Frau eine gewaltfreie und selbstbestimmte Geburt.

Frauen, die unter der Geburt Gewalt erleben, brauchen umso mehr die Unterstützung und das Verständnis des Partners. Die bekam ich auf jeden Fall auch. Es geht mir darum, dass man sich vorher im Klaren ist, wo man gebären möchte und was man auf keinen Fall möchte. Es ist wichtig, dass der Partner dann da ist, um die Frau aufzufangen und ihr den nötigen Halt zu geben, psychisch wie emotional. Denn das kann die Beziehung zueinander auf jeden Fall auf die Probe stellen, sollte der Mann nicht für die Frau da sein und sie sich alleine und verlassen mit ihren Gedanken und Verletzungen fühlen. 

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Mein Tipp an dich: 

Such dir eine Geburtsstätte aus, wo du ein gutes Gefühl hast. Wo du dich sicher und gut aufgehoben fühlst. Du kannst das leicht daran erkennen, wenn du dir ein Krankenhaus oder Geburtshaus genau anschaust. Wie geht das Personal miteinander um? Gibt es Stress und Hektik, sodass du annehmen musst, unter der Geburt nicht gut versorgt zu werden? Habe bei der Geburt deinen Partner oder eine andere vertraute Person dabei, die für dich das Wort – in der wohl sensibelsten Phase deines Lebens – erheben kann. Schreibe einen Geburtsplan, in dem steht, was du möchtest und was du auf keinen Fall möchtest. Sei selbstbestimmt, vertraue auf dich und auf deinen Körper. 



Der Umgang mit dem Kind

Die heutige Elternschaft, zumindest ein großer Teil von ihnen, möchte mit ihren Kindern anders umgehen, als sie es selbst einst erlebten. Sie nehmen Abstand vom Schreien lassen (lies mehr zum Thema schreien lassen in meinem Beitrag  „Was schreien lassen mit deinem Baby macht“), Strafen und anderer psychischer und physischer Gewalt. Sie leben bedürfnis-, bindungs- und beziehungsorientiert, weil sie spüren, dass dies der bessere Umgang mit dem Kind ist. Sie reflektieren sich selbst und schauen auf die Bedürfnisse hinter dem kindlichen Verhalten. So weit so gut. Was aber, wenn sich beide Partner nicht einig sind? Wenn der Eine einen anderen Umgang mit dem Kind pflegt als der Andere? Konflikte vorprogrammiert. 

Ich persönlich habe vor der Geburt meines ersten Sohnes damit begonnen, Bücher zum Thema Bindung und Beziehung zu lesen. Habe in Blogs rumgestöbert, um zu schauen, was Kinder eigentlich brauchen. All das habe ich damals an meinen Partner herangetragen, es fühlte sich stimmig für mich an, mein Baby nicht schreien zu lassen, es mit im Familienbett schlafen zu lassen, es zu stillen, zu tragen und auf seine Bedürfnisse einzugehen. 

Für meinen Partner fühlte es sich glücklicherweise auch stimmig an, sodass wir meist an einem Strang zogen. Trotzdem unterscheidet sich unser “Erziehungsstil”, weil Männer und Frauen da einfach auch anders ticken und das ist auch gut so. Der Papa soll ja nicht so sein, wie die Mama und andersherum auch nicht, das wäre viel zu langweilig, hat doch jeder seinen eigenen guten Part beizutragen. 

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Mein Tipp an dich:

Informier dich vorher und spreche mit deinem Partner darüber, wie genau ihr euer gemeinsames Kind aufziehen möchtet. Du kannst schauen, ob ihr da auch auf einer Wellenlänge liegt. Ihr könnt euch gegenseitig dabei unterstützen und euch reflektieren, wenn ihr merkt, es läuft nicht so, wie ihr es gerne hättet. 

Eure eigene Kindheit spielt da auch eine wesentliche Rolle, weil wir automatisch die Erziehungsmuster unserer Eltern übernehmen. Bei manchen muss die eigene Kindheit erst mit therapeutischer Hilfe aufgearbeitet werden, damit sie es schaffen, wirklich liebevoll und auf Augenhöhe mit dem Kind umzugehen. Ihr müsst nicht perfekt sein, das geht auch gar nicht! Aber schaut, dass es euch und dem Kind dabei gut geht. 

Alleine zuhause mit dem Neugeborenen

Ich hatte glücklicherweise das Privileg, dass ich nie alleine mit meinem ersten und auch nicht mit meinem zweiten Sohn war, denn mein Partner arbeitet von zu Hause aus. Natürlich gab es hier und da schon Geschäftsreisen, auf die er uns auch gelegentlich mitnahm, aber den Rest der Zeit war er immer da und vor allem in der Anfangszeit. Ich für meinen Teil war froh, nicht alleine zu sein und einen Partner zu haben, der schon ein Kind aus einer anderen Beziehung hatte und sich somit gut auskannte.

Für Frauen, bei denen der Mann aber von frühs bis abends arbeiten ist, kann es sehr herausfordernd sein. Sie fühlen sich vielleicht im Stich gelassen und gerade in der Anfangszeit mit dem ersten Kind auch überfordert und hilflos, vor allem dann, wenn sich Probleme, wie z. B. vieles Schreien oder Stillprobleme , von den mehrfach unterbrochenen Nächten und dem damit verbundenen Schlafmangel mal ganz zu schweigen. 

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Das seelische Wohlbefinden der frisch gebackenen Mamas ist von hoher Bedeutung, denn es entscheidet mitunter, wie gut die Bindung zwischen Mama und Kind und auch andersherum gelingen kann. Denn nur, wenn die Mama sich gut fühlt, kann sie feinfühlig genug auf die Bedürfnisse ihres Babys eingehen. Glücklicherweise gibt es dafür die Wochenbetthebammen, die helfen, da sind und immer ein offenes Ohr haben. Denen ihr eure Fragen stellen und eure Sorgen mitteilen könnt. 



Mein Tipp für dich:

Besorge dir frühzeitig eine Wochenbetthebamme, die dich in der ersten Zeit betreuen kann. Sie kann dir auch eine Verordnung für eine Haushaltshilfe/Familienpflege ausstellen.

Sprich dich mit deinem Partner ab: ob, wie lange und wann genau er seinen Vaterschaftsurlaub nimmt. Jede Frau ist anders, manche wuppen das auch alles alleine, aber ein wenig Unterstützung gerade in der Anfangszeit ist von Vorteil.

Wenn der Partner aus irgendwelchen Gründen nicht zuhause sein kann, wäre es gut, wenn du dir Hilfe und Unterstützung von Nachbarn, Freunden und der Familie holen kannst. Die dir etwas Warmes zu essen bringen, den Haushalt schmeißen und dir das Baby für einen kurzen Moment abnehmen, damit du unter die Dusche huschen kannst. Wenn du einen großen Gefrierschrank besitzt, kannst du auch vor der Geburt vorkochen und es einfrieren, damit genug zu essen Zuhause ist.

Und, trefft euch mit anderen Mamas, um euch auszutauschen, gegenseitig zu stärken und damit ihr euch tagsüber nicht so alleine fühlt. 

Konflikte 

Die Rückbildung der Hormone, das dünne Nervenkostüm und Übermüdung können zu Konflikten in der Partnerschaft führen.

Die erste Zeit mit dem Neugeborenen kann sehr herausfordernd sein und die Mama ist abends froh, wenn der Partner von der Arbeit nach Hause kommt, damit sie sich um sich selber kümmern kann. Ich denke, dass da viele Vorstellungen auseinandergehen, denn seien wir mal ehrlich, ist nicht nur die Mama vom Tag crocki und müde, sondern auch der Partner von seiner Arbeit.

Aus meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass genau dieses Thema ein gewaltiger Konfliktherd werden kann, wenn die Mama sich nicht wertgeschätzt fühlt, in dem, was sie tagtäglich leistet, und dem Partner geht es da meist nicht anders. 

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Einige Paare trennen sich in dieser herausfordernden Phase: 

“Dass solche Erfahrungen keine Seltenheit sind, spiegelt sich auch in statistischen Zahlen wider. Bei etwa der Hälfte aller Scheidungen haben die Paare laut Statistischem Bundesamt minderjährige Kinder. 40 Prozent dieser Trennungen finden bereits im ersten Jahr nach der Geburt des ersten Kindes statt.“ 

Ich denke, dass mit etwas Unterstützung, Absprachen und Verständnis Trennungen vermeidbar wären.

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Mein Tipp an dich:

Tauscht euch darüber aus, wie ihr die Abende oder allgemein die Tage, wenn der Partner von der Arbeit nach Hause kommt, gestalten wollt, um mühselige Konflikte zu vermeiden. Versteht euch als Team um gemeinsam aufkommende Konflikte zu lösen. 

Ihr könnt Vereinbarungen treffen, die auf die Bedürfnisse von euch beiden abgestimmt sind, sodass der Partner sich vom Tag erholen kann, genauso wie die Mama auch. Einigt euch darauf, wie ihr die Haushaltsaufteilung gestalten möchtet. Denn anfangs, wenn die Frau zuhause ist und den meisten Teil des Haushalts schmeißt, schleicht sich schnell Gewohnheit für den Partner ein. Sprecht darüber, was euch stört oder was ihr gerne anders hättet, der andere kann es nicht riechen oder Gedanken lesen. Jeder ist auch für sich selbst verantwortlich – Selbstfürsorge eben. Das musste ich auch erst lernen. 



Der Partner in seiner Rolle 

Er muss sich auch erst in seiner neuen Rolle als Papa finden und sich mit der wenigen Paarzeit arrangieren, wenn die Mama die meiste Zeit mit dem Stillen und der Pflege des Babys beschäftigt ist. 

Ich kann nur empfehlen, dass der frisch gebackene Papa auch einen Teil der Pflege übernimmt, damit sich eine gute Bindung zum Kind aufbauen kann. Auch wenn die Papas erst im 2. Lebensjahr eine immer wichtigere Rolle beim Kind spielen, sollte er mit dem Baby kuscheln, spielen und es in der Trage tragen. So ist es später auch wahrscheinlicher, dass der Papa das Ins-Bett-Bringen übernehmen kann.

Alles auf einen Blick :

  • Die Geburt ist ausschlaggebend für das emotionale und psychische Wohlbefinden der Mama 
  • Achte auf eine gute Geburtsstätte – schau dir alles gut an, schau, ob du dich wohl fühlst und erstelle einen Geburtsplan
  • Besprich mit deinem Partner, wie genau ihr euer Kind aufziehen möchtet 
  • Besorge dir so früh wie möglich eine Hebamme für das sensible Wochenbett und auch Unterstützung für die Anfangszeit durch Familie, Nachbarn, Bekannte oder auch durch eine Familienpflege
  • Sprich mit deinem Partner über Dinge, die dir nicht gefallen und schaut zusammen, wie ihr eure Bedürfnisse erfüllen könnt, denn niemand kann die Bedürfnisse und Wünsche des anderen erraten #SELBSTFÜRSORGE 
  • Beziehe den Papa in die Pflege und Umsorgung des Babys mit ein, damit sich eine stabile Bindung entwickelt kann 

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Ich wünsche euch eine tolle Schwangerschaft, eine atemberaubende, selbstbestimmte Geburt und eine kuschelige Kennenlernzeit als Familie

Sprecht über eure Erwartungen, tauscht euch mit anderen Familien aus und haltet euch immer im Hinterkopf, dass ihr nicht perfekt sein müsst. Lasst den Haushalt liegen, wenn ihr merkt, dass es euch an eure Grenzen bringt. Sorgt gut für euch und genießt die Zeit als Eltern, Paar und auch alleine als Mann und Frau.

Wie erging es euch in der ersten Zeit mit Kind? Konntet ihr aufkommende Konflikte gut klären? Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Krise überwinden – das erste Jahr mit Kind
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Quellen

Trennungsgrund Kind  – Wenn das Elternsein in die Krise führt

Vor dem ersten Einsatz


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